Rothenuffeln

Horst Kinkelbur nahm mit seinem 102 Jahre alten Motorrad an einer Rallye teil

Carsten Korfesmeyer

Horst Kinkelbur (76) ist leidenschaftlicher Motorradfahrer. Mit seiner NSU aus dem Jahr 1917 nahm er Ende August an einer organisierten Rallye teil, die etwas mehr als 1.200 Kilometer lang war. MT- - © Foto: Carsten Korfesmeyer
Horst Kinkelbur (76) ist leidenschaftlicher Motorradfahrer. Mit seiner NSU aus dem Jahr 1917 nahm er Ende August an einer organisierten Rallye teil, die etwas mehr als 1.200 Kilometer lang war. MT- (© Foto: Carsten Korfesmeyer)

Hille-Rothenuffeln (mt). Die vielen Pokale im Schrank stehen für eine große Leidenschaft. Horst Kinkelbur liebt Motorräder und hat mit ihnen unzählige Rennen gefahren. 1970 feierte er beispielsweise mit der Deutschen Vizemeisterschaft im Bahnsport seinen größten sportlichen Erfolg – und auf zwei Rädern ist er auch nach seinem Karriereende im Jahr 1976 viel unterwegs gewesen. Immer mit seiner Frau hat er seither an organisierten Rallyes teilgenommen, ist durch viele Landschaften gefahren und hat viele Freunde in ganz Deutschland gefunden. Bis das Schicksal vor sieben Jahren grausam zuschlug. Seine Frau Marianne erkrankte an Demenz und war immer stärker auf Pflege angewiesen. Mitte Januar ist sie verstorben. Ganz friedlich.

Horst Kinkelbur hatte sich lange Zeit aus der Motorradszene zurückgezogen. 76 ist er inzwischen und körperlich fit, so dass er in den vergangenen Wochen viel darüber nachgedacht hat, wieder einzusteigen. Die Einladung zu einer Ostdeutschlandfahrt flatterte ihm ins Haus, an der nur Motorräder teilnehmen dürfen, die mindestens 100 Jahre alt sind. So eins hat der Biker aus Rothenuffeln und weil er die Veranstalter kennt, meldete er sich mit seiner NSU von 1917 an. Es sollte für ihn der Start in ein neues Leben sein.

Etwas mehr als 1.200 Kilometer ging es mit 20 weiteren Teilnehmern kreuz und quer durch die neuen Bundesländer. Vom Harz bis nach Usedom waren Kinkelbur und Kollegen Ende August unterwegs. Es ging vom Harz bis nach Usedom, in den Spreewald und an die Elbe. Acht Tage übernachteten die Motorradfahrer in acht Hotels. „Das waren herrliche Eindrücke“, sagt der gelernte Maschinenbauer. Wo die tägliche Reise hinging, erfuhr man immer erst morgens bei Ausgabe der Tourbücher – und wenn auf der Strecke gelegentlich mal Kopfsteinpflaster lag, wurde es auf dem betagten Motorrad ganz schön ruckelig. „Oft war ich abends richtig geschafft“, sagt der passionierte Schrauber, dem die geselligen Runden und Fachsimpeleien mit den Teilnehmern besonders gefallen haben. Und den Satz „Schön, dass du wieder mit dabei bist“ hörte er häufiger.

Horst Kinkelbur ist zurück in seiner Szene. Der Witwer ist wieder optimistisch und möchte an weiteren Rallyes teilnehmen. Als Ziele kann er sich St. Petersburg oder das Nordkap vorstellen. Er will das Leben genießen und die Zeit so verbringen, wie er mag. „Und das Motorradfahren gehört bei mir dazu.“

Der Rentner von der Bergkante spürte am Ziel der Ostdeutschlandfahrt eine innerliche Genugtuung. Er hat gemerkt, er kann das noch. Gleiches gilt im übertragenen Sinne für sein 102-jährige Motorrad, das er 1993 gekauft und mehr als sechs Jahre in seiner kleinen Werkstatt aufwendig restauriert hat. „Wer so ein Hobby hat, muss handwerklich geschickt sein.“ Bis auf ein Motorrad, das 115 Jahre auf dem Buckel hat, sind bei der Tour durch die neuen Bundesländer alle ans Ziel gekommen. Am Ende lagen sich die Teilnehmer in den Armen. Horst Kinkelbur meisterte eine Rallye zum ersten Mal ohne seine Frau. Ihr hat er seinen Erfolg gewidmet.

Der Autor ist erreichbar unter Telefon (05 71) 882 237 oder Carsten.Korfesmeyer@MT.de

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RothenuffelnHorst Kinkelbur nahm mit seinem 102 Jahre alten Motorrad an einer Rallye teilCarsten KorfesmeyerHille-Rothenuffeln (mt). Die vielen Pokale im Schrank stehen für eine große Leidenschaft. Horst Kinkelbur liebt Motorräder und hat mit ihnen unzählige Rennen gefahren. 1970 feierte er beispielsweise mit der Deutschen Vizemeisterschaft im Bahnsport seinen größten sportlichen Erfolg – und auf zwei Rädern ist er auch nach seinem Karriereende im Jahr 1976 viel unterwegs gewesen. Immer mit seiner Frau hat er seither an organisierten Rallyes teilgenommen, ist durch viele Landschaften gefahren und hat viele Freunde in ganz Deutschland gefunden. Bis das Schicksal vor sieben Jahren grausam zuschlug. Seine Frau Marianne erkrankte an Demenz und war immer stärker auf Pflege angewiesen. Mitte Januar ist sie verstorben. Ganz friedlich. Horst Kinkelbur hatte sich lange Zeit aus der Motorradszene zurückgezogen. 76 ist er inzwischen und körperlich fit, so dass er in den vergangenen Wochen viel darüber nachgedacht hat, wieder einzusteigen. Die Einladung zu einer Ostdeutschlandfahrt flatterte ihm ins Haus, an der nur Motorräder teilnehmen dürfen, die mindestens 100 Jahre alt sind. So eins hat der Biker aus Rothenuffeln und weil er die Veranstalter kennt, meldete er sich mit seiner NSU von 1917 an. Es sollte für ihn der Start in ein neues Leben sein. Etwas mehr als 1.200 Kilometer ging es mit 20 weiteren Teilnehmern kreuz und quer durch die neuen Bundesländer. Vom Harz bis nach Usedom waren Kinkelbur und Kollegen Ende August unterwegs. Es ging vom Harz bis nach Usedom, in den Spreewald und an die Elbe. Acht Tage übernachteten die Motorradfahrer in acht Hotels. „Das waren herrliche Eindrücke“, sagt der gelernte Maschinenbauer. Wo die tägliche Reise hinging, erfuhr man immer erst morgens bei Ausgabe der Tourbücher – und wenn auf der Strecke gelegentlich mal Kopfsteinpflaster lag, wurde es auf dem betagten Motorrad ganz schön ruckelig. „Oft war ich abends richtig geschafft“, sagt der passionierte Schrauber, dem die geselligen Runden und Fachsimpeleien mit den Teilnehmern besonders gefallen haben. Und den Satz „Schön, dass du wieder mit dabei bist“ hörte er häufiger. Horst Kinkelbur ist zurück in seiner Szene. Der Witwer ist wieder optimistisch und möchte an weiteren Rallyes teilnehmen. Als Ziele kann er sich St. Petersburg oder das Nordkap vorstellen. Er will das Leben genießen und die Zeit so verbringen, wie er mag. „Und das Motorradfahren gehört bei mir dazu.“ Der Rentner von der Bergkante spürte am Ziel der Ostdeutschlandfahrt eine innerliche Genugtuung. Er hat gemerkt, er kann das noch. Gleiches gilt im übertragenen Sinne für sein 102-jährige Motorrad, das er 1993 gekauft und mehr als sechs Jahre in seiner kleinen Werkstatt aufwendig restauriert hat. „Wer so ein Hobby hat, muss handwerklich geschickt sein.“ Bis auf ein Motorrad, das 115 Jahre auf dem Buckel hat, sind bei der Tour durch die neuen Bundesländer alle ans Ziel gekommen. Am Ende lagen sich die Teilnehmer in den Armen. Horst Kinkelbur meisterte eine Rallye zum ersten Mal ohne seine Frau. Ihr hat er seinen Erfolg gewidmet. Der Autor ist erreichbar unter Telefon (05 71) 882 237 oder Carsten.Korfesmeyer@MT.de