Hille

Suche nach vermisstem Oberlübber endet ergebnislos - mit Video

Stefanie Dullweber

Polizeihund Gustav hatte an der Wasseroberfläche vom Boot aus Leichengeruch wahrgenommen. - © Malina Reckordt
Polizeihund Gustav hatte an der Wasseroberfläche vom Boot aus Leichengeruch wahrgenommen. (© Malina Reckordt)

Hille (mt). Es ist kurz nach 12 Uhr am Donnerstag, als Gustav seinem Hundeführer Marc Damerau mit einem Bellen zu verstehen gibt, dass er Leichengeruch wahrgenommen hat. Der Hauptkommissar sitzt mit dem belgischen Schäferhund in einem Schlauchboot, das über den Bergsee in Oberlübbe gesteuert wird. Der Leichenspürhund hat seine Arbeit getan und bekommt zur Belohnung ein Spielzeug. Ob Gustav tatsächlich Gase an der Wasseroberfläche erschnüffelt hat, die von einem toten Menschen oder einem Tier ausgehen, müssen jetzt Taucher untersuchen. Wenige Stunden später steht fest: Eine Leiche wurde hier heute nicht gefunden.#

Der Fall des seit einer Woche vermissten Oberlübbers bleibt damit rätselhaft. Auch die erneute gezielte Suche im Oberlübber Bergsee ist erfolglos zu Ende gegangen. Die Polizei brach den Einsatz bei Einbruch der Dunkelheit gegen 17 Uhr ab, wie Polizei-Pressesprecher Ralf Steinmeyer gegenüber dem MT mitteilte. Ob und wie die Suchmaßnahmen fortgesetzt werden, darüber wollten sich die Ermittler noch am Abend abstimmen. Der Einsatz der Taucher, die in der Gemeinde Hille übernachteten, sei jedoch beendet, so Steinmeyer weiter.

Bei Temperaturen um vier Grad machen sich die Taucher bereit. - © Stefanie Dullweber
Bei Temperaturen um vier Grad machen sich die Taucher bereit. (© Stefanie Dullweber)

Bereits am vergangenen Samstag konzentrierte sich die Suche nach dem 74-Jährigen, der am Donnerstag von einem Spaziergang nicht zurückgekehrt war, auf den sogenannten „Blauen See" im Wiehengebirge. Dabei hatten die Ermittler einen auf dem Wasser treibenden Wanderstiefel und Rutschspuren an der Abbruchkante gefunden. Da der Stiefel dem Vermissten zugeordnet werden konnte, lag die Vermutung nahe, dass der Mann in den See gestürzt war. Weil die Tauchgruppe der Feuerwehr Petershagen nicht die nötige Ausrüstung besitzt, um das komplette Gewässer zu untersuchen, rückten am Donnerstagmorgen die Berufstaucher der Polizei Bochum an. Außerdem waren Leichenspürhunde und Diensthundeführer aus Schloß Holte-Stukenbrock vor Ort sowie zwölf Kräfte der Löschgruppe Hille. Die Freiwillige Feuerwehr stellte ihr Boot zur Verfügung und kümmerte sich darum, dass die Taucherausrüstung und weiteres Material zu dem abgelegenen und schwer zugänglichen See gebracht wurde.

Die Polizei sucht den Senior im Bergsee. - © Stefanie Dullweber
Die Polizei sucht den Senior im Bergsee. (© Stefanie Dullweber)

„Der Hund hat zweimal am nördlichen Ufer angeschlagen", sagte Hundeführer Stefan Meier im MT-Gespräch. Sie hätten den See zweimal abgefahren – von Osten nach Westen und umgekehrt. Der Spürhund schlug dabei an der Stelle im See an, die unterhalb einer 25 Meter hohen Abbruchkante liegt. An der Kante waren auch die Rutschspuren entdeckt worden. Der betroffene Bereich wurde anschließend von den Berufstauchern abgesucht. „Für uns ist es ein Vorteil, dass wir das Gewässer schon kennen", sagte Tauchgruppenleiter André Künnemeyer gegenüber dem MT. Seine Leute hätten in dem etwa 8.000 Quadratmeter großen See bereits 2015 nach dem vermissten Hüllhorster Karl Friedrich Meyer gesucht.

Mit einem Anhänger der Feuerwehr wurden die Suchhunde zum Einsatzort gebracht. MT- - © Foto: Malina Reckord
Mit einem Anhänger der Feuerwehr wurden die Suchhunde zum Einsatzort gebracht. MT- (© Foto: Malina Reckord)

Das Gewässer an sich stelle keine besondere Gefahr dar, so Künnemeyer. Allerdings hätten er und seine Leute Probleme wegen des schlechten Funkkontakts gehabt. Auch die Kälte machte den Tauchern zu schaffen, so dass sie sich nach etwa 45 Minuten im Wasser aufwärmen und die Sauerstoffflaschen auffüllen mussten. Während es an der oberen Wasserschicht erträglich gewesen sei, hätte das Wasser unter der sogenannten Sprungschicht nur noch eine Temperatur von etwa sechs Grad gehabt. Außerdem sei die Sicht dort unten auf eine Armlänge beschränkt. Während sich die Taucher bei ihrem ersten Einsatz unter Wasser frei bewegten, nahmen sie beim zweiten Tauchgang das Boot der Feuerwehr als feste Station zur Hilfe, um sich noch besser orientieren zu können. Doch die Suche blieb ohne Ergebnis – der Vermisste bleibt verschwunden.

Auch die Polizeitaucher sind inzwischen am Einsatzort angekommen. - © Malina Reckord

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

HilleSuche nach vermisstem Oberlübber endet ergebnislos - mit VideoStefanie DullweberHille (mt). Es ist kurz nach 12 Uhr am Donnerstag, als Gustav seinem Hundeführer Marc Damerau mit einem Bellen zu verstehen gibt, dass er Leichengeruch wahrgenommen hat. Der Hauptkommissar sitzt mit dem belgischen Schäferhund in einem Schlauchboot, das über den Bergsee in Oberlübbe gesteuert wird. Der Leichenspürhund hat seine Arbeit getan und bekommt zur Belohnung ein Spielzeug. Ob Gustav tatsächlich Gase an der Wasseroberfläche erschnüffelt hat, die von einem toten Menschen oder einem Tier ausgehen, müssen jetzt Taucher untersuchen. Wenige Stunden später steht fest: Eine Leiche wurde hier heute nicht gefunden.# Der Fall des seit einer Woche vermissten Oberlübbers bleibt damit rätselhaft. Auch die erneute gezielte Suche im Oberlübber Bergsee ist erfolglos zu Ende gegangen. Die Polizei brach den Einsatz bei Einbruch der Dunkelheit gegen 17 Uhr ab, wie Polizei-Pressesprecher Ralf Steinmeyer gegenüber dem MT mitteilte. Ob und wie die Suchmaßnahmen fortgesetzt werden, darüber wollten sich die Ermittler noch am Abend abstimmen. Der Einsatz der Taucher, die in der Gemeinde Hille übernachteten, sei jedoch beendet, so Steinmeyer weiter. Bereits am vergangenen Samstag konzentrierte sich die Suche nach dem 74-Jährigen, der am Donnerstag von einem Spaziergang nicht zurückgekehrt war, auf den sogenannten „Blauen See" im Wiehengebirge. Dabei hatten die Ermittler einen auf dem Wasser treibenden Wanderstiefel und Rutschspuren an der Abbruchkante gefunden. Da der Stiefel dem Vermissten zugeordnet werden konnte, lag die Vermutung nahe, dass der Mann in den See gestürzt war. Weil die Tauchgruppe der Feuerwehr Petershagen nicht die nötige Ausrüstung besitzt, um das komplette Gewässer zu untersuchen, rückten am Donnerstagmorgen die Berufstaucher der Polizei Bochum an. Außerdem waren Leichenspürhunde und Diensthundeführer aus Schloß Holte-Stukenbrock vor Ort sowie zwölf Kräfte der Löschgruppe Hille. Die Freiwillige Feuerwehr stellte ihr Boot zur Verfügung und kümmerte sich darum, dass die Taucherausrüstung und weiteres Material zu dem abgelegenen und schwer zugänglichen See gebracht wurde. „Der Hund hat zweimal am nördlichen Ufer angeschlagen", sagte Hundeführer Stefan Meier im MT-Gespräch. Sie hätten den See zweimal abgefahren – von Osten nach Westen und umgekehrt. Der Spürhund schlug dabei an der Stelle im See an, die unterhalb einer 25 Meter hohen Abbruchkante liegt. An der Kante waren auch die Rutschspuren entdeckt worden. Der betroffene Bereich wurde anschließend von den Berufstauchern abgesucht. „Für uns ist es ein Vorteil, dass wir das Gewässer schon kennen", sagte Tauchgruppenleiter André Künnemeyer gegenüber dem MT. Seine Leute hätten in dem etwa 8.000 Quadratmeter großen See bereits 2015 nach dem vermissten Hüllhorster Karl Friedrich Meyer gesucht. Das Gewässer an sich stelle keine besondere Gefahr dar, so Künnemeyer. Allerdings hätten er und seine Leute Probleme wegen des schlechten Funkkontakts gehabt. Auch die Kälte machte den Tauchern zu schaffen, so dass sie sich nach etwa 45 Minuten im Wasser aufwärmen und die Sauerstoffflaschen auffüllen mussten. Während es an der oberen Wasserschicht erträglich gewesen sei, hätte das Wasser unter der sogenannten Sprungschicht nur noch eine Temperatur von etwa sechs Grad gehabt. Außerdem sei die Sicht dort unten auf eine Armlänge beschränkt. Während sich die Taucher bei ihrem ersten Einsatz unter Wasser frei bewegten, nahmen sie beim zweiten Tauchgang das Boot der Feuerwehr als feste Station zur Hilfe, um sich noch besser orientieren zu können. Doch die Suche blieb ohne Ergebnis – der Vermisste bleibt verschwunden.