Oberlübbe

Doktor für vier Pfoten: Warum Tierarzt Michael Meyer aus Afrika nach Oberlübbe gekommen ist

Carsten Korfesmeyer

Hunde wie Hedda sowie Katzen, Kaninchen und andere Haustiere zählen zu den Patienten von Michael Meyer. Zwölf Jahre praktizierte der 43-Jährige in Gambia, bevor er nach Hille wechselte. MT- - © Foto: Carsten Korfesmeyer
Hunde wie Hedda sowie Katzen, Kaninchen und andere Haustiere zählen zu den Patienten von Michael Meyer. Zwölf Jahre praktizierte der 43-Jährige in Gambia, bevor er nach Hille wechselte. MT- (© Foto: Carsten Korfesmeyer)

Hille-Oberlübbe (mt). Der Name des neuen Tierarztes hat nur einen Buchstaben weniger als der seiner Vorgängerin. Michael Meyer arbeitet seit Juli in der Kleintierpraxis, die Michaela Meyer zuvor verlassen hatte. Der 43-Jährige nennt das einen lustigen Zufall und erzählt, dass beide ihre Assistenzzeit in derselben Kasseler Klinik verbrachten. Das war es dann aber auch mit den Gemeinsamkeiten. Die bisherige Karriere des Bad Oeynhauseners führte durch zwölf Praxen in ganz Deutschland, bevor er 2006 ins westafrikanische Gambia auswanderte, aus dem er im Juli 2018 nach Hause zurückkehrte. Ein Jahr arbeitete er auf dem elterlichen Bauernhof, wo er zehn Milchkühe versorgte und baute sein Haus um. Seit Juli praktiziert der Tiermediziner in der Praxis von Eva Peitzmeier. Eine ungewöhnliche Laufbahn.

Warum er wieder in Deutschland wohnt, ist schnell erklärt. Denn für Michael Meyer und seine aus Gambia stammende Frau Alida stand immer fest, dass die Söhne Neo (8) und Lucas (7) in Deutschland zur Schule gehen sollen. Das war dann soweit und die Familie hat sich inzwischen gut eingelebt. Die zwölf Jahre in dem kleinen westafrikanischen Land bleiben ihm aber in bester Erinnerung. Meyer spricht von einem angenehmen Leben in einer schönen Umgebung mit freundlichen Menschen. Und was die tierärztliche Versorgung in Gambia betrifft, habe er westliche Standards eingeführt. „Die gab es vorher dort nicht.“

Spricht Meyer über seine Anfänge in Afrika, klingt das wie Pionierarbeit. Mit ausrangierten Apparaten und Mobiliar aus deutschen Praxen baute er die tiermedizinische Versorgung auf. Eines der Röntgengeräte stammt beispielsweise von 1965. Aber es lief – und der Mann, der den Doktortitel nur in Gambia führen darf, erwarb Ansehen. „Ich habe damals gespürt, dass man mich braucht.“ Menschen kamen mit ihren Hunden und Katzen zu ihm, manchmal auch mit Kaninchen und gelegentlich mit Schafen und Eseln. Er operierte, therapierte und heilte. „Manchmal habe ich bei einem Tier 100 Zecken entfernt.“ Mit Deutschland vergleichbar sei der Arbeitsalltag nicht. Hier sei es unvorstellbar, dass verletzte und erkrankte Tiere erst nach Wochen zu ihm gebracht werden. „Nach einer Stunde ist schon lang“, sagt er. Und an Zecken zieht er meistens nur eine aus dem Fell.

Gambia hat ein großes Problem mit Straßenhunden, um die sich niemand kümmert. Meyer erzählt von seinen kurzen Fahrten mit dem Auto, bei denen er Hunderte herrenloser Vierbeiner sah. Das berührte ihn sehr – und 2008 gründete er ein Projekt, in dem er diese Hunde kostenlos behandelt. „Sie wurden eingesammelt, kastriert, von Parasiten befreit, geimpft und dann wieder ausgesetzt.“ Er ist nach eigenen Worten der Erste, der das in Afrika machte. Über die Aktion informierte der Tierarzt in Youtube-Videos. Die kamen bei den Nutzern im Netz riesig an und Meyer nahm dadurch Geld ein. So konnte er das Projekt weiter finanzieren. Insgesamt wurden bislang mehr als 3.000 Hunde in dem Projekt versorgt.

Gerne würde der Tierarzt aus Oberlübbe das Projekt weiterführen. Doch das scheiterte bislang genauso wie eine Nachfolgeregelung für seine Praxis in Gambia. Er habe sich darum bemüht, aber bisher habe es leider nicht geklappt. „Ich bleibe da aber weiter am Ball.“ Denn Meyer hält den Kontakt nach Gambia – das Land, das einst eine britische Kolonie war und Mitten im Senegal liegt. Er hat eine enge Bindung dorthin, den ein Urlaub im Januar 2006 auslöste. Ursprünglich wollte der Tierarzt nur seinen Freund Rafael Ruhl besuchen, der dort lebt und den er von der Uni kennt. Immer wieder wurde er dann von den Menschen gefragt, ob er nicht bleiben möchte. „Irgendwann fand ich diese Idee auch richtig gut.“ Risiken sah Meyer keine, da er noch ungebunden war. Seine Frau Alida lernte er 2010 kennen – durch Rafael Ruhl. „Sie ist seine Sandkastenfreundin“, erzählt er.

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OberlübbeDoktor für vier Pfoten: Warum Tierarzt Michael Meyer aus Afrika nach Oberlübbe gekommen istCarsten KorfesmeyerHille-Oberlübbe (mt). Der Name des neuen Tierarztes hat nur einen Buchstaben weniger als der seiner Vorgängerin. Michael Meyer arbeitet seit Juli in der Kleintierpraxis, die Michaela Meyer zuvor verlassen hatte. Der 43-Jährige nennt das einen lustigen Zufall und erzählt, dass beide ihre Assistenzzeit in derselben Kasseler Klinik verbrachten. Das war es dann aber auch mit den Gemeinsamkeiten. Die bisherige Karriere des Bad Oeynhauseners führte durch zwölf Praxen in ganz Deutschland, bevor er 2006 ins westafrikanische Gambia auswanderte, aus dem er im Juli 2018 nach Hause zurückkehrte. Ein Jahr arbeitete er auf dem elterlichen Bauernhof, wo er zehn Milchkühe versorgte und baute sein Haus um. Seit Juli praktiziert der Tiermediziner in der Praxis von Eva Peitzmeier. Eine ungewöhnliche Laufbahn. Warum er wieder in Deutschland wohnt, ist schnell erklärt. Denn für Michael Meyer und seine aus Gambia stammende Frau Alida stand immer fest, dass die Söhne Neo (8) und Lucas (7) in Deutschland zur Schule gehen sollen. Das war dann soweit und die Familie hat sich inzwischen gut eingelebt. Die zwölf Jahre in dem kleinen westafrikanischen Land bleiben ihm aber in bester Erinnerung. Meyer spricht von einem angenehmen Leben in einer schönen Umgebung mit freundlichen Menschen. Und was die tierärztliche Versorgung in Gambia betrifft, habe er westliche Standards eingeführt. „Die gab es vorher dort nicht.“ Spricht Meyer über seine Anfänge in Afrika, klingt das wie Pionierarbeit. Mit ausrangierten Apparaten und Mobiliar aus deutschen Praxen baute er die tiermedizinische Versorgung auf. Eines der Röntgengeräte stammt beispielsweise von 1965. Aber es lief – und der Mann, der den Doktortitel nur in Gambia führen darf, erwarb Ansehen. „Ich habe damals gespürt, dass man mich braucht.“ Menschen kamen mit ihren Hunden und Katzen zu ihm, manchmal auch mit Kaninchen und gelegentlich mit Schafen und Eseln. Er operierte, therapierte und heilte. „Manchmal habe ich bei einem Tier 100 Zecken entfernt.“ Mit Deutschland vergleichbar sei der Arbeitsalltag nicht. Hier sei es unvorstellbar, dass verletzte und erkrankte Tiere erst nach Wochen zu ihm gebracht werden. „Nach einer Stunde ist schon lang“, sagt er. Und an Zecken zieht er meistens nur eine aus dem Fell. Gambia hat ein großes Problem mit Straßenhunden, um die sich niemand kümmert. Meyer erzählt von seinen kurzen Fahrten mit dem Auto, bei denen er Hunderte herrenloser Vierbeiner sah. Das berührte ihn sehr – und 2008 gründete er ein Projekt, in dem er diese Hunde kostenlos behandelt. „Sie wurden eingesammelt, kastriert, von Parasiten befreit, geimpft und dann wieder ausgesetzt.“ Er ist nach eigenen Worten der Erste, der das in Afrika machte. Über die Aktion informierte der Tierarzt in Youtube-Videos. Die kamen bei den Nutzern im Netz riesig an und Meyer nahm dadurch Geld ein. So konnte er das Projekt weiter finanzieren. Insgesamt wurden bislang mehr als 3.000 Hunde in dem Projekt versorgt. Gerne würde der Tierarzt aus Oberlübbe das Projekt weiterführen. Doch das scheiterte bislang genauso wie eine Nachfolgeregelung für seine Praxis in Gambia. Er habe sich darum bemüht, aber bisher habe es leider nicht geklappt. „Ich bleibe da aber weiter am Ball.“ Denn Meyer hält den Kontakt nach Gambia – das Land, das einst eine britische Kolonie war und Mitten im Senegal liegt. Er hat eine enge Bindung dorthin, den ein Urlaub im Januar 2006 auslöste. Ursprünglich wollte der Tierarzt nur seinen Freund Rafael Ruhl besuchen, der dort lebt und den er von der Uni kennt. Immer wieder wurde er dann von den Menschen gefragt, ob er nicht bleiben möchte. „Irgendwann fand ich diese Idee auch richtig gut.“ Risiken sah Meyer keine, da er noch ungebunden war. Seine Frau Alida lernte er 2010 kennen – durch Rafael Ruhl. „Sie ist seine Sandkastenfreundin“, erzählt er.