Hille

Funkstille: Zwischen Michael Schweiß und der Hiller SPD kriselt es

Carsten Korfesmeyer

Bürgermeister Michael Schweiß würde bei einer Kandidatur „nur aus dem Amt“ antreten. MT-Foto: A. Lehn - © Lehn
Bürgermeister Michael Schweiß würde bei einer Kandidatur „nur aus dem Amt“ antreten. MT-Foto: A. Lehn (© Lehn)

Hille. Noch ist nicht entschieden, wer für die Hiller SPD als Bürgermeisterkandidat in den Kommunalwahlkampf zieht. „Wenn ich antrete, würde ich nur aus dem Amt heraus antreten", sagt Amtsinhaber und Parteimitglied Michael Schweiß am Freitagmittag gegenüber dem MT. Er habe die Hiller Sozialdemokraten gefragt, ob sie ihn unterstützen – schriftlich. „Ich warte immer noch auf die Antwort."

Bei der SPD bestehen hingegen Kontakte zu mehreren möglichen Bewerbern. Gemeindeverbandsvorsitzende Ulrike Grannemann bestätigt entsprechende MT-Informationen, nach denen jetzt eine Art Findungskommission auf die Suche nach einem Kandidaten oder Kandidatin gehen soll. „Wir sind in Gesprächen", sagt sie. Auf die Frage, ob auch mit Schweiß geredet werde, antwortet die Hiller SPD-Chefin diplomatisch. „Natürlich, denn er gehört ja zu uns." Grannemann sagt aber auch, dass sich der Bürgermeister noch nicht eindeutig positioniert habe. „Ein einfaches Ja oder Nein gibt es von ihm nicht."
Schweiß macht um seine mögliche Bewerbung für eine dritte Amtszeit seit Monaten ein Geheimnis. Den Zeitpunkt für eine Entscheidung hatte der 59-Jährige zuletzt bis Weihnachten terminiert. Bis dahin sollten finale Dinge geklärt sein. Jetzt, bald drei Wochen später, scheinen diese letzten Hürden offensichtlich noch immer nicht übersprungen. Und er zeigt sich von den aktuellen Plänen seiner Partei überrascht. „Von einer Findungskommission höre ich heute übrigens zum ersten Mal", sagt der Bürgermeister im MT-Gespräch.
59 Tage vor der Kommunalwahl endet die Frist, um als Bürgermeisterkandidat in den Ring zu steigen. Das wäre der 16. Juli. Selbstverständlich werde er es zeitlich nicht ausreizen, erklärt der Verwaltungschef, der sich bei einer Kandidatur „aus dem Amt heraus" nicht dem Votum der Gemeindeversammlung stellen müsste. Angst vor einem schlechten Abstimmungsergebnis hat Schweiß nach eigenen Worten aber nicht. Ihm gehe es ausdrücklich darum, damit die Überparteilichkeit des Bürgermeisteramts auszudrücken. Er will offen für alle sein und Parteibücher dürften bei den Entscheidungen keine Rolle spielen.. „Wie wichtig das ist, habe ich in meiner bisherigen Amtszeit immer wieder gemerkt."
Der Hiller Verwaltungschef ist der einzige Bürgermeister im Mühlenkreis, der sich noch nicht zur Kandidaturfrage positioniert hat. Die Frage, wann denn nun endlich eine Entscheidung von ihm getroffen ist, beantwortet Schweiß am Freitag mit „sehr, sehr bald". Und die Gemeindeverbandschefin lässt durchblicken, dass die Zeit drängt. „Wir haben zwar erst Anfang Januar, aber allmählich müssen wir schon in die Hufe kommen", sagt sie. Mehrfach erklärt sie, dass die laufenden Gespräche mit den möglichen männlichen und weiblichen Bewerbern vielversprechend sind und sie guter Dinge ist, dass „wir das zur Zufriedenheit aller bald hinbekommen". Noch sei allerdings alles in der Schwebe und die Tür zur Kandidatur stehe selbstverständlich auch für den Bürgermeister offen.

Hilles SPD-Chefin Ulrike Grannemann wartet auf eine Antwort des Bürgermeisters. MT-Foto: C. Hyna - © Hyna,Claudia
Hilles SPD-Chefin Ulrike Grannemann wartet auf eine Antwort des Bürgermeisters. MT-Foto: C. Hyna (© Hyna,Claudia)

Kommentar: Unentschlossene Genossen

Von Stefanie Dullweber

In der Hiller SPD brodelt es. Da erfährt der amtierende Bürgermeister erfährt von der Presse, dass seine Parteigenossen eine Findungskommission gebildet haben, um einen Kandidaten für das höchste Amt in der Gemeinde zu finden. Schweiß selber hat den Sozialdemokraten geschrieben, um zu erfahren, ob sie ihn im Fall seiner Kandidatur unterstützen würden. Was ist da los? Warum sprechen die Beteiligten nicht einfach miteinander?

Offenbar ist die SPD in zwei Lager gespalten. Da sind auf der einen Seite diejenigen, die Michael Schweiß als Bürgermeisterkandidaten unterstützen wollen. Und was macht der Rest der Fraktion? Die wollen offenbar am liebsten einen anderen Kandidaten aufstellen. Den gibt es aber nicht. Die Findungskommission wird in dieser Situation zum letzten Strohhalm.

Aber wen hofft die SPD zu finden? Wer kandidiert für eine Partei, die nicht weiß, was sie will? Eine solche Kommission hätte vielleicht vor einem Jahr Sinn gemacht. Jetzt läuft den unentschlossenen Genossen die Zeit davon. Die Art der Kandidatensuche gleicht einer Verzweiflungstat. Gewinner in dieser Situation ist die CDU. Die hat jetzt alle Zeit der Welt, ihren noch ziemlich unbekannten Kandidaten zu positionieren.

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HilleFunkstille: Zwischen Michael Schweiß und der Hiller SPD kriselt esCarsten KorfesmeyerHille. Noch ist nicht entschieden, wer für die Hiller SPD als Bürgermeisterkandidat in den Kommunalwahlkampf zieht. „Wenn ich antrete, würde ich nur aus dem Amt heraus antreten", sagt Amtsinhaber und Parteimitglied Michael Schweiß am Freitagmittag gegenüber dem MT. Er habe die Hiller Sozialdemokraten gefragt, ob sie ihn unterstützen – schriftlich. „Ich warte immer noch auf die Antwort." Bei der SPD bestehen hingegen Kontakte zu mehreren möglichen Bewerbern. Gemeindeverbandsvorsitzende Ulrike Grannemann bestätigt entsprechende MT-Informationen, nach denen jetzt eine Art Findungskommission auf die Suche nach einem Kandidaten oder Kandidatin gehen soll. „Wir sind in Gesprächen", sagt sie. Auf die Frage, ob auch mit Schweiß geredet werde, antwortet die Hiller SPD-Chefin diplomatisch. „Natürlich, denn er gehört ja zu uns." Grannemann sagt aber auch, dass sich der Bürgermeister noch nicht eindeutig positioniert habe. „Ein einfaches Ja oder Nein gibt es von ihm nicht."Schweiß macht um seine mögliche Bewerbung für eine dritte Amtszeit seit Monaten ein Geheimnis. Den Zeitpunkt für eine Entscheidung hatte der 59-Jährige zuletzt bis Weihnachten terminiert. Bis dahin sollten finale Dinge geklärt sein. Jetzt, bald drei Wochen später, scheinen diese letzten Hürden offensichtlich noch immer nicht übersprungen. Und er zeigt sich von den aktuellen Plänen seiner Partei überrascht. „Von einer Findungskommission höre ich heute übrigens zum ersten Mal", sagt der Bürgermeister im MT-Gespräch.59 Tage vor der Kommunalwahl endet die Frist, um als Bürgermeisterkandidat in den Ring zu steigen. Das wäre der 16. Juli. Selbstverständlich werde er es zeitlich nicht ausreizen, erklärt der Verwaltungschef, der sich bei einer Kandidatur „aus dem Amt heraus" nicht dem Votum der Gemeindeversammlung stellen müsste. Angst vor einem schlechten Abstimmungsergebnis hat Schweiß nach eigenen Worten aber nicht. Ihm gehe es ausdrücklich darum, damit die Überparteilichkeit des Bürgermeisteramts auszudrücken. Er will offen für alle sein und Parteibücher dürften bei den Entscheidungen keine Rolle spielen.. „Wie wichtig das ist, habe ich in meiner bisherigen Amtszeit immer wieder gemerkt."Der Hiller Verwaltungschef ist der einzige Bürgermeister im Mühlenkreis, der sich noch nicht zur Kandidaturfrage positioniert hat. Die Frage, wann denn nun endlich eine Entscheidung von ihm getroffen ist, beantwortet Schweiß am Freitag mit „sehr, sehr bald". Und die Gemeindeverbandschefin lässt durchblicken, dass die Zeit drängt. „Wir haben zwar erst Anfang Januar, aber allmählich müssen wir schon in die Hufe kommen", sagt sie. Mehrfach erklärt sie, dass die laufenden Gespräche mit den möglichen männlichen und weiblichen Bewerbern vielversprechend sind und sie guter Dinge ist, dass „wir das zur Zufriedenheit aller bald hinbekommen". Noch sei allerdings alles in der Schwebe und die Tür zur Kandidatur stehe selbstverständlich auch für den Bürgermeister offen. Kommentar: Unentschlossene Genossen Von Stefanie Dullweber In der Hiller SPD brodelt es. Da erfährt der amtierende Bürgermeister erfährt von der Presse, dass seine Parteigenossen eine Findungskommission gebildet haben, um einen Kandidaten für das höchste Amt in der Gemeinde zu finden. Schweiß selber hat den Sozialdemokraten geschrieben, um zu erfahren, ob sie ihn im Fall seiner Kandidatur unterstützen würden. Was ist da los? Warum sprechen die Beteiligten nicht einfach miteinander? Offenbar ist die SPD in zwei Lager gespalten. Da sind auf der einen Seite diejenigen, die Michael Schweiß als Bürgermeisterkandidaten unterstützen wollen. Und was macht der Rest der Fraktion? Die wollen offenbar am liebsten einen anderen Kandidaten aufstellen. Den gibt es aber nicht. Die Findungskommission wird in dieser Situation zum letzten Strohhalm. Aber wen hofft die SPD zu finden? Wer kandidiert für eine Partei, die nicht weiß, was sie will? Eine solche Kommission hätte vielleicht vor einem Jahr Sinn gemacht. Jetzt läuft den unentschlossenen Genossen die Zeit davon. Die Art der Kandidatensuche gleicht einer Verzweiflungstat. Gewinner in dieser Situation ist die CDU. Die hat jetzt alle Zeit der Welt, ihren noch ziemlich unbekannten Kandidaten zu positionieren.