Lieder über Sklaverei, Armut und Unterdrückung: Konzert mit Tiefgang in der Hiller Kirche

Michael Hiller

Minden/Hille (hil) Gospelmusik ist die Befreiungsmusik der Sklaven, Unterdrückten und der Armen, um Gott ihre Situation zu erklären.

Gospelmusiker Helmut Jost erklärt, dass das Unterbinden des Gesangs während der unseligen Arbeit auf den Feldern oder anderswo für die Sklaven mindestens genauso schlimm gewesen sein muss wie die Situation der Unterdrückung selbst. Er, seine Frau Ruthild Wilson und Steve Volke sind in die Kirche nach Hille gekommen, um mit ihren Liedern, mit ihren Gospelsongs, musikalisch die Gefühle derer auszudrücken, die der Sklaverei und der Armut unterworfen waren oder es auch in der heutigen Zeit noch sind.

Steve Volke, Autor von mehr als 30 Büchern, ist der Direktor des deutschen Büros des christlichen Kinderhilfswerkes Compassion und gleichzeitig auch der Tourneepartner von Ruthild Wilson und Helmut Jost. Volke war es seinerzeit, der die Musikerin und den Musiker mit in die Slums nach Afrika genommen hat. Und Helmut Jost erzählt: Ich fand keine Worte für das, was ich dort gesehen habe. Er erzählt, dass Kinder dort zum Beispiel mit einem halben Fußball gespielt haben, und die Freude über einen neuen unbeschreiblich war.

Genauso wie sich dieses Bild der Freude über einen Fußball eingeprägt hat, gab es viele erschütternde Eindrücke – wie der Geruch, der in den meisten Räumlichkeiten herrschte. Küche und Toiletten, alles auf engstem Raum. Diesen Geruch vergisst man nie! erzählt Volke. Die Lieder wie „Shelter me“ – beschütze mich berühren und in Kombination mit der dunklen und gleichermaßen glasklaren Stimme von Ruthild Wilson im Kirchenschiff, bekommt dieser Song eine unheimlich intensive Klangtiefe. „Like a candle in the dark“ oder Can’t nobody do me like Jesus“ sind starke Melodien und Texte und bringen vieles ganz konkret auf den Punkt.

Volke hat 45 Jahre lang einen Job am Schreibtisch gehabt, erklärt er. Nun ist er seit zwölf Jahren aber dieser Mission verschrieben, zu helfen. Weltweit und in den unterschiedlichsten Einsätzen. Initialzündungen gibt es immer wieder und dann passiert etwas mit einem, kann man im Kontext heraus hören. Alle drei Musiker sind engagierte Macher, die mit ihren musikalischen Mitteln gegen das Elend der Unterdrückten und Armen kämpfen.

Wilson und Jost verpacken ihren Gospel in Soul und Popelemente, ohne dabei den Tiefgang zu verlieren. Sie zählen zu den renommiertesten Vertretern der Gospelszene und sind gleichzeitig seit Jahren die musikalischen Botschafter von Compassion. Die Situation in Afrika und das dort Erlebte und Gesehene haben Jost und seine Frau stark geprägt und dieses Wissen über die Dinge fließt beim Komponieren in die Texte und Melodien ein.

Beide sind Musiker durch und durch und mit gesanglicher Unterstützung durch Volke ist dieses Gospelkonzert in der Hiller Kirche nicht nur ein musikalisches, christliches Event, sondern auf eine gewisse Art und Weise auch eine Art Gottesdienst. Vor jedem Lied wird erklärt, warum es entstanden ist. Die Hintergründe werden beleuchtet und der Zuhörer bekommt eine Vorstellung darüber, was wohl passiert ist in Haiti, Uganda oder woanders auf der Welt, wo es Elend gibt.

Der Eintritt an diesem Abend ist frei und viele sind bereit zu spenden. Denn die musikalische Botschaft bei diesem Konzert geht unter die Haut und mit der Zugabe des Liedes und Titels vom Bühnenprogramm „The Cry of the Poor“ „Der Schrei der Armen“ endet ein Gospelkonzert mit einer sehr persönlichen Nähe zu den Musikern und deren Musik.

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Lieder über Sklaverei, Armut und Unterdrückung: Konzert mit Tiefgang in der Hiller KircheMichael HillerMinden/Hille (hil) Gospelmusik ist die Befreiungsmusik der Sklaven, Unterdrückten und der Armen, um Gott ihre Situation zu erklären. Gospelmusiker Helmut Jost erklärt, dass das Unterbinden des Gesangs während der unseligen Arbeit auf den Feldern oder anderswo für die Sklaven mindestens genauso schlimm gewesen sein muss wie die Situation der Unterdrückung selbst. Er, seine Frau Ruthild Wilson und Steve Volke sind in die Kirche nach Hille gekommen, um mit ihren Liedern, mit ihren Gospelsongs, musikalisch die Gefühle derer auszudrücken, die der Sklaverei und der Armut unterworfen waren oder es auch in der heutigen Zeit noch sind. Steve Volke, Autor von mehr als 30 Büchern, ist der Direktor des deutschen Büros des christlichen Kinderhilfswerkes Compassion und gleichzeitig auch der Tourneepartner von Ruthild Wilson und Helmut Jost. Volke war es seinerzeit, der die Musikerin und den Musiker mit in die Slums nach Afrika genommen hat. Und Helmut Jost erzählt: Ich fand keine Worte für das, was ich dort gesehen habe. Er erzählt, dass Kinder dort zum Beispiel mit einem halben Fußball gespielt haben, und die Freude über einen neuen unbeschreiblich war. Genauso wie sich dieses Bild der Freude über einen Fußball eingeprägt hat, gab es viele erschütternde Eindrücke – wie der Geruch, der in den meisten Räumlichkeiten herrschte. Küche und Toiletten, alles auf engstem Raum. Diesen Geruch vergisst man nie! erzählt Volke. Die Lieder wie „Shelter me“ – beschütze mich berühren und in Kombination mit der dunklen und gleichermaßen glasklaren Stimme von Ruthild Wilson im Kirchenschiff, bekommt dieser Song eine unheimlich intensive Klangtiefe. „Like a candle in the dark“ oder Can’t nobody do me like Jesus“ sind starke Melodien und Texte und bringen vieles ganz konkret auf den Punkt. Volke hat 45 Jahre lang einen Job am Schreibtisch gehabt, erklärt er. Nun ist er seit zwölf Jahren aber dieser Mission verschrieben, zu helfen. Weltweit und in den unterschiedlichsten Einsätzen. Initialzündungen gibt es immer wieder und dann passiert etwas mit einem, kann man im Kontext heraus hören. Alle drei Musiker sind engagierte Macher, die mit ihren musikalischen Mitteln gegen das Elend der Unterdrückten und Armen kämpfen. Wilson und Jost verpacken ihren Gospel in Soul und Popelemente, ohne dabei den Tiefgang zu verlieren. Sie zählen zu den renommiertesten Vertretern der Gospelszene und sind gleichzeitig seit Jahren die musikalischen Botschafter von Compassion. Die Situation in Afrika und das dort Erlebte und Gesehene haben Jost und seine Frau stark geprägt und dieses Wissen über die Dinge fließt beim Komponieren in die Texte und Melodien ein. Beide sind Musiker durch und durch und mit gesanglicher Unterstützung durch Volke ist dieses Gospelkonzert in der Hiller Kirche nicht nur ein musikalisches, christliches Event, sondern auf eine gewisse Art und Weise auch eine Art Gottesdienst. Vor jedem Lied wird erklärt, warum es entstanden ist. Die Hintergründe werden beleuchtet und der Zuhörer bekommt eine Vorstellung darüber, was wohl passiert ist in Haiti, Uganda oder woanders auf der Welt, wo es Elend gibt. Der Eintritt an diesem Abend ist frei und viele sind bereit zu spenden. Denn die musikalische Botschaft bei diesem Konzert geht unter die Haut und mit der Zugabe des Liedes und Titels vom Bühnenprogramm „The Cry of the Poor“ „Der Schrei der Armen“ endet ein Gospelkonzert mit einer sehr persönlichen Nähe zu den Musikern und deren Musik.