Eickhorst

Spaß am Tau: Neun Teams kämpfen beim Treckerziehen um den Pokal

Carsten Korfesmeyer

Rollt der Trecker, läufts. Das Team „Die Nachbarn“ legte zwar gute Zeiten hin, musste sich am Ende allerdings mit dem dritten Platz dieses Wettbewerbs begnügen, bei dem allein der Spaß zählt. MT- - © Foto: Carsten Korfesmeyer
Rollt der Trecker, läufts. Das Team „Die Nachbarn“ legte zwar gute Zeiten hin, musste sich am Ende allerdings mit dem dritten Platz dieses Wettbewerbs begnügen, bei dem allein der Spaß zählt. MT- (© Foto: Carsten Korfesmeyer)

Hille-Eickhorst (mt). Acht Tonnen wiegt der grüne Traktor, den acht Männer mit einem 13 Meter langen Tau ziehen und ihn unter tosendem Beifall der rund 300 Zuschauer nach 15 Sekunden über die Ziellinie rollen lassen. „Entscheidend ist, dass man ihn in Bewegung kriegt“, sagt Björn Lohkamp am Samstagnachmittag. Sekunden zuvor hat der 34-Jährige mit seinem Team die zweite von drei Runden beim vierten Eickhorster Trecker-Tauziehen absolviert. Ihm und seinen sieben Kollegen aus der Löschgruppe des Ortes steht ein wenig der Schweiß auf der Stirn. Lohkamp spricht von einem Kraftakt. „Da geht es schon ganz gut zur Sache.“

In dem Moment tönt das Signalhorn vor dem Eickhorster Feuerwehrgerätehaus. Das Team „Die Nachbarinnen“ zieht an. Die einzigen Frauen am Start bekommen den Trecker nach ein paar Sekunden ins Rollen – und vom Publikum den lautesten Applaus. 22 Sekunden benötigen sie dafür. Das ist zwar eine starke Zeit, reicht am Ende allerdings nicht für einen Platz auf dem Podest, was bei dem Spaß-Wettbewerb ohnehin nebensächlich ist. Spontan hatten sich Kristin Weingärtner und ihre sieben Kolleginnen kurz vor Meldeschluss noch zusammengetan. „Wir wollten unbedingt, dass auch Frauen mitmachen“, sagt sie kurz nach dem Zieleinlauf gegenüber dem MT. Die Idee hatte ihre Mutter Gundula Lange, die aufgrund der Spontaneität gar nicht mehr die Schuhe wechseln konnte. Sie zieht deshalb mit Sandalen am Tau.

Marco Schlensker sitzt hinter dem Steuer des grünen Traktors und sein Job ist wesentlich verantwortungsvoller, als es auf den ersten Blick aussieht. MT- - © Foto: Carsten Korfesmeyer
Marco Schlensker sitzt hinter dem Steuer des grünen Traktors und sein Job ist wesentlich verantwortungsvoller, als es auf den ersten Blick aussieht. MT- (© Foto: Carsten Korfesmeyer)

Die Geselligkeit bestimmt den Wettbewerb, den die Löschgruppe Eickhorst im zweijährigen Rhythmus ausrichtet. Björn Lohkamp nennt das Trecker-Tauziehen ein ungewöhnliches Event, mit dem man die Menschen im Ort und den Dörfern rundum erreiche. Wer auf die Idee kam, wisse niemand mehr genau. Alle in der Löschgruppe hätten irgendwie an dem Konzept mitgefeilt, das lockt. „Wir wollten den Leuten einfach was bieten“, sagt er. Das funktioniert auch bei der 2019er-Auflage, was beim Blick auf die Gäste sofort zu erkennen ist. Die Männer, Frauen und Kinder haben Spaß. Sie feuern die Teams an der Strecke begeistert an, stehen am Bratwurst- und Getränkestand oder plaudern miteinander. Und die meisten der Jüngsten toben ausgelassen auf der Hüpfburg. Unverkennbar trägt das Eickhorster Trecker-Tauziehen die Züge eines Dorffestes.

Ganz spontan hat sich das einzige Frauenteam noch zur Teilnahme entschlossen. „Die Nachbarinnen“ erhielten für ihre Leistung viel Applaus. MT- - © Foto: Carsten Korfesmeyer
Ganz spontan hat sich das einzige Frauenteam noch zur Teilnahme entschlossen. „Die Nachbarinnen“ erhielten für ihre Leistung viel Applaus. MT- (© Foto: Carsten Korfesmeyer)

Björn Lohkamp erzählt noch vom kleinen Traktor, der später beim Kinder-Trecker-Tau in der Pause zum Einsatz kommt. Alle Altersgruppen will man erreichen – und dass es nicht um die sportlichen Erfolge geht, sagt er mehrfach. Und doch blitzen bei den Teilnehmern immer mal wieder ein paar Funken des Ehrgeizes auf. Die Gesichtszüge der Starter verraten hohe Motivation und beim Ziehen des Taus wachsen die meisten sogar über sich hinaus. Dafür, dass nahezu alle ihr Letztes geben, sorgt auch das Moderations-Duo Christian Fabry und Sascha Bunkowski. Mit kecken Sprüchen und Wortwitz sorgen sie für Unterhaltung, wecken bei den Teilnehmer aber auch die Lust aufs gewinnen.

„Trainiert haben wir das aber kein bisschen“, sagt Björn Lohkamp, der wenige Momente später noch ein wenig aus dem Nähkästchen plaudert – und über seine Taktik beim Ziehen spricht. Demnach müssen die acht Leute im Team zunächst rückwärts stehen. „Wenn der Trecker rollt, muss man sich nacheinander umdrehen und nach vorne laufen.“ Mache man das nicht, entstehe ein Durcheinander. Einige Beispiele an diesem heißen Nachmittag belegen, dass er damit goldrichtig liegt.

Für den Sieg reicht es damit bei Lohkamp und seinen Eickhorster Tauziehern am Ende nicht. Platz vier belegen sie und sind damit aber rundum zufrieden. Der Pokal geht an die freie Christengemeinde Eickhorst, Rang zwei an die Löschgruppe Südhemmern und Bronze an die Männer vom Team „Die Nachbarn“ aus Eickhorst.

Einer der ganz wichtigen Menschen des Wettbewerbs ist Marco Schlensker. Er sitzt hinter dem Steuer des grünen Traktors und sein Job ist wesentlich verantwortungsvoller, als es auf den ersten Blick aussieht. Denn er muss rechtzeitig auf die Bremse treten, falls einer der Teilnehmer stürzen sollte. Das ist bei allen bisherigen Auflagen des Eickhorster Trecker-Tauziehen zum Glück noch nie erforderlich gewesen. „Aber ich muss trotzdem die ganze Zeit hoch konzentriert sein“, sagt Schlensker, der bisher jedes Mal im Traktor saß.

Und er muss die Bremse lösen, sobald das in halb Eickhorst hörbare Horn ertönt. Das ist für den Mann im Trecker am Samstag kurioserweise ein Problem. Denn sein Führerhaus ist so gut isoliert, dass er den Ton dort kaum hört.

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EickhorstSpaß am Tau: Neun Teams kämpfen beim Treckerziehen um den PokalCarsten KorfesmeyerHille-Eickhorst (mt). Acht Tonnen wiegt der grüne Traktor, den acht Männer mit einem 13 Meter langen Tau ziehen und ihn unter tosendem Beifall der rund 300 Zuschauer nach 15 Sekunden über die Ziellinie rollen lassen. „Entscheidend ist, dass man ihn in Bewegung kriegt“, sagt Björn Lohkamp am Samstagnachmittag. Sekunden zuvor hat der 34-Jährige mit seinem Team die zweite von drei Runden beim vierten Eickhorster Trecker-Tauziehen absolviert. Ihm und seinen sieben Kollegen aus der Löschgruppe des Ortes steht ein wenig der Schweiß auf der Stirn. Lohkamp spricht von einem Kraftakt. „Da geht es schon ganz gut zur Sache.“ In dem Moment tönt das Signalhorn vor dem Eickhorster Feuerwehrgerätehaus. Das Team „Die Nachbarinnen“ zieht an. Die einzigen Frauen am Start bekommen den Trecker nach ein paar Sekunden ins Rollen – und vom Publikum den lautesten Applaus. 22 Sekunden benötigen sie dafür. Das ist zwar eine starke Zeit, reicht am Ende allerdings nicht für einen Platz auf dem Podest, was bei dem Spaß-Wettbewerb ohnehin nebensächlich ist. Spontan hatten sich Kristin Weingärtner und ihre sieben Kolleginnen kurz vor Meldeschluss noch zusammengetan. „Wir wollten unbedingt, dass auch Frauen mitmachen“, sagt sie kurz nach dem Zieleinlauf gegenüber dem MT. Die Idee hatte ihre Mutter Gundula Lange, die aufgrund der Spontaneität gar nicht mehr die Schuhe wechseln konnte. Sie zieht deshalb mit Sandalen am Tau. Die Geselligkeit bestimmt den Wettbewerb, den die Löschgruppe Eickhorst im zweijährigen Rhythmus ausrichtet. Björn Lohkamp nennt das Trecker-Tauziehen ein ungewöhnliches Event, mit dem man die Menschen im Ort und den Dörfern rundum erreiche. Wer auf die Idee kam, wisse niemand mehr genau. Alle in der Löschgruppe hätten irgendwie an dem Konzept mitgefeilt, das lockt. „Wir wollten den Leuten einfach was bieten“, sagt er. Das funktioniert auch bei der 2019er-Auflage, was beim Blick auf die Gäste sofort zu erkennen ist. Die Männer, Frauen und Kinder haben Spaß. Sie feuern die Teams an der Strecke begeistert an, stehen am Bratwurst- und Getränkestand oder plaudern miteinander. Und die meisten der Jüngsten toben ausgelassen auf der Hüpfburg. Unverkennbar trägt das Eickhorster Trecker-Tauziehen die Züge eines Dorffestes. Björn Lohkamp erzählt noch vom kleinen Traktor, der später beim Kinder-Trecker-Tau in der Pause zum Einsatz kommt. Alle Altersgruppen will man erreichen – und dass es nicht um die sportlichen Erfolge geht, sagt er mehrfach. Und doch blitzen bei den Teilnehmern immer mal wieder ein paar Funken des Ehrgeizes auf. Die Gesichtszüge der Starter verraten hohe Motivation und beim Ziehen des Taus wachsen die meisten sogar über sich hinaus. Dafür, dass nahezu alle ihr Letztes geben, sorgt auch das Moderations-Duo Christian Fabry und Sascha Bunkowski. Mit kecken Sprüchen und Wortwitz sorgen sie für Unterhaltung, wecken bei den Teilnehmer aber auch die Lust aufs gewinnen. „Trainiert haben wir das aber kein bisschen“, sagt Björn Lohkamp, der wenige Momente später noch ein wenig aus dem Nähkästchen plaudert – und über seine Taktik beim Ziehen spricht. Demnach müssen die acht Leute im Team zunächst rückwärts stehen. „Wenn der Trecker rollt, muss man sich nacheinander umdrehen und nach vorne laufen.“ Mache man das nicht, entstehe ein Durcheinander. Einige Beispiele an diesem heißen Nachmittag belegen, dass er damit goldrichtig liegt. Für den Sieg reicht es damit bei Lohkamp und seinen Eickhorster Tauziehern am Ende nicht. Platz vier belegen sie und sind damit aber rundum zufrieden. Der Pokal geht an die freie Christengemeinde Eickhorst, Rang zwei an die Löschgruppe Südhemmern und Bronze an die Männer vom Team „Die Nachbarn“ aus Eickhorst. Einer der ganz wichtigen Menschen des Wettbewerbs ist Marco Schlensker. Er sitzt hinter dem Steuer des grünen Traktors und sein Job ist wesentlich verantwortungsvoller, als es auf den ersten Blick aussieht. Denn er muss rechtzeitig auf die Bremse treten, falls einer der Teilnehmer stürzen sollte. Das ist bei allen bisherigen Auflagen des Eickhorster Trecker-Tauziehen zum Glück noch nie erforderlich gewesen. „Aber ich muss trotzdem die ganze Zeit hoch konzentriert sein“, sagt Schlensker, der bisher jedes Mal im Traktor saß. Und er muss die Bremse lösen, sobald das in halb Eickhorst hörbare Horn ertönt. Das ist für den Mann im Trecker am Samstag kurioserweise ein Problem. Denn sein Führerhaus ist so gut isoliert, dass er den Ton dort kaum hört.