Hartum

Hochseilakt: Neues Ziffernblatt und frische Zeiger für die Hartumer Kirchturmuhr

Carsten Korfesmeyer

Der Hartumer Kichturm ist 40 Meter hoch. Den Austausch des Ziffernblatts verfolgen zahlreiche Schaulustige. MT- - © Foto: Alex Lehn
Der Hartumer Kichturm ist 40 Meter hoch. Den Austausch des Ziffernblatts verfolgen zahlreiche Schaulustige. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Hille-Hartum (mt). Als sich Matthias Pohlmann mit dem alten Ziffernblatt am Hartumer Kirchturm abseilt, sind alle Augen auf ihn gerichtet. Etwa 50 Personen verfolgen das Spektakel an der Außenwand. Einige davon sind erkennbar aufgeregt, manche überspielen ihre Anspannung dadurch, in dem sie Scherze reißen. Unbeeindruckt ist aber keiner und jeder hat in diesem Moment einen Riesenrespekt davor, was der Industriekletterer und seine Helfer leisten. Keine Zehn Minuten braucht der Mann am Seil, bis er mit dem 121 Jahre alten Ziffernblatt am Boden ankommt. Pohlmann lässt sich die ganze Zeit nicht aus der Ruhe bringen – auch nicht, als sich auf der Hälfte des Weges plötzlich wild die Zeiger zu drehen beginnen.

„Ich blende alles um mich herum aus“, sagt der 53-Jährige gegenüber dem MT. Er konzentriere sich ganz auf seine Aufgabe und von den Zuschauern bekomme er gar nichts mit. Acht Jahre geht der gelernte Tischler inzwischen dem Beruf des Industriekletterers nach, in dem er häufig in weit mehr als 100 Metern in der Luft hängt. Der Hartumer Kirchturm ist mit seinen 40 Metern so gesehen eher eine leichte Aufgabe für den Hiller, allerdings: „Jede Baustelle ist anders und jede hat ihre Tücken“, sagt Pohlmann, der die Ziffernblätter ehrenamtlich austauscht.

Der Kletterer geht bei seiner Arbeit hochkonzentriert vor. MZ- - © Foto: Alex Lehn
Der Kletterer geht bei seiner Arbeit hochkonzentriert vor. MZ- (© Foto: Alex Lehn)

Für die Aktion am Freitagvormittag hat die Kirchengemeinde sogar den Grill angeworfen und es gibt Kaffee, Kuchen sowie Limonade. Edith Zeidler sitzt auf einer der Bänke, behält den Mann am Seil fest im Blick und spricht von einem „besonderen Moment“. Sie, die aufgrund ihrer Höhenangst bislang nie den Kirchturm bestiegen hat, ist mit den Ziffernblättern aufgewachsen. „Das nach Westen war wirklich nicht mehr schön“, sagt sie – und als Pohlmann in diesem Augenblick mit dem Nagelneuen nach oben klettert, wird der Unterschied zum sichtbar in die Jahre gekommenen Alten umso deutlicher. „Der fällt jetzt sicher vielen auf“, sagt die Hartumerin.

Den Weg des Industriekletterers verfolgen die Zuschauer weiter gebannt. Während Pohlmann vorsichtig an der Außenwand hinaufsteigt erzählt Pfarrer Christian Weber von seiner Höhenangst und davon, dass er sich sowas niemals trauen würde. Zwei Mal musste die Aktion aufgrund schlechten Wetters verschoben werden und jetzt sei er froh, dass es endlich klappt. Mit rund 6.000 Euro schlägt der Austausch zu Buche. Nur das marodeste und nicht gleich alle Ziffernblätter zu ersetzen, sei die richtige Entscheidung gewesen, erzählt er. Denn die Hartumer Kirche habe noch weitere Baustellen, für die Geld benötigt werde. „Beispielsweise brauchen wir dringend eine neue Heizung.“

Der Kletterer ist inzwischen samt Ziffernblatt oben angekommen. Er setzt es ein und die Helfer schrauben es von innen fest. Im Turm hält sich auch Susanne Barnefske auf, die sich um die Hartumer Kirchturmuhr kümmert. Gegenüber dem MT erzählt sie am Samstag, dass sie sehr erleichtert ist, dass alles so reibungslos geklappt hat. Lediglich ein Zeigerpaar sei von der Firma Korfhage noch nicht mitgeliefert worden, sodass im Anschluss nur die Zeiger auf der Nord-, West- und Südseite der Kirchturmuhr ausgetauscht werden konnten. „Das funktioniert problemlos durch ein Loch von der Innenseite aus“, sagt sie. Die für den Osten werden aber nachgeliefert.

Bis zum Samstagmittag zeigt die Uhr Punkt Zwölf. Erst dann geht sie wieder in Betrieb, was daran liegt, dass die Betglocken um 8, 12 und 18 Uhr schlagen und sie deshalb im 24-Stunden-Rhythmus geschaltet ist. Barnefske hätte sie somit am Freitag ein Mal durchlaufen lassen müssen. Und das wäre nach ihren Worten zu aufwendig gewesen.

Alle Beteiligten sind rundum zufrieden und für Pohlmann war es nach den Oberlübber Kirchturmaktion vom Herbst 2017 der zweite Ziffernblattaustausch. In Hartum ist bereits eine muntere Diskussion darüber ausgebrochen, was mit dem Alten geschehen soll. Der Pfarrer will die Gemeinde zu einem Ideenwettbewerb aufrufen.

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