Hille

Scherben im Klassenzimmer: Vandalismus in Hille nimmt zu

Carsten Korfesmeyer

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Hille (mt). Über die Scherben im „Grünen Klassenzimmer" an der Oberlübber Grundschule regt sich Gerhard Uphoff besonders auf. „Das ist richtig gefährlich für die Kinder", sagt der Fachbereichsleiter am Donnerstagmittag gegenüber dem MT. Und die Liste an Sachbeschädigungen kann der Mann aus dem Rathaus noch weiterführen. Graffiti an Fenstern und Wänden der Verbundschule steht darauf ganz oben, dicht gefolgt von eingeschlagenen Scheiben an Buswartehäuschen. Besonders in jüngster Zeit hat die Zerstörung von öffentlichem Eigentum in Hille deutlich zugelegt. „Wir haben damit ein großes Problem", sagt Uphoff.

Besonders häufig schlagen die Täter an den Schulen zu. Sie hinterlassen dort zerbrochene Schnapsflaschen, Dosen oder mit bunter Farbe besprühte Wände. Häufig werden auch Bretter einfach herausgerissen. Gerade zum Ende der Ferien steige der Vandalismus regelmäßig an, erklärt der Fachbereichsleiter. Verstehen, warum manche Menschen mutwillig etwas zerstören oder beschädigen, werde er es wohl nie. Uphoff spricht von einem hohen Verletzungsrisiko, aber auch über die entstehenden Kosten. Denn die Reparaturen oder Ersatzanschaffungen muss die Gemeinde tragen und das heißt unterm Strich, dass die Bürger zur Kasse gebeten werden.

Allein die Reinigung einer mit Graffiti besprühten Wand könne mit bis zu 2.500 Euro zu Buche schlagen. Denn dafür muss die Verwaltung in aller Regel eine Fachfirma beauftragen. „Da läppert sich schnell was zusammen", sagt der Mann aus dem Fachbereich Zentrale Dienste. Ärgerlich sei auch die Zeit, die von der Verwaltung in die Abwicklung der Reparaturen investiert wird. „Die wir besser nutzen könnten."

Auch bei Bürgermeister Michael Schweiß (SPD) reißt inzwischen der Geduldsfaden. Gegenüber dem MT kündigt er an, die entsprechenden Orte in Zukunft besser auszuleuchten – und damit die Täter abzuschrecken. Bewegungsmelder seien beispielsweise sinnvoll, allerdings stehe die Gemeinde auch in sehr engem Kontakt mit der Polizei. „Das sind keine Kavaliersdelikte", sagt der Verwaltungschef. Jeder Fall werde grundsätzlich von der Gemeinde zur Anzeige gebracht. Er appelliert an die Hiller Bevölkerung, bei der Beobachtung von Sachbeschädigungen sofort den Notruf 110 oder die Telefonnummer (05 71) 8 86 60 der Polizei zu wählen. Das geht laut Schweiß auch anonym. Nur so bestehe die Chance, die Übeltäter zu schnappen.

Was die Täter zu den Sachbeschädigungen veranlassen könnte, kann sich auch der Verwaltungschef nur schwer erklären. Freude an Zerstörung, Gedankenlosigkeit oder pure Langeweile könnten seiner Ansicht nach den Ausschlag geben. „Oder eine Mischung aus allem", sagt er. Weil in den meisten Fällen der Konsum von Alkohol eine Rolle gespielt haben dürfte, seien die Täter vermutlich regelrecht enthemmt. Letztlich sind die Gründe dem Verwaltungschef aber auch egal. Er setzt auf Abschreckung. „Und die Leute müssen begreifen, dass man öffentliches Eigentum nicht einfach so zerstören darf."

Besonders häufig ist die Verbundschule zuletzt Opfer von Vandalismus geworden. Laut Schulleiter Dirk Schubert liege das unter anderem daran, weil das Areal öffentlich zugänglich ist. „Außerdem sind wir eine zentrale Anlaufstelle in Hille", sagt er. Immer wieder komme es vor, dass sich vor allem jüngere Menschen dort versammeln und gemeinsam Alkohol konsumieren. Es habe auch schon Platzverweise gegeben, wenn es zu bunt wurde. Die Aufklärungsquote der Sachbeschädigungen liege an seiner Schule bei 90 Prozent. „Viele Täter geben im Netz damit an oder hinterlassen dort Hinweise.

Eine Frage der Bildung

Ein Kommentaf von Carsten Korfesmeyer

Offensichtlich scheint es einigen Menschen zu gefallen, mal „einfach so" die Fensterscheibe eines Buswartehäuschens zu zertrümmern. Juristisch ist das eine Sachbeschädigung, doch damit ist es nicht getan. Mutwillig auf Dinge einzuhauen, spiegelt auch den Charakter wider. Spaß am Zerstören und Beschädigen kann nur empfinden, wer im Leben ein Problem hat.

Es fehlt der Respekt vor Dingen, die anderen gehören. Und das öffentliche Eigentum läuft besonders Gefahr, Ziel solcher Täter zu werden. Weil es der Allgemeinheit gehört, ist der Geschädigte nicht identifizierbar. Das enthemmt und ebnet den Weg, den Frust abzulassen.

Die Täter zu schnappen, muss sein. Die Ursache für den Vandalismus ist damit nicht erledigt. Es ist vor allem Sache der Bildung, den Respekt am Eigentum anderer zu vermitteln. Darin steckt der Ansatz im Kampf gegen Vandalismus.

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HilleScherben im Klassenzimmer: Vandalismus in Hille nimmt zuCarsten KorfesmeyerHille (mt). Über die Scherben im „Grünen Klassenzimmer" an der Oberlübber Grundschule regt sich Gerhard Uphoff besonders auf. „Das ist richtig gefährlich für die Kinder", sagt der Fachbereichsleiter am Donnerstagmittag gegenüber dem MT. Und die Liste an Sachbeschädigungen kann der Mann aus dem Rathaus noch weiterführen. Graffiti an Fenstern und Wänden der Verbundschule steht darauf ganz oben, dicht gefolgt von eingeschlagenen Scheiben an Buswartehäuschen. Besonders in jüngster Zeit hat die Zerstörung von öffentlichem Eigentum in Hille deutlich zugelegt. „Wir haben damit ein großes Problem", sagt Uphoff. Besonders häufig schlagen die Täter an den Schulen zu. Sie hinterlassen dort zerbrochene Schnapsflaschen, Dosen oder mit bunter Farbe besprühte Wände. Häufig werden auch Bretter einfach herausgerissen. Gerade zum Ende der Ferien steige der Vandalismus regelmäßig an, erklärt der Fachbereichsleiter. Verstehen, warum manche Menschen mutwillig etwas zerstören oder beschädigen, werde er es wohl nie. Uphoff spricht von einem hohen Verletzungsrisiko, aber auch über die entstehenden Kosten. Denn die Reparaturen oder Ersatzanschaffungen muss die Gemeinde tragen und das heißt unterm Strich, dass die Bürger zur Kasse gebeten werden. Allein die Reinigung einer mit Graffiti besprühten Wand könne mit bis zu 2.500 Euro zu Buche schlagen. Denn dafür muss die Verwaltung in aller Regel eine Fachfirma beauftragen. „Da läppert sich schnell was zusammen", sagt der Mann aus dem Fachbereich Zentrale Dienste. Ärgerlich sei auch die Zeit, die von der Verwaltung in die Abwicklung der Reparaturen investiert wird. „Die wir besser nutzen könnten." Auch bei Bürgermeister Michael Schweiß (SPD) reißt inzwischen der Geduldsfaden. Gegenüber dem MT kündigt er an, die entsprechenden Orte in Zukunft besser auszuleuchten – und damit die Täter abzuschrecken. Bewegungsmelder seien beispielsweise sinnvoll, allerdings stehe die Gemeinde auch in sehr engem Kontakt mit der Polizei. „Das sind keine Kavaliersdelikte", sagt der Verwaltungschef. Jeder Fall werde grundsätzlich von der Gemeinde zur Anzeige gebracht. Er appelliert an die Hiller Bevölkerung, bei der Beobachtung von Sachbeschädigungen sofort den Notruf 110 oder die Telefonnummer (05 71) 8 86 60 der Polizei zu wählen. Das geht laut Schweiß auch anonym. Nur so bestehe die Chance, die Übeltäter zu schnappen. Was die Täter zu den Sachbeschädigungen veranlassen könnte, kann sich auch der Verwaltungschef nur schwer erklären. Freude an Zerstörung, Gedankenlosigkeit oder pure Langeweile könnten seiner Ansicht nach den Ausschlag geben. „Oder eine Mischung aus allem", sagt er. Weil in den meisten Fällen der Konsum von Alkohol eine Rolle gespielt haben dürfte, seien die Täter vermutlich regelrecht enthemmt. Letztlich sind die Gründe dem Verwaltungschef aber auch egal. Er setzt auf Abschreckung. „Und die Leute müssen begreifen, dass man öffentliches Eigentum nicht einfach so zerstören darf." Besonders häufig ist die Verbundschule zuletzt Opfer von Vandalismus geworden. Laut Schulleiter Dirk Schubert liege das unter anderem daran, weil das Areal öffentlich zugänglich ist. „Außerdem sind wir eine zentrale Anlaufstelle in Hille", sagt er. Immer wieder komme es vor, dass sich vor allem jüngere Menschen dort versammeln und gemeinsam Alkohol konsumieren. Es habe auch schon Platzverweise gegeben, wenn es zu bunt wurde. Die Aufklärungsquote der Sachbeschädigungen liege an seiner Schule bei 90 Prozent. „Viele Täter geben im Netz damit an oder hinterlassen dort Hinweise. Eine Frage der Bildung Ein Kommentaf von Carsten Korfesmeyer Offensichtlich scheint es einigen Menschen zu gefallen, mal „einfach so" die Fensterscheibe eines Buswartehäuschens zu zertrümmern. Juristisch ist das eine Sachbeschädigung, doch damit ist es nicht getan. Mutwillig auf Dinge einzuhauen, spiegelt auch den Charakter wider. Spaß am Zerstören und Beschädigen kann nur empfinden, wer im Leben ein Problem hat. Es fehlt der Respekt vor Dingen, die anderen gehören. Und das öffentliche Eigentum läuft besonders Gefahr, Ziel solcher Täter zu werden. Weil es der Allgemeinheit gehört, ist der Geschädigte nicht identifizierbar. Das enthemmt und ebnet den Weg, den Frust abzulassen. Die Täter zu schnappen, muss sein. Die Ursache für den Vandalismus ist damit nicht erledigt. Es ist vor allem Sache der Bildung, den Respekt am Eigentum anderer zu vermitteln. Darin steckt der Ansatz im Kampf gegen Vandalismus.