Hille

„Hier wird oft gerast“: Zwei Anträge beschäftigen Hiller Bauausschuss

Carsten Korfesmeyer

Ein Teilstück der Straße „In der Riehe“ führt in das Gewerbegebiet „Hartum-Spitzenend“. Anwohner fordern „verkehrsberuhigende Maßnahmen“. Ob es dazu kommt, entscheidet der Bauausschuss. MT- - © Foto: Carsten Korfesmeyer
Ein Teilstück der Straße „In der Riehe“ führt in das Gewerbegebiet „Hartum-Spitzenend“. Anwohner fordern „verkehrsberuhigende Maßnahmen“. Ob es dazu kommt, entscheidet der Bauausschuss. MT- (© Foto: Carsten Korfesmeyer)

Hille (mt). Beschlussvorschläge zur Verkehrsberuhigung stehen in der Sitzungsvorlage nicht. Weder zur Straße „In der Riehe" in Südhemmern noch zum „Glockenweg" und der „Holzhauser Dorfstraße" in Holzhausen gibt die Verwaltung eine Empfehlung an den Bauausschuss ab. Sowas ist selten und führt dazu, dass die Ideen erst in der Sitzung am Donnerstagabend auf den Tisch kommen. Entschieden wird ab 18 Uhr im Hartumer Ratssaal zunächst, ob überhaupt Handlungsbedarf besteht. Und falls ja, geht es im nächsten Schritt darum, was passieren soll.

Auf Seiten der Antragsteller ist die Sache klar. „Hier wird oft gerast", sagt Dorothea Lange, die mit ihrem Ehemann Friedrich in der Riehe wohnt. Der Südhemmeraner hatte schon im Mai 2018 gefordert, dass etwas für die Verkehrsberuhigung im Zufahrtsbereich zum Gewerbegebiet „Hartum-Spitzenend" geschehen soll. Zulieferer mit ihren Lastwagen sorgen nach Worten von Dorothea Lange für ein hohes Unfallrisiko. „Besonders während des Berufsverkehrs ist hier einiges los", sagt sie am Montag gegenüber dem MT. Weil im Streckenbereich nahezu in jedem Haus kleine Kinder leben, herrsche bei den Anwohnern große Unsicherheit. „Wir könnten uns hier Berliner Kissen gut vorstellen", sagt sie. Dabei handelt es sich um eine Fahrbahnerhöhung auf einer Länge von rund fünf Metern, die das Tempo drosseln lässt.

Angst vor Unfällen haben auch Anwohner des Glockenwegs und der Holzhauser Dorfstraße, die sich mit ihrem Antrag im April an die Verwaltung wandten (das MT berichtete). Sie fordern eine Verkehrsberuhigung im Ortskern und bringen unter anderem die Idee einer Spielstraße. „Ich kann nachvollziehen, dass sich Menschen über zu viel Verkehr vor ihrer Haustür beschweren", sagt Bauausschuss-Vorsitzender Hermann Böhne (SPD) am Montag auf MT-Anfrage. In beiden Fällen habe er sich noch keine Meinung bilden können. Der Kommunalpolitiker spricht von einem heiklen Thema, weil der Verkehr auch fließen müsse. „Und man gleichzeitig die Interessen der Anwohner im Blick haben muss."

SPD-Fraktionschef Burkhart Günther will das Thema am Mittwoch in der Fraktion beraten. „Wir prüfen das", sagt er. Allerdings herrsche bei Anwohnern häufig das Gefühl, dass ausgerechnet vor der eigenen Haustür gerast werde. Das sei eine rein subjektive Wahrnehmung. „Wir müssen jetzt herausfinden, ob eine konkrete Gefährdung besteht." Ähnlich äußert sich auch CDU-Fraktionsvorsitzender Herbert Heuer. Nicht überall sei es gefährlich, nur weil die Anlieger das so empfinden. Darüber hinaus hätten Messungen ergeben, dass sich die Geschwindigkeiten in den Bereichen im Toleranzbereich bewegen.

Für Ludwig Volkmann (FDP) ist die Höhe des Verkehrsaufkommens mitentscheidend. Und Marlies Schulder (Bündnisgrüne) begrüßt grundsätzlich jede Anregung aus der Bevölkerung, die allerdings in jedem einzelnen Fall genau zu prüfen sei. „Wir müssen das jetzt in der Fraktion beraten und treffen auf jeden Fall eine Entscheidung."

FWG-Fraktionschef Kurt Riechmann ist grundsätzlich für verkehrsberuhigende Maßnahmen. „Wenn sie denn sinnvoll sind", sagt er. Der Kreis und die Polizei müssten jedoch unbedingt auch ihre Stellungnahmen abgeben.

Wie bei "Schwarzer Peter"

Ein Kommentar von Carsten Korfesmeyer

Nichts vorzuschlagen, ist auch eine Aussage. Sie steht für Unentschlossenheit, womöglich auch für das Fehlen einer Meinung. Egal. Mit ihrem Schweigen zu den beiden Anträgen auf verkehrsberuhigende Maßnahmen schiebt die Verwaltung den „Schwarzen Peter" in Richtung Politik.

Die muss sich jetzt positionieren und das ist eine heikle Sache. Deshalb, weil Raserei ein hoch emotionales Thema ist. Denn reflexartig kommt immer der Ruf nach Berliner Kissen, Blumenkübeln oder Blitzern, wenn in der Bevölkerung der Eindruck entstanden ist, dass irgendwo zu schnell gefahren wird. Nur meist sind es Anwohner, die das Gefühl haben.

Das ist das Problem. (Fast) Jeder meint, dass vor der eigenen Haustür gerast wird. Und das, was viele Menschen für zu schnelles Fahren halten, ist in Wirklichkeit überhaupt keine Raserei. Es ist eine subjektive Wahrnehmung, die nur objektive Dritte überprüfen können. Das sind in diesen beiden Fällen die Verwaltung, der Kreis die Polizei und die Politik.

Straßen gibt es, um darauf zu fahren. Und der Verkehr muss fließen, darf aber nicht zum Risiko werden. Ein oft schmaler Grat, auf dem die Entscheidungsträger wandern. Aber die gibt es, damit sie entscheiden. Dass sich die Verwaltung in beiden Fällen heraushält, kommt nicht gut.

Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Hille„Hier wird oft gerast“: Zwei Anträge beschäftigen Hiller BauausschussCarsten KorfesmeyerHille (mt). Beschlussvorschläge zur Verkehrsberuhigung stehen in der Sitzungsvorlage nicht. Weder zur Straße „In der Riehe" in Südhemmern noch zum „Glockenweg" und der „Holzhauser Dorfstraße" in Holzhausen gibt die Verwaltung eine Empfehlung an den Bauausschuss ab. Sowas ist selten und führt dazu, dass die Ideen erst in der Sitzung am Donnerstagabend auf den Tisch kommen. Entschieden wird ab 18 Uhr im Hartumer Ratssaal zunächst, ob überhaupt Handlungsbedarf besteht. Und falls ja, geht es im nächsten Schritt darum, was passieren soll. Auf Seiten der Antragsteller ist die Sache klar. „Hier wird oft gerast", sagt Dorothea Lange, die mit ihrem Ehemann Friedrich in der Riehe wohnt. Der Südhemmeraner hatte schon im Mai 2018 gefordert, dass etwas für die Verkehrsberuhigung im Zufahrtsbereich zum Gewerbegebiet „Hartum-Spitzenend" geschehen soll. Zulieferer mit ihren Lastwagen sorgen nach Worten von Dorothea Lange für ein hohes Unfallrisiko. „Besonders während des Berufsverkehrs ist hier einiges los", sagt sie am Montag gegenüber dem MT. Weil im Streckenbereich nahezu in jedem Haus kleine Kinder leben, herrsche bei den Anwohnern große Unsicherheit. „Wir könnten uns hier Berliner Kissen gut vorstellen", sagt sie. Dabei handelt es sich um eine Fahrbahnerhöhung auf einer Länge von rund fünf Metern, die das Tempo drosseln lässt. Angst vor Unfällen haben auch Anwohner des Glockenwegs und der Holzhauser Dorfstraße, die sich mit ihrem Antrag im April an die Verwaltung wandten (das MT berichtete). Sie fordern eine Verkehrsberuhigung im Ortskern und bringen unter anderem die Idee einer Spielstraße. „Ich kann nachvollziehen, dass sich Menschen über zu viel Verkehr vor ihrer Haustür beschweren", sagt Bauausschuss-Vorsitzender Hermann Böhne (SPD) am Montag auf MT-Anfrage. In beiden Fällen habe er sich noch keine Meinung bilden können. Der Kommunalpolitiker spricht von einem heiklen Thema, weil der Verkehr auch fließen müsse. „Und man gleichzeitig die Interessen der Anwohner im Blick haben muss." SPD-Fraktionschef Burkhart Günther will das Thema am Mittwoch in der Fraktion beraten. „Wir prüfen das", sagt er. Allerdings herrsche bei Anwohnern häufig das Gefühl, dass ausgerechnet vor der eigenen Haustür gerast werde. Das sei eine rein subjektive Wahrnehmung. „Wir müssen jetzt herausfinden, ob eine konkrete Gefährdung besteht." Ähnlich äußert sich auch CDU-Fraktionsvorsitzender Herbert Heuer. Nicht überall sei es gefährlich, nur weil die Anlieger das so empfinden. Darüber hinaus hätten Messungen ergeben, dass sich die Geschwindigkeiten in den Bereichen im Toleranzbereich bewegen. Für Ludwig Volkmann (FDP) ist die Höhe des Verkehrsaufkommens mitentscheidend. Und Marlies Schulder (Bündnisgrüne) begrüßt grundsätzlich jede Anregung aus der Bevölkerung, die allerdings in jedem einzelnen Fall genau zu prüfen sei. „Wir müssen das jetzt in der Fraktion beraten und treffen auf jeden Fall eine Entscheidung." FWG-Fraktionschef Kurt Riechmann ist grundsätzlich für verkehrsberuhigende Maßnahmen. „Wenn sie denn sinnvoll sind", sagt er. Der Kreis und die Polizei müssten jedoch unbedingt auch ihre Stellungnahmen abgeben. Wie bei "Schwarzer Peter" Ein Kommentar von Carsten Korfesmeyer Nichts vorzuschlagen, ist auch eine Aussage. Sie steht für Unentschlossenheit, womöglich auch für das Fehlen einer Meinung. Egal. Mit ihrem Schweigen zu den beiden Anträgen auf verkehrsberuhigende Maßnahmen schiebt die Verwaltung den „Schwarzen Peter" in Richtung Politik. Die muss sich jetzt positionieren und das ist eine heikle Sache. Deshalb, weil Raserei ein hoch emotionales Thema ist. Denn reflexartig kommt immer der Ruf nach Berliner Kissen, Blumenkübeln oder Blitzern, wenn in der Bevölkerung der Eindruck entstanden ist, dass irgendwo zu schnell gefahren wird. Nur meist sind es Anwohner, die das Gefühl haben. Das ist das Problem. (Fast) Jeder meint, dass vor der eigenen Haustür gerast wird. Und das, was viele Menschen für zu schnelles Fahren halten, ist in Wirklichkeit überhaupt keine Raserei. Es ist eine subjektive Wahrnehmung, die nur objektive Dritte überprüfen können. Das sind in diesen beiden Fällen die Verwaltung, der Kreis die Polizei und die Politik. Straßen gibt es, um darauf zu fahren. Und der Verkehr muss fließen, darf aber nicht zum Risiko werden. Ein oft schmaler Grat, auf dem die Entscheidungsträger wandern. Aber die gibt es, damit sie entscheiden. Dass sich die Verwaltung in beiden Fällen heraushält, kommt nicht gut.