Hille

Der Hiller Jörn Rabbe erfüllt sich einen Traum - er trägt den Namen Panamericana

Stefan Lyrath

Die Jacke bleibt besser geschlossen: In der bolivianischen Salzwüste kann es unangenehm kalt werden. Fotos: privat
Die Jacke bleibt besser geschlossen: In der bolivianischen Salzwüste kann es unangenehm kalt werden. Fotos: privat

Hille (Ly). Zehn Monate, 17 Länder, 40.000 Kilometer mit dem Motorrad: Der Jahresurlaub von Jörn Rabbe ist diesmal etwas größer ausgefallen. Sein Ziel war die legendäre Panamericana, ein System von Schnellstraßen, das den nördlichsten US-Bundesstaat Alaska mit Feuerland am südlichsten Zipfel Südamerikas verbindet. Der Hiller hat sich damit einen Traum erfüllt.

„Reisen ist meine große Leidenschaft, Reisen mit Motorrad das I-Tüpfelchen“, sagt Jörn Rabbe (43), der bereits mehr als 40 Länder besucht hat, viele davon auf zwei Rädern. „Mit Europa bin ich fast durch.“ Am 21. August 2018, einem Dienstag, startet der Hiller den Motor seiner Honda Africa Twin, die außer ihm 50 Kilo Gepäck schleppen muss. Er fährt allein.

Jörn Rabbe hat ein Jahr Zeit, will möglichst viele fremde Kulturen kennenlernen und seine Freiheit genießen, denn: „Der Weg ist das Ziel.“ Mit dem Flieger geht es zunächst nach Anchorage, der größten Stadt Alaskas, wo das Abenteuer beginnt. Im Sommer 2019 rollt die Honda (zwei Zylinder, 1.000 Kubik, 95 PS) wieder auf den Hof im Hiller Norden. Vier Wochen braucht Rabbe, um zurück in den deutschen Alltag zu finden. Alles ist plötzlich so anders.

Kontaktfreudig: Unterwegs lernt Jörn Rabbe Biker aus Deutschland, England und Kanada kennen, mit denen er nach Bolivien fährt.
Kontaktfreudig: Unterwegs lernt Jörn Rabbe Biker aus Deutschland, England und Kanada kennen, mit denen er nach Bolivien fährt.

Hinter ihm liegt eine Strecke, die ungefähr dem Erdumfang am Äquator entspricht, zurückgelegt auf dem Weg von Alaska bis Buenos Aires, gerne kreuz und quer. Es hätten noch viel mehr Kilometer sein können. „Aber in Santiago de Chile bin ich in den Winter gekommen.“ Pässe fahren bei acht Grad minus – das muss nicht sein. Rabbe biegt Richtung Ostküste ab. In Argentinien kommt das Ende der Reise in Sicht.

Der Hiller hat riesige Städte besucht, in völliger Einsamkeit gezeltet und so manche Durststrecke im Nichts zurückgelegt. „Einsamkeit und Zivilisation – die Mischung macht’s“, erklärt er. Rabbe hat fast nur freundliche Menschen getroffen und bei Problemen sofort Hilfe bekommen. „Wenn du mit Motorrad unterwegs bist, hast du viel schneller Kontakt“, erklärt der Biker. „Und du fühlst das Land mehr. Man riecht es, man spürt die Temperatur, man ist näher dran an den Leuten.“

Die Panamericana erstreckt sich über die gesamte Nord-Süd-Ausdehnung des amerikanischen Kontinents, ein Netzwerk von etwa 48.000 Kilometern Schnellstraße. Das klingt erst einmal recht eintönig, weil Motorradfahrer Kurven lieben, schnurgerade Schnellstraßen weniger. Jörn Rabbe bildet da keine Ausnahme. Deshalb ist er während der Reise meistens auf Nebenstrecken unterwegs.

Er fährt die Highlights ab, ständig auf der Suche nach den schönsten Strecken. „Ich bin da im Zickzack runtergefahren“, berichtet er. Im US-Bundesstaat Arizona bestaunt Rabbe den Grand Canyon, in Mexiko die landschaftliche Vielfalt der Halbinsel Baja California, in Belize an der Ostküste Mittelamerikas das Barrier Reef mit hunderten von Inseln. Er sieht aktive Vulkane, steht vor der Salzwüste und am Strand des Pazifiks. Mexiko City lässt er links liegen, weil ihm an dem Tag nicht nach einer Großstadt ist.

Ausgerechnet im Dschungel von Panama, wo Werkstätten nur in Form von Halluzinationen vorkommen, hat der Motorradreisende einen platten Reifen. Drei Stunden dauert es, das Rad ein- und auszubauen, den Schlauch mit einem Montiereisen zu wechseln – bei 35 Grad Celsius und extrem hoher Luftfeuchtigkeit eine schweißtreibende Angelegenheit.

Ansonsten erweist sich die dreieinhalb Jahre alte Africa Twin als äußerst zuverlässig. Mehrere kaputte Schläuche, ein defektes Radlager, ein Elektronik-Problem mit dem Starterknopf – das war’s auch schon. In Mexiko trifft sich Jörn Rabbe mit einem Freund aus Rahden, der ihm eine Lenkerarmatur samt Starterknopf mitbringt. Bremsen, Kettensatz und Reifen werden in Kolumbien erneuert.

Jörn Rabbe übernachtet im Zelt, in Hostels oder bei Leuten, die er unterwegs kennenlernt. „Es gibt fast nur nette Menschen auf der Welt“, stellt er fest. In Kanada trifft er einen US-Amerikaner, der ihn in sein Haus bei Seattle mit den Worten einlädt: „Meine Tür steht offen.“

Amerikaner und Bolivianer schließen sich Rabbe auf dem Weg nach Yucatán an. Mit Deutschen, Engländern und Kanadiern fährt er nach Bolivien. Bei Straßensperren in Guatemala und Kolumbien geht ihm ein wenig die Düse. Mit den letzten 0,3 Litern Sprit über die Grenze zwischen Kolumbien und Ecuador zu rollen, sorgt ebenfalls für ein mulmiges Gefühl. Unvergesslich bleibt auch dies: In Bogota, der Hauptstadt Kolumbiens, hat der Hiller einmal ein Messer am Hals. Die Sache geht glimpflich aus: Jörn Rabbe gibt dem Räuber einige Geldscheine und macht sich aus dem Staub. Auf seine Reise wirft das keinen Schatten.

instagram.com/joernrabbe/

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HilleDer Hiller Jörn Rabbe erfüllt sich einen Traum - er trägt den Namen PanamericanaStefan LyrathHille (Ly). Zehn Monate, 17 Länder, 40.000 Kilometer mit dem Motorrad: Der Jahresurlaub von Jörn Rabbe ist diesmal etwas größer ausgefallen. Sein Ziel war die legendäre Panamericana, ein System von Schnellstraßen, das den nördlichsten US-Bundesstaat Alaska mit Feuerland am südlichsten Zipfel Südamerikas verbindet. Der Hiller hat sich damit einen Traum erfüllt. „Reisen ist meine große Leidenschaft, Reisen mit Motorrad das I-Tüpfelchen“, sagt Jörn Rabbe (43), der bereits mehr als 40 Länder besucht hat, viele davon auf zwei Rädern. „Mit Europa bin ich fast durch.“ Am 21. August 2018, einem Dienstag, startet der Hiller den Motor seiner Honda Africa Twin, die außer ihm 50 Kilo Gepäck schleppen muss. Er fährt allein. Jörn Rabbe hat ein Jahr Zeit, will möglichst viele fremde Kulturen kennenlernen und seine Freiheit genießen, denn: „Der Weg ist das Ziel.“ Mit dem Flieger geht es zunächst nach Anchorage, der größten Stadt Alaskas, wo das Abenteuer beginnt. Im Sommer 2019 rollt die Honda (zwei Zylinder, 1.000 Kubik, 95 PS) wieder auf den Hof im Hiller Norden. Vier Wochen braucht Rabbe, um zurück in den deutschen Alltag zu finden. Alles ist plötzlich so anders. Hinter ihm liegt eine Strecke, die ungefähr dem Erdumfang am Äquator entspricht, zurückgelegt auf dem Weg von Alaska bis Buenos Aires, gerne kreuz und quer. Es hätten noch viel mehr Kilometer sein können. „Aber in Santiago de Chile bin ich in den Winter gekommen.“ Pässe fahren bei acht Grad minus – das muss nicht sein. Rabbe biegt Richtung Ostküste ab. In Argentinien kommt das Ende der Reise in Sicht. Der Hiller hat riesige Städte besucht, in völliger Einsamkeit gezeltet und so manche Durststrecke im Nichts zurückgelegt. „Einsamkeit und Zivilisation – die Mischung macht’s“, erklärt er. Rabbe hat fast nur freundliche Menschen getroffen und bei Problemen sofort Hilfe bekommen. „Wenn du mit Motorrad unterwegs bist, hast du viel schneller Kontakt“, erklärt der Biker. „Und du fühlst das Land mehr. Man riecht es, man spürt die Temperatur, man ist näher dran an den Leuten.“ Die Panamericana erstreckt sich über die gesamte Nord-Süd-Ausdehnung des amerikanischen Kontinents, ein Netzwerk von etwa 48.000 Kilometern Schnellstraße. Das klingt erst einmal recht eintönig, weil Motorradfahrer Kurven lieben, schnurgerade Schnellstraßen weniger. Jörn Rabbe bildet da keine Ausnahme. Deshalb ist er während der Reise meistens auf Nebenstrecken unterwegs. Er fährt die Highlights ab, ständig auf der Suche nach den schönsten Strecken. „Ich bin da im Zickzack runtergefahren“, berichtet er. Im US-Bundesstaat Arizona bestaunt Rabbe den Grand Canyon, in Mexiko die landschaftliche Vielfalt der Halbinsel Baja California, in Belize an der Ostküste Mittelamerikas das Barrier Reef mit hunderten von Inseln. Er sieht aktive Vulkane, steht vor der Salzwüste und am Strand des Pazifiks. Mexiko City lässt er links liegen, weil ihm an dem Tag nicht nach einer Großstadt ist. Ausgerechnet im Dschungel von Panama, wo Werkstätten nur in Form von Halluzinationen vorkommen, hat der Motorradreisende einen platten Reifen. Drei Stunden dauert es, das Rad ein- und auszubauen, den Schlauch mit einem Montiereisen zu wechseln – bei 35 Grad Celsius und extrem hoher Luftfeuchtigkeit eine schweißtreibende Angelegenheit. Ansonsten erweist sich die dreieinhalb Jahre alte Africa Twin als äußerst zuverlässig. Mehrere kaputte Schläuche, ein defektes Radlager, ein Elektronik-Problem mit dem Starterknopf – das war’s auch schon. In Mexiko trifft sich Jörn Rabbe mit einem Freund aus Rahden, der ihm eine Lenkerarmatur samt Starterknopf mitbringt. Bremsen, Kettensatz und Reifen werden in Kolumbien erneuert. Jörn Rabbe übernachtet im Zelt, in Hostels oder bei Leuten, die er unterwegs kennenlernt. „Es gibt fast nur nette Menschen auf der Welt“, stellt er fest. In Kanada trifft er einen US-Amerikaner, der ihn in sein Haus bei Seattle mit den Worten einlädt: „Meine Tür steht offen.“ Amerikaner und Bolivianer schließen sich Rabbe auf dem Weg nach Yucatán an. Mit Deutschen, Engländern und Kanadiern fährt er nach Bolivien. Bei Straßensperren in Guatemala und Kolumbien geht ihm ein wenig die Düse. Mit den letzten 0,3 Litern Sprit über die Grenze zwischen Kolumbien und Ecuador zu rollen, sorgt ebenfalls für ein mulmiges Gefühl. Unvergesslich bleibt auch dies: In Bogota, der Hauptstadt Kolumbiens, hat der Hiller einmal ein Messer am Hals. Die Sache geht glimpflich aus: Jörn Rabbe gibt dem Räuber einige Geldscheine und macht sich aus dem Staub. Auf seine Reise wirft das keinen Schatten. instagram.com/joernrabbe/