Eickhorst

Ein Tracking-Sender entdeckte ein gestohlenes Fahrrad in einem Haus in Eickhorst - doch da war es nicht

Stefan Koch

Die Fahrräder am Besselgymnasium sind für Diebe offenbar ein gefundenes Fressen. Mit einem Tracking-Sender wollte ein Vater aus Rothenuffeln ihnen das Handwerk legen. Das ging schief. MT- - © Foto: Alex Lehn
Die Fahrräder am Besselgymnasium sind für Diebe offenbar ein gefundenes Fressen. Mit einem Tracking-Sender wollte ein Vater aus Rothenuffeln ihnen das Handwerk legen. Das ging schief. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Hille-Eickhorst (mt). Ein in der Karte einer Tracking-App markiertes Haus auf dem Smartphone-Display bleibt wohl das letzte Lebenszeichen, das ein Rothenuffelner von dem gestohlenen Rad seiner Tochter erhält. Im Glauben, den Täter fast schon überführt zu haben, schaltete er in der vergangenen Woche die Polizei ein. Doch da musste er erfahren, dass der Umgang mit der Technik weitaus komplizierter ist, als die Hersteller derartiger Hilfsmittel gern versprechen.

Tracking ist die Nachverfolgung der Bewegung eines Objekts durch dessen regelmäßige Ortung. Dazu gibt es unterschiedliche Systeme wie die Satellitennavigation. Für die Positionsermittlung ist ein Sender erforderlich. Mittlerweile bietet der Handel etliche kleinere Geräte mit zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten von der Bewegungsermittlung von Haustieren oder Fahrzeugen bis hin zum Diebstahlschutz bei Fahrrädern an. Nicht mehr als 50 Euro hatte auch der Rothenuffelner für den Tracking-Sender aus dem Online-Handel bezahlt. Den wollte er haben, weil Unbekannte seiner Tochter schon einmal das Rad am Besselgymnasium gestohlen hatten.

Als am vergangenen Freitag wieder einmal die Fahrradständer Ziel von Dieben wurden, sollte dem Tracker die große Stunde schlagen. Unauffällig an den Rad der 15-Jährigen platziert, ging der Sender auf Reise als am Vormittag vier Räder unbemerkt verschwanden. Nachdem die Jugendliche gegen 13.15 Uhr den Diebstahl festgestellt hatte, informierte sie ihren Vater. Der musste sie nun mit dem Auto abholen und informierte die Schulleitung. Und: „ich konnte auf dem Display des Handys erkennen, wo sich das Fahrrad befand“, erklärt der Rothenuffelner. Über die App des Herstellers ließ sich nämlich eine Karte aufrufen, die als Standort ein Gebäude in Eickhorst auswies. „Ich habe sofort die Polizei angerufen“, sagt der Vater, der vorsichtshalber nicht selbst an der Tür der mutmaßlichen Fahrraddiebe klingeln wollte.

Wie er allerdings feststellen musste, waren die Beamten nicht bereits, sofort zu der in der Tracker-App angegebenen Adresse auszurücken, um dort nach gestohlenen Fahrrädern zu suchen. Vielmehr bat ihn der ermittelnde Beamte um die Zusendung der technischen Unterlagen zu dem Tracker und sagte, dass weitere Hausdurchsuchungen nur per richterlicher Entscheidung möglich seien.

Wie Ralf Steinmeyer, Pressesprecher der Polizei in Kreis Minden-Lübbecke, erklärt, hätten seine Kollegen bei dem Diebstahl des Rades mit einem Wert von 700 Euro die Verhältnismäßigkeit beachten müssen. In diesem Fall habe es für den Eingriff in das Grundrecht der Unversehrtheit der Wohnung eines Gerichtsbeschlusses bedurft. Nachdem der Richter noch am Freitag einer Hausdurchsuchung zugestimmt, aber eine vorherige niederschwellige Klärung der Angelegenheit empfohlen habe, seien am gleichen Tag Zivilfahnder an dem mutmaßlichen Standort des Rades erschienen, hätten aber niemanden an der Adresse angetroffen. Einen Tag später seien erneut Beamte nach Eickhorst ausgerückt – diesmal öffneten die Bewohner und ließen bereitwillig die Polizei zur Suche nach dem gestohlenen Objekt herein. „Dabei konnten wir kein Diebesgut finden“, so Steinmeyer. „Damit war diese Spur dann tot.“

Wie der Pressesprecher der Polizei erklärt, gebe es auch weiterhin keinen Hinweis auf das gestohlenen Rad. Er merkt an, dass nach Einschätzung der Polizei das verwendete Tracking-Gerät ohnehin keine genauen Daten geliefert habe.

Steinmeyer: „Wir wissen aus Erfahrungen, dass diese Art der Technik nicht immer auf den Meter genaue Daten liefert.“ Zudem sei auch nicht gesagt, dass sich dort, wo ein Tracking-Sender befinde, auch tatsächlich der Ort des gestohlenen Objektes sein müsse. Es könne nämlich sein, dass das Gerät zuvor entfernt worden sei. „Dann haben wir es mit einer Trugspur zu tun.“

In diesem Zusammenhang weist der Pressesprecher auf die langjährige Codierungsaktion „Kein Fahrrad ohne Nummernschild“ der Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke hin. Dabei können Interessierte an der Wache an der Marienstraße in Minden kostenfrei ihre Räder in der Zeit zwischen 10 und 16 Uhr registrieren lassen, wenn sie einen Personalausweis und eine Rechnung als Beleg mitbringen, dass ihnen das Rad auch gehört. Nachdem die Polizei das Vehikel registriert hat, erhält es ein Kennzeichen, das am Rahmen angebracht wird. Steinmeyer: „Nach unseren Erfahrungen lassen Diebe derart gekennzeichnete Räder eher stehen.“

Derweil gibt der verschollene Tracking-Sender auf der Smartphone-App des Rothenuffelners immer noch den Standort in Eickhorst an. Und das wird er so lange tun, bis der Akku leer ist. Laut Hersteller, soll dafür die Kapazität bis zu vier Wochen ausreichen.

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EickhorstEin Tracking-Sender entdeckte ein gestohlenes Fahrrad in einem Haus in Eickhorst - doch da war es nichtStefan KochHille-Eickhorst (mt). Ein in der Karte einer Tracking-App markiertes Haus auf dem Smartphone-Display bleibt wohl das letzte Lebenszeichen, das ein Rothenuffelner von dem gestohlenen Rad seiner Tochter erhält. Im Glauben, den Täter fast schon überführt zu haben, schaltete er in der vergangenen Woche die Polizei ein. Doch da musste er erfahren, dass der Umgang mit der Technik weitaus komplizierter ist, als die Hersteller derartiger Hilfsmittel gern versprechen. Tracking ist die Nachverfolgung der Bewegung eines Objekts durch dessen regelmäßige Ortung. Dazu gibt es unterschiedliche Systeme wie die Satellitennavigation. Für die Positionsermittlung ist ein Sender erforderlich. Mittlerweile bietet der Handel etliche kleinere Geräte mit zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten von der Bewegungsermittlung von Haustieren oder Fahrzeugen bis hin zum Diebstahlschutz bei Fahrrädern an. Nicht mehr als 50 Euro hatte auch der Rothenuffelner für den Tracking-Sender aus dem Online-Handel bezahlt. Den wollte er haben, weil Unbekannte seiner Tochter schon einmal das Rad am Besselgymnasium gestohlen hatten. Als am vergangenen Freitag wieder einmal die Fahrradständer Ziel von Dieben wurden, sollte dem Tracker die große Stunde schlagen. Unauffällig an den Rad der 15-Jährigen platziert, ging der Sender auf Reise als am Vormittag vier Räder unbemerkt verschwanden. Nachdem die Jugendliche gegen 13.15 Uhr den Diebstahl festgestellt hatte, informierte sie ihren Vater. Der musste sie nun mit dem Auto abholen und informierte die Schulleitung. Und: „ich konnte auf dem Display des Handys erkennen, wo sich das Fahrrad befand“, erklärt der Rothenuffelner. Über die App des Herstellers ließ sich nämlich eine Karte aufrufen, die als Standort ein Gebäude in Eickhorst auswies. „Ich habe sofort die Polizei angerufen“, sagt der Vater, der vorsichtshalber nicht selbst an der Tür der mutmaßlichen Fahrraddiebe klingeln wollte. Wie er allerdings feststellen musste, waren die Beamten nicht bereits, sofort zu der in der Tracker-App angegebenen Adresse auszurücken, um dort nach gestohlenen Fahrrädern zu suchen. Vielmehr bat ihn der ermittelnde Beamte um die Zusendung der technischen Unterlagen zu dem Tracker und sagte, dass weitere Hausdurchsuchungen nur per richterlicher Entscheidung möglich seien. Wie Ralf Steinmeyer, Pressesprecher der Polizei in Kreis Minden-Lübbecke, erklärt, hätten seine Kollegen bei dem Diebstahl des Rades mit einem Wert von 700 Euro die Verhältnismäßigkeit beachten müssen. In diesem Fall habe es für den Eingriff in das Grundrecht der Unversehrtheit der Wohnung eines Gerichtsbeschlusses bedurft. Nachdem der Richter noch am Freitag einer Hausdurchsuchung zugestimmt, aber eine vorherige niederschwellige Klärung der Angelegenheit empfohlen habe, seien am gleichen Tag Zivilfahnder an dem mutmaßlichen Standort des Rades erschienen, hätten aber niemanden an der Adresse angetroffen. Einen Tag später seien erneut Beamte nach Eickhorst ausgerückt – diesmal öffneten die Bewohner und ließen bereitwillig die Polizei zur Suche nach dem gestohlenen Objekt herein. „Dabei konnten wir kein Diebesgut finden“, so Steinmeyer. „Damit war diese Spur dann tot.“ Wie der Pressesprecher der Polizei erklärt, gebe es auch weiterhin keinen Hinweis auf das gestohlenen Rad. Er merkt an, dass nach Einschätzung der Polizei das verwendete Tracking-Gerät ohnehin keine genauen Daten geliefert habe. Steinmeyer: „Wir wissen aus Erfahrungen, dass diese Art der Technik nicht immer auf den Meter genaue Daten liefert.“ Zudem sei auch nicht gesagt, dass sich dort, wo ein Tracking-Sender befinde, auch tatsächlich der Ort des gestohlenen Objektes sein müsse. Es könne nämlich sein, dass das Gerät zuvor entfernt worden sei. „Dann haben wir es mit einer Trugspur zu tun.“ In diesem Zusammenhang weist der Pressesprecher auf die langjährige Codierungsaktion „Kein Fahrrad ohne Nummernschild“ der Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke hin. Dabei können Interessierte an der Wache an der Marienstraße in Minden kostenfrei ihre Räder in der Zeit zwischen 10 und 16 Uhr registrieren lassen, wenn sie einen Personalausweis und eine Rechnung als Beleg mitbringen, dass ihnen das Rad auch gehört. Nachdem die Polizei das Vehikel registriert hat, erhält es ein Kennzeichen, das am Rahmen angebracht wird. Steinmeyer: „Nach unseren Erfahrungen lassen Diebe derart gekennzeichnete Räder eher stehen.“ Derweil gibt der verschollene Tracking-Sender auf der Smartphone-App des Rothenuffelners immer noch den Standort in Eickhorst an. Und das wird er so lange tun, bis der Akku leer ist. Laut Hersteller, soll dafür die Kapazität bis zu vier Wochen ausreichen.