Hille

Berufsparcours an der Verbundschule Hille

Michael Grundmeier

Zehn Minuten verbringen die Achtklässer an den jeweiligen Ständen der Unternehmen. In dieser Zeit können sie Fragen zu den Berufsbildern stellen. - © Michael Grundmeier
Zehn Minuten verbringen die Achtklässer an den jeweiligen Ständen der Unternehmen. In dieser Zeit können sie Fragen zu den Berufsbildern stellen. (© Michael Grundmeier)

Hille (mig). Beim Berufsparcours der achten Klassen in der Verbundschule geht es erstaunlich leise zu. Die Schüler sind in ihre Aufgaben vertieft. Einige messen ihren Puls, Andere feilen an einem Stück Holz. Zehn Firmen haben sich am Dienstag in der Aula eingefunden. Insgesamt werden zwölf Berufe vorgestellt.

Die Schüler sollen die Firmen kennenlernen – und umgekehrt. „Bei uns gibt es 100 Prozent Kontakte“, erklärt Karin Ressel vom Technikzentrum Minden-Lübbecke. Im Unterschied zu einer „normalen Berufsmesse“ würden alle Jugendlichen mit allen Firmen in Kontakt kommen. „Hier werden nicht nur Kugelschreiber und Kaugummis gesammelt“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Stattdessen würden Berufsinhalte vermittelt und in leichten Aufgaben wie Lötübungen oder dem Aufbau einer elektrischen Schaltung nähergebracht. In einer Art „Minipraktikum“ können die Jugendlichen testen, ob der Beruf etwas für sie ist. Zehn Minuten haben sie für eine Station Zeit. Danach geht es schon zur nächsten Firma.

Das Konzept hat Ressel vor Jahren selbst entwickelt. Inzwischen wird es deutschlandweit eingesetzt. „Wir haben jährlich 200 Veranstaltungen mit rund 50.000 Jugendlichen“, sagt sie. Ihren Sitz hat die Firma in Südhemmern. Dass der Parcours ein wirksames Instrument ist, zeigen auch die Fragebögen, die die teilnehmenden Betriebe ausgewertet haben. 99,5 Prozent sind zufrieden – und als Folge aller Veranstaltungen habe es inzwischen rund 80.000 Bewerbungen gegeben.

Der Bedarf solcher Events ist groß. „Es gibt Untersuchungen, die nachweisen, dass sich 90 Prozent der Jugendlichen nichts unter Berufsbezeichnungen und Berufsinhalten vorstellen können“, sagt Ressel. Der Parcours soll Jobbilder erleb- und begreifbar machen. Die jungen Leute sollen die Berufe ausprobieren und vielleicht verborgene Talente entdecken.

Und die Firmen? Die wollen bei den Jugendlichen möglichst früh Interesse wecken und eine Bindung aufbauen, die über die Schulzeit hinaus reicht. „Viele bekommen dann eine Einladung zu einem Schnupperpraktikum oder ähnliches“. Darüber hinaus wollen die Unternehmen potenzielle Bewerber kennenlernen. Ressel hofft, dass ihr Konzept der Berufsfindung weiter Schule macht. „Wenn wir das flächendeckend in ganz NRW einsetzen würden, dann hätten wir kaum noch einen Fachkräftemangel“, sagt sie.

Vom Konzept des Berufsparcours ist auch Thorsten Graz überzeugt. Er ist Berufswahlkoordinator für die Sekundarstufe eins der Schule. Die Veranstaltung biete einen guten Querschnitt durch die Berufswelt – von der Pflege bis zum Berufskraftfahrer. Den Parcours sieht er als einen ersten Baustein, auf den weitere folgen werden – beispielsweise durch Praktikumsplätze.

Das sieht Marco Deibele, ganz ähnlich. Er ist Ausbilder für Mechatronik in der „Harting Technologiegruppe. Die Schüler würden spielerisch an den Beruf herangeführt, sagt er und zeigt auf eine Steuerung, mit der die Schüler an einer Art Quiz teilnehmen. Dort können sie auch ihre persönlichen Interessensgebiete herausfinden – und so mancher Schüler gewinnt neue Erkenntnisse. Einige haben aber schon konkrete Vorstellungen. „Ich will auf jeden Fall etwas mit Informatik machen“, sagt beispielsweise Mario. Er habe bereits eine Programmiersprache gelernt und will vielleicht studieren.

„Digitalisierung sei ein „ganz wichtiges Thema“, sagt Deibele. Von den Schulen würde er sich wünschen, dass die Lehre eine etwas andere Richtung geht. Nicht das Auswendiglernen sei in der heutigen Arbeitswelt entscheidend, sondern das Bewerten von Informationen. „Die Jugendlichen müssen lernen, wie diese Informationen einzuschätzen sind.“

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HilleBerufsparcours an der Verbundschule HilleMichael GrundmeierHille (mig). Beim Berufsparcours der achten Klassen in der Verbundschule geht es erstaunlich leise zu. Die Schüler sind in ihre Aufgaben vertieft. Einige messen ihren Puls, Andere feilen an einem Stück Holz. Zehn Firmen haben sich am Dienstag in der Aula eingefunden. Insgesamt werden zwölf Berufe vorgestellt. Die Schüler sollen die Firmen kennenlernen – und umgekehrt. „Bei uns gibt es 100 Prozent Kontakte“, erklärt Karin Ressel vom Technikzentrum Minden-Lübbecke. Im Unterschied zu einer „normalen Berufsmesse“ würden alle Jugendlichen mit allen Firmen in Kontakt kommen. „Hier werden nicht nur Kugelschreiber und Kaugummis gesammelt“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Stattdessen würden Berufsinhalte vermittelt und in leichten Aufgaben wie Lötübungen oder dem Aufbau einer elektrischen Schaltung nähergebracht. In einer Art „Minipraktikum“ können die Jugendlichen testen, ob der Beruf etwas für sie ist. Zehn Minuten haben sie für eine Station Zeit. Danach geht es schon zur nächsten Firma. Das Konzept hat Ressel vor Jahren selbst entwickelt. Inzwischen wird es deutschlandweit eingesetzt. „Wir haben jährlich 200 Veranstaltungen mit rund 50.000 Jugendlichen“, sagt sie. Ihren Sitz hat die Firma in Südhemmern. Dass der Parcours ein wirksames Instrument ist, zeigen auch die Fragebögen, die die teilnehmenden Betriebe ausgewertet haben. 99,5 Prozent sind zufrieden – und als Folge aller Veranstaltungen habe es inzwischen rund 80.000 Bewerbungen gegeben. Der Bedarf solcher Events ist groß. „Es gibt Untersuchungen, die nachweisen, dass sich 90 Prozent der Jugendlichen nichts unter Berufsbezeichnungen und Berufsinhalten vorstellen können“, sagt Ressel. Der Parcours soll Jobbilder erleb- und begreifbar machen. Die jungen Leute sollen die Berufe ausprobieren und vielleicht verborgene Talente entdecken. Und die Firmen? Die wollen bei den Jugendlichen möglichst früh Interesse wecken und eine Bindung aufbauen, die über die Schulzeit hinaus reicht. „Viele bekommen dann eine Einladung zu einem Schnupperpraktikum oder ähnliches“. Darüber hinaus wollen die Unternehmen potenzielle Bewerber kennenlernen. Ressel hofft, dass ihr Konzept der Berufsfindung weiter Schule macht. „Wenn wir das flächendeckend in ganz NRW einsetzen würden, dann hätten wir kaum noch einen Fachkräftemangel“, sagt sie. Vom Konzept des Berufsparcours ist auch Thorsten Graz überzeugt. Er ist Berufswahlkoordinator für die Sekundarstufe eins der Schule. Die Veranstaltung biete einen guten Querschnitt durch die Berufswelt – von der Pflege bis zum Berufskraftfahrer. Den Parcours sieht er als einen ersten Baustein, auf den weitere folgen werden – beispielsweise durch Praktikumsplätze. Das sieht Marco Deibele, ganz ähnlich. Er ist Ausbilder für Mechatronik in der „Harting Technologiegruppe. Die Schüler würden spielerisch an den Beruf herangeführt, sagt er und zeigt auf eine Steuerung, mit der die Schüler an einer Art Quiz teilnehmen. Dort können sie auch ihre persönlichen Interessensgebiete herausfinden – und so mancher Schüler gewinnt neue Erkenntnisse. Einige haben aber schon konkrete Vorstellungen. „Ich will auf jeden Fall etwas mit Informatik machen“, sagt beispielsweise Mario. Er habe bereits eine Programmiersprache gelernt und will vielleicht studieren. „Digitalisierung sei ein „ganz wichtiges Thema“, sagt Deibele. Von den Schulen würde er sich wünschen, dass die Lehre eine etwas andere Richtung geht. Nicht das Auswendiglernen sei in der heutigen Arbeitswelt entscheidend, sondern das Bewerten von Informationen. „Die Jugendlichen müssen lernen, wie diese Informationen einzuschätzen sind.“