Hille

Wohin damit? Die vielen Fragen zur richtigen Mülltrennung

Carsten Korfesmeyer

Mülltrennung ist ein weites Feld. Bei der Verbraucherzentrale und auf der Pohlschen Heide nehmen Nachfragen zu. MT- - © Foto: C. Korfesmeyer
Mülltrennung ist ein weites Feld. Bei der Verbraucherzentrale und auf der Pohlschen Heide nehmen Nachfragen zu. MT- (© Foto: C. Korfesmeyer)

Hille (mt). Grundsätzlich ist das Bewusstsein für die Mülltrennung in den vergangenen Jahren gewachsen, sagt Cornelia Franke-Röthemeyer. Sie arbeitet bei der Mindener Verbraucherzentrale und eng mit Holger Nething zusammen, der auf der Pohlschen Heide das Kundencenter leitet. Beide stehen den Bürgern für Fragen zur Seite, wenn es um die richtige Entsorgung geht. Die Zahl der Anrufer nimmt zu, was beide Experten als ein positives Signal werten. Es zeigt, dass Bürger sich intensiver mit Mülltrennung beschäftigen.

„Es gibt aber noch erhebliche Defizite", sagt Franke-Röthemeyer. Noch immer landet Müll in den Tonnen und gelben Säcken, der dort nicht hingehört. Negativbeispiele wie Glas in der Biotonne, Bananenschalen im Restmüll oder Konservendosen in der Papiertonne zeigen leider, dass manchen Menschen die Mülltrennung egal zu sein scheint. Besonders ärgerlich sei auch das viele Plastik im Biomüll, sagt Nething. Meist sind das Tüten – und der Experte rät, diese auszukippen oder Papiertüten zu verwenden. „Alles, was folienartig ist, gehört da nicht rein."

Oft und immer häufiger ist es aber die Unwissenheit, die zu einer falschen Mülltrennung führt. Beutel von Staubsaugern oder Zigarettenstummel werden beispielsweise oft in die Biotonne geworfen, obwohl sie zum Restmüll gehören. „Vor allem die Neubürger sind in dieser Hinsicht noch überfordert", sagt Franke-Röthemeyer. Das Ziel ihrer Arbeit sieht sie deshalb in der Aufklärung und gemeinsam mit ihren Kollegen lädt die Expertin jährlich zu zahlreichen Infoständen, Vorträgen und Aktionen ein, in denen es um die Umweltberatung geht. Denn die Themen Müll, Umweltschutz und Klimaschutz verzahnen ineinander. „Ideal ist es, schon im Kindergartenalter damit zu beginnen, für richtige Mülltrennung zu sensibilisieren." Die Kinder geben das Wissen dann an ihre Eltern weiter, die ihr Verhalten dann häufig ändern und richtig trennen.

Perspektivisch will die Branche die Recyclingquote weiter steigern. Das allerdings klappt nur, wenn die Verbraucher ihren Müll richtig trennen. „Abfall ist ein Rohstoff", sagt Nething, der in der Beratung einen wesentlichen Ansatz dafür sieht. Beim Kundencenterleiter klingelt zwar nicht so oft das Telefon wie bei der Verbraucherzentrale, doch die Fragen ähneln sich. „Bei uns rufen mehr die Gewerbetreibenden an", sagt er. Die erkundigen sich in aller Regel nach Materialentsorgung größerer Art. Bei Privatleuten drehe es sich hingegen meist um den Sperrmüll, der vielfach aus verschiedenen Stoffen besteht, die wiederverwertet werden können.

Bei Metallen und Grünabfällen ist relativ klar, wohin die Reise geht. Schwieriger ist es bei den Schadstoffen, die laut Nething bis auf zwei Termine im Jahr nicht auf der Pohlschen Heide abgegeben werden können. Er verweist auf die Schadstoffsammlungen in den Kommunen, die für die Bürger kostenfrei über den Abfallentsorgungsbetrieb des Kreises (AML) laufen. „Die jeweiligen Termine stehen auch im Abfallkalender", sagt er.

Über das, was ein Schadstoff ist, herrscht nicht selten Unklarheit. Klassiker sind Akkus, Spraydosen, ölverschmutzte Lappen, CDs oder Reinigungsmittel. Getränktes Holz hingegen nehmen in aller Regel die regionalen Entsorger oder die Händler zurück, bei denen man es gekauft hat. Und bei Farb- und Lackdosen gelten unterschiedliche Regelungen, denn: Sind die Reste eingetrocknet, landen sie im Hausmüll. Komplett geleerte Lackdosen hingegen gelten als kostbare Rohstoffe und gehören in den gelben Sack.

„Mülltrennung ist ein weites Feld", sagt Nething. Und jeder, der sich damit beschäftigt, sollte auch darüber nachdenken, wie Abfall gar nicht erst entsteht. Immer wieder Wege dafür zu finden, sei eine Aufgabe der Zukunft.

Kommentar: Die Macht der Vorbilder

Von Carsten Korfesmeyer

Plastik im Biomüll? Blechdosen im Grünschnitt? Schon der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass sowas nicht geht. Dass es dennoch vorkommt, zeugt entweder von Dummheit oder Ignoranz.

Menschen, die sich in der Natur wie die Axt im Walde benehmen, wird es wohl immer geben. Sich damit abzufinden, wäre der falsche Weg – und deshalb kommt gerade der Aufklärungsarbeit in der jungen Bevölkerung eine Bedeutung zu, die viel tiefgreifender ist, als sie auf den ersten Blick erscheint. Denn die Infostände, Workshops oder Unterrichtsbesuche haben das Zeug zu Multiplikatoren. Sie regen zum Nachdenken an – und das ändert das Verhalten.

Eltern fahren Fahrrad oft erst mit Helm, wenn es ihnen die Kinder vormachen. Beim „gesunden Frühstück" klappt das mit der Vorbildfunktion ebenfalls. Bei der Mülltrennung ist es dann nicht anders.

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HilleWohin damit? Die vielen Fragen zur richtigen MülltrennungCarsten KorfesmeyerHille (mt). Grundsätzlich ist das Bewusstsein für die Mülltrennung in den vergangenen Jahren gewachsen, sagt Cornelia Franke-Röthemeyer. Sie arbeitet bei der Mindener Verbraucherzentrale und eng mit Holger Nething zusammen, der auf der Pohlschen Heide das Kundencenter leitet. Beide stehen den Bürgern für Fragen zur Seite, wenn es um die richtige Entsorgung geht. Die Zahl der Anrufer nimmt zu, was beide Experten als ein positives Signal werten. Es zeigt, dass Bürger sich intensiver mit Mülltrennung beschäftigen. „Es gibt aber noch erhebliche Defizite", sagt Franke-Röthemeyer. Noch immer landet Müll in den Tonnen und gelben Säcken, der dort nicht hingehört. Negativbeispiele wie Glas in der Biotonne, Bananenschalen im Restmüll oder Konservendosen in der Papiertonne zeigen leider, dass manchen Menschen die Mülltrennung egal zu sein scheint. Besonders ärgerlich sei auch das viele Plastik im Biomüll, sagt Nething. Meist sind das Tüten – und der Experte rät, diese auszukippen oder Papiertüten zu verwenden. „Alles, was folienartig ist, gehört da nicht rein." Oft und immer häufiger ist es aber die Unwissenheit, die zu einer falschen Mülltrennung führt. Beutel von Staubsaugern oder Zigarettenstummel werden beispielsweise oft in die Biotonne geworfen, obwohl sie zum Restmüll gehören. „Vor allem die Neubürger sind in dieser Hinsicht noch überfordert", sagt Franke-Röthemeyer. Das Ziel ihrer Arbeit sieht sie deshalb in der Aufklärung und gemeinsam mit ihren Kollegen lädt die Expertin jährlich zu zahlreichen Infoständen, Vorträgen und Aktionen ein, in denen es um die Umweltberatung geht. Denn die Themen Müll, Umweltschutz und Klimaschutz verzahnen ineinander. „Ideal ist es, schon im Kindergartenalter damit zu beginnen, für richtige Mülltrennung zu sensibilisieren." Die Kinder geben das Wissen dann an ihre Eltern weiter, die ihr Verhalten dann häufig ändern und richtig trennen. Perspektivisch will die Branche die Recyclingquote weiter steigern. Das allerdings klappt nur, wenn die Verbraucher ihren Müll richtig trennen. „Abfall ist ein Rohstoff", sagt Nething, der in der Beratung einen wesentlichen Ansatz dafür sieht. Beim Kundencenterleiter klingelt zwar nicht so oft das Telefon wie bei der Verbraucherzentrale, doch die Fragen ähneln sich. „Bei uns rufen mehr die Gewerbetreibenden an", sagt er. Die erkundigen sich in aller Regel nach Materialentsorgung größerer Art. Bei Privatleuten drehe es sich hingegen meist um den Sperrmüll, der vielfach aus verschiedenen Stoffen besteht, die wiederverwertet werden können. Bei Metallen und Grünabfällen ist relativ klar, wohin die Reise geht. Schwieriger ist es bei den Schadstoffen, die laut Nething bis auf zwei Termine im Jahr nicht auf der Pohlschen Heide abgegeben werden können. Er verweist auf die Schadstoffsammlungen in den Kommunen, die für die Bürger kostenfrei über den Abfallentsorgungsbetrieb des Kreises (AML) laufen. „Die jeweiligen Termine stehen auch im Abfallkalender", sagt er. Über das, was ein Schadstoff ist, herrscht nicht selten Unklarheit. Klassiker sind Akkus, Spraydosen, ölverschmutzte Lappen, CDs oder Reinigungsmittel. Getränktes Holz hingegen nehmen in aller Regel die regionalen Entsorger oder die Händler zurück, bei denen man es gekauft hat. Und bei Farb- und Lackdosen gelten unterschiedliche Regelungen, denn: Sind die Reste eingetrocknet, landen sie im Hausmüll. Komplett geleerte Lackdosen hingegen gelten als kostbare Rohstoffe und gehören in den gelben Sack. „Mülltrennung ist ein weites Feld", sagt Nething. Und jeder, der sich damit beschäftigt, sollte auch darüber nachdenken, wie Abfall gar nicht erst entsteht. Immer wieder Wege dafür zu finden, sei eine Aufgabe der Zukunft. Kommentar: Die Macht der Vorbilder Von Carsten Korfesmeyer Plastik im Biomüll? Blechdosen im Grünschnitt? Schon der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass sowas nicht geht. Dass es dennoch vorkommt, zeugt entweder von Dummheit oder Ignoranz. Menschen, die sich in der Natur wie die Axt im Walde benehmen, wird es wohl immer geben. Sich damit abzufinden, wäre der falsche Weg – und deshalb kommt gerade der Aufklärungsarbeit in der jungen Bevölkerung eine Bedeutung zu, die viel tiefgreifender ist, als sie auf den ersten Blick erscheint. Denn die Infostände, Workshops oder Unterrichtsbesuche haben das Zeug zu Multiplikatoren. Sie regen zum Nachdenken an – und das ändert das Verhalten. Eltern fahren Fahrrad oft erst mit Helm, wenn es ihnen die Kinder vormachen. Beim „gesunden Frühstück" klappt das mit der Vorbildfunktion ebenfalls. Bei der Mülltrennung ist es dann nicht anders.