Eickhorst

Klare Ansagen: Schüler lernen richtiges Verhalten in kritischen Situationen

Carsten Korfesmeyer

Alex spielt mit Oliver Henneke eine Konfliktsituation durch. „Hör auf, ich will das nicht“, sagt der Kleine. In kritischen Momenten sei es wichtig, souverän aufzutreten, erfahren die Kinder. MT- - © Foto: Carsten Korfesmeyer
Alex spielt mit Oliver Henneke eine Konfliktsituation durch. „Hör auf, ich will das nicht“, sagt der Kleine. In kritischen Momenten sei es wichtig, souverän aufzutreten, erfahren die Kinder. MT- (© Foto: Carsten Korfesmeyer)

Hille-Eickhorst (mt). Sophias Worte sind eindeutig und ihr Blick drückt Entschlossenheit aus. „Olli, hör sofort auf, mich zu schubsen“, sagt die Schülerin der Förderschule Eickhorst. Die unmissverständlichen sieben Worte gehen an die Adresse von Oliver Henneke. In seinem Workshop konfrontiert der Coach vom Verein Respekt die Drittklässlerin bewusst mit dieser Situation. Und mit ihrer Reaktion ist er zufrieden. „Genau so machst du das richtig“, sagt er.

Im Trainingsraum spielt der Mann aus Bergheim am Montagmorgen noch weitere kritische Szenarien durch. Jemand rempelt einen an, man hat Ärger mit einem Mitschüler oder soll etwas tun, das man gar nicht will. Henneke erklärt Sophia und den weiteren zehn jungen Teilnehmern, wie sie sich aus diesen unangenehmen Lagen befreien können. „Es kommt dabei auch auf die Körpersprache an“, sagt er und nimmt eine kerzengerade Haltung ein. Die Kinder machen es ihm nach und richten ihre Blicke dabei tief in die Augen ihres Trainers. Der ist zufrieden.

Selbstbewusstes Auftreten, klare Ansagen und die Fähigkeit, Konflikte ohne Eskalation zu meistern: Für Kinder einer Schule mit Förderschwerpunkt Sprache ist das eine enorme Herausforderung. Den Kleinen fehlt oft noch die Möglichkeit, sich auszudrücken oder die Stimmungslage anderer Menschen entsprechend einzuordnen. „Insofern ist das hier schon anders als sonst“, sagt Henneke am Rande des Workshops gegenüber dem MT.

Mit seinem Programm zum sozial-emotionalen Lernen ist der Trainer in vielen Grundschulen unterwegs. Er und seine Vereinskollegen von Respect folgen den Einladungen und kommen für drei Unterrichtseinheiten zu jeweils 90 Minuten in die Klassen. Und damit das Gelernte nicht in Vergessenheit gerät, gibt es zusätzlich eine zweitägige Fortbildung für Lehrer und einen Bildungsabend für Eltern.

Bei den Kindern kommt der Mann in der Trainingskleidung und den neonfarbenen Turnschuhen offenbar gut an. Henneke holt sie ab und hat sofort die volle Aufmerksamkeit. Wer die Momente im Raum verfolgt, gewinnt den Eindruck, als spürten die Kleinen, dass sie in diesem Unterricht etwas ganz Wichtiges für sich erfahren können. Sie sind konzentriert und hören genau zu. Denn jegliche Konfliktlösung ist gerade für Menschen wie sie eine Hürde. „Es mangelt ihnen oft an Wortschatz, Aussprache, Grammatik und Sprachverständnis“, sagt Schulleiterin Karin Göttsch-Kruse. Bei jedem ihrer Schüler sei das ganz unterschiedlich ausgeprägt. Individuell werde deshalb auf die Bedürfnisse jedes der aktuell 138 Kinder eingegangen.

Wer sich nicht richtig ausdrücken kann, verspüre meist eine große Hilflosigkeit. Häufig führe das zu Streit mit anderen und dann könnten auch schon mal die Fäuste fliegen. In ihrer Schule kam der Wunsch auf, richtiges Verhalten in solchen Momenten mit einem externen Experten zu trainieren. Als Göttsch-Kruse durch eine Kollegin auf das Projekt aufmerksam wurde, stand schnell fest, es auch in Eickhorst anzubieten. Finanzielle Unterstützung kommt von der Stiftung der Sparda-Bank Hannover. Sie sei überzeugt, dass die Kinder einiges von dem Gelernten mitnehmen.

„Es geht auch um soziale Kompetenzen“, erklärt Henneke. In seinem Unterricht simuliert er beispielsweise auch Momente, in denen die Kinder jemandem eine höfliche Absage erteilen müssen. Respektvoller Umgang ist ein Schwerpunkt und die Kleinen erfahren, welche Tonlage die richtige ist – unter anderem, dass man niemanden lautstark anbrüllt, wenn man ihm eigentlich etwas Nettes sagen möchte.

Der 52-Jährige greift nahezu alle Facetten des Alltags auf. Thema ist dabei auch das Verhalten in Gruppen. Teamgeist ist ebenso angesagt wie das Selbstverständnis, anderen Menschen ohne Vorbehalte zu begegnen. Auch das Pflegen und Finden von Freundschaften ist Teil des Trainings. „Die Kinder sollen lernen, wie man jemandem freundlich begegnet.

Henneke hat erkennbar viel Spaß an der Arbeit mit den Eickhorster Schülern. Gemeinsam schaffen sie eine Atmosphäre, in der alle Teilnehmer lernen, sich selbst zu behaupten. Seit 2007 ist der Trainer mit dem Programm unterwegs, in dem auch für die Lehrkräfte Neues steckt. Laut Henneke sei es wichtig, in bestimmten Situationen nicht nachzugeben – beispielsweise dann, wenn Kinder herumquengeln, weil sie mit jemand Bestimmtem nicht arbeiten wollen.

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EickhorstKlare Ansagen: Schüler lernen richtiges Verhalten in kritischen SituationenCarsten KorfesmeyerHille-Eickhorst (mt). Sophias Worte sind eindeutig und ihr Blick drückt Entschlossenheit aus. „Olli, hör sofort auf, mich zu schubsen“, sagt die Schülerin der Förderschule Eickhorst. Die unmissverständlichen sieben Worte gehen an die Adresse von Oliver Henneke. In seinem Workshop konfrontiert der Coach vom Verein Respekt die Drittklässlerin bewusst mit dieser Situation. Und mit ihrer Reaktion ist er zufrieden. „Genau so machst du das richtig“, sagt er. Im Trainingsraum spielt der Mann aus Bergheim am Montagmorgen noch weitere kritische Szenarien durch. Jemand rempelt einen an, man hat Ärger mit einem Mitschüler oder soll etwas tun, das man gar nicht will. Henneke erklärt Sophia und den weiteren zehn jungen Teilnehmern, wie sie sich aus diesen unangenehmen Lagen befreien können. „Es kommt dabei auch auf die Körpersprache an“, sagt er und nimmt eine kerzengerade Haltung ein. Die Kinder machen es ihm nach und richten ihre Blicke dabei tief in die Augen ihres Trainers. Der ist zufrieden. Selbstbewusstes Auftreten, klare Ansagen und die Fähigkeit, Konflikte ohne Eskalation zu meistern: Für Kinder einer Schule mit Förderschwerpunkt Sprache ist das eine enorme Herausforderung. Den Kleinen fehlt oft noch die Möglichkeit, sich auszudrücken oder die Stimmungslage anderer Menschen entsprechend einzuordnen. „Insofern ist das hier schon anders als sonst“, sagt Henneke am Rande des Workshops gegenüber dem MT. Mit seinem Programm zum sozial-emotionalen Lernen ist der Trainer in vielen Grundschulen unterwegs. Er und seine Vereinskollegen von Respect folgen den Einladungen und kommen für drei Unterrichtseinheiten zu jeweils 90 Minuten in die Klassen. Und damit das Gelernte nicht in Vergessenheit gerät, gibt es zusätzlich eine zweitägige Fortbildung für Lehrer und einen Bildungsabend für Eltern. Bei den Kindern kommt der Mann in der Trainingskleidung und den neonfarbenen Turnschuhen offenbar gut an. Henneke holt sie ab und hat sofort die volle Aufmerksamkeit. Wer die Momente im Raum verfolgt, gewinnt den Eindruck, als spürten die Kleinen, dass sie in diesem Unterricht etwas ganz Wichtiges für sich erfahren können. Sie sind konzentriert und hören genau zu. Denn jegliche Konfliktlösung ist gerade für Menschen wie sie eine Hürde. „Es mangelt ihnen oft an Wortschatz, Aussprache, Grammatik und Sprachverständnis“, sagt Schulleiterin Karin Göttsch-Kruse. Bei jedem ihrer Schüler sei das ganz unterschiedlich ausgeprägt. Individuell werde deshalb auf die Bedürfnisse jedes der aktuell 138 Kinder eingegangen. Wer sich nicht richtig ausdrücken kann, verspüre meist eine große Hilflosigkeit. Häufig führe das zu Streit mit anderen und dann könnten auch schon mal die Fäuste fliegen. In ihrer Schule kam der Wunsch auf, richtiges Verhalten in solchen Momenten mit einem externen Experten zu trainieren. Als Göttsch-Kruse durch eine Kollegin auf das Projekt aufmerksam wurde, stand schnell fest, es auch in Eickhorst anzubieten. Finanzielle Unterstützung kommt von der Stiftung der Sparda-Bank Hannover. Sie sei überzeugt, dass die Kinder einiges von dem Gelernten mitnehmen. „Es geht auch um soziale Kompetenzen“, erklärt Henneke. In seinem Unterricht simuliert er beispielsweise auch Momente, in denen die Kinder jemandem eine höfliche Absage erteilen müssen. Respektvoller Umgang ist ein Schwerpunkt und die Kleinen erfahren, welche Tonlage die richtige ist – unter anderem, dass man niemanden lautstark anbrüllt, wenn man ihm eigentlich etwas Nettes sagen möchte. Der 52-Jährige greift nahezu alle Facetten des Alltags auf. Thema ist dabei auch das Verhalten in Gruppen. Teamgeist ist ebenso angesagt wie das Selbstverständnis, anderen Menschen ohne Vorbehalte zu begegnen. Auch das Pflegen und Finden von Freundschaften ist Teil des Trainings. „Die Kinder sollen lernen, wie man jemandem freundlich begegnet. Henneke hat erkennbar viel Spaß an der Arbeit mit den Eickhorster Schülern. Gemeinsam schaffen sie eine Atmosphäre, in der alle Teilnehmer lernen, sich selbst zu behaupten. Seit 2007 ist der Trainer mit dem Programm unterwegs, in dem auch für die Lehrkräfte Neues steckt. Laut Henneke sei es wichtig, in bestimmten Situationen nicht nachzugeben – beispielsweise dann, wenn Kinder herumquengeln, weil sie mit jemand Bestimmtem nicht arbeiten wollen.