Hille

Hofgut von Oeynhausen: Besuch im Herrenhaus

Stefanie Dullweber

Das ehemalige Herrenzimmer könnte künftig als Standesamt genutzt werden. Für das Brautpaar stünde – auf Wunsch – auch ein Gästezimmer zur Verfügung.
Das ehemalige Herrenzimmer könnte künftig als Standesamt genutzt werden. Für das Brautpaar stünde – auf Wunsch – auch ein Gästezimmer zur Verfügung.

Hille (mt). Wer durch das Torhaus und anschließend durch die Allee auf das imposante Herrenhaus zugeht, fühlt sich wie in einer anderen Welt. Das Hofgut von Oeynhausen ist ein Ort mit Geschichte und eines der ältesten Anwesen in Hille überhaupt. Mit der Familie Kavanek Wohlonen ist eine neue Generation eingezogen, die das Haus von den Vorbesitzern gekauft und aus dem Dornröschenschlaf geholt hat.

Gerne möchte die Familie ihr Anwesen auch für andere öffnen, es gibt viele Ideen für Veranstaltungen. Für ein erstes Kennenlernen laden die neuen Besitzer zu einem Tag der offenen Tür am Sonntag, 29. September, von 14 bis 18 Uhr ein. Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Hucke bietet an diesem Tag Führungen an und Hermann Böhne vom Heimatverein stellt in einer der Scheunen landwirtschaftliche Geräte aus.

Wie das Gästezimmer aussieht, wird am 29. September gezeigt.
Wie das Gästezimmer aussieht, wird am 29. September gezeigt.

Julia Kavanek Wohlonen begrüßt ihren Besuch gerne im ehemaligen Herrenzimmer. In diesem Raum ist die Geschichte des Hauses noch sichtbar. Hier hängen Gobelins, – das sind gewebte Wandgemälde – hier steht ein alter Holztisch, den einer der Vorbesitzer aus Amerika mitgebracht hat, und die Holzvertäfelung stammt noch aus der Zeit der Weserrenaissance. „Wir können uns vorstellen, diesen Raum für Feierlichkeiten zur Verfügung zu stellen“, sagt die junge Mutter, die in einem Teil des Hauses mit ihren zwei Kindern, ihrem Mann und ihrem Schwiegervater lebt.

Über eine Treppe gelangt man in das Obergeschoss. Hier befindet sich eine Mietwohnung und die Privaträume der Eigentümer.
Über eine Treppe gelangt man in das Obergeschoss. Hier befindet sich eine Mietwohnung und die Privaträume der Eigentümer.

Julia Kavanek Wohlonen kommt gebürtig aus Warmsen, ihr Mann aus dem Osnabrücker Raum. Ihr Schwiegervater wollte nach einem längeren Aufenthalt in Finnland wieder zurück nach Deutschland. Von ihrem letzten Wohnort Berlin habe man dann zusammen nach einem Anwesen für die ganze Familie Ausschau gehalten und sich in das Hofgut verliebt. „Wir fühlen uns in Hille sehr willkommen“, sagt die Neu-Bürgerin. Letztendlich hätten sie die Lage, der verwunschene Garten und die Infrastruktur überzeugt, sagt die studierte Kulturwissenschaftlerin. Ihr Mann arbeitet als Ingenieur – genau wie ihr Schwiegervater früher.

Der imposante Eingangsbereich des Herrenhauses. Die obere Etage des Gebäudes haben die neuen Besitzer komplett saniert. MT-Fotos: S. Dullweber
Der imposante Eingangsbereich des Herrenhauses. Die obere Etage des Gebäudes haben die neuen Besitzer komplett saniert. MT-Fotos: S. Dullweber

Gerade erst hat die Familie die Konfirmation der älteren Tochter im ehemaligen Herrenzimmer gefeiert. Und genau diesen Raum kann sich Julia Kavanek Wohlonen als Trauzimmer vorstellen. Erste Gespräche mit der Gemeinde habe sie bereits geführt und prinzipiell stehe einem weiteren Standesamt nichts im Weg. „Im Nebenraum könnte dann ein Empfang stattfinden und wir haben auch ein Gästezimmer, in dem das Brautpaar übernachten könnte.“ Dieses Zimmer will Julia Kavanek Wohlonen zum ersten Mal am 29. September zeigen. Sie findet es schade, sagt sie, dass das Denkmal in den vergangenen Jahren so versteckt blieb – das soll sich in Zukunft ändern. Sie könne sich auch Konzerte, Lesungen oder ein Sommerfest vorstellen, sagt die 36-Jährige.

Vor ihrem Einzug haben die neuen Besitzer zunächst versucht, die vorhandene Schönheit des Gebäudes wieder hervorzuholen. So haben sie beispielsweise unter einem Linoleumbelag einen wunderbaren und zum Teil gut erhaltenen Lärchenboden entdeckt. „Wir mussten uns natürlich zuerst mit dem Amt für Denkmalschutz abstimmen“, sagt Julia Kavanek Wohlonen. Nachtspeicheröfen hätten sie gegen eine moderne Heizungsanlage ausgetauscht und abgetrennte Räume wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt.

Nebenbei hat sich die an Geschichte interessierte junge Frau auch mit der Historie des ehemaligen Rittersitzes auseinandergesetzt und sich dafür entschieden, den Namen Hofgut von Oeynhausen fortzuführen. Diesen Namen hatten auch Hermann Böhne und Karl-Heinz Hucke in alten Dokumenten recherchiert. „Wir wollen der Geschichte gerecht werden und einen Namen verwenden, der auf Dauer bleibt“, sagt Julia Kavanek Wohlonen.

Geschichte des Hofes

Der von Oeynhausensche Hof – auch bekannt unter dem Namen Reimlers Hof – liegt mitten im Dorfkern. Der Eingang zum einstigen Rittersitz führt durch ein Fachwerktorhaus, das von 1699 bis 1703 errichtet wurde. Im Süden und Norden befinden sich die Wirtschaftsgebäude. Auf der Westseite liegt das Herrenhaus. Früher war die Hofanlage von einem Wassergraben umgeben. Seit 1984 stehen die Gebäude unter Denkmalschutz.

Der Hof befand sich zunächst im Besitz der Familie von Voß. 1699 erwarben Ernst Johann von Oeynhausen und Susanna Pohlmann das Anwesen. Nach dem Tode ihres Mannes 1722 stiftete seine Witwe Susanna der Hiller Kirche den Altar. Nächster Besitzer war der Großneffe Christian Friedrich Pohlmann, der 1781 verstarb. Ihm folgte sein Sohn Christian Gottlieb Ludwig bis zum seinem Tod im Jahr 1819. Dessen Tochter Wilhelmine Luise Auguste von Pohlmann war in dritter Ehe mit Karl Heinrich von der Heyde verheiratet. Von ihm kaufte 1882 Friedrich Wilhelm Reimler das Hofgut. Reimler, ein gebürtiger Hiller, war in frühen Jahren nach Amerika ausgewandert und dort zu Vermögen gekommen. Sein Erbe führten Ullrike Reimler-Ellerbrock und ihr Ehemann Paul-Gerhard Ellerbrock weiter.

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HilleHofgut von Oeynhausen: Besuch im HerrenhausStefanie DullweberHille (mt). Wer durch das Torhaus und anschließend durch die Allee auf das imposante Herrenhaus zugeht, fühlt sich wie in einer anderen Welt. Das Hofgut von Oeynhausen ist ein Ort mit Geschichte und eines der ältesten Anwesen in Hille überhaupt. Mit der Familie Kavanek Wohlonen ist eine neue Generation eingezogen, die das Haus von den Vorbesitzern gekauft und aus dem Dornröschenschlaf geholt hat. Gerne möchte die Familie ihr Anwesen auch für andere öffnen, es gibt viele Ideen für Veranstaltungen. Für ein erstes Kennenlernen laden die neuen Besitzer zu einem Tag der offenen Tür am Sonntag, 29. September, von 14 bis 18 Uhr ein. Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Hucke bietet an diesem Tag Führungen an und Hermann Böhne vom Heimatverein stellt in einer der Scheunen landwirtschaftliche Geräte aus. Julia Kavanek Wohlonen begrüßt ihren Besuch gerne im ehemaligen Herrenzimmer. In diesem Raum ist die Geschichte des Hauses noch sichtbar. Hier hängen Gobelins, – das sind gewebte Wandgemälde – hier steht ein alter Holztisch, den einer der Vorbesitzer aus Amerika mitgebracht hat, und die Holzvertäfelung stammt noch aus der Zeit der Weserrenaissance. „Wir können uns vorstellen, diesen Raum für Feierlichkeiten zur Verfügung zu stellen“, sagt die junge Mutter, die in einem Teil des Hauses mit ihren zwei Kindern, ihrem Mann und ihrem Schwiegervater lebt. Julia Kavanek Wohlonen kommt gebürtig aus Warmsen, ihr Mann aus dem Osnabrücker Raum. Ihr Schwiegervater wollte nach einem längeren Aufenthalt in Finnland wieder zurück nach Deutschland. Von ihrem letzten Wohnort Berlin habe man dann zusammen nach einem Anwesen für die ganze Familie Ausschau gehalten und sich in das Hofgut verliebt. „Wir fühlen uns in Hille sehr willkommen“, sagt die Neu-Bürgerin. Letztendlich hätten sie die Lage, der verwunschene Garten und die Infrastruktur überzeugt, sagt die studierte Kulturwissenschaftlerin. Ihr Mann arbeitet als Ingenieur – genau wie ihr Schwiegervater früher. Gerade erst hat die Familie die Konfirmation der älteren Tochter im ehemaligen Herrenzimmer gefeiert. Und genau diesen Raum kann sich Julia Kavanek Wohlonen als Trauzimmer vorstellen. Erste Gespräche mit der Gemeinde habe sie bereits geführt und prinzipiell stehe einem weiteren Standesamt nichts im Weg. „Im Nebenraum könnte dann ein Empfang stattfinden und wir haben auch ein Gästezimmer, in dem das Brautpaar übernachten könnte.“ Dieses Zimmer will Julia Kavanek Wohlonen zum ersten Mal am 29. September zeigen. Sie findet es schade, sagt sie, dass das Denkmal in den vergangenen Jahren so versteckt blieb – das soll sich in Zukunft ändern. Sie könne sich auch Konzerte, Lesungen oder ein Sommerfest vorstellen, sagt die 36-Jährige. Vor ihrem Einzug haben die neuen Besitzer zunächst versucht, die vorhandene Schönheit des Gebäudes wieder hervorzuholen. So haben sie beispielsweise unter einem Linoleumbelag einen wunderbaren und zum Teil gut erhaltenen Lärchenboden entdeckt. „Wir mussten uns natürlich zuerst mit dem Amt für Denkmalschutz abstimmen“, sagt Julia Kavanek Wohlonen. Nachtspeicheröfen hätten sie gegen eine moderne Heizungsanlage ausgetauscht und abgetrennte Räume wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Nebenbei hat sich die an Geschichte interessierte junge Frau auch mit der Historie des ehemaligen Rittersitzes auseinandergesetzt und sich dafür entschieden, den Namen Hofgut von Oeynhausen fortzuführen. Diesen Namen hatten auch Hermann Böhne und Karl-Heinz Hucke in alten Dokumenten recherchiert. „Wir wollen der Geschichte gerecht werden und einen Namen verwenden, der auf Dauer bleibt“, sagt Julia Kavanek Wohlonen. Geschichte des Hofes Der von Oeynhausensche Hof – auch bekannt unter dem Namen Reimlers Hof – liegt mitten im Dorfkern. Der Eingang zum einstigen Rittersitz führt durch ein Fachwerktorhaus, das von 1699 bis 1703 errichtet wurde. Im Süden und Norden befinden sich die Wirtschaftsgebäude. Auf der Westseite liegt das Herrenhaus. Früher war die Hofanlage von einem Wassergraben umgeben. Seit 1984 stehen die Gebäude unter Denkmalschutz. Der Hof befand sich zunächst im Besitz der Familie von Voß. 1699 erwarben Ernst Johann von Oeynhausen und Susanna Pohlmann das Anwesen. Nach dem Tode ihres Mannes 1722 stiftete seine Witwe Susanna der Hiller Kirche den Altar. Nächster Besitzer war der Großneffe Christian Friedrich Pohlmann, der 1781 verstarb. Ihm folgte sein Sohn Christian Gottlieb Ludwig bis zum seinem Tod im Jahr 1819. Dessen Tochter Wilhelmine Luise Auguste von Pohlmann war in dritter Ehe mit Karl Heinrich von der Heyde verheiratet. Von ihm kaufte 1882 Friedrich Wilhelm Reimler das Hofgut. Reimler, ein gebürtiger Hiller, war in frühen Jahren nach Amerika ausgewandert und dort zu Vermögen gekommen. Sein Erbe führten Ullrike Reimler-Ellerbrock und ihr Ehemann Paul-Gerhard Ellerbrock weiter.