Hille

Wie Abwasser sauber wird: Ausbildung auf der Pohlschen Heide

Kerstin Rickert

Hille (mt). Von seinen Freunden bekommt Nicklas Schmiedel schon mal dumme Sprüche zu hören, wenn er erzählt, was er beruflich macht. „Du arbeitest mit Scheiße" heißt es dann zum Beispiel. Aber den 19-Jährigen stört das nicht. „Ich versuche, denen zu erklären, wie wichtig die Aufgaben einer Kläranlage sind. Nicht jeder versteht das, viele haben einfach ein falsches Bild", sagt der junge Auszubildende.

Die KAVG bildet selber aus. Das Bild zeigt (von links) die Auszubildenden Tobias Borgmann und Britta Eikmeier, Ausbilder Otto Bambach (Elektromeister), den Azubi Nicklas Schmiedel, Thomas Kropp (Technischer Leiter) sowie vorne (von links) Ausbilder Wilfried Quade (Metallbaumeister) und Marc Feldmann (Landmaschinen-Mechaniker). Foto: K. Rickert - © Kerstin Rickert
Die KAVG bildet selber aus. Das Bild zeigt (von links) die Auszubildenden Tobias Borgmann und Britta Eikmeier, Ausbilder Otto Bambach (Elektromeister), den Azubi Nicklas Schmiedel, Thomas Kropp (Technischer Leiter) sowie vorne (von links) Ausbilder Wilfried Quade (Metallbaumeister) und Marc Feldmann (Landmaschinen-Mechaniker). Foto: K. Rickert (© Kerstin Rickert)

Nicklas Schmiedel ist im zweiten Ausbildungsjahr zur Fachkraft für Abwassertechnik und einer von insgesamt drei Auszubildenden bei der Kreis-Abfall-Verwertungs-Gesellschaft (KAVG) Minden-Lübbecke. „Ich habe in der neunten und zehnten Klasse viele Praktika gemacht um herauszufinden, was ich beruflich machen möchte. Durch meinen Onkel bin ich zur KAVG gekommen, und die Kläranlage fand ich am interessantesten", sagt der junge Mann aus Stemmer.

Dass in seinem Freundeskreis manche die Nase rümpfen, hat für ihn viel mit Nichtwissen zu tun. „Ich rieche nichts", sagt Nicklas Schmiedel. Die Arbeit sei vor allem vielseitig und abwechslungsreich. „Ich bin viel draußen, hier auf der Pohlschen Heide und auch in Heisterholz." Dort befindet sich die Sickerwasser-Kläranlage des Kreises Minden-Lübbecke, wo unter anderem die Abwässer der Deponie Pohlsche Heide gereinigt werden. Wie das funktioniert und welche Werte das gereinigte Abwasser nicht überschreiten darf, um in die Weser eingeleitet zu werden, lernt Nicklas Schmiedel in seiner Ausbildung.

In erster Linie gehe es darum, die Vorgänge bei der Klärung des Wassers zu verstehen und anwenden zu können, erklärt sein Ausbilder Otto Bambach, seit 40 Jahren Elektromeister in Heisterholz. Schließlich habe „jede Kläranlage anderes Wasser, je nachdem, welche Industrie dranhängt". Zum Einsatz komme moderne Steuer-, Regel- und Anwendungstechnik. „Wir sind immer mehr zu Verfahrenstechnikern geworden", sagt Bambach, in dessen Augen eine betriebliche Ausbildung immer noch die besten Einblicke in die Praxis ermöglicht.

„Eine handwerkliche Ausbildung ist eine gute Basis", ist auch Thomas Kropp, Prokurist und technischer Leiter bei der KAVG, überzeugt. Gleichwohl werde es immer schwieriger, Auszubildende zu finden, die einen Handwerksberuf erlernen wollten. „Wir haben ein großes Interesse daran, eigene Mitarbeiter auszubilden und möglichst im Betrieb zu halten", sagt Kropp. Besonders im Bereich Elektrik sei der Bedarf da. Die betriebseigene Werkstatt in diesem Bereich sei gerade erst ausgebaut worden. Zurzeit sind bei der KAVG allerdings gerade einmal drei der insgesamt rund 120 Mitarbeiter Auszubildende.

Britta Eikmeier ist 27 Jahre alt, kommt aus Eldagsen und ist im dritten Ausbildungsjahr zur Kauffrau für Büromanagement in der Finanzbuchhaltung tätig. Im handwerklichen Bereich gibt es außer Nicklas Schmiedel nur noch Tobias Borgmann aus Hille, der eine Ausbildung zum Land- und Baumaschinen-Mechatroniker absolviert und sich damit einen Kindheitstraum erfüllt. „Mein Opa hatte einen Hof, und die Maschinen haben mich von klein auf fasziniert. Elektronik und Mechanik waren schon immer die Richtung, in die ich wollte", erzählt der 17-Jährige, der sich dann für eine Ausbildung auf der Deponie Pohlsche Heide entschied.

„Die Maschinen des eigenen Fuhrparks kennt man irgendwann. Außerdem ist die Arbeit sehr vielseitig. Heute reparieren wir Landmaschinen und morgen einen Lkw. Das reicht bis zum Rasenmäher", sagt Tobias Borgmann. Den Weg zu seinem Arbeitsplatz legt der Hiller jeden Tag mit seinem Mofa zurück. Ein bis zweimal wöchentlich fährt ihn seine Mutter zur Berufsschule nach Löhne.

So viel Unterstützung von zu Hause bringt längst nicht jeder Bewerber mit. „Wir hätten in diesem Jahr gerne einen weiteren Auszubildenden zum Land- und Baumaschinen-Mechatroniker eingestellt", sagt Thomas Kropp. Doch der einzige Kandidat kam aus Wasserstraße, hatte noch keinen Führerschein und niemanden, der ihn hätte fahren können. „Mit öffentlichen Verkehrsmitteln funktioniert das nicht", nennt Kropp mit der schlechten Verkehrsanbindung besonders im ländlichen Raum ein weiteres Problem, das dazu führt, dass Ausbildungsplätze wie in diesem Fall, unbesetzt bleiben.

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HilleWie Abwasser sauber wird: Ausbildung auf der Pohlschen HeideKerstin RickertHille (mt). Von seinen Freunden bekommt Nicklas Schmiedel schon mal dumme Sprüche zu hören, wenn er erzählt, was er beruflich macht. „Du arbeitest mit Scheiße" heißt es dann zum Beispiel. Aber den 19-Jährigen stört das nicht. „Ich versuche, denen zu erklären, wie wichtig die Aufgaben einer Kläranlage sind. Nicht jeder versteht das, viele haben einfach ein falsches Bild", sagt der junge Auszubildende. Nicklas Schmiedel ist im zweiten Ausbildungsjahr zur Fachkraft für Abwassertechnik und einer von insgesamt drei Auszubildenden bei der Kreis-Abfall-Verwertungs-Gesellschaft (KAVG) Minden-Lübbecke. „Ich habe in der neunten und zehnten Klasse viele Praktika gemacht um herauszufinden, was ich beruflich machen möchte. Durch meinen Onkel bin ich zur KAVG gekommen, und die Kläranlage fand ich am interessantesten", sagt der junge Mann aus Stemmer. Dass in seinem Freundeskreis manche die Nase rümpfen, hat für ihn viel mit Nichtwissen zu tun. „Ich rieche nichts", sagt Nicklas Schmiedel. Die Arbeit sei vor allem vielseitig und abwechslungsreich. „Ich bin viel draußen, hier auf der Pohlschen Heide und auch in Heisterholz." Dort befindet sich die Sickerwasser-Kläranlage des Kreises Minden-Lübbecke, wo unter anderem die Abwässer der Deponie Pohlsche Heide gereinigt werden. Wie das funktioniert und welche Werte das gereinigte Abwasser nicht überschreiten darf, um in die Weser eingeleitet zu werden, lernt Nicklas Schmiedel in seiner Ausbildung. In erster Linie gehe es darum, die Vorgänge bei der Klärung des Wassers zu verstehen und anwenden zu können, erklärt sein Ausbilder Otto Bambach, seit 40 Jahren Elektromeister in Heisterholz. Schließlich habe „jede Kläranlage anderes Wasser, je nachdem, welche Industrie dranhängt". Zum Einsatz komme moderne Steuer-, Regel- und Anwendungstechnik. „Wir sind immer mehr zu Verfahrenstechnikern geworden", sagt Bambach, in dessen Augen eine betriebliche Ausbildung immer noch die besten Einblicke in die Praxis ermöglicht. „Eine handwerkliche Ausbildung ist eine gute Basis", ist auch Thomas Kropp, Prokurist und technischer Leiter bei der KAVG, überzeugt. Gleichwohl werde es immer schwieriger, Auszubildende zu finden, die einen Handwerksberuf erlernen wollten. „Wir haben ein großes Interesse daran, eigene Mitarbeiter auszubilden und möglichst im Betrieb zu halten", sagt Kropp. Besonders im Bereich Elektrik sei der Bedarf da. Die betriebseigene Werkstatt in diesem Bereich sei gerade erst ausgebaut worden. Zurzeit sind bei der KAVG allerdings gerade einmal drei der insgesamt rund 120 Mitarbeiter Auszubildende. Britta Eikmeier ist 27 Jahre alt, kommt aus Eldagsen und ist im dritten Ausbildungsjahr zur Kauffrau für Büromanagement in der Finanzbuchhaltung tätig. Im handwerklichen Bereich gibt es außer Nicklas Schmiedel nur noch Tobias Borgmann aus Hille, der eine Ausbildung zum Land- und Baumaschinen-Mechatroniker absolviert und sich damit einen Kindheitstraum erfüllt. „Mein Opa hatte einen Hof, und die Maschinen haben mich von klein auf fasziniert. Elektronik und Mechanik waren schon immer die Richtung, in die ich wollte", erzählt der 17-Jährige, der sich dann für eine Ausbildung auf der Deponie Pohlsche Heide entschied. „Die Maschinen des eigenen Fuhrparks kennt man irgendwann. Außerdem ist die Arbeit sehr vielseitig. Heute reparieren wir Landmaschinen und morgen einen Lkw. Das reicht bis zum Rasenmäher", sagt Tobias Borgmann. Den Weg zu seinem Arbeitsplatz legt der Hiller jeden Tag mit seinem Mofa zurück. Ein bis zweimal wöchentlich fährt ihn seine Mutter zur Berufsschule nach Löhne. So viel Unterstützung von zu Hause bringt längst nicht jeder Bewerber mit. „Wir hätten in diesem Jahr gerne einen weiteren Auszubildenden zum Land- und Baumaschinen-Mechatroniker eingestellt", sagt Thomas Kropp. Doch der einzige Kandidat kam aus Wasserstraße, hatte noch keinen Führerschein und niemanden, der ihn hätte fahren können. „Mit öffentlichen Verkehrsmitteln funktioniert das nicht", nennt Kropp mit der schlechten Verkehrsanbindung besonders im ländlichen Raum ein weiteres Problem, das dazu führt, dass Ausbildungsplätze wie in diesem Fall, unbesetzt bleiben. Lesen Sie dazu auch: - Wer Klimaschutz will muss auch trennen: Auf der Pohlen Heide wird Müll weiter verwertet - Forschen auf der Deponie (www.mt.deww) - Wertstoffhof Aussieker ab sofort Standort der KAVG (www.mt.de)