Hartum

Wo die Liebe Wurzeln schlägt - Im Hartumer Hochzeitswald wird der Platz knapp

Kerstin Rickert

Hille-Hartum (kr). Das hölzerne Hinweisschild war morsch und ist verschwunden, aber wer aus Hartum kommt, kennt den Weg zum Hochzeitswald sowieso längst. Seit 25 Jahren setzen Frischvermählte aus dem Ort hier auf Initiative des Heimatvereins ein sichtbares Zeichen für ihr gemeinsames Leben. Während das Interesse über viele Jahre immer mehr nachließ, erfreut sich der Brauch inzwischen wieder großer Beliebtheit. Und zwar so großer, dass in diesem Jahr gar nicht alle pflanzwilligen Paare zum Zuge kommen konnten.

Feiko Kuscer schlägt die Pflöcke ein, die dem frisch gepflanzten Walnussbaum Halt geben sollen. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert
Feiko Kuscer schlägt die Pflöcke ein, die dem frisch gepflanzten Walnussbaum Halt geben sollen. Foto: Kerstin Rickert (© Kerstin Rickert)

Fehlten dem Heimatverein in den vergangenen Jahren immer mal wieder die Hauptakteure, so war diesmal einfach nicht genügend Platz im Hochzeitswald. „Wir mussten einige Paare vertrösten“, sagt Kim Westphal vom Heimatverein, die sich zusammen mit der Vorsitzenden Bettina Hampel um Organisation und Koordination der Pflanzaktionen kümmert. Unterstützt werden sie von einigen Ehrenamtlichen. Frauen aus dem Dorf haben Kuchen gebacken für das anschließende Kaffeetrinken im Heimathaus. Sarah Schossau begleitet die Aktion und hat aus Anlass des 25. Jubiläums eine Tradition aus der Anfangszeit wieder aufleben lassen. Jedes Paar erhält eine Urkunde als Erinnerung. Der Hochzeitsbaum „ist Sinnbild der Gesundheit, der Partnerschaft in Familie und Gemeinwesen und gilt als Symbol für Bodenständigkeit“, heißt es darin.

Anfangs jedes Jahr, dann wegen mangelnden Interesses nur noch alle zwei Jahre, hat der Hochzeitswald Zuwachs bekommen. Die ältesten Bäume stehen im nordwestlichen Teil. „Die ersten Paare, die dort einen Baum pflanzten, haben in diesem Jahr bereits Silberhochzeit gefeiert“, freut sich Bettina Hampel. Und sie lässt durchblicken, dass die diesjährige Pflanzaktion zum 25-Jährigen nicht nur für sie als Vorsitzende des Heimatvereins eine ganz besondere ist, sondern auch als Mutter von zwei Söhnen, die geheiratet hätten und nun beide einen Baum pflanzen wollten.

Ganz so wie geplant läuft es allerdings nicht. Sohn Hauke und seine Frau Jenny seien zu einer Hochzeit eingeladen und könnten nicht persönlich dabei sein. Als Vertretung sind die Eltern von Jenny Hampel aus Unterlübbe gekommen. Und dann taucht Bettina Hampels Sohn Feiko Kuscer plötzlich alleine auf. Seine Frau Lena ist krank geworden, und er muss ohne sie ran. Ganz alleine braucht er den Walnuss-Baum, den das Paar sich ausgesucht hat, aber nicht einzupflanzen. Wie auch bei den anderen Paaren leisten Freunde und Familie tatkräftige Unterstützung. Überhaupt hilft hier jeder jedem. Mancher hat hilfreiche Tipps parat.

Was in die Erde kommen soll, haben sich die Ehepaare selbst ausgesucht. Der Heimatverein hat die Bäume besorgt. „Wir waren etwas spät dran, deshalb war die Auswahl diesmal nicht so groß und wir mussten nehmen, was wir kriegen konnten“, erklärt Torsten Feldmann, warum die Wahl schließlich auf zwei Blut-Buchen, zwei Walnuss- und zwei Ahorn-Bäume fiel. Feldmann kümmert sich als Hausmeister um das Heimathaus Hartum und ehrenamtlich um den Hochzeitswald. „Der alte Teil ist mittlerweile ein richtig schöner Park. Es ist schon toll, dass der Heimatverein diese Aktion damals ins Leben gerufen hat“, sagt er, der sich selbst als „Feel-Good-Manager des Hochzeitswaldes“ bezeichnet.

Allein zwischen 1994 und 2002 seien 80 Bäume gepflanzt worden, heute dürften es rund 120 sein. Torsten Feldmann kontrolliert die Bäume regelmäßig. Dabei entgeht ihm auch nicht, wenn irgendwo das Metallschild mit den Namen der Baumpaten fehlt, so wie aktuell bei einer Eiche. „Manchmal fallen die Schilder runter, aber bisher habe ich alle wiedergefunden“, sagt er und ist zuversichtlich, dass sich auch die Eiche wieder zuordnen lässt. Spätestens dann, wenn der nächste Baumschnitt anstehe, mache er sich noch einmal intensiv auf die Suche. Das Schnittgut sammelt er übrigens fürs Osterfeuer.

Mit den Jahren ist die ehemals landwirtschaftlich genutzte Fläche am Mittellandkanal, die der Gemeinde gehört, zu einem stattlichen Wäldchen herangewachsen. Von Zeit zu Zeit stieß der Hochzeitswald an seine Grenzen, habe aber laut Bettina Hampel immer dann erweitert werden können, wenn die Gemeinde ein Pachtgrundstück wieder zurückerhielt. Darauf hofft der Heimatverein auch jetzt, nachdem die letzten sechs freien Plätze vergeben wurden und bereits vier Paare auf der Warteliste stehen. „Es sieht gut aus, dass wir bis zum nächsten Jahr ein weiteres Stück dazubekommen“, ist Kim Westphal zuversichtlich.

Vorausgesetzt, das klappt, solle dann auch bereits die nächste Pflanzaktion stattfinden und nicht erst in zwei Jahren. Wer noch nicht auf der Warteliste steht und Interesse hat, sollte sich rechtzeitig beim Heimatverein melden. Einzige Bedingung: Die Paare müssen in Hartum wohnen oder wenigstens einer der Ehepartner aus Hartum stammen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

HartumWo die Liebe Wurzeln schlägt - Im Hartumer Hochzeitswald wird der Platz knappKerstin RickertHille-Hartum (kr). Das hölzerne Hinweisschild war morsch und ist verschwunden, aber wer aus Hartum kommt, kennt den Weg zum Hochzeitswald sowieso längst. Seit 25 Jahren setzen Frischvermählte aus dem Ort hier auf Initiative des Heimatvereins ein sichtbares Zeichen für ihr gemeinsames Leben. Während das Interesse über viele Jahre immer mehr nachließ, erfreut sich der Brauch inzwischen wieder großer Beliebtheit. Und zwar so großer, dass in diesem Jahr gar nicht alle pflanzwilligen Paare zum Zuge kommen konnten. Fehlten dem Heimatverein in den vergangenen Jahren immer mal wieder die Hauptakteure, so war diesmal einfach nicht genügend Platz im Hochzeitswald. „Wir mussten einige Paare vertrösten“, sagt Kim Westphal vom Heimatverein, die sich zusammen mit der Vorsitzenden Bettina Hampel um Organisation und Koordination der Pflanzaktionen kümmert. Unterstützt werden sie von einigen Ehrenamtlichen. Frauen aus dem Dorf haben Kuchen gebacken für das anschließende Kaffeetrinken im Heimathaus. Sarah Schossau begleitet die Aktion und hat aus Anlass des 25. Jubiläums eine Tradition aus der Anfangszeit wieder aufleben lassen. Jedes Paar erhält eine Urkunde als Erinnerung. Der Hochzeitsbaum „ist Sinnbild der Gesundheit, der Partnerschaft in Familie und Gemeinwesen und gilt als Symbol für Bodenständigkeit“, heißt es darin. Anfangs jedes Jahr, dann wegen mangelnden Interesses nur noch alle zwei Jahre, hat der Hochzeitswald Zuwachs bekommen. Die ältesten Bäume stehen im nordwestlichen Teil. „Die ersten Paare, die dort einen Baum pflanzten, haben in diesem Jahr bereits Silberhochzeit gefeiert“, freut sich Bettina Hampel. Und sie lässt durchblicken, dass die diesjährige Pflanzaktion zum 25-Jährigen nicht nur für sie als Vorsitzende des Heimatvereins eine ganz besondere ist, sondern auch als Mutter von zwei Söhnen, die geheiratet hätten und nun beide einen Baum pflanzen wollten. Ganz so wie geplant läuft es allerdings nicht. Sohn Hauke und seine Frau Jenny seien zu einer Hochzeit eingeladen und könnten nicht persönlich dabei sein. Als Vertretung sind die Eltern von Jenny Hampel aus Unterlübbe gekommen. Und dann taucht Bettina Hampels Sohn Feiko Kuscer plötzlich alleine auf. Seine Frau Lena ist krank geworden, und er muss ohne sie ran. Ganz alleine braucht er den Walnuss-Baum, den das Paar sich ausgesucht hat, aber nicht einzupflanzen. Wie auch bei den anderen Paaren leisten Freunde und Familie tatkräftige Unterstützung. Überhaupt hilft hier jeder jedem. Mancher hat hilfreiche Tipps parat. Was in die Erde kommen soll, haben sich die Ehepaare selbst ausgesucht. Der Heimatverein hat die Bäume besorgt. „Wir waren etwas spät dran, deshalb war die Auswahl diesmal nicht so groß und wir mussten nehmen, was wir kriegen konnten“, erklärt Torsten Feldmann, warum die Wahl schließlich auf zwei Blut-Buchen, zwei Walnuss- und zwei Ahorn-Bäume fiel. Feldmann kümmert sich als Hausmeister um das Heimathaus Hartum und ehrenamtlich um den Hochzeitswald. „Der alte Teil ist mittlerweile ein richtig schöner Park. Es ist schon toll, dass der Heimatverein diese Aktion damals ins Leben gerufen hat“, sagt er, der sich selbst als „Feel-Good-Manager des Hochzeitswaldes“ bezeichnet. Allein zwischen 1994 und 2002 seien 80 Bäume gepflanzt worden, heute dürften es rund 120 sein. Torsten Feldmann kontrolliert die Bäume regelmäßig. Dabei entgeht ihm auch nicht, wenn irgendwo das Metallschild mit den Namen der Baumpaten fehlt, so wie aktuell bei einer Eiche. „Manchmal fallen die Schilder runter, aber bisher habe ich alle wiedergefunden“, sagt er und ist zuversichtlich, dass sich auch die Eiche wieder zuordnen lässt. Spätestens dann, wenn der nächste Baumschnitt anstehe, mache er sich noch einmal intensiv auf die Suche. Das Schnittgut sammelt er übrigens fürs Osterfeuer. Mit den Jahren ist die ehemals landwirtschaftlich genutzte Fläche am Mittellandkanal, die der Gemeinde gehört, zu einem stattlichen Wäldchen herangewachsen. Von Zeit zu Zeit stieß der Hochzeitswald an seine Grenzen, habe aber laut Bettina Hampel immer dann erweitert werden können, wenn die Gemeinde ein Pachtgrundstück wieder zurückerhielt. Darauf hofft der Heimatverein auch jetzt, nachdem die letzten sechs freien Plätze vergeben wurden und bereits vier Paare auf der Warteliste stehen. „Es sieht gut aus, dass wir bis zum nächsten Jahr ein weiteres Stück dazubekommen“, ist Kim Westphal zuversichtlich. Vorausgesetzt, das klappt, solle dann auch bereits die nächste Pflanzaktion stattfinden und nicht erst in zwei Jahren. Wer noch nicht auf der Warteliste steht und Interesse hat, sollte sich rechtzeitig beim Heimatverein melden. Einzige Bedingung: Die Paare müssen in Hartum wohnen oder wenigstens einer der Ehepartner aus Hartum stammen.