Hille

Mindener Lesebühne-Autoren in der Alten Brennerei

Michael Grundmeier

Marita Schlüter ist eine der Autorinnen. Foto: Grundmeier - © Picasa
Marita Schlüter ist eine der Autorinnen. Foto: Grundmeier (© Picasa)

Hille (mig). Seit 15 Jahren gibt es die „Lesebühne Minden“. Dutzende Autoren haben dort ihre ersten Sporen verdient. Jetzt waren Jutta Eick, Manfred Piepiorka, Ingrid Nuyken, Katharina Peters, Marita Schlüter, Florian Fehring und Richard Erren zu Gast in der „Alten Brennerei“.

Einen kleinen Rückblick gab es schon zu Beginn der vom Heimat- und Gartenbauverein angebotenen Veranstaltung. „War alles dabei, vom wüsten Mord bis zur süßen Liebelei“, sang Richard Erren zur Melodie des BAP-Songs „Verdammt lang her“. Danach erläuterte Erren, dass die Gemeinschaft „schon ein bisschen stolz“ sei auf die vergangenen anderthalb Jahrzehnte und das Jubiläum.

„Während andere ihren Verwandten vorlesen, glauben wir, dass es wichtig, ist die Öffentlichkeit zu erreichen.“ Die Autoren der Lesebühne schreiben zwar alles selber, unterstützen einander aber und geben sich Tipps. Ihr Ouevre ist breit gefächert – mal sind die Texte eher humorvoll, mal nachdenklich machend. Kurzum: „Wir haben was zu sagen.“

Dass die „Lesebühne etwas zu sagen hat, zeigte auch das Material, das die Autoren mitgebracht hatten. Ein Thema war der Alttag in all seinen Facetten. Eine Autorin berichtete von einer Reise, ein anderer von einem Sterbenden. Eher lustig kam die Geschichte „Handgepäck für Zypern“ von Marita Schlüter daher. Die Hauptfigur muss sich einer strengen Gepäckkontrolle unterziehen, Motto: „Sind da Flüssigkeiten drin?“ Als die Frau eine unbedachte Bewegung zum Koffer hin macht, wird der Mann vom Zoll ungnädig. „Da hat schon mal einer ein großes Messer rausgeholt und mich bedroht“, meint er. Die Frau darauf: „Aus meinem Koffer?“ Auf die Tüte mit weißem Pulver reagiert der Mann merkwürdig. Die Frau erklärt: „Da ist Stevia drin.“ Der Zöllner wirkt enttäuscht.

Eher spielerisch gehalten ist der Text „Der Weg der Buchstaben“ von Florian Fehring. Er mimt einem Buchstaben, der gerade „auf die Welt gekommen ist“. Vorher war er im Kopf einer jungen Frau, bis eine Maschine ihn auf Papier brachte, „ein unbeschreibliches Gefühl“. Die Geschichte von Manfred Piepiorka stimmt dagegen eher traurig. Ein Mann, der nur noch wenige Stunden zu leben hat, bittet seinen Enkel um einen letzten Gefallen. Er möchte noch einmal den Regen im Gesicht spüren. Der Enkel bringt den Schwerstkranken nach draußen. . Der Mann stirbt – glücklich.

Nach weiteren Geschichten von Jutta Eick, Ingrid Nuyken, und Katharina Peters singt Richard Erren ein „Autoren-Motivationslied“: „Geh deinen Weg“. „In dir spricht laut eine Stimme, sie geht dir nicht aus dem Sinn- sie sagt dir: glaub an dich, geh deinen Weg“. Erren erklärt: „Als Autor erntet man nicht nur Zustimmung, sondern oft auch Gegenwind.“ Umso wichtiger sei es sich immer wieder neu zu sagen: „Geh deinen Weg“.

Die Zuhörer waren sich an diesem Abend jedenfalls einig: die Mindener „Literaturbühne“ hat ihren Weg gefunden.

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HilleMindener Lesebühne-Autoren in der Alten BrennereiMichael GrundmeierHille (mig). Seit 15 Jahren gibt es die „Lesebühne Minden“. Dutzende Autoren haben dort ihre ersten Sporen verdient. Jetzt waren Jutta Eick, Manfred Piepiorka, Ingrid Nuyken, Katharina Peters, Marita Schlüter, Florian Fehring und Richard Erren zu Gast in der „Alten Brennerei“. Einen kleinen Rückblick gab es schon zu Beginn der vom Heimat- und Gartenbauverein angebotenen Veranstaltung. „War alles dabei, vom wüsten Mord bis zur süßen Liebelei“, sang Richard Erren zur Melodie des BAP-Songs „Verdammt lang her“. Danach erläuterte Erren, dass die Gemeinschaft „schon ein bisschen stolz“ sei auf die vergangenen anderthalb Jahrzehnte und das Jubiläum. „Während andere ihren Verwandten vorlesen, glauben wir, dass es wichtig, ist die Öffentlichkeit zu erreichen.“ Die Autoren der Lesebühne schreiben zwar alles selber, unterstützen einander aber und geben sich Tipps. Ihr Ouevre ist breit gefächert – mal sind die Texte eher humorvoll, mal nachdenklich machend. Kurzum: „Wir haben was zu sagen.“ Dass die „Lesebühne etwas zu sagen hat, zeigte auch das Material, das die Autoren mitgebracht hatten. Ein Thema war der Alttag in all seinen Facetten. Eine Autorin berichtete von einer Reise, ein anderer von einem Sterbenden. Eher lustig kam die Geschichte „Handgepäck für Zypern“ von Marita Schlüter daher. Die Hauptfigur muss sich einer strengen Gepäckkontrolle unterziehen, Motto: „Sind da Flüssigkeiten drin?“ Als die Frau eine unbedachte Bewegung zum Koffer hin macht, wird der Mann vom Zoll ungnädig. „Da hat schon mal einer ein großes Messer rausgeholt und mich bedroht“, meint er. Die Frau darauf: „Aus meinem Koffer?“ Auf die Tüte mit weißem Pulver reagiert der Mann merkwürdig. Die Frau erklärt: „Da ist Stevia drin.“ Der Zöllner wirkt enttäuscht. Eher spielerisch gehalten ist der Text „Der Weg der Buchstaben“ von Florian Fehring. Er mimt einem Buchstaben, der gerade „auf die Welt gekommen ist“. Vorher war er im Kopf einer jungen Frau, bis eine Maschine ihn auf Papier brachte, „ein unbeschreibliches Gefühl“. Die Geschichte von Manfred Piepiorka stimmt dagegen eher traurig. Ein Mann, der nur noch wenige Stunden zu leben hat, bittet seinen Enkel um einen letzten Gefallen. Er möchte noch einmal den Regen im Gesicht spüren. Der Enkel bringt den Schwerstkranken nach draußen. . Der Mann stirbt – glücklich. Nach weiteren Geschichten von Jutta Eick, Ingrid Nuyken, und Katharina Peters singt Richard Erren ein „Autoren-Motivationslied“: „Geh deinen Weg“. „In dir spricht laut eine Stimme, sie geht dir nicht aus dem Sinn- sie sagt dir: glaub an dich, geh deinen Weg“. Erren erklärt: „Als Autor erntet man nicht nur Zustimmung, sondern oft auch Gegenwind.“ Umso wichtiger sei es sich immer wieder neu zu sagen: „Geh deinen Weg“. Die Zuhörer waren sich an diesem Abend jedenfalls einig: die Mindener „Literaturbühne“ hat ihren Weg gefunden.