Düngen mit Bedacht: Sören Hersemann spricht über strittige Themen der Landwirtschaft

Robert Kauffeld

Sören Hersemann griff in seinem Vortrag die aktuellen Probleme der Landwirte auf. ? - © Foto: Robert Kauffeld
Sören Hersemann griff in seinem Vortrag die aktuellen Probleme der Landwirte auf. ? (© Foto: Robert Kauffeld)

Hille-Oberlübbe. Massentierhaltung, Gülledüngung, Nitratprobleme, Glyphosat, Insektensterben, Grundwasserverschmutzung, Klimawandel: Das sind Schlagworte, die heute ebenso in Verbindung mit der Landwirtschaft genannt werden, wie Berichte über die Proteste der Bauern, die mit der gegenwärtigen Situation und insbesondere auch mit den Entscheidungen der Politik nicht zufrieden sind.

Viele Menschen in Deutschland sorgen sich um die Umwelt und das Klima, insbesondere auch um ihre eigene Gesundheit. „Die heimische Landwirtschaft, Volksernährer, Landschaftspfleger oder Umweltverschmutzer?“, war das Thema eines Vortrages, den der Heimatverein „Zwischen Berg und Bruch“ Oberlübbe/Unterlübbe im Dorfgemeinschaftshaus am Sportplatz in Oberlübbe veranstaltete. Referent war Sören Hersemann, der als Agraringenieur die Situation von der wissenschaftlichen Seite beschreiben, aber auch umfangreiche praktische Erfahrungen aus dem elterlichen Betrieb in Unterlübbe einbringen konnte.

Mit mehr als einhundert Grafiken und Bildern konnte er in seinem Lichtbildvortrag umfangreiche Informationen bieten, wobei er auch die zahlreichen Besucher beteiligte, denn jedem stand ein „Voting-Tool“ zur Verfügung, mit dem er seine Stimme zu einzelnen Fragen abgeben konnte.

Beeindruckend schon die erste Grafik, die zeigte, dass die Menschen heute etwa 14 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben, während es 1950 noch 44 Prozent und 1850 gar 61 Prozent waren. Die Hausfrau wisse, was ein 200-g-Kotelett kostet, doch dass davon nur 21 Cent beim Bauern ankämen, hat manchen Zuhörer an diesem Abend überrascht.

Umfangreiche Ausführungen widmete Hersemann dem Thema Düngung, wobei er zunächst erklärte, dass durch Düngung nur die Nährstoffe ergänzt, die mit der Ernte abgefahren würden. „Die Einführung der mineralischen Stickstoff-Düngung rette jährlich 2,7 Milliarden Menschen – mehr, als viele andere bahnbrechende Entdeckungen“, gab er zu bedenken. „Düngung: So viel wie nötig, so wenig wie möglich“, sei die Devise, denn „viel hilft viel“ gelte hier nicht. Im Gegenteil: bei Überdüngung sei neben einer Kostensteigerung ein geringerer Ertrag zu verzeichnen.

Bilder zeigten eine moderne Technik, bei der die Gülle nicht wie früher im großen Bogen auf das Land gespritzt, sondern mit Düsen direkt ins Erdreich gebracht werde. So können sich kaum noch Geruch verbreiten.

Manchen Zuhörer wird es überrascht haben, dass die Landwirte nur nach einer genauen Bedarfsermittlung dem Boden Dünger zuführen dürfen. So sei mit modernster Technik zunächst der Stickstoffbedarf zu ermitteln, erklärte Hersemann. Verschärfte Regeln müssten ab diesem Jahr beachtet werden.

Bausteine des Pflanzenschutzes wurden von Sören Hersemann eingehend erläutert und Schäden dargestellt, die durch mangelnden Pflanzenschutz entstehen können, wie bei der „Kartoffelpest“, die im 19. Jahrhundert ganze Ernten vernichtete und vielen Menschen das Leben kostete. Strenge Anforderungen an Pflanzenschutzmittel würden die Gesundheit der Menschen schützen.

Insektensterben, Krankheiten der Pflanzen, tierische Schädlinge, Blühstreifen an den Straßenrändern, Tiertransporte, Ferkelkastration, Agrarsubventionen: über viele Themen berichtete Sören Hersemann. Der Referent zeigte ein Bild von „glücklichen Kühen“, die in freier Natur auf der Alm weiden. Daneben stellte er ein Bild von Kühen, die in einem Stall gehalten werden – allerdings unter modernen Gesichtspunkten mit „allem möglichen Komfort“. Den Besuchern fiel es nicht schwer zu entscheiden, dass ein Tierleben auf der Alm doch besser sein müsste.

Als dann auf einem weiteren Bild zu sehen war, wie diese Kühe nach dem herbstlichen Almabtrieb im sehr engen Stall mit einer Kette um den Hals wenig Bewegungsfreiheit haben, kam man zu der Erkenntnis, dass ein schnell gefälltes Urteil oftmals zum falschen Ergebnis führe. Sören Hersemann gab bei seinem Vortrag auf viele Fragen die Landwirtschaft betreffend Antworten und regte seine Zuhörer zum genauen Beobachten und einer kritischen Beurteilung an.

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Düngen mit Bedacht: Sören Hersemann spricht über strittige Themen der LandwirtschaftRobert KauffeldHille-Oberlübbe. Massentierhaltung, Gülledüngung, Nitratprobleme, Glyphosat, Insektensterben, Grundwasserverschmutzung, Klimawandel: Das sind Schlagworte, die heute ebenso in Verbindung mit der Landwirtschaft genannt werden, wie Berichte über die Proteste der Bauern, die mit der gegenwärtigen Situation und insbesondere auch mit den Entscheidungen der Politik nicht zufrieden sind. Viele Menschen in Deutschland sorgen sich um die Umwelt und das Klima, insbesondere auch um ihre eigene Gesundheit. „Die heimische Landwirtschaft, Volksernährer, Landschaftspfleger oder Umweltverschmutzer?“, war das Thema eines Vortrages, den der Heimatverein „Zwischen Berg und Bruch“ Oberlübbe/Unterlübbe im Dorfgemeinschaftshaus am Sportplatz in Oberlübbe veranstaltete. Referent war Sören Hersemann, der als Agraringenieur die Situation von der wissenschaftlichen Seite beschreiben, aber auch umfangreiche praktische Erfahrungen aus dem elterlichen Betrieb in Unterlübbe einbringen konnte. Mit mehr als einhundert Grafiken und Bildern konnte er in seinem Lichtbildvortrag umfangreiche Informationen bieten, wobei er auch die zahlreichen Besucher beteiligte, denn jedem stand ein „Voting-Tool“ zur Verfügung, mit dem er seine Stimme zu einzelnen Fragen abgeben konnte. Beeindruckend schon die erste Grafik, die zeigte, dass die Menschen heute etwa 14 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben, während es 1950 noch 44 Prozent und 1850 gar 61 Prozent waren. Die Hausfrau wisse, was ein 200-g-Kotelett kostet, doch dass davon nur 21 Cent beim Bauern ankämen, hat manchen Zuhörer an diesem Abend überrascht. Umfangreiche Ausführungen widmete Hersemann dem Thema Düngung, wobei er zunächst erklärte, dass durch Düngung nur die Nährstoffe ergänzt, die mit der Ernte abgefahren würden. „Die Einführung der mineralischen Stickstoff-Düngung rette jährlich 2,7 Milliarden Menschen – mehr, als viele andere bahnbrechende Entdeckungen“, gab er zu bedenken. „Düngung: So viel wie nötig, so wenig wie möglich“, sei die Devise, denn „viel hilft viel“ gelte hier nicht. Im Gegenteil: bei Überdüngung sei neben einer Kostensteigerung ein geringerer Ertrag zu verzeichnen. Bilder zeigten eine moderne Technik, bei der die Gülle nicht wie früher im großen Bogen auf das Land gespritzt, sondern mit Düsen direkt ins Erdreich gebracht werde. So können sich kaum noch Geruch verbreiten. Manchen Zuhörer wird es überrascht haben, dass die Landwirte nur nach einer genauen Bedarfsermittlung dem Boden Dünger zuführen dürfen. So sei mit modernster Technik zunächst der Stickstoffbedarf zu ermitteln, erklärte Hersemann. Verschärfte Regeln müssten ab diesem Jahr beachtet werden. Bausteine des Pflanzenschutzes wurden von Sören Hersemann eingehend erläutert und Schäden dargestellt, die durch mangelnden Pflanzenschutz entstehen können, wie bei der „Kartoffelpest“, die im 19. Jahrhundert ganze Ernten vernichtete und vielen Menschen das Leben kostete. Strenge Anforderungen an Pflanzenschutzmittel würden die Gesundheit der Menschen schützen. Insektensterben, Krankheiten der Pflanzen, tierische Schädlinge, Blühstreifen an den Straßenrändern, Tiertransporte, Ferkelkastration, Agrarsubventionen: über viele Themen berichtete Sören Hersemann. Der Referent zeigte ein Bild von „glücklichen Kühen“, die in freier Natur auf der Alm weiden. Daneben stellte er ein Bild von Kühen, die in einem Stall gehalten werden – allerdings unter modernen Gesichtspunkten mit „allem möglichen Komfort“. Den Besuchern fiel es nicht schwer zu entscheiden, dass ein Tierleben auf der Alm doch besser sein müsste. Als dann auf einem weiteren Bild zu sehen war, wie diese Kühe nach dem herbstlichen Almabtrieb im sehr engen Stall mit einer Kette um den Hals wenig Bewegungsfreiheit haben, kam man zu der Erkenntnis, dass ein schnell gefälltes Urteil oftmals zum falschen Ergebnis führe. Sören Hersemann gab bei seinem Vortrag auf viele Fragen die Landwirtschaft betreffend Antworten und regte seine Zuhörer zum genauen Beobachten und einer kritischen Beurteilung an.