Holzhausen/Dortmund

Der Hiller Nathan Niedermeier holt Menschen mit Visionen vor die Kamera

Nadine Schwan

Filmdreh am Kohlrabi-Acker: Nathan Niedermeier hat Christoph Schmitz in Berlin besucht. Er hat ein Bildungsprojekt auf die Beine gestellt, dass Kindern zeigt, woher Lebensmittel kommen. - © Foto: pr/Impuls Redaktion
Filmdreh am Kohlrabi-Acker: Nathan Niedermeier hat Christoph Schmitz in Berlin besucht. Er hat ein Bildungsprojekt auf die Beine gestellt, dass Kindern zeigt, woher Lebensmittel kommen. (© Foto: pr/Impuls Redaktion)

Hille-Holzhausen/Dortmund (mt). Skandale, Probleme und Missstände aufdecken – das ist die klassische Arbeit von Journalisten. Wie man solche Probleme löst und die Dinge besser machen kann? Das wird häufig aus Gründen der Neutralität nicht thematisiert. Doch es gibt Ausnahmen und Journalisten, die diese Form der Berichterstattung ändern oder auch ergänzen wollen. Einer von ihnen ist Nathan Niedermeier aus Hille.

Der 23-Jährige studiert in Dortmund Wissenschaftsjournalismus und hat zusammen mit neun Kommilitonen das Filmkollektiv „Impuls Redaktion“ gegründet. Zusammen haben die Studenten eine erste Staffel mit acht rund siebenminütigen Video-Porträts produziert, die sie auf Youtube zeigen werden. In den Filmen stellen sie Visionäre und Querdenker vor, die Probleme anpacken, statt sie nur zu diskutieren. „Das sind Leute, die nicht auf politischer Ebene etwas verändern, sondern ganz praktisch an die Sache gehen. Menschen, die nur mit ihrer Idee gestartet sind“, sagt der Student.

Mit der Impuls Redaktion sind die Stundenten quer durch Deutschland gereist, um Menschen zu zeigen, die Visionen für eine bessere Welt haben.
Mit der Impuls Redaktion sind die Stundenten quer durch Deutschland gereist, um Menschen zu zeigen, die Visionen für eine bessere Welt haben.

Konstruktiver Journalismus nennt sich diese Nachrichtenkultur die ihren Ursprung im skandinavischen Raum hat und sich immer weiter auch in Deutschland ausbreitet. Ziel ist es, nicht nur Kritik zu äußern, sondern stattdessen Verbesserungsvorschläge zu machen und positive Entwicklungen hervorzuheben. So sollen Leser sich weniger hilflos fühlen und ein weniger negatives Weltbild bekommen.

Nathan Niedermeier und seine Studienfreunde zeigen in ihren Filmen Protagonisten aus ganz unterschiedlichen Bereichen und verschiedenen Teilen Deutschlands. Sie retten Menschen, leben im Mittelmeer, starten Bewegungen oder gründen nachhaltige und neu-gedachte Start-Ups. In der erste Folge geht es zum Beispiel um Christoph Schmitz aus Berlin. Der studierte Landwirt hat während seiner Dissertation festgestellt, dass sich die Menschen immer weiter vom Lebensmittel entfremden, dadurch mehr wegwerfen und ungesünder leben. Heute ist er Gründer der „Gemüseackerdemie“ und bringt Kindern bei, wo ihre Lebensmittel eigentlich herkommen und wie sie angepflanzt werden.

„Uns geht es aber nicht nur um die Projekte, sondern viel mehr um die Menschen. Wer sind sie, und was treibt sie an?“, sagt Nathan Niedermeier. Mit den Filmen will das Kollektiv diese Impulse an die Öffentlichkeit bringen und andere inspirieren, selbst aktiv zu werden.

Ab dem 4. September werden die Videos wöchentlich auf dem Youtube-Kanal der Impuls-Redaktion zu sehen sein. Ihren ersten Film zeigt die Gruppe beim Campfire Festival in Düsseldorf – Deutschlands größtem Demokratie-Festival am 31. August.

Und was treibt Nathan Niedermeier an? Der Student hatte schon immer ein Faible dafür, die Welt ein bisschen besser zu machen. Jahrelang war er im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) aktiv, fährt am liebsten mit dem Fahrrad durch die Gegend und während eines Praktikums beim Mindener Tageblatt kam dann noch die Leidenschaft für den Journalismus dazu.

Vielleicht ist es aber auch das Zusammenspiel aus Elternhaus und Schule? Nathans Vater, Helmut Niedermeier, war jahrelang Pfarrer der Kirchengemeinde Holzhausen-Nordhemmern, zur Schule gegangen ist der heute 23-Jährige auf die Waldorfschule in Minden. „Daher kann ich wahrscheinlich sehr gut frei sprechen, wir haben oft vor Leuten auf der Bühne gestanden.“

Auf die Idee, das Filmkollektiv zu gründen, ist er etwa vor einem Jahr mit seiner Mitstudentin Rachel Patt gekommen. „Am Anfang wussten wir noch gar nicht, wie wir das angehen wollen“, sagt er. Von der Uni in Dortmund haben er und Rachel Patt dann aber Unterstützung bekommen, und nach und nach gesellten sich weitere Freunde dazu. Das Projekt nahm immer mehr Formen an und wurde Realität. „Dank des Projektes haben wir auf jeden Fall alle wahnsinnig viel gelernt“, sagt Niedemeier.

Und einiges ging natürlich auch schief. Ein Bananenbrot-Bäcker sprang kurzfristig ab, und der erste Dreh ging technisch in die Hose, weil viele Sequenzen unscharf oder dunkel waren. Doch davon haben sich die Studenten nicht unterkriegen lassen. Denn: Wer es erst gar nicht versucht, kann die Welt auch nicht verändern.

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Holzhausen/DortmundDer Hiller Nathan Niedermeier holt Menschen mit Visionen vor die KameraNadine SchwanHille-Holzhausen/Dortmund (mt). Skandale, Probleme und Missstände aufdecken – das ist die klassische Arbeit von Journalisten. Wie man solche Probleme löst und die Dinge besser machen kann? Das wird häufig aus Gründen der Neutralität nicht thematisiert. Doch es gibt Ausnahmen und Journalisten, die diese Form der Berichterstattung ändern oder auch ergänzen wollen. Einer von ihnen ist Nathan Niedermeier aus Hille. Der 23-Jährige studiert in Dortmund Wissenschaftsjournalismus und hat zusammen mit neun Kommilitonen das Filmkollektiv „Impuls Redaktion“ gegründet. Zusammen haben die Studenten eine erste Staffel mit acht rund siebenminütigen Video-Porträts produziert, die sie auf Youtube zeigen werden. In den Filmen stellen sie Visionäre und Querdenker vor, die Probleme anpacken, statt sie nur zu diskutieren. „Das sind Leute, die nicht auf politischer Ebene etwas verändern, sondern ganz praktisch an die Sache gehen. Menschen, die nur mit ihrer Idee gestartet sind“, sagt der Student. Konstruktiver Journalismus nennt sich diese Nachrichtenkultur die ihren Ursprung im skandinavischen Raum hat und sich immer weiter auch in Deutschland ausbreitet. Ziel ist es, nicht nur Kritik zu äußern, sondern stattdessen Verbesserungsvorschläge zu machen und positive Entwicklungen hervorzuheben. So sollen Leser sich weniger hilflos fühlen und ein weniger negatives Weltbild bekommen. Nathan Niedermeier und seine Studienfreunde zeigen in ihren Filmen Protagonisten aus ganz unterschiedlichen Bereichen und verschiedenen Teilen Deutschlands. Sie retten Menschen, leben im Mittelmeer, starten Bewegungen oder gründen nachhaltige und neu-gedachte Start-Ups. In der erste Folge geht es zum Beispiel um Christoph Schmitz aus Berlin. Der studierte Landwirt hat während seiner Dissertation festgestellt, dass sich die Menschen immer weiter vom Lebensmittel entfremden, dadurch mehr wegwerfen und ungesünder leben. Heute ist er Gründer der „Gemüseackerdemie“ und bringt Kindern bei, wo ihre Lebensmittel eigentlich herkommen und wie sie angepflanzt werden. „Uns geht es aber nicht nur um die Projekte, sondern viel mehr um die Menschen. Wer sind sie, und was treibt sie an?“, sagt Nathan Niedermeier. Mit den Filmen will das Kollektiv diese Impulse an die Öffentlichkeit bringen und andere inspirieren, selbst aktiv zu werden. Ab dem 4. September werden die Videos wöchentlich auf dem Youtube-Kanal der Impuls-Redaktion zu sehen sein. Ihren ersten Film zeigt die Gruppe beim Campfire Festival in Düsseldorf – Deutschlands größtem Demokratie-Festival am 31. August. Und was treibt Nathan Niedermeier an? Der Student hatte schon immer ein Faible dafür, die Welt ein bisschen besser zu machen. Jahrelang war er im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) aktiv, fährt am liebsten mit dem Fahrrad durch die Gegend und während eines Praktikums beim Mindener Tageblatt kam dann noch die Leidenschaft für den Journalismus dazu. Vielleicht ist es aber auch das Zusammenspiel aus Elternhaus und Schule? Nathans Vater, Helmut Niedermeier, war jahrelang Pfarrer der Kirchengemeinde Holzhausen-Nordhemmern, zur Schule gegangen ist der heute 23-Jährige auf die Waldorfschule in Minden. „Daher kann ich wahrscheinlich sehr gut frei sprechen, wir haben oft vor Leuten auf der Bühne gestanden.“ Auf die Idee, das Filmkollektiv zu gründen, ist er etwa vor einem Jahr mit seiner Mitstudentin Rachel Patt gekommen. „Am Anfang wussten wir noch gar nicht, wie wir das angehen wollen“, sagt er. Von der Uni in Dortmund haben er und Rachel Patt dann aber Unterstützung bekommen, und nach und nach gesellten sich weitere Freunde dazu. Das Projekt nahm immer mehr Formen an und wurde Realität. „Dank des Projektes haben wir auf jeden Fall alle wahnsinnig viel gelernt“, sagt Niedemeier. Und einiges ging natürlich auch schief. Ein Bananenbrot-Bäcker sprang kurzfristig ab, und der erste Dreh ging technisch in die Hose, weil viele Sequenzen unscharf oder dunkel waren. Doch davon haben sich die Studenten nicht unterkriegen lassen. Denn: Wer es erst gar nicht versucht, kann die Welt auch nicht verändern.