Rothenuffeln

Rothenuffler Wiehenfahrt: Von edel bis banal

Christian Bendig

Felix Dorpmüller (links) und Raphael Kliver kamen als erste in Rothenuffeln an, belegten in der Klasse „old“ aber nur Platz 20.
Felix Dorpmüller (links) und Raphael Kliver kamen als erste in Rothenuffeln an, belegten in der Klasse „old“ aber nur Platz 20.

Hille-Rothenuffeln (cb). Träume aus Blech und Chrom wohin der Blick auch geht. Die fünfte Rothenuffler Wiehenfahrt des ADAC zog nicht nur insgesamt 75 Old- und Youngtimer Fahrer zu einem eher gemütlich ausgelegten Wettstreit, sondern auch einige Schaulustige an den Start- und Zielpunkt am Kurhaus Pivittskrug.

Darum, wie ein wilder Stier über die Landstraßen des Kreises zu jagen, geht es bei diesen Rallyes nicht. Das Format erinnert eher an eine gemütliche Ausfahrt, in deren Verlauf es einige Aufgaben zu lösen gibt und die Route zwar genau festgelegt, aber in gewisser Weise auch zu ergründen ist. Vor dem Start um genau 12.01 Uhr bekamen die Fahrergespanne eine Art Fahrtenbuch ausgehändigt. Die Route ist jedoch nicht in den konkreten Straßennamen bezeichnet, sondern in Angaben in Metern, wann man die Gespanne des nächste Mal abbiegen müssen. Vom Kurhaus Pivittskrug ging es zunächst nach Schlüsselburg und von dort nach einer kurzen Kaffeepause im Scheunenviertel wieder retour mit anschließender Siegerehrung und gemütlichem Zusammensein.

Außenseiter in der Oldtimer-Szene. „Fiat hat keine Lobby“, sagt Manfred Winkelmann aus Detmold.
Außenseiter in der Oldtimer-Szene. „Fiat hat keine Lobby“, sagt Manfred Winkelmann aus Detmold.

Als erstes trafen die beiden Portaner Raphael Kliver und Beifahrer Felix Dorpmüller in ihrem Mercedes Benz 230 SL Cabrio, Baujahr 1964 ein. Der ungewöhnliche Anblick – ein 23-Jähriger am Steuer eines 45 Jahre alten Autos – klärte sich aber schnell auf. „Mein Eltern sind im Urlaub. Deswegen haben wir beide heute mitgemacht“, erklärte Kliver. Die Begeisterung für Autos und Motorräder liegt in der Familie. „Den Mercedes hat mein Vater gekauft, da war ich erst fünf Jahre alt. Ich bin quasi mit dem Auto aufgewachsen und auch mit dem Schrauben.“ Das bezieht sich aber nicht nur auf das Schmuckstück mit dem Stern auf der Haube, sondern auch auf Motorräder und einen Suzuki Samurai. Der Leicht-Geländewagen, der Ende der 80er-Jahre vom japanischen Hersteller auch nach Deutschland exportiert wurde, liege aber „noch komplett auseinandergebaut in der Garage“, meint Kliver und ergänzt: „Das wird noch ziemlich lange dauern, bis ich den ausfahren kann.“

„Bordkarte, bitte.“ Beim Überfahren der Ziellinie in Rothenuffeln mussten die Teilnehmer die vor der Ausfahrt ausgegebenen Bordkarten zur Auswertung abgeben. Je besser die gestellten Aufgaben bewältigt wurden, desto besser war die Platzierung. Die für die Strecke benötigte Zeit spielte keine Rolle. Fotos: Bendig
„Bordkarte, bitte.“ Beim Überfahren der Ziellinie in Rothenuffeln mussten die Teilnehmer die vor der Ausfahrt ausgegebenen Bordkarten zur Auswertung abgeben. Je besser die gestellten Aufgaben bewältigt wurden, desto besser war die Platzierung. Die für die Strecke benötigte Zeit spielte keine Rolle. Fotos: Bendig

Ein weiterer Blickfang war der BMW 600, Baujahr 1958 von Katja König. Vielen durfte der Vorgänger des Kleinstwagen geläufiger sein. Es war nämlich die bekannte „Isetta“, auf der das Modell des BMW 600 aufbaut. „Ich fand die Isetta schon immer klasse. Als ich den BMW 600 gesehen habe, war ich schockverliebt“, berichtet König, die sich das rote Prachtstück erst im vergangenen Jahr zugelegt hatte und erstmals an einer Rallye teilnahm. Und das unter erschwerten Bedingungen: In dem kleinen Viersitzer, der seine Bezeichnung „Kleinstwagen“ wirklich verdient, nahm König noch Mann und Tochter mit. „Es war sehr eng, hat aber Spaß gemacht.“

Für den Alltag nutzt die Löhnerin den Kleinstwagen, der in jede noch so kleine Parklücke passt, allerdings nicht. „Der wird nur am Wochenende und bei schönem Wetter aus der Garage geholt.“

Zwischen den vielen glänzenden Karossen edler Marken stach ein Auto wegen seiner auf den ersten Blick vermittelnden Banalität heraus: Der feuerrote Fiat 128 Spezial Abarth von Manfred Winkelmann aus Detmold. „Der wurde 1977 nur 250 mal in rot und 250 mal in gelb ausgeliefert. Inzwischen gibt es in Deutschland von dieser Ausführung nur noch zehn bis 15 Stück“, erklärt Winkelmann. Der monetäre Wert hingen sei alles andere als besonders. In der Oldtimer-Szene habe die Marke Fiat einfach keine Lobby. Vielmehr könne „man bei Oldtimer-Treffen den Eindruck gewinnen, alte Mercedes-Modelle werden immer noch gebaut“, fügt der Detmolder augenzwinkernd hinzu und bringt es humorvoll auf den Punkt: „Aber mit diesem Auto ist ein bisschen wie mit dem Dschungelcamp. Keiner guckt es, aber jeder kennt es. Ich höre oft, Mensch, mein Opa hatte auch so einen.“

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