Eickhorst

Alles dreht sich in der Eickhorster Windmühle um Zigarren

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Plattdeutscher Abend: Im Müllerhaus der Eickhorster Windmühle führten Marianne Kreft (links) und Elisabeth Halter die historische Zigarrenherstellung vor, wie sie früher in der Region verbreitet war. Fotos: Pfeiffer
Plattdeutscher Abend: Im Müllerhaus der Eickhorster Windmühle führten Marianne Kreft (links) und Elisabeth Halter die historische Zigarrenherstellung vor, wie sie früher in der Region verbreitet war. Fotos: Pfeiffer

Von Stephan Pfeiffer

Hille-Eickhorst (pei). „Ich trinke viel, ich schlafe wenig und rauche eine Zigarre nach der anderen. Deshalb bin ich 200-prozentig in Form“, sagte einst Sir Winston Churchill. Ob sich die Gäste des plattdeutschen Abends in der Eickhorster Windmühle mit den Fitnesstipps des britischen Staatsmanns bei Gesundheit halten, sei an dieser Stelle dahingestellt. Fest steht, dass sich die Veranstalter der Kulturgemeinschaft und die Besucher des geselligen Miteinanders am Freitagabend bei bester Stimmung in ebenso guter Form befanden.

Unter dem Motto „Als das Zigarrenmachen das ländliche Leben bestimmt hat und den Menschen den Lebensunterhalt sicherte“ erfuhren die Heimatfreunde nicht nur jede Menge Interessantes über die Herstellung der dicken Glimmstengel. Auch über den wirtschaftlichen Hintergrund und die Lebenssituation vieler Familien der Region wussten Kenner der Materie zu berichten. Garniert wurde die schöne Zusammenkunft mit lustigen Anekdoten und berührenden Gedichten auf Platt. Nach dem gemeinsamen Essen fanden alle Gäste noch bis Mitternacht ausgiebig Zeit, um miteinander in Ruhe zu klönen und über die traditionelle Mundart zu fachsimpeln.

„Ich freue mich, dass ihr heute alle mit dabei seid und so viele gekommen sind“, hieß es in der Begrüßung von Jürgen Paulsmeyer. Als Ortsheimatpfleger führte er durch die Veranstaltung und hatte allen Grund zur guten Laune, denn er durfte gut fünf Dutzend ebenso gut gelaunte Teilnehmer willkommen heißen. Es war eine gute Idee, dass die Organisatoren den heimatlichen Treff vom kleineren Spieker in die größere Scheune verlegt hatten, denn sonst wäre es ganz schön eng geworden. So fanden alle genug Platz an einer der Festzeltgarnituren und sahen Marianne Kreft und Elisabeth Halter zu, die demonstrierten, wie früher Zigarren gefertigt wurden. Am historischen Arbeitstisch sitzend, zeigten sie, wie die „Einlage“ aus geschredderten Tabakblättern mit einem „Umblatt“ umwickelt wurde. War das erledigt, erhielt man einen Zigarrenrohling - den sogenannten „Wickel“. Um jenen wurde dann noch das „Deckblatt“ gerollt, und nach einer gewissen Trocknungszeit konnten sich Raucher schließlich das handgefertigte Endprodukt anzünden und genießen. Die Arbeit war aufwendig und verlangte Erfahrung und Fingerspitzengefühl.

Ein hauptberuflicher Zigarrenmacher verdiente in den Fünfziger-Jahren zwischen 250 und 300 DM, schätzte Marianne Kreft und betonte, dass die Fertigung in Heimarbeit für viele Familien ein wichtiges Standbein war und damals zum finanziellen Unterhalt beitrug. Ebenfalls im Heimatverein Rothenuffeln als Zigarrenexpertin bekannt, trug sie außerdem die Geschichte „De Zwerge in Wehmes Keller" vor. Lisa Krudup beeindruckte danach mit auswendig rezitierten Gedichten von Fritz Niemann, und Hannelore Backsmeier gab die Anekdote „Reise no Builefeld“ zum Besten. Zusammen mit dem „Hosenträger-Sketch“, den Dieter Jung vorspielte, sorgte das humorvolle Rahmenprogramm für so manchen Lacher und Schenkelkklopfer im Publikum.

„Welche Rolle spielt Plattdeutsch heutzutage im kulturellen Bereich - sprachlich und schriftlich? Welche Rolle wird es im digitalen Bereich zukünftig spielen?" - diese Fragen warf Jürgen Paulsmeyer in die Runde und bot damit allen Teilnehmern genügend Diskussionsstoff für den weiteren launigen Abend bei Bockwurst, Brot und Bier.

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EickhorstAlles dreht sich in der Eickhorster Windmühle um ZigarrenVon Stephan Pfeiffer Hille-Eickhorst (pei). „Ich trinke viel, ich schlafe wenig und rauche eine Zigarre nach der anderen. Deshalb bin ich 200-prozentig in Form“, sagte einst Sir Winston Churchill. Ob sich die Gäste des plattdeutschen Abends in der Eickhorster Windmühle mit den Fitnesstipps des britischen Staatsmanns bei Gesundheit halten, sei an dieser Stelle dahingestellt. Fest steht, dass sich die Veranstalter der Kulturgemeinschaft und die Besucher des geselligen Miteinanders am Freitagabend bei bester Stimmung in ebenso guter Form befanden. Unter dem Motto „Als das Zigarrenmachen das ländliche Leben bestimmt hat und den Menschen den Lebensunterhalt sicherte“ erfuhren die Heimatfreunde nicht nur jede Menge Interessantes über die Herstellung der dicken Glimmstengel. Auch über den wirtschaftlichen Hintergrund und die Lebenssituation vieler Familien der Region wussten Kenner der Materie zu berichten. Garniert wurde die schöne Zusammenkunft mit lustigen Anekdoten und berührenden Gedichten auf Platt. Nach dem gemeinsamen Essen fanden alle Gäste noch bis Mitternacht ausgiebig Zeit, um miteinander in Ruhe zu klönen und über die traditionelle Mundart zu fachsimpeln. „Ich freue mich, dass ihr heute alle mit dabei seid und so viele gekommen sind“, hieß es in der Begrüßung von Jürgen Paulsmeyer. Als Ortsheimatpfleger führte er durch die Veranstaltung und hatte allen Grund zur guten Laune, denn er durfte gut fünf Dutzend ebenso gut gelaunte Teilnehmer willkommen heißen. Es war eine gute Idee, dass die Organisatoren den heimatlichen Treff vom kleineren Spieker in die größere Scheune verlegt hatten, denn sonst wäre es ganz schön eng geworden. So fanden alle genug Platz an einer der Festzeltgarnituren und sahen Marianne Kreft und Elisabeth Halter zu, die demonstrierten, wie früher Zigarren gefertigt wurden. Am historischen Arbeitstisch sitzend, zeigten sie, wie die „Einlage“ aus geschredderten Tabakblättern mit einem „Umblatt“ umwickelt wurde. War das erledigt, erhielt man einen Zigarrenrohling - den sogenannten „Wickel“. Um jenen wurde dann noch das „Deckblatt“ gerollt, und nach einer gewissen Trocknungszeit konnten sich Raucher schließlich das handgefertigte Endprodukt anzünden und genießen. Die Arbeit war aufwendig und verlangte Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Ein hauptberuflicher Zigarrenmacher verdiente in den Fünfziger-Jahren zwischen 250 und 300 DM, schätzte Marianne Kreft und betonte, dass die Fertigung in Heimarbeit für viele Familien ein wichtiges Standbein war und damals zum finanziellen Unterhalt beitrug. Ebenfalls im Heimatverein Rothenuffeln als Zigarrenexpertin bekannt, trug sie außerdem die Geschichte „De Zwerge in Wehmes Keller" vor. Lisa Krudup beeindruckte danach mit auswendig rezitierten Gedichten von Fritz Niemann, und Hannelore Backsmeier gab die Anekdote „Reise no Builefeld“ zum Besten. Zusammen mit dem „Hosenträger-Sketch“, den Dieter Jung vorspielte, sorgte das humorvolle Rahmenprogramm für so manchen Lacher und Schenkelkklopfer im Publikum. „Welche Rolle spielt Plattdeutsch heutzutage im kulturellen Bereich - sprachlich und schriftlich? Welche Rolle wird es im digitalen Bereich zukünftig spielen?" - diese Fragen warf Jürgen Paulsmeyer in die Runde und bot damit allen Teilnehmern genügend Diskussionsstoff für den weiteren launigen Abend bei Bockwurst, Brot und Bier.