Klischees auf der Bühne: Hiller Verbundschüler nehmen Rollenbilder in der Gesellschaft unter die Lupe Kerstin Rickert Hille (kr). Ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe zur Gleichheit in der Gesellschaft und der Freiheit sich unterzuordnen steht am Anfang. Die 39 Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses der Q2 wirken auf der Bühne der Verbundschule wie eine gleichförmige Masse. Alle sind gekleidet in schwarzen Hosen und weißen T-Shirts. Ihre Mimik: ausdruckslos. Ihre monotonen Bewegungen zu Trommelklängen folgen einem Muster. Dieses Bild, das sich im Laufe des Abends immer mehr verändert, zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Aufführung mit dem Titel „Keep on roleing –und welche Rolle spielst du?“ Ein Jahr hat sich der Kurs mit den unterschiedlichsten Rollenbildern in der Gesellschaft beschäftigt. Auf der Bühne zeichnen die Schüler ein facettenreiches Bild ihres eigenen, kritischen Selbstverständnisses. Sie haben hinterfragt, wie sich Rollenbilder mit der Zeit verändert haben und welche Erwartungen etwa damit verbunden sind – eine Frau oder ein Kerl zu sein, Tochter, Sohn, Mutter, Ehefrau oder Chef. Wie sehr beeinflusst das Bild, das andere von einem haben, das Selbstbildnis und das eigene Verhalten? Warum wird jemand ausgegrenzt, nur weil er anders ist? Und wie schwer ist es, einfach man selbst zu sein? Entwickelt haben sie ein Programm, das sich mit Vorurteilen und Schubladendenken beschäftigt und die verschiedenen Rollen des Einzelnen in der Gesellschaft mal humorvoll, mal kritisch in den Blick nimmt. Dabei machen sie auch deutlich, dass das Bild, das andere von einem haben, durchaus recht unterschiedlich ausfallen kann. Menschen nicht nach ihrem Beruf, ihrem Geschlecht oder ihrem Aussehen zu beurteilen, sie nicht in ein vorgefertigtes Raster zu quetschen, sondern jeden Einzelnen als Individuum mit Eigenschaften zu sehen, die ihn als Ganzes ausmachen: das ist eine der zentralen Botschaften in dem dreieinhalbstündigem Programm. Insgesamt 32 Beiträge haben die Schüler dafür zusammengestellt und bis auf einen auch alle selbst geschrieben und mit viel Herzblut umgesetzt. Die Punkerin, die allein aufgrund ihres Aussehens zum Sündenbock wird, kommt darin ebenso vor wie die Drag-Queen, die von ihrem männlichen Umfeld als Schwuchtel abgelehnt und verspottet wird. Eine großartige Szene übrigens, für die ein Schüler sich in ein enges, rotes Glitzer-Outfit, Stöckelschuhe, lange goldene Handschuhe und blonde Langhaar-Perücke schmeißt und dem jubelnden Publikum eine heiße Tanz-Choreografie serviert. Es gibt kaum ein Thema, das die Schüler nicht anpacken. Erstaunlich ist vor allem, wie sehr sie als Enkelgeneration der Emanzipationsbewegung ganz offensichtlich das Thema Gleichstellung der Frau bewegt. Nicht nur mit Werbe-Einspielungen aus den 1950er Jahren, sondern auch durch weitaus jüngere Werbespots, die sie mit vertauschten Rollen nachgedreht haben, vermitteln die Schüler das Bild einer Gesellschaft, in der das tradierte Rollenverständnis längst noch nicht ausgedient hat. Ob Schauspiel, Tanz oder Musik: Die Mittel, die sie auf der Bühne zum Einsatz bringen, sind vielfältig. Manches regt zum Nachdenken an, anderes wird so herrlich überspitzt präsentiert, dass sich das Publikum vor Lachen kaum halten kann. Zum Ende hin gerät der Text einer Schülerin zu einem besonders emotionalen Moment. „Sei du selbst“, fordert sie. Und: „Tanz bitte endlich mal mit deinen Fehlern aus der Reihe.“ Die stereotype Eingangsszene hat sich in ein buntes Bild verwandelt, das diese Worte unterstreicht.

Klischees auf der Bühne: Hiller Verbundschüler nehmen Rollenbilder in der Gesellschaft unter die Lupe

Hille (kr). Ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe zur Gleichheit in der Gesellschaft und der Freiheit sich unterzuordnen steht am Anfang. Die 39 Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses der Q2 wirken auf der Bühne der Verbundschule wie eine gleichförmige Masse. Alle sind gekleidet in schwarzen Hosen und weißen T-Shirts. Ihre Mimik: ausdruckslos. Ihre monotonen Bewegungen zu Trommelklängen folgen einem Muster. Dieses Bild, das sich im Laufe des Abends immer mehr verändert, zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Aufführung mit dem Titel „Keep on roleing –und welche Rolle spielst du?“

Einer der vielen Höhepunkte ist der Auftritt der Drag-Queen. - © Kerstin Rickert
Einer der vielen Höhepunkte ist der Auftritt der Drag-Queen. - © Kerstin Rickert

Ein Jahr hat sich der Kurs mit den unterschiedlichsten Rollenbildern in der Gesellschaft beschäftigt. Auf der Bühne zeichnen die Schüler ein facettenreiches Bild ihres eigenen, kritischen Selbstverständnisses. Sie haben hinterfragt, wie sich Rollenbilder mit der Zeit verändert haben und welche Erwartungen etwa damit verbunden sind – eine Frau oder ein Kerl zu sein, Tochter, Sohn, Mutter, Ehefrau oder Chef. Wie sehr beeinflusst das Bild, das andere von einem haben, das Selbstbildnis und das eigene Verhalten? Warum wird jemand ausgegrenzt, nur weil er anders ist? Und wie schwer ist es, einfach man selbst zu sein?

Die Emanzipation der Frau und ihre Position in der Gesellschaft ist ein wesentliches Thema der Aufführung. Fotos: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert
Die Emanzipation der Frau und ihre Position in der Gesellschaft ist ein wesentliches Thema der Aufführung. Fotos: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert

Entwickelt haben sie ein Programm, das sich mit Vorurteilen und Schubladendenken beschäftigt und die verschiedenen Rollen des Einzelnen in der Gesellschaft mal humorvoll, mal kritisch in den Blick nimmt. Dabei machen sie auch deutlich, dass das Bild, das andere von einem haben, durchaus recht unterschiedlich ausfallen kann. Menschen nicht nach ihrem Beruf, ihrem Geschlecht oder ihrem Aussehen zu beurteilen, sie nicht in ein vorgefertigtes Raster zu quetschen, sondern jeden Einzelnen als Individuum mit Eigenschaften zu sehen, die ihn als Ganzes ausmachen: das ist eine der zentralen Botschaften in dem dreieinhalbstündigem Programm.

In der Eingangsszene sind die Darsteller in schwarzweiß gekleidet und ihre Mimik ist ausdruckslos. Dieses Bild ändert sich im Laufe des Abends. - © Kerstin Rickert
In der Eingangsszene sind die Darsteller in schwarzweiß gekleidet und ihre Mimik ist ausdruckslos. Dieses Bild ändert sich im Laufe des Abends. - © Kerstin Rickert

Insgesamt 32 Beiträge haben die Schüler dafür zusammengestellt und bis auf einen auch alle selbst geschrieben und mit viel Herzblut umgesetzt. Die Punkerin, die allein aufgrund ihres Aussehens zum Sündenbock wird, kommt darin ebenso vor wie die Drag-Queen, die von ihrem männlichen Umfeld als Schwuchtel abgelehnt und verspottet wird. Eine großartige Szene übrigens, für die ein Schüler sich in ein enges, rotes Glitzer-Outfit, Stöckelschuhe, lange goldene Handschuhe und blonde Langhaar-Perücke schmeißt und dem jubelnden Publikum eine heiße Tanz-Choreografie serviert.

Es gibt kaum ein Thema, das die Schüler nicht anpacken. Erstaunlich ist vor allem, wie sehr sie als Enkelgeneration der Emanzipationsbewegung ganz offensichtlich das Thema Gleichstellung der Frau bewegt. Nicht nur mit Werbe-Einspielungen aus den 1950er Jahren, sondern auch durch weitaus jüngere Werbespots, die sie mit vertauschten Rollen nachgedreht haben, vermitteln die Schüler das Bild einer Gesellschaft, in der das tradierte Rollenverständnis längst noch nicht ausgedient hat.

Ob Schauspiel, Tanz oder Musik: Die Mittel, die sie auf der Bühne zum Einsatz bringen, sind vielfältig. Manches regt zum Nachdenken an, anderes wird so herrlich überspitzt präsentiert, dass sich das Publikum vor Lachen kaum halten kann. Zum Ende hin gerät der Text einer Schülerin zu einem besonders emotionalen Moment. „Sei du selbst“, fordert sie. Und: „Tanz bitte endlich mal mit deinen Fehlern aus der Reihe.“ Die stereotype Eingangsszene hat sich in ein buntes Bild verwandelt, das diese Worte unterstreicht.

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