Hille

Beim Heckenschnitt ist alles im grünen Bereich

Stefanie Dullweber und Carsten Korfesmeyer

Auf dem Oberlübber Friedhof gibt es noch einige Hecken. Die dort befragten Bürger haben mit der neuen Regelung allerdings kein Problem. MT- - © Foto: Carsten Korfesmeyer
Auf dem Oberlübber Friedhof gibt es noch einige Hecken. Die dort befragten Bürger haben mit der neuen Regelung allerdings kein Problem. MT- (© Foto: Carsten Korfesmeyer)

Hille (mt). Was jahrelang für emotionale Diskussionen gesorgt hat, ist heute offenbar kein Thema mehr. Nach einem politischen Beschluss im letzten Jahr, ist der Heckenschnitt auf den Grabstätten in der Gemeinde Hille seit Januar Privatsache. Bis dahin hatte der Bauhof diese Aufgabe erledigt. Damit spart die Kommune pro Jahr rund 50.000 Euro. Der Heckenschnitt war ein Baustein des freiwilligen Sparkonzeptes, auf das sich Rat und Verwaltung im Jahr 2016 verständigt hatten.

Viele Angehörige, die sich um die Pflege einer Grabstätte kümmern, haben mittlerweile gar keine Hecke mehr – und haben es auch dementsprechend nicht eingesehen, mit der Friedhofsgebühr eine Leistung zu bezahlen, die sie selbst nicht in Anspruch nehmen. Das sagt zumindest eine Frau, die am Dienstag auf dem Hiller Friedhof Unkraut zupft und Blumen pflanzt. „Die aktuelle Regelung ist gerechter“, findet sie. Andere Befragte haben mit dem Wegfall des Heckenschnitts ebenfalls kein Problem. „Ich mache das lieber selber, dann habe ich es so, wie ich es möchte“, sagt eine andere Bürgerin.

Ein gepflegtes Bild auf dem Friedhof in Hille. Das könnte sich ändern, wenn die Hecken einige Jahre gewachsen sind. MT- - © Foto: Stefanie Dullweber
Ein gepflegtes Bild auf dem Friedhof in Hille. Das könnte sich ändern, wenn die Hecken einige Jahre gewachsen sind. MT- (© Foto: Stefanie Dullweber)

Die Hecken auf dem Hiller Friedhof machen einen insgesamt guten Eindruck. Es habe auch bisher keine Beschwerden gegeben – weder über die Neuregelung an sich noch über ungepflegte Grabstätten. Das bestätigt Eike Nagel, der sich bei der Gemeinde Hille um das Friedhofswesen kümmert. „Ganz vereinzelt gab es Anrufe von Angehörigen, die nicht in Hille wohnen und die sich erkundigt haben, wie das mit dem Heckenschnitt jetzt läuft“, sagt der Verwaltungsmitarbeiter. Die meisten seien einsichtig gewesen.

Ob jemand ein Grab verwahrlosen lasse, würde man möglicherweise erst in zwei bis drei Jahren sehen, wenn die Hecken deutlich gewachsen seien. In solchen Fällen müssten die Angehörigen dann schriftlich zum Heckenschnitt aufgefordert werden. Wann die Kommune eingreife, liege in ihrem Ermessen, so Eike Nagel.

Allerdings sei es bei der Debatte um die Abschaffung des Heckenschnitts nicht nur um Einsparungen gegangen, sondern auch um eine fehlende Verankerung in der Friedhofssatzung. Die Arbeiten, die der Bauhof bisher erledigt hatte, seien ein Stück weit Hiller Gewohnheitsrecht gewesen, erklärt Eike Nagel. In die Friedhofsgebühren-Satzung hätte aufgenommen werden müssen, was die Pflege der Hecke je laufenden Meter kosten würde und jeder Angehörige hätte eine separate Rechnung bekommen – ansonsten wäre der Heckenschnitt mit dem Umsatzsteuerrecht nicht vereinbar gewesen. Seit Januar kümmert sich der Bauhof auf den Friedhöfen demnach nur noch um das Grün, das nicht auf einer Grabstätte steht.

Auch in Oberlübbe trauern die Bürger der alten Regelung nicht hinterher, wie Gerhard Becker im MT-Gespräch bestätigt: „An unserer Familiengrabstätte haben wir schon lange keine Hecke mehr“, sagt er. Der Oberlübber weiß, dass diese Art der Bepflanzung in Hille eine lange Tradition hat. Dass die Gemeinde dafür keine Pflegearbeiten mehr leisten will, könne er sehr gut nachvollziehen. Er ist der Ansicht, dass jeder Angehörige die Grabstätten selbst pflegen sollte. Denn so sei es im privaten Raum ja auch „Ich habe mit der neuen Regelung kein Problem.“

Ähnlich äußert sich eine weitere Besucherin auf dem Oberlübber Friedhof, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Ich weiß noch, dass in meiner Kindheit fast alle Gräber eigene Hecken hatten“, sagt sie. Das sei in den späten 1960er Jahren gewesen und mit den Jahren seien die Hecken auf Friedhöfen immer weniger geworden. „Hier gibt es nur noch ganz wenige“, sagt sie. Das liege zum einen am Pflegeaufwand, andererseits an der veränderten Bestattungskultur. Sie selbst kümmere sich inzwischen nur noch um ein Urnengrab.

Die Friedhofsgebühren sind in diesem Jahr unverändert. Die Kalkulation für das nächste Jahr steht noch aus. Die Gemeinde erhebt von den Bürgern unterschiedliche Gebühren – für die Bestattung eines Verstorbenen, für die Nutzung der Friedhofskapelle, für den Erwerb einer Grabstätte und für die Friedhofsunterhaltung.

Laut der Kalkulation für das Haushaltsjahr 2019 ergeben sich Gesamtkosten in Höhe von 409.900 Euro. Demgegenüber stehen Erträge in Höhe von 356.700 Euro. Daraus ergibt sich ein Zuschussbedarf von 53.200 Euro. Im vergangenen Jahr lag der Zuschussbedarf bei 64.650 Euro. Der kalkulierte Zuschussbedarf für 2019 entspricht einem Kostendeckungsgrad von 87 Prozent. Erstmalig hat die Verwaltung mehr Urnen- als Sargbestattungen kalkuliert, da die Zahl der Urnenbeisetzungen mittlerweile bei mehr als 50 Prozent liegt.

Die Autoren sind erreichbar unter (0571) 882 265 und (0571) 882 237 oder Stefanie.Dullweber@MT.de und Carsten.Korfesmeyer@MT.de

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HilleBeim Heckenschnitt ist alles im grünen BereichStefanie Dullweber,Carsten KorfesmeyerHille (mt). Was jahrelang für emotionale Diskussionen gesorgt hat, ist heute offenbar kein Thema mehr. Nach einem politischen Beschluss im letzten Jahr, ist der Heckenschnitt auf den Grabstätten in der Gemeinde Hille seit Januar Privatsache. Bis dahin hatte der Bauhof diese Aufgabe erledigt. Damit spart die Kommune pro Jahr rund 50.000 Euro. Der Heckenschnitt war ein Baustein des freiwilligen Sparkonzeptes, auf das sich Rat und Verwaltung im Jahr 2016 verständigt hatten. Viele Angehörige, die sich um die Pflege einer Grabstätte kümmern, haben mittlerweile gar keine Hecke mehr – und haben es auch dementsprechend nicht eingesehen, mit der Friedhofsgebühr eine Leistung zu bezahlen, die sie selbst nicht in Anspruch nehmen. Das sagt zumindest eine Frau, die am Dienstag auf dem Hiller Friedhof Unkraut zupft und Blumen pflanzt. „Die aktuelle Regelung ist gerechter“, findet sie. Andere Befragte haben mit dem Wegfall des Heckenschnitts ebenfalls kein Problem. „Ich mache das lieber selber, dann habe ich es so, wie ich es möchte“, sagt eine andere Bürgerin. Die Hecken auf dem Hiller Friedhof machen einen insgesamt guten Eindruck. Es habe auch bisher keine Beschwerden gegeben – weder über die Neuregelung an sich noch über ungepflegte Grabstätten. Das bestätigt Eike Nagel, der sich bei der Gemeinde Hille um das Friedhofswesen kümmert. „Ganz vereinzelt gab es Anrufe von Angehörigen, die nicht in Hille wohnen und die sich erkundigt haben, wie das mit dem Heckenschnitt jetzt läuft“, sagt der Verwaltungsmitarbeiter. Die meisten seien einsichtig gewesen. Ob jemand ein Grab verwahrlosen lasse, würde man möglicherweise erst in zwei bis drei Jahren sehen, wenn die Hecken deutlich gewachsen seien. In solchen Fällen müssten die Angehörigen dann schriftlich zum Heckenschnitt aufgefordert werden. Wann die Kommune eingreife, liege in ihrem Ermessen, so Eike Nagel. Allerdings sei es bei der Debatte um die Abschaffung des Heckenschnitts nicht nur um Einsparungen gegangen, sondern auch um eine fehlende Verankerung in der Friedhofssatzung. Die Arbeiten, die der Bauhof bisher erledigt hatte, seien ein Stück weit Hiller Gewohnheitsrecht gewesen, erklärt Eike Nagel. In die Friedhofsgebühren-Satzung hätte aufgenommen werden müssen, was die Pflege der Hecke je laufenden Meter kosten würde und jeder Angehörige hätte eine separate Rechnung bekommen – ansonsten wäre der Heckenschnitt mit dem Umsatzsteuerrecht nicht vereinbar gewesen. Seit Januar kümmert sich der Bauhof auf den Friedhöfen demnach nur noch um das Grün, das nicht auf einer Grabstätte steht. Auch in Oberlübbe trauern die Bürger der alten Regelung nicht hinterher, wie Gerhard Becker im MT-Gespräch bestätigt: „An unserer Familiengrabstätte haben wir schon lange keine Hecke mehr“, sagt er. Der Oberlübber weiß, dass diese Art der Bepflanzung in Hille eine lange Tradition hat. Dass die Gemeinde dafür keine Pflegearbeiten mehr leisten will, könne er sehr gut nachvollziehen. Er ist der Ansicht, dass jeder Angehörige die Grabstätten selbst pflegen sollte. Denn so sei es im privaten Raum ja auch „Ich habe mit der neuen Regelung kein Problem.“ Ähnlich äußert sich eine weitere Besucherin auf dem Oberlübber Friedhof, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Ich weiß noch, dass in meiner Kindheit fast alle Gräber eigene Hecken hatten“, sagt sie. Das sei in den späten 1960er Jahren gewesen und mit den Jahren seien die Hecken auf Friedhöfen immer weniger geworden. „Hier gibt es nur noch ganz wenige“, sagt sie. Das liege zum einen am Pflegeaufwand, andererseits an der veränderten Bestattungskultur. Sie selbst kümmere sich inzwischen nur noch um ein Urnengrab. Die Friedhofsgebühren sind in diesem Jahr unverändert. Die Kalkulation für das nächste Jahr steht noch aus. Die Gemeinde erhebt von den Bürgern unterschiedliche Gebühren – für die Bestattung eines Verstorbenen, für die Nutzung der Friedhofskapelle, für den Erwerb einer Grabstätte und für die Friedhofsunterhaltung. Laut der Kalkulation für das Haushaltsjahr 2019 ergeben sich Gesamtkosten in Höhe von 409.900 Euro. Demgegenüber stehen Erträge in Höhe von 356.700 Euro. Daraus ergibt sich ein Zuschussbedarf von 53.200 Euro. Im vergangenen Jahr lag der Zuschussbedarf bei 64.650 Euro. Der kalkulierte Zuschussbedarf für 2019 entspricht einem Kostendeckungsgrad von 87 Prozent. Erstmalig hat die Verwaltung mehr Urnen- als Sargbestattungen kalkuliert, da die Zahl der Urnenbeisetzungen mittlerweile bei mehr als 50 Prozent liegt. Die Autoren sind erreichbar unter (0571) 882 265 und (0571) 882 237 oder Stefanie.Dullweber@MT.de und Carsten.Korfesmeyer@MT.de