Schlecht verbunden: Petra Schnittker aus Nordhemmern ärgert sich über unzuverlässige Busse Carsten Korfesmeyer Hille-Nordhemmern. Dienstagfrüh ist es wieder passiert. Tim Schnittker steht um 7.15 Uhr an der Bushaltestelle „Nordhemmern-Siedlung". Sein Bus ist schon weg, obwohl der Zwölfjährige pünktlich war. „Ich habe meinen Sohn dann mit dem Auto zur Schule gebracht", sagt Petra Schnittker. Probleme mit dem Bus hat gestern auch ihre Tochter Marie. Weil sich die Linie 612 verspätete, musste die Elfjährige zunächst warten und traf erst später im Ratsgymnasium ein. Die dreifache Mutter ist mächtig sauer auf die Busbetreiberin Transdev. „Diese Unzuverlässigkeit nervt nur noch", sagt sie. Jeden Morgen wisse sie nicht, ob ihre Kinder normal zur Schule kommen. Nachmittags sei es nicht besser, denn auch der Nachhauseweg gleiche einem Lotteriespiel. So ist es nach Worten von Petra Schnittker vor einiger Zeit passiert, dass der Bus an der Haltestelle der Käthe-Kollwitz-Realschule vorbeigefahren ist. Tim sah ihm nur noch hinterher und rief seine Mutter an, die den Busfahrer in Nordhemmern zur Rede stellte. „Er sagte mir, dass dort so viele gestanden hätten." Doch Marie, die in dem Bus saß, dementierte das. Ihr Bruder habe an der Haltestelle nur mit zwei anderen Kindern gestanden und der Bus wäre auch längst nicht voll besetzt gewesen. Gegen 16 Uhr und somit erst zweieinhalb Stunden später fährt der nächste Bus, erzählt Petra Schnittker. „Ich habe mich dann ins Auto gesetzt und meinen Sohn abgeholt." Zum Glück sei sie Zuhause gewesen – und nicht an ihrem Arbeitsplatz, der in Päpinghausen ist. Spontan reagieren könne sie deshalb nicht ständig und die junge Mutter sagt deutlich, dass sie diese tägliche Ungewissheit nicht dauerhaft hinnehmen will. Nur ihre Möglichkeiten seien gering und die NRW-Mobilitätsgarantie, die bei einer Verspätung von mehr als 20 Minuten den Ruf eines Taxi erlaubt, keine akzeptable Lösung. „Da werden pro Fahrt höchstens 25 Euro erstattet und bis hier raus nach Nordhemmern wird das bestimmt viel teurer", sagt sie. Außerdem könne sie das Geld nicht ständig vorstrecken. Petra Schnittker ist nicht der Typ, der sich schon über kleinere Verspätungen oder Pannen aufregt. Fehler passieren und dass Nordhemmern relativ weit außerhalb liegt, ist ihr bewusst. „Mobilität sieht für mich trotzdem anders aus", sagt sie und bezeichnet die momentane Situation als katastrophal. So sei es ihrer Ansicht nach völlig inakzeptabel, dass ihre beiden Kinder morgens zu unterschiedlichen Zeiten die Busse nach Minden nehmen müssen. „Leider fährt der spätere nur bis zur Kampa-Halle und der frühere nicht an der Realschule vorbei." Schlecht gelöst findet Petra Schnittker auch, dass der Bus nach Nordhemmern an den langen Schultagen erst gegen 16 Uhr fährt – obwohl die meisten Schulen spätestens um 15 Uhr Schluss haben. Dadurch kämen ihre Kinder erst gegen 16.30 Uhr nach Hause, was zu spät sei, um noch einem Hobby nachzugehen. „Oder sich im Winter mit Freunden zu verabreden." Beim Busbetreiber Transdev, der erst seit kurzer Zeit für die Linie 612 zuständig ist, heißt es am Servicetelefon, dass man selbstverständlich ständig an Verbesserungen arbeite. Weitere Auskünfte gibt es dort am Dienstag keine. Eine Win-Win-Win-Situation Kommentar von Carsten Korfesmeyer Leere oder fast leere Busfahrten rechnen sich nicht. Wirtschaftlich nachvollziehbar ist es deshalb, dass der öffentliche Personennahverkehr im ländlichen Raum weniger intensiv getaktet ist, als in der Stadt. Gut ist das nicht – und das Beispiel der Familie Schnittker zeigt glasklar, wo es hakt: Mangels Nachfrage fahren auf dem Land nur wenige Busse. Genug Kunden gäbe es zwar, doch die nehmen lieber das Auto, weil die Verbindungen unattraktiv sind. Es ist ein Teufelskreis. Den es zu brechen gilt. Und dafür hat es noch nie bessere Gelegenheiten gegeben. Denn der Klimawandel hat die Menschen und Unternehmen dafür sensibilisiert, dass es so wie bisher nicht weiter geht. Die Bereitschaft, für den Umweltschutz neue Wege zu gehen, ist zurzeit groß. Auf Busse und Bahnen statt aufs eigene Auto zu setzen, ist der Zeitgeist. Das Angebot jetzt deutlich auszubauen, könnte ein lukrativer Tipp an die Busbetreiber sein, der sich mittelfristig rechnet. Es wäre eine Win-Win-Win-Situation – für die Wirtschaft, die Mobilität und das Klima.

Schlecht verbunden: Petra Schnittker aus Nordhemmern ärgert sich über unzuverlässige Busse

Die Bushaltestelle „Nordhemmern-Siedlung“ der Linie 612 liegt nur etwa fünf Minuten vom Wohnhaus von Petra Schnittker entfernt. Die zentrale Lage nützt ihr bei der Busverbindung nichts. MT- © Foto: Carsten Korfesmeyer

Hille-Nordhemmern. Dienstagfrüh ist es wieder passiert. Tim Schnittker steht um 7.15 Uhr an der Bushaltestelle „Nordhemmern-Siedlung". Sein Bus ist schon weg, obwohl der Zwölfjährige pünktlich war. „Ich habe meinen Sohn dann mit dem Auto zur Schule gebracht", sagt Petra Schnittker. Probleme mit dem Bus hat gestern auch ihre Tochter Marie. Weil sich die Linie 612 verspätete, musste die Elfjährige zunächst warten und traf erst später im Ratsgymnasium ein.

Die dreifache Mutter ist mächtig sauer auf die Busbetreiberin Transdev. „Diese Unzuverlässigkeit nervt nur noch", sagt sie. Jeden Morgen wisse sie nicht, ob ihre Kinder normal zur Schule kommen. Nachmittags sei es nicht besser, denn auch der Nachhauseweg gleiche einem Lotteriespiel. So ist es nach Worten von Petra Schnittker vor einiger Zeit passiert, dass der Bus an der Haltestelle der Käthe-Kollwitz-Realschule vorbeigefahren ist. Tim sah ihm nur noch hinterher und rief seine Mutter an, die den Busfahrer in Nordhemmern zur Rede stellte. „Er sagte mir, dass dort so viele gestanden hätten." Doch Marie, die in dem Bus saß, dementierte das. Ihr Bruder habe an der Haltestelle nur mit zwei anderen Kindern gestanden und der Bus wäre auch längst nicht voll besetzt gewesen.

Gegen 16 Uhr und somit erst zweieinhalb Stunden später fährt der nächste Bus, erzählt Petra Schnittker. „Ich habe mich dann ins Auto gesetzt und meinen Sohn abgeholt." Zum Glück sei sie Zuhause gewesen – und nicht an ihrem Arbeitsplatz, der in Päpinghausen ist. Spontan reagieren könne sie deshalb nicht ständig und die junge Mutter sagt deutlich, dass sie diese tägliche Ungewissheit nicht dauerhaft hinnehmen will. Nur ihre Möglichkeiten seien gering und die NRW-Mobilitätsgarantie, die bei einer Verspätung von mehr als 20 Minuten den Ruf eines Taxi erlaubt, keine akzeptable Lösung. „Da werden pro Fahrt höchstens 25 Euro erstattet und bis hier raus nach Nordhemmern wird das bestimmt viel teurer", sagt sie. Außerdem könne sie das Geld nicht ständig vorstrecken.

Petra Schnittker ist nicht der Typ, der sich schon über kleinere Verspätungen oder Pannen aufregt. Fehler passieren und dass Nordhemmern relativ weit außerhalb liegt, ist ihr bewusst. „Mobilität sieht für mich trotzdem anders aus", sagt sie und bezeichnet die momentane Situation als katastrophal. So sei es ihrer Ansicht nach völlig inakzeptabel, dass ihre beiden Kinder morgens zu unterschiedlichen Zeiten die Busse nach Minden nehmen müssen. „Leider fährt der spätere nur bis zur Kampa-Halle und der frühere nicht an der Realschule vorbei."

Schlecht gelöst findet Petra Schnittker auch, dass der Bus nach Nordhemmern an den langen Schultagen erst gegen 16 Uhr fährt – obwohl die meisten Schulen spätestens um 15 Uhr Schluss haben. Dadurch kämen ihre Kinder erst gegen 16.30 Uhr nach Hause, was zu spät sei, um noch einem Hobby nachzugehen. „Oder sich im Winter mit Freunden zu verabreden."

Beim Busbetreiber Transdev, der erst seit kurzer Zeit für die Linie 612 zuständig ist, heißt es am Servicetelefon, dass man selbstverständlich ständig an Verbesserungen arbeite. Weitere Auskünfte gibt es dort am Dienstag keine.

Eine Win-Win-Win-Situation

Kommentar von Carsten Korfesmeyer

Leere oder fast leere Busfahrten rechnen sich nicht. Wirtschaftlich nachvollziehbar ist es deshalb, dass der öffentliche Personennahverkehr im ländlichen Raum weniger intensiv getaktet ist, als in der Stadt.

Gut ist das nicht – und das Beispiel der Familie Schnittker zeigt glasklar, wo es hakt: Mangels Nachfrage fahren auf dem Land nur wenige Busse. Genug Kunden gäbe es zwar, doch die nehmen lieber das Auto, weil die Verbindungen unattraktiv sind. Es ist ein Teufelskreis.

Den es zu brechen gilt. Und dafür hat es noch nie bessere Gelegenheiten gegeben. Denn der Klimawandel hat die Menschen und Unternehmen dafür sensibilisiert, dass es so wie bisher nicht weiter geht. Die Bereitschaft, für den Umweltschutz neue Wege zu gehen, ist zurzeit groß. Auf Busse und Bahnen statt aufs eigene Auto zu setzen, ist der Zeitgeist.

Das Angebot jetzt deutlich auszubauen, könnte ein lukrativer Tipp an die Busbetreiber sein, der sich mittelfristig rechnet. Es wäre eine Win-Win-Win-Situation – für die Wirtschaft, die Mobilität und das Klima.

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