Hille

Frischer Wind - Wie "#Überlandflieger" junge Menschen für das Leben in der Region begeistern

Carsten Korfesmeyer

Die Werbekampagne „#Überlandflieger“ ist das Projekt der Interessengemeinschaft Standortförderung Minden-Lübbecke. Es soll dem Fachkräftemangel entgegen wirken. Zielgruppe sind die 25- bis 35-Jährigen, die im Mühlenkreis bleiben oder herkommen sollen. Die Mühlen sind als Werbeträger ein beliebtes Fotomotiv. MT-Archivfoto: Rolf Graff - © Graff,Rolf
Die Werbekampagne „#Überlandflieger“ ist das Projekt der Interessengemeinschaft Standortförderung Minden-Lübbecke. Es soll dem Fachkräftemangel entgegen wirken. Zielgruppe sind die 25- bis 35-Jährigen, die im Mühlenkreis bleiben oder herkommen sollen. Die Mühlen sind als Werbeträger ein beliebtes Fotomotiv. MT-Archivfoto: Rolf Graff (© Graff,Rolf)

Hille (mt). Mitte August hat sich Alexander Sannwaldt dem kreisweiten Projekt „#Überlandflieger" angeschlossen. Der Inhaber eines Hiller Reisebüros will damit seinen engen Bezug zur Region ausdrücken. „Es lohnt sich, hier mit der Familie zu leben und zu arbeiten", sagt er gegenüber dem MT. Das will er mit seinen Beiträgen in dem Portal zeigen, das der Kreis mit der Interessengemeinschaft Standortförderung (IGS) unter www.igs-minden-luebbecke.de anbietet. Grundidee ist, junge Menschen über das weltweite Netz für ein Leben in der Region zu faszinieren. Die 25- bis 35-Jährigen sind die Zielgruppe, die idealerweise zu den Fach- oder Führungskräften zählen. „Prinzipiell kann sich aber jeder dadurch angesprochen fühlen", sagt der Familienvater.

Noch ist Sannwaldt der erste Hiller im 2017 gegründeten Portal, doch das dürfte sich ändern. Die Zugriffszahlen steigen und liegen laut dem Kreis bei 1.900 pro Monat. Das sind gegenüber dem Vorjahr rund 50 Prozent mehr. Auch die Verweildauer auf den Seiten legt demnach zu. Lag beispielsweise die Absprungrate der Nutzer im Jahr 2018 bei 51 Prozent, sind es 2019 nur noch 37.

„Wir bauen das Angebot kontinuierlich weiter aus", teilte Kreis-Mitarbeiterin Laura Vogelsang kürzlich im Ausschuss für Strukturförderung mit. 70 Unternehmen sind inzwischen dabei, die sich mit Imagefilmen, Interviews oder Bildern vorstellen. Mittelfristig sollen auch Vereine und Verbände mit ins Boot steigen. Infos gibt es auch über Freizeitmöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten sowie über Kindergärten und Schulen. Das Portal gibt auch Auskünfte über Kindertagesstätten und Schulen.

Die Überlandflieger sind ein Thema für alle elf Kommunen im Kreis. Hilles Wirtschaftsförderer Timo Muchow verbindet ganz besonders große Hoffungen mit der Kampagne. „Sie passt zu uns", sagt er. Denn die schönen Seiten des ländlich geprägten Raums ließen sich mühelos in die ganze Welt hinaus transportieren. Damit sei auch die Verbreitung über soziale Netzwerke gemeint – beispielsweise durch Verlinkungen auf Facebook oder Youtube. „Es ist ein klassisches Wirtschaftsförderungsprogramm", sagt Muchow. Er sieht eine ideale Möglichkeit zur Fachkräftegewinnung. Es gehe darum, das an Angeboten in den Fokus zu rücken, was vor Ort ist. Wer dabei mitmachen möchte, muss dafür nicht einmal zahlen. „Die Teilnahme finanziert die IGS", sagt er.

Muchow spricht über die Ebenen des Portals und davon, das jedes Teil ein Baustein ist. Gemeinsam erzielen die Überlandflieger hohe Aufmerksamkeit. Sie bieten Infos oder stellen auch Kontakte her. So gibt es beispielsweise eine sogenannte 60-Sekunden-Bewerbung, mit der sich die Menschen in Kurzform online vorstellen können. „Überlandflieger bekommen Arbeit und Freizeit locker unter einen Hut", schreibt der Kreis. Denn die Work-Life-Balance sei ebenfalls ein Baustein, heißt es.

Kommentar: Glücklich auf dem Lande

Von Carsten Korfesmeyer

Die Überlandflieger passen in die Zeit. Sie signalisieren, dass die Karriereleitern nicht allein in Großstädten stehen, sondern auch in Dörfern erfolgreich hinaufgeklettert werden können. Und es müssen keine Metropolen sein, um glücklich zu sein. Leben lässt es sich auch in Eickhorst oder Nordhemmern.

Wie hinterwäldlerisch es immer war, jungen Menschen das Gefühl zu geben, allein in der großen weiten Welt ihr Glück finden zu können, zeigt der aktuelle Fachkräftemangel auf dem Lande. Noch immer steckt in den Köpfen, was Unis, Schulen oder auch Elternhäuser eingebläut haben: Wen es nicht in die Ferne zieht, aus dem wird nichts. Die Folge war, dass die Leute wegzogen.

Die Uhren ticken überall gleich und endlich kapiert die Gesellschaft, dass Familie, Arbeit und Freizeit miteinander verzahnen. Die Überlandflieger stehen für eine neue Sichtweise, die für mehr Identifikation mit dem Leben im ländlichen Raum steht. Das hilft dort bei der Fachkräftegewinnung.

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HilleFrischer Wind - Wie "#Überlandflieger" junge Menschen für das Leben in der Region begeisternCarsten KorfesmeyerHille (mt). Mitte August hat sich Alexander Sannwaldt dem kreisweiten Projekt „#Überlandflieger" angeschlossen. Der Inhaber eines Hiller Reisebüros will damit seinen engen Bezug zur Region ausdrücken. „Es lohnt sich, hier mit der Familie zu leben und zu arbeiten", sagt er gegenüber dem MT. Das will er mit seinen Beiträgen in dem Portal zeigen, das der Kreis mit der Interessengemeinschaft Standortförderung (IGS) unter www.igs-minden-luebbecke.de anbietet. Grundidee ist, junge Menschen über das weltweite Netz für ein Leben in der Region zu faszinieren. Die 25- bis 35-Jährigen sind die Zielgruppe, die idealerweise zu den Fach- oder Führungskräften zählen. „Prinzipiell kann sich aber jeder dadurch angesprochen fühlen", sagt der Familienvater. Noch ist Sannwaldt der erste Hiller im 2017 gegründeten Portal, doch das dürfte sich ändern. Die Zugriffszahlen steigen und liegen laut dem Kreis bei 1.900 pro Monat. Das sind gegenüber dem Vorjahr rund 50 Prozent mehr. Auch die Verweildauer auf den Seiten legt demnach zu. Lag beispielsweise die Absprungrate der Nutzer im Jahr 2018 bei 51 Prozent, sind es 2019 nur noch 37. „Wir bauen das Angebot kontinuierlich weiter aus", teilte Kreis-Mitarbeiterin Laura Vogelsang kürzlich im Ausschuss für Strukturförderung mit. 70 Unternehmen sind inzwischen dabei, die sich mit Imagefilmen, Interviews oder Bildern vorstellen. Mittelfristig sollen auch Vereine und Verbände mit ins Boot steigen. Infos gibt es auch über Freizeitmöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten sowie über Kindergärten und Schulen. Das Portal gibt auch Auskünfte über Kindertagesstätten und Schulen. Die Überlandflieger sind ein Thema für alle elf Kommunen im Kreis. Hilles Wirtschaftsförderer Timo Muchow verbindet ganz besonders große Hoffungen mit der Kampagne. „Sie passt zu uns", sagt er. Denn die schönen Seiten des ländlich geprägten Raums ließen sich mühelos in die ganze Welt hinaus transportieren. Damit sei auch die Verbreitung über soziale Netzwerke gemeint – beispielsweise durch Verlinkungen auf Facebook oder Youtube. „Es ist ein klassisches Wirtschaftsförderungsprogramm", sagt Muchow. Er sieht eine ideale Möglichkeit zur Fachkräftegewinnung. Es gehe darum, das an Angeboten in den Fokus zu rücken, was vor Ort ist. Wer dabei mitmachen möchte, muss dafür nicht einmal zahlen. „Die Teilnahme finanziert die IGS", sagt er. Muchow spricht über die Ebenen des Portals und davon, das jedes Teil ein Baustein ist. Gemeinsam erzielen die Überlandflieger hohe Aufmerksamkeit. Sie bieten Infos oder stellen auch Kontakte her. So gibt es beispielsweise eine sogenannte 60-Sekunden-Bewerbung, mit der sich die Menschen in Kurzform online vorstellen können. „Überlandflieger bekommen Arbeit und Freizeit locker unter einen Hut", schreibt der Kreis. Denn die Work-Life-Balance sei ebenfalls ein Baustein, heißt es. Kommentar: Glücklich auf dem Lande Von Carsten Korfesmeyer Die Überlandflieger passen in die Zeit. Sie signalisieren, dass die Karriereleitern nicht allein in Großstädten stehen, sondern auch in Dörfern erfolgreich hinaufgeklettert werden können. Und es müssen keine Metropolen sein, um glücklich zu sein. Leben lässt es sich auch in Eickhorst oder Nordhemmern. Wie hinterwäldlerisch es immer war, jungen Menschen das Gefühl zu geben, allein in der großen weiten Welt ihr Glück finden zu können, zeigt der aktuelle Fachkräftemangel auf dem Lande. Noch immer steckt in den Köpfen, was Unis, Schulen oder auch Elternhäuser eingebläut haben: Wen es nicht in die Ferne zieht, aus dem wird nichts. Die Folge war, dass die Leute wegzogen. Die Uhren ticken überall gleich und endlich kapiert die Gesellschaft, dass Familie, Arbeit und Freizeit miteinander verzahnen. Die Überlandflieger stehen für eine neue Sichtweise, die für mehr Identifikation mit dem Leben im ländlichen Raum steht. Das hilft dort bei der Fachkräftegewinnung.