Nordhemmern

Ein Projekt, das Früchte trägt: 63 Obstbäume für Nordhemmern

Carsten Korfesmeyer

Hille-Nordhemmern (mt). Wie angesagt Obstbäume an Straßenrändern einmal waren, hat Lisa Krudup selbst miterlebt. Noch bis in die 1970er Jahre wurden sie sogar einzeln zur Ernte von den Ortsbürgermeistern versteigert. Nur wer den Zuschlag bekam, durfte die Früchte pflücken. „Die Leute zahlten damals dafür bis zu fünf Mark", erzählt die Frau aus Nordhemmern, die sich unter anderem im Seniorenbeirat engagiert. Inspiriert von den vielen Aktionen für den Klimaschutz kam sie vor ein paar Wochen auf die Idee, für neue Obstbäume zu sorgen.

Initiatorin Lisa Krudup (vorne) und ihre Unterstützer Heinrich Schafmeier (von links), Uwe Habbe, Dagmar Meinert und Michael Krudup blicken dem Projekt gespannt entgegen. MT- - © Foto: Carsten Korfesmeyer
Initiatorin Lisa Krudup (vorne) und ihre Unterstützer Heinrich Schafmeier (von links), Uwe Habbe, Dagmar Meinert und Michael Krudup blicken dem Projekt gespannt entgegen. MT- (© Foto: Carsten Korfesmeyer)

Sie ging ins Rathaus und stieß bei Bürgermeister Michael Schweiß (SPD) sofort auf offene Ohren. Aus einem Fördertopf des Kreises kauft die Gemeinde insgesamt 63 Obstbäume, die in einer Pflanzaktion am Samstag, 9. November, ab 9 Uhr an der Detzkämper Straße und ab 9.30 Uhr an der Windmühlenallee läuft.

„Jeder kann mitmachen", sagt die Initiatorin, die inzwischen beim Verein der Gartenfreunde sowie beim Mühlenverein Nordhemmern auf große Unterstützung stößt. Und ihr Sohn Michael Krudup steht mit seinem Garten- und Landschaftsbaubetrieb zur Seite, damit die Bäume fachgerecht in den Boden kommen. „Unser Ziel ist, so eine Aktion künftig in jedem Herbst anzubieten", sagt Bauhofleiterin Dagmar Meinert. Auf diese Weise soll es perspektivisch in ganz Hille wieder mehr Obstbäume geben. Besonders Apfel, Birne, Süßkirsche und Pflaume stehen ganz oben auf der Hitliste. Diese Arten kommen auch an die Ränder der Windmühlenallee und die Detzkämper Straße – beides Strecken, die das Landschaftsbild in Nordhemmern einst durch ihren Allee-Charakter prägten.

„So soll es dann irgendwann auch wieder sein", sagt Mühlenvereinschef Uwe Habbe. Vereinzelt sind zwar noch einige der alten Obstbäume erhalten, die Schätzungen zufolge bis zu 50 Jahre alt sind. Die bleiben selbstverständlich erhalten, denn bei der Aktion gehe es darum, die entstandenen Lücken zu füllen. In einem Abstand von 15 Metern stehen sich die neuen Bäume auf beiden Straßenseiten gegenüber. Alles ist genau berechnet und man kommt in der Windmühlenallee auf eine Länge von 500 Metern. „Auf der Detzkämper Straße sind es 350", sagt Habbe.

Bei den Straßenrändern handelt es sich überwiegend um Flächen, die an Ackerland grenzen. Um den Landwirten die Sorgen wegen einer möglichen Beeinträchtigung zu nehmen, kündigt das Projektteam an, mit jedem Anlieger Gespräche zu führen. Gesetzt wird auf Transparenz und alle wünschen sich, dass sich möglichst viele Menschen an der Aktion beteiligen. Wer mitmachen möchte, kann sich unter Telefon (0 57 03) 18 06, (0 57 03) 16 54 oder (0 57 03) 30 80 anmelden und über den Ablauf informieren.

Auch über mögliche Patenschaften denkt man mittlerweile nach. Neue Bäume zu pflanzen, finden Krudup und Co. prinzipiell sinnvoll. Sie sind ökologisch wertvoll und liefern außerdem jede Menge Obst, aus dem sich Gesundes und Nahrhaftes herstellen lässt – unter anderem Kuchen oder Säfte. Nicht zu überhören ist auch, dass sich alle Beteiligten wünschen, dass den Menschen die Wertigkeit des Obstes stärker bewusst wird. Denn die Bedeutung habe leider in den vergangenen Jahren stark nachgelassen.

Bis die jungen Obstbäume gewachsen sind und Früchte tragen, dauert es sicherlich noch ein paar Jahre. Dass dann die Tradition der Obstbaumversteigerung zurückkehrt, bezweifeln die Projektbeteiligten allerdings. Er glaube kaum, dass sich heutzutage noch Menschen finden, die Geld dafür zahlen, um Obst am Straßenrand zu pflücken, sagt Heinrich Schafmeier vom Verein der Gartenfreunde. „Die Menschen sind einfach zu bequem geworden."

Erfolg vor Ort

Ein Kommentar von Carsten Korfesmeyer

Das Obstbaumprojekt von Nordhemmern ist klein, aber wirkungsvoll. Es bringt Äpfel, Birnen, Süßkirschen und Pflaumen – alles Obst, das die Bienen bestäuben. Was Lisa Krudup und ihr Team auf die Beine stellen, tut dem Klima gut und ist zugleich ein wertvoller Beitrag gegen das Insektensterben.

Das Projekt zeigt, worauf es ankommt. Jeder kann vor Ort seinen Beitrag leisten, um die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen. Und wenn alle mit kleinen Projekten etwas tun, um die Umwelt zu schützen, lässt sich großes Erreichen. Klimaschutz ist vor allem eine Frage der inneren Einstellung jedes Menschen. Das gilt für Hille und überall auf der Welt.

Demos oder medienwirksame Protestaktionen haben zwar das Zeug dazu, auf die Missstände beim Klima hinzuweisen, allerdings: Sie lösen damit die Probleme nicht und leisten auch keinen direkten Beitrag dazu, dass sich etwas ändert. Wichtig ist, die Menschen im Kampf gegen den Klimawandel mitzunehmen, ihnen ein gutes Gefühl dabei zu geben und die Sorgen vor Einschränkungen im Alltag zu zerstreuen. Sie müssen Spaß daran haben, neue Wege zu gehen und ihr Verhalten zu ändern. Ganz bestimmt haben viele schon lange keinen Baum mehr gepflanzt.

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NordhemmernEin Projekt, das Früchte trägt: 63 Obstbäume für NordhemmernCarsten KorfesmeyerHille-Nordhemmern (mt). Wie angesagt Obstbäume an Straßenrändern einmal waren, hat Lisa Krudup selbst miterlebt. Noch bis in die 1970er Jahre wurden sie sogar einzeln zur Ernte von den Ortsbürgermeistern versteigert. Nur wer den Zuschlag bekam, durfte die Früchte pflücken. „Die Leute zahlten damals dafür bis zu fünf Mark", erzählt die Frau aus Nordhemmern, die sich unter anderem im Seniorenbeirat engagiert. Inspiriert von den vielen Aktionen für den Klimaschutz kam sie vor ein paar Wochen auf die Idee, für neue Obstbäume zu sorgen. Sie ging ins Rathaus und stieß bei Bürgermeister Michael Schweiß (SPD) sofort auf offene Ohren. Aus einem Fördertopf des Kreises kauft die Gemeinde insgesamt 63 Obstbäume, die in einer Pflanzaktion am Samstag, 9. November, ab 9 Uhr an der Detzkämper Straße und ab 9.30 Uhr an der Windmühlenallee läuft. „Jeder kann mitmachen", sagt die Initiatorin, die inzwischen beim Verein der Gartenfreunde sowie beim Mühlenverein Nordhemmern auf große Unterstützung stößt. Und ihr Sohn Michael Krudup steht mit seinem Garten- und Landschaftsbaubetrieb zur Seite, damit die Bäume fachgerecht in den Boden kommen. „Unser Ziel ist, so eine Aktion künftig in jedem Herbst anzubieten", sagt Bauhofleiterin Dagmar Meinert. Auf diese Weise soll es perspektivisch in ganz Hille wieder mehr Obstbäume geben. Besonders Apfel, Birne, Süßkirsche und Pflaume stehen ganz oben auf der Hitliste. Diese Arten kommen auch an die Ränder der Windmühlenallee und die Detzkämper Straße – beides Strecken, die das Landschaftsbild in Nordhemmern einst durch ihren Allee-Charakter prägten. „So soll es dann irgendwann auch wieder sein", sagt Mühlenvereinschef Uwe Habbe. Vereinzelt sind zwar noch einige der alten Obstbäume erhalten, die Schätzungen zufolge bis zu 50 Jahre alt sind. Die bleiben selbstverständlich erhalten, denn bei der Aktion gehe es darum, die entstandenen Lücken zu füllen. In einem Abstand von 15 Metern stehen sich die neuen Bäume auf beiden Straßenseiten gegenüber. Alles ist genau berechnet und man kommt in der Windmühlenallee auf eine Länge von 500 Metern. „Auf der Detzkämper Straße sind es 350", sagt Habbe. Bei den Straßenrändern handelt es sich überwiegend um Flächen, die an Ackerland grenzen. Um den Landwirten die Sorgen wegen einer möglichen Beeinträchtigung zu nehmen, kündigt das Projektteam an, mit jedem Anlieger Gespräche zu führen. Gesetzt wird auf Transparenz und alle wünschen sich, dass sich möglichst viele Menschen an der Aktion beteiligen. Wer mitmachen möchte, kann sich unter Telefon (0 57 03) 18 06, (0 57 03) 16 54 oder (0 57 03) 30 80 anmelden und über den Ablauf informieren. Auch über mögliche Patenschaften denkt man mittlerweile nach. Neue Bäume zu pflanzen, finden Krudup und Co. prinzipiell sinnvoll. Sie sind ökologisch wertvoll und liefern außerdem jede Menge Obst, aus dem sich Gesundes und Nahrhaftes herstellen lässt – unter anderem Kuchen oder Säfte. Nicht zu überhören ist auch, dass sich alle Beteiligten wünschen, dass den Menschen die Wertigkeit des Obstes stärker bewusst wird. Denn die Bedeutung habe leider in den vergangenen Jahren stark nachgelassen. Bis die jungen Obstbäume gewachsen sind und Früchte tragen, dauert es sicherlich noch ein paar Jahre. Dass dann die Tradition der Obstbaumversteigerung zurückkehrt, bezweifeln die Projektbeteiligten allerdings. Er glaube kaum, dass sich heutzutage noch Menschen finden, die Geld dafür zahlen, um Obst am Straßenrand zu pflücken, sagt Heinrich Schafmeier vom Verein der Gartenfreunde. „Die Menschen sind einfach zu bequem geworden." Erfolg vor Ort Ein Kommentar von Carsten Korfesmeyer Das Obstbaumprojekt von Nordhemmern ist klein, aber wirkungsvoll. Es bringt Äpfel, Birnen, Süßkirschen und Pflaumen – alles Obst, das die Bienen bestäuben. Was Lisa Krudup und ihr Team auf die Beine stellen, tut dem Klima gut und ist zugleich ein wertvoller Beitrag gegen das Insektensterben. Das Projekt zeigt, worauf es ankommt. Jeder kann vor Ort seinen Beitrag leisten, um die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen. Und wenn alle mit kleinen Projekten etwas tun, um die Umwelt zu schützen, lässt sich großes Erreichen. Klimaschutz ist vor allem eine Frage der inneren Einstellung jedes Menschen. Das gilt für Hille und überall auf der Welt. Demos oder medienwirksame Protestaktionen haben zwar das Zeug dazu, auf die Missstände beim Klima hinzuweisen, allerdings: Sie lösen damit die Probleme nicht und leisten auch keinen direkten Beitrag dazu, dass sich etwas ändert. Wichtig ist, die Menschen im Kampf gegen den Klimawandel mitzunehmen, ihnen ein gutes Gefühl dabei zu geben und die Sorgen vor Einschränkungen im Alltag zu zerstreuen. Sie müssen Spaß daran haben, neue Wege zu gehen und ihr Verhalten zu ändern. Ganz bestimmt haben viele schon lange keinen Baum mehr gepflanzt.