Hille

Einfach überfahren: Schon vier Treckerschleusen beschädigt

Stefanie Dullweber

Hille (mt). Seit etwa 14 Tagen sind in der Gemeinde Hille die ersten Treckerschleusen installiert. Sie halten theoretisch Autos von den Wirtschaftswegen fern, weil sie mit einer Höhe von 22 Zentimetern von einem Pkw nicht überfahren werden können. Darauf haben es einige Fahrer aber offenbar erst einmal ankommen lassen. Denn seitdem die Treckerschleusen stehen, musste die Gemeinde Hille bereits vier Straftaten bei der Polizei anzeigen. Denen gehen die Beamten derzeit nach.

Die Poller auf den Wirtschaftswegen sollen unter anderem den Schleichverkehr blockieren. MT- - © Foto: Stefanie Dullweber
Die Poller auf den Wirtschaftswegen sollen unter anderem den Schleichverkehr blockieren. MT- (© Foto: Stefanie Dullweber)

Eine Sachbeschädigung am Fiefhüser Weg in Hille, ein Diebstahl in Hille und zwei Verkehrsunfallfluchten in Eickhorst und Hartum stünden derzeit zu Buche, wie Dagmar Meinert von der Gemeinde berichtet. Sie leitet den Bauhof der Kommune, der die Treckerschleusen installiert hat. Am Fiefhüser Weg seien die beiden aus dem Asphalt ragenden Betonpoller mutwillig zerstört worden, Am Alten Markt sei ein Begrenzungspfosten aus der Erde gerissen und mitgenommen worden und die beiden anderen Treckerschleusen seien von Fahrzeuge beschädigt worden – die Fahrer seien vom Unfallort geflohen. „Die Polizei verfolgt diese Fälle strafrechtlich. Teilweise gibt es Fotos von den Verursachern“, sagt Meinert.

Die Treckerschleusen sind Teil des Straßen- und Wegenetzkonzeptes der Gemeinde Hille – und lange angekündigt. Sechs Stück hat die Gemeinde zunächst aufgestellt, weitere sollen folgen. Die Poller lenken den Verkehr um – weg von den Wirtschaftswegen, hin zu den Hauptverkehrsstraßen. Das Konzept war in Absprache mit zahlreichen Gremien erarbeitet und im Juli vergangenen Jahres politisch beschlossen worden. Dass sich Autofahrer erst umgewöhnen müssen, kann Dagmar Meinert nachvollziehen – den großen Aufschrei einiger versteht sie hingegen nicht: „Das Ziel ist es, die Wirtschaftswege für den landwirtschaftlichen Verkehr und für die Fahrradfahrer zu erhalten. Eine Alternative wäre nur das Fräsen der Straßen. Für Deckenerneuerungen fehlt einfach das Geld.“

Hinweisschilder warnen Autofahrer davor, die Treckerschleusen zu überfahren. - © Foto: pr
Hinweisschilder warnen Autofahrer davor, die Treckerschleusen zu überfahren. (© Foto: pr)

Bei einem Vor-Ort-Termin an der Straße Am Alten Markt macht eine Spaziergängerin die Bauhofleiterin darauf aufmerksam, dass auch die Hinweisschilder, die die Treckerschleusen ankündigen, regelmäßig aus dem Boden gerissen werden. „Wenn ein Autofahrer nicht auf das Hindernis hingewiesen wird, kann das sehr gefährlich werden und ist ebenfalls eine Straftat“, betont Meinert. Ein weiterer Anwohner hält an und schildert, dass am Vorabend ein Autofahrer über einen angrenzenden Acker die Treckerschleuse umfahren habe. Allerdings sei er mit seinem Auto in dem feuchten Boden steckengeblieben.

Landwirt Wilfried Gundlach bewirtschaften in diesem Bereich von Hille einige Felder und sucht an diesem Morgen ebenfalls das Gespräch mit der Bauhofleiterin. Grundsätzlich sei er mit den Treckerschleusen so einverstanden, sagt er – nur die Begrenzungspfosten am Straßenrand stören ihn. Mit dem Mähdrescher werde es ein bisschen eng. Dafür brauche er etwas mehr Platz in der Breite. Dagmar Meinert verspricht diesen Hinweis zu berücksichtigen und nachzubessern.

Das Straßen- und Wegekonzept

Politisch beschlossen hat der Rat das Straßen- und Wegenetzkonzept im Juli vergangenen Jahres. Zuvor waren Vertreter der Politik, Landwirtschaft, Umweltschutz, Polizei, Straßenverkehrsbehörde, Bezirksregierung, ÖPNV und Verwaltung beteiligt worden.

Das Konzept war erstellt worden, weil sich die Gemeinde finanziell Unterhaltung ihres rund 520 Kilometer langen Wegenetzes nicht mehr leisten kann. Mit der Bestandsaufnahme hat die Sweco GmbH ermittelt, welche Straßen und Wege in Zukunft noch eine Bedeutung haben – und welche nicht.

Vorrangig unterhalten und saniert werden künftig die Hauptverkehrsstraßen. Nachrangig saniert werden Haupterschließungswege und minimal unterhalten werden Hauptwirtschaftswege – also die überwiegend landwirtschaftlich genutzten Strecken.

Vermeiden will die Gemeinde den sogenannten Schleichverkehr über die Wirtschaftswege. Und genau hier kommen Treckerschleusen zum Einsatz. Damit soll es Autofahrern unmöglich gemacht werden, diese Wege zu nutzen. Trecker und auch landwirtschaftliche Geräte mit Überbreite hingegen können passieren. (sbo)

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HilleEinfach überfahren: Schon vier Treckerschleusen beschädigtStefanie DullweberHille (mt). Seit etwa 14 Tagen sind in der Gemeinde Hille die ersten Treckerschleusen installiert. Sie halten theoretisch Autos von den Wirtschaftswegen fern, weil sie mit einer Höhe von 22 Zentimetern von einem Pkw nicht überfahren werden können. Darauf haben es einige Fahrer aber offenbar erst einmal ankommen lassen. Denn seitdem die Treckerschleusen stehen, musste die Gemeinde Hille bereits vier Straftaten bei der Polizei anzeigen. Denen gehen die Beamten derzeit nach. Eine Sachbeschädigung am Fiefhüser Weg in Hille, ein Diebstahl in Hille und zwei Verkehrsunfallfluchten in Eickhorst und Hartum stünden derzeit zu Buche, wie Dagmar Meinert von der Gemeinde berichtet. Sie leitet den Bauhof der Kommune, der die Treckerschleusen installiert hat. Am Fiefhüser Weg seien die beiden aus dem Asphalt ragenden Betonpoller mutwillig zerstört worden, Am Alten Markt sei ein Begrenzungspfosten aus der Erde gerissen und mitgenommen worden und die beiden anderen Treckerschleusen seien von Fahrzeuge beschädigt worden – die Fahrer seien vom Unfallort geflohen. „Die Polizei verfolgt diese Fälle strafrechtlich. Teilweise gibt es Fotos von den Verursachern“, sagt Meinert. Die Treckerschleusen sind Teil des Straßen- und Wegenetzkonzeptes der Gemeinde Hille – und lange angekündigt. Sechs Stück hat die Gemeinde zunächst aufgestellt, weitere sollen folgen. Die Poller lenken den Verkehr um – weg von den Wirtschaftswegen, hin zu den Hauptverkehrsstraßen. Das Konzept war in Absprache mit zahlreichen Gremien erarbeitet und im Juli vergangenen Jahres politisch beschlossen worden. Dass sich Autofahrer erst umgewöhnen müssen, kann Dagmar Meinert nachvollziehen – den großen Aufschrei einiger versteht sie hingegen nicht: „Das Ziel ist es, die Wirtschaftswege für den landwirtschaftlichen Verkehr und für die Fahrradfahrer zu erhalten. Eine Alternative wäre nur das Fräsen der Straßen. Für Deckenerneuerungen fehlt einfach das Geld.“ Bei einem Vor-Ort-Termin an der Straße Am Alten Markt macht eine Spaziergängerin die Bauhofleiterin darauf aufmerksam, dass auch die Hinweisschilder, die die Treckerschleusen ankündigen, regelmäßig aus dem Boden gerissen werden. „Wenn ein Autofahrer nicht auf das Hindernis hingewiesen wird, kann das sehr gefährlich werden und ist ebenfalls eine Straftat“, betont Meinert. Ein weiterer Anwohner hält an und schildert, dass am Vorabend ein Autofahrer über einen angrenzenden Acker die Treckerschleuse umfahren habe. Allerdings sei er mit seinem Auto in dem feuchten Boden steckengeblieben. Landwirt Wilfried Gundlach bewirtschaften in diesem Bereich von Hille einige Felder und sucht an diesem Morgen ebenfalls das Gespräch mit der Bauhofleiterin. Grundsätzlich sei er mit den Treckerschleusen so einverstanden, sagt er – nur die Begrenzungspfosten am Straßenrand stören ihn. Mit dem Mähdrescher werde es ein bisschen eng. Dafür brauche er etwas mehr Platz in der Breite. Dagmar Meinert verspricht diesen Hinweis zu berücksichtigen und nachzubessern. Das Straßen- und Wegekonzept Politisch beschlossen hat der Rat das Straßen- und Wegenetzkonzept im Juli vergangenen Jahres. Zuvor waren Vertreter der Politik, Landwirtschaft, Umweltschutz, Polizei, Straßenverkehrsbehörde, Bezirksregierung, ÖPNV und Verwaltung beteiligt worden. Das Konzept war erstellt worden, weil sich die Gemeinde finanziell Unterhaltung ihres rund 520 Kilometer langen Wegenetzes nicht mehr leisten kann. Mit der Bestandsaufnahme hat die Sweco GmbH ermittelt, welche Straßen und Wege in Zukunft noch eine Bedeutung haben – und welche nicht. Vorrangig unterhalten und saniert werden künftig die Hauptverkehrsstraßen. Nachrangig saniert werden Haupterschließungswege und minimal unterhalten werden Hauptwirtschaftswege – also die überwiegend landwirtschaftlich genutzten Strecken. Vermeiden will die Gemeinde den sogenannten Schleichverkehr über die Wirtschaftswege. Und genau hier kommen Treckerschleusen zum Einsatz. Damit soll es Autofahrern unmöglich gemacht werden, diese Wege zu nutzen. Trecker und auch landwirtschaftliche Geräte mit Überbreite hingegen können passieren. (sbo)