Hille

Mit Säge und Astkneifer: Verbundschüler lernen im Wald

Carsten Korfesmeyer

Johanna (von links), Melina, Marvin und Caroline haben viel Spaß.
Johanna (von links), Melina, Marvin und Caroline haben viel Spaß.

Hille (mt). Marvin sagt, was wohl jeder seiner Mitschüler in dieser Woche empfindet. Das Leben im Wald verstehe er jetzt viel besser, weil ein direkter Kontakt zu Bäumen, Pflanzen und Tieren besteht. Von 8 bis 15.30 Uhr hält er sich mit seinen Jahrgangsstufenkollegen im Naherholungsgebiet von Mindenerwald auf. Sie sind Teilnehmer eines Projektes, das die Verbundschule mit der Biologischen Station Minden-Lübbecke jährlich anbietet. Bei Wind und Wetter leben die Jugendlichen und ihre Betreuer im Einklang mit der Natur. Das schärft den Blick für Wesentliches.

„Wir zeigen, dass in der Natur alles zusammenhängt“, sagt Sascha Traue. Der Waldpädagoge ist zusammen mit Lehrerin Martina Mähler für den Kurs zuständig, in dem sie die Schüler auch für den Umweltschutz sensibilisieren. Ziel ist aber vor allem, dass die Kinder praktische Erfahrungen sammeln. Sie müssen deshalb mit anpacken und eine Aufgabe erledigen, die sich gerade im Wald stellt. „Wir wollen hier neues Weideland für schottische Hochlandrinder schaffen“, sagt Traue. Dafür müssen einige Sträucher und Bäume weichen.

Den richtigen Umgang mit der Handsäge und dem Astkneifer haben die Schüler vorab gelernt, jetzt laufen die Arbeiten. Sechs Meter breit ist die Schneise, die sie schlagen müssen und am Mittwochmorgen ist rund die Hälfte der Fläche geschafft. Die abgeschlagenen Sträucher und Äste stapeln die Projektteilnehmer zu einer sogenannten Benjeshecke, in deren Zwischenräumen unter anderem Igel oder Eichhörnchen den Winter verbringen. „Vögel können dort im Frühjahr auch ihre Nester bauen“, sagt Mähler, die aufgrund der körperlichen Arbeit zurzeit jeden Abend „stehend Ko“ ist.

Die meisten Schüler haben sich die Tätigkeit im Wald wesentlich leichter vorgestellt. Mette (12) hätte beispielsweise nicht gedacht, dass sich die Äste so schwer schneiden lassen. Nour (13) findet das Schleppen des Strauchschnitts „einigermaßen anstrengend“ und Malin (12) ist überrascht, dass es im Wald so viel Totholz gibt.

Spürbar ist, dass die Kinder viel Freude am Lernen in der Natur haben. „Das ist was anderes als in Büchern lesen“, sagt Marvin – und Sascha Traue hat den Eindruck, dass die Schüler ihr neues Wissen über den Wald nahezu spielerisch aufschnappen. Bis Freitag soll die Schneise freigelegt sein. Dann startet die Biologische Station damit, einen Zaun zu ziehen, der mehrerere Kilometer lang ist und bis an den Naturbadesee Mindenerwald ragt. „Wir wollen hier mehr Wiesencharakter“, sagt Traue. Dass es dann so bleibt, ist Sache der Hochlandrinder, die später jeden nachwachsenden Keimling fressen.

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HilleMit Säge und Astkneifer: Verbundschüler lernen im WaldCarsten KorfesmeyerHille (mt). Marvin sagt, was wohl jeder seiner Mitschüler in dieser Woche empfindet. Das Leben im Wald verstehe er jetzt viel besser, weil ein direkter Kontakt zu Bäumen, Pflanzen und Tieren besteht. Von 8 bis 15.30 Uhr hält er sich mit seinen Jahrgangsstufenkollegen im Naherholungsgebiet von Mindenerwald auf. Sie sind Teilnehmer eines Projektes, das die Verbundschule mit der Biologischen Station Minden-Lübbecke jährlich anbietet. Bei Wind und Wetter leben die Jugendlichen und ihre Betreuer im Einklang mit der Natur. Das schärft den Blick für Wesentliches. „Wir zeigen, dass in der Natur alles zusammenhängt“, sagt Sascha Traue. Der Waldpädagoge ist zusammen mit Lehrerin Martina Mähler für den Kurs zuständig, in dem sie die Schüler auch für den Umweltschutz sensibilisieren. Ziel ist aber vor allem, dass die Kinder praktische Erfahrungen sammeln. Sie müssen deshalb mit anpacken und eine Aufgabe erledigen, die sich gerade im Wald stellt. „Wir wollen hier neues Weideland für schottische Hochlandrinder schaffen“, sagt Traue. Dafür müssen einige Sträucher und Bäume weichen. Den richtigen Umgang mit der Handsäge und dem Astkneifer haben die Schüler vorab gelernt, jetzt laufen die Arbeiten. Sechs Meter breit ist die Schneise, die sie schlagen müssen und am Mittwochmorgen ist rund die Hälfte der Fläche geschafft. Die abgeschlagenen Sträucher und Äste stapeln die Projektteilnehmer zu einer sogenannten Benjeshecke, in deren Zwischenräumen unter anderem Igel oder Eichhörnchen den Winter verbringen. „Vögel können dort im Frühjahr auch ihre Nester bauen“, sagt Mähler, die aufgrund der körperlichen Arbeit zurzeit jeden Abend „stehend Ko“ ist. Die meisten Schüler haben sich die Tätigkeit im Wald wesentlich leichter vorgestellt. Mette (12) hätte beispielsweise nicht gedacht, dass sich die Äste so schwer schneiden lassen. Nour (13) findet das Schleppen des Strauchschnitts „einigermaßen anstrengend“ und Malin (12) ist überrascht, dass es im Wald so viel Totholz gibt. Spürbar ist, dass die Kinder viel Freude am Lernen in der Natur haben. „Das ist was anderes als in Büchern lesen“, sagt Marvin – und Sascha Traue hat den Eindruck, dass die Schüler ihr neues Wissen über den Wald nahezu spielerisch aufschnappen. Bis Freitag soll die Schneise freigelegt sein. Dann startet die Biologische Station damit, einen Zaun zu ziehen, der mehrerere Kilometer lang ist und bis an den Naturbadesee Mindenerwald ragt. „Wir wollen hier mehr Wiesencharakter“, sagt Traue. Dass es dann so bleibt, ist Sache der Hochlandrinder, die später jeden nachwachsenden Keimling fressen.