Hille

Der letzte Müll: Die Deponie der Pohlschen Heide und ihre Geschichte

Carsten Korfesmeyer

Matthias Koch-Schulte (50) ist Leiter des Kundencenters auf der Pohlschen Heide. „Abfall ist nicht wertlos“, sagt er. Das Umweltbewusstsein hat zu einem anderen Umgang mit Abfall geführt. MT- - © Foto: Carsten Korfesmeyer
Matthias Koch-Schulte (50) ist Leiter des Kundencenters auf der Pohlschen Heide. „Abfall ist nicht wertlos“, sagt er. Das Umweltbewusstsein hat zu einem anderen Umgang mit Abfall geführt. MT- (© Foto: Carsten Korfesmeyer)

Hille (mt). Für den Bürger sind Abfälle in der Regel wertlos. Auf der Pohlschen Heide ist das anders. Dort holt man das letzte aus dem Müll heraus und gewinnt Rohstoffe zurück, um diese wiederzuverwerten. Selbst viele Reste, mit denen sich nichts mehr herstellen lässt, sind immer noch zu gebrauchen. Brennen sie gut, landen sie im Heizkraftwerk, wo aus ihnen Energie für Wärmeversorgung entsteht. Nur was dann noch übrig ist, kommt auf die Deponie. Das sind Schlacke, Bauschutt oder Stoffe aus dem Hausmüll, die biologisch soweit behandelt sind, dass sie im Boden keinen Ärger mehr machen können. „Und ohne Probleme endgelagert werden können“, erklärt Deponieleiter Markus Aßmann.

Auf der Deponie im Norden von Hille sickert nichts mehr durch. Schon aufgrund seiner riesigen Tonschicht eignet sich das 27 Hektar große Areal für die Ablagerung der Abfälle. Die Verantwortlichen gehen aber ganz auf Nummer sicher und haben beispielsweise weitere Dichtungsschichten oder eine Kiesdrainage geschaffen. „Nichts von den gelagerten Abfällen gerät in das Grundwasser“, sagt der 37-Jährige, der seit 2004 auf der Pohlschen Heide tätig ist. Sollte es doch dazu kommen, löst der Alarm aus – und selbst dann lasse sich das Grundwasser noch abpumpen. Das, was durch den Müll innerhalb der Deponie an Sickerwasser zusammenkommt, wird im sogenannten Flächenfilter gesammelt und über geschlossene Rohre abgeleitet.

Jährlich fallen rund 120.000 Kubikmeter Deponiemüll auf der Pohlschen Heide an, die als Endlager für nicht gefährliche Abfälle mit geringem organischen Anteil klassifiziert ist. „Ich denke, sechs Jahre kommen wir mit dem Platz noch aus“, sagt Aßmann gegenüber dem MT. Bis dahin soll der dritte Bauabschnitt fertig sein, um weiteren Müll lagern zu können. Auf 50 Hektar erstreckt sich das Ausbaupotenzial.

Als die Pohlsche Heide vor 31 Jahren in Betrieb ging, herrschten in der Branche noch andere Vorstellungen. Um die 300.000 Kubikmeter Müll landeten jährlich auf der Deponie. „Inklusive Biomüll“, sagt Aßmann. Alle Verantwortlichen mussten damals davon ausgehen, dass sich das Areal schnell füllt. Doch das gewachsene Umweltbewusstsein und die Einführung der Mülltrennung bremsten diese Entwicklung. Seit 1994, als der zweite Bauabschnitt in Betrieb ging, kommt man mit der bestehenden Fläche aus.

In der Müllwelt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel getan. Noch bis 1972 waren die sogenannten Schuttlöcher erlaubt, die es nahezu in jedem Dorf gab – und in die man alles Mögliche schmiss. „Abfall war lediglich Ordnungsrecht“, sagt Matthias Koch-Schulte. Der 50-Jährige leitet das Kundencenter der Pohlschen Heide und erzählt von der Gesetzeslage, die sich in der Abfallbranche verändert hat. 1972 trat beispielsweise das Abfallbeseitigungsgesetz in Kraft, das 1986 vom Abfallgesetz abgelöst wurde. „Schon der Name sagt aus, dass es auch um Müllverwertung ging“, sagt er.

Später folgte das Kreislaufwirtschaftsgesetz, das laut Koch-Schulte ein weiteres Signal sendet. Denn seither geht es darum, aus dem Abfall neue Rohstoffe zu gewinnen. Dank der Forschung lasse sich immer mehr Müll zurückführen. Mit dem Projekt „Urban Mining“ hatte man im Jahr 2014 beispielsweise Rohstoffe aus bereits deponierten Abfällen auf der Pohlschen Heide gewinnen können. Und die Möglichkeiten, Müll zu nutzen, werden weiter steigen.

Kommt es irgendwann einmal dazu, dass überhaupt kein Müll mehr anfällt? Aßmann und Koch-Schulte winken sofort ab. „Null Abfall“ – das sei ein rein theoretisches Ziel, das sich praktisch niemals erreichen lasse.

Die MT-Serie "Pohlsche Heide"

- Die Pohlsche Heide in Hille ist das Entsorgungszentrum des Kreises Minden-Lübbecke. Es ist bekannt für seine effizienten und modernen Anlagen zur Abfallaufbereitung.

- Wie funktionieren diese Anlagen? Was passiert mit dem angelieferten Müll? Und warum ist die Deponie selbst im Zeitalter des Recyclings noch unerlässlich? Diesen und vielen weiteren Fragen geht das MT in diesen Wochen in der Serie „Pohlsche Heide“ auf den Grund.

- Haben Sie ein Thema rund um das Entsorgungszentrum in Hille, das Sie interessiert und über das wir berichten sollten? Schicken Sie uns Ihre Vorschläge per E-Mail an lokales@MT.de!

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HilleDer letzte Müll: Die Deponie der Pohlschen Heide und ihre GeschichteCarsten KorfesmeyerHille (mt). Für den Bürger sind Abfälle in der Regel wertlos. Auf der Pohlschen Heide ist das anders. Dort holt man das letzte aus dem Müll heraus und gewinnt Rohstoffe zurück, um diese wiederzuverwerten. Selbst viele Reste, mit denen sich nichts mehr herstellen lässt, sind immer noch zu gebrauchen. Brennen sie gut, landen sie im Heizkraftwerk, wo aus ihnen Energie für Wärmeversorgung entsteht. Nur was dann noch übrig ist, kommt auf die Deponie. Das sind Schlacke, Bauschutt oder Stoffe aus dem Hausmüll, die biologisch soweit behandelt sind, dass sie im Boden keinen Ärger mehr machen können. „Und ohne Probleme endgelagert werden können“, erklärt Deponieleiter Markus Aßmann. Auf der Deponie im Norden von Hille sickert nichts mehr durch. Schon aufgrund seiner riesigen Tonschicht eignet sich das 27 Hektar große Areal für die Ablagerung der Abfälle. Die Verantwortlichen gehen aber ganz auf Nummer sicher und haben beispielsweise weitere Dichtungsschichten oder eine Kiesdrainage geschaffen. „Nichts von den gelagerten Abfällen gerät in das Grundwasser“, sagt der 37-Jährige, der seit 2004 auf der Pohlschen Heide tätig ist. Sollte es doch dazu kommen, löst der Alarm aus – und selbst dann lasse sich das Grundwasser noch abpumpen. Das, was durch den Müll innerhalb der Deponie an Sickerwasser zusammenkommt, wird im sogenannten Flächenfilter gesammelt und über geschlossene Rohre abgeleitet. Jährlich fallen rund 120.000 Kubikmeter Deponiemüll auf der Pohlschen Heide an, die als Endlager für nicht gefährliche Abfälle mit geringem organischen Anteil klassifiziert ist. „Ich denke, sechs Jahre kommen wir mit dem Platz noch aus“, sagt Aßmann gegenüber dem MT. Bis dahin soll der dritte Bauabschnitt fertig sein, um weiteren Müll lagern zu können. Auf 50 Hektar erstreckt sich das Ausbaupotenzial. Als die Pohlsche Heide vor 31 Jahren in Betrieb ging, herrschten in der Branche noch andere Vorstellungen. Um die 300.000 Kubikmeter Müll landeten jährlich auf der Deponie. „Inklusive Biomüll“, sagt Aßmann. Alle Verantwortlichen mussten damals davon ausgehen, dass sich das Areal schnell füllt. Doch das gewachsene Umweltbewusstsein und die Einführung der Mülltrennung bremsten diese Entwicklung. Seit 1994, als der zweite Bauabschnitt in Betrieb ging, kommt man mit der bestehenden Fläche aus. In der Müllwelt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel getan. Noch bis 1972 waren die sogenannten Schuttlöcher erlaubt, die es nahezu in jedem Dorf gab – und in die man alles Mögliche schmiss. „Abfall war lediglich Ordnungsrecht“, sagt Matthias Koch-Schulte. Der 50-Jährige leitet das Kundencenter der Pohlschen Heide und erzählt von der Gesetzeslage, die sich in der Abfallbranche verändert hat. 1972 trat beispielsweise das Abfallbeseitigungsgesetz in Kraft, das 1986 vom Abfallgesetz abgelöst wurde. „Schon der Name sagt aus, dass es auch um Müllverwertung ging“, sagt er. Später folgte das Kreislaufwirtschaftsgesetz, das laut Koch-Schulte ein weiteres Signal sendet. Denn seither geht es darum, aus dem Abfall neue Rohstoffe zu gewinnen. Dank der Forschung lasse sich immer mehr Müll zurückführen. Mit dem Projekt „Urban Mining“ hatte man im Jahr 2014 beispielsweise Rohstoffe aus bereits deponierten Abfällen auf der Pohlschen Heide gewinnen können. Und die Möglichkeiten, Müll zu nutzen, werden weiter steigen. Kommt es irgendwann einmal dazu, dass überhaupt kein Müll mehr anfällt? Aßmann und Koch-Schulte winken sofort ab. „Null Abfall“ – das sei ein rein theoretisches Ziel, das sich praktisch niemals erreichen lasse. Die MT-Serie "Pohlsche Heide" - Die Pohlsche Heide in Hille ist das Entsorgungszentrum des Kreises Minden-Lübbecke. Es ist bekannt für seine effizienten und modernen Anlagen zur Abfallaufbereitung. - Wie funktionieren diese Anlagen? Was passiert mit dem angelieferten Müll? Und warum ist die Deponie selbst im Zeitalter des Recyclings noch unerlässlich? Diesen und vielen weiteren Fragen geht das MT in diesen Wochen in der Serie „Pohlsche Heide“ auf den Grund. - Haben Sie ein Thema rund um das Entsorgungszentrum in Hille, das Sie interessiert und über das wir berichten sollten? Schicken Sie uns Ihre Vorschläge per E-Mail an lokales@MT.de!