Südhemmern

„Nicht gerade Mainstream“: Kyffhäuser haben ihre ursprüngliche Aufgabe nicht vergessen

Stefanie Dullweber

Die Kyffhäuser-Kameradschaft Südhemmern bei ihrer Jubiläumsfeier zum 125-jährigen Bestehen. Im Hintergrund sind die neue und die alte Fahne zu sehen. Die ältere galt jahrelang als verschollen, bevor sie auf einem Flohmarkt wieder auftauchte. Foto: pr - © unknown
Die Kyffhäuser-Kameradschaft Südhemmern bei ihrer Jubiläumsfeier zum 125-jährigen Bestehen. Im Hintergrund sind die neue und die alte Fahne zu sehen. Die ältere galt jahrelang als verschollen, bevor sie auf einem Flohmarkt wieder auftauchte. Foto: pr (© unknown)

Hille-Südhemmern (mt). Dass Vereine in den Dörfern aussterben, ist nichts Neues. Dass ein Verein, der kurz vor der Auflösung steht, neue Mitglieder findet, ist hingegen eine Nachricht. Die Kyffhäuser-Kameradschaft Südhemmern feierte gerade ihr 125-jähriges Bestehen und hat aktuell 23 Mitglieder. Zu Beginn des Jahrtausends waren es gerade noch 14.

Überhaupt gibt es in Südhemmern überdurchschnittlich viele Vereine und Gruppen – und fast alle waren der Einladung zum Jubiläum gefolgt. Um die 20 sind es in der kleinen Hiller Ortschaft – vom Posaunenchor bis zur Landjugend, wie der Ortsvorsteher Rolf Tiemann stolz berichtet. „Die Dorfgemeinschaft ist uns einfach wichtig. Und da ziehen alle an einem Strang“, sagt Dieter Rathert, Vorsitzender der Südhemmer Kyffhäuser.

Viele Kameradschaften in anderen Orten setzen sich für die Pflege des Schießsports ein – das ist in Südhemmern schon seit knapp drei Jahrzehnten nicht mehr der Fall. Ihnen ginge es mehr um die Geselligkeit und natürlich um die Pflege des Brauchtums, wie Rathert betont. So sei es den Kyffhäusern zu verdanken, dass es die Tradition des Gedenkens am Volkstrauertag im Dorf noch gibt. Ureigenste Aufgabe der Kyffhäuser war es, Angehörige gefallener oder in Not geratener Soldaten zu unterstützen. Noch heute wird am Volkstrauertag der Opfer der beiden Weltkriege gedacht.

„Die Kyffhäuser haben ihre Aufgabe nicht vergessen und deren Mitglieder würden auch heute noch eine soziale Aufgabe übernehmen, wenn sie denn anstünde“, ist Rolf Tiemann überzeugt. Viele würden dieses Gedenken sicherlich für eine angestaubte Idee halten – Tiemann sieht es vielmehr so, dass die Kyffhäuser genauso wichtig sind wie beispielsweise ein Sportverein.

In seiner Rede zum Vereinsjubiläum sprach Dieter Rathert an, dass sich seit der Gründung des Vereins vieles verändert habe. „Die heutige Generation lebt seit mehr als 70 Jahren ohne Krieg. Dafür sollten wir dankbar sein.“

Eine Geschichte, an die Rathert beim Jubiläum erinnerte, hat die Südhemmer sehr bewegt. „Zwischenzeitlich war unsere Fahne von 1896 verschwunden“, berichtet Dieter Rathert. Jahrelang sei sie unauffindbar gewesen, vermutlich sei sie gestohlen worden. Also ließen die Kyffhäuser schließlich eine neue Fahne anfertigen. Eines Tages entdeckte einer aus der Gruppe die alte Fahne auf einem Flohmarkt wieder. Sie wurde an einem Stand zum Verkauf angeboten. „Wir haben die Fahne zurück gekauft. Sie war in einem sehr schlechten Zustand und musste aufwendig restauriert werden“, erinnert sich Thomas Horstmann von der Kameradschaft. Heute werde sie in einem Glasschrank im Schützenhaus aufbewahrt. Zu besonderen Gelegenheiten – wie dem Jubiläum – wird sie noch hervorgeholt.

Wenn es nach Dieter Rathert und seinen Vereinskollegen geht, wird es die Kyffhäuser in Südhemmern noch lange geben. 2004 hat Rathert den Vorsitz übernommen. „Es haben sich auch in schwierigen Zeiten immer wieder Idealisten gefunden, die Verantwortung übernommen haben“, sagt er. Und obwohl die Kyffhäuser „nicht gerade Mainstream sind“, wie Rolf Tiemann sagt, müsse man einfach anerkennen, dass es sie heute noch gibt.

Viele feste Termine haben sie nicht – es gibt die Jahreshauptversammlung, den Dämmerschoppen und das Gedenken am Volkstrauertag. Spätestens dann, am 17. November, werden die Kyffhäuser ihre Tradition fortführen.

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Südhemmern„Nicht gerade Mainstream“: Kyffhäuser haben ihre ursprüngliche Aufgabe nicht vergessenStefanie DullweberHille-Südhemmern (mt). Dass Vereine in den Dörfern aussterben, ist nichts Neues. Dass ein Verein, der kurz vor der Auflösung steht, neue Mitglieder findet, ist hingegen eine Nachricht. Die Kyffhäuser-Kameradschaft Südhemmern feierte gerade ihr 125-jähriges Bestehen und hat aktuell 23 Mitglieder. Zu Beginn des Jahrtausends waren es gerade noch 14. Überhaupt gibt es in Südhemmern überdurchschnittlich viele Vereine und Gruppen – und fast alle waren der Einladung zum Jubiläum gefolgt. Um die 20 sind es in der kleinen Hiller Ortschaft – vom Posaunenchor bis zur Landjugend, wie der Ortsvorsteher Rolf Tiemann stolz berichtet. „Die Dorfgemeinschaft ist uns einfach wichtig. Und da ziehen alle an einem Strang“, sagt Dieter Rathert, Vorsitzender der Südhemmer Kyffhäuser. Viele Kameradschaften in anderen Orten setzen sich für die Pflege des Schießsports ein – das ist in Südhemmern schon seit knapp drei Jahrzehnten nicht mehr der Fall. Ihnen ginge es mehr um die Geselligkeit und natürlich um die Pflege des Brauchtums, wie Rathert betont. So sei es den Kyffhäusern zu verdanken, dass es die Tradition des Gedenkens am Volkstrauertag im Dorf noch gibt. Ureigenste Aufgabe der Kyffhäuser war es, Angehörige gefallener oder in Not geratener Soldaten zu unterstützen. Noch heute wird am Volkstrauertag der Opfer der beiden Weltkriege gedacht. „Die Kyffhäuser haben ihre Aufgabe nicht vergessen und deren Mitglieder würden auch heute noch eine soziale Aufgabe übernehmen, wenn sie denn anstünde“, ist Rolf Tiemann überzeugt. Viele würden dieses Gedenken sicherlich für eine angestaubte Idee halten – Tiemann sieht es vielmehr so, dass die Kyffhäuser genauso wichtig sind wie beispielsweise ein Sportverein. In seiner Rede zum Vereinsjubiläum sprach Dieter Rathert an, dass sich seit der Gründung des Vereins vieles verändert habe. „Die heutige Generation lebt seit mehr als 70 Jahren ohne Krieg. Dafür sollten wir dankbar sein.“ Eine Geschichte, an die Rathert beim Jubiläum erinnerte, hat die Südhemmer sehr bewegt. „Zwischenzeitlich war unsere Fahne von 1896 verschwunden“, berichtet Dieter Rathert. Jahrelang sei sie unauffindbar gewesen, vermutlich sei sie gestohlen worden. Also ließen die Kyffhäuser schließlich eine neue Fahne anfertigen. Eines Tages entdeckte einer aus der Gruppe die alte Fahne auf einem Flohmarkt wieder. Sie wurde an einem Stand zum Verkauf angeboten. „Wir haben die Fahne zurück gekauft. Sie war in einem sehr schlechten Zustand und musste aufwendig restauriert werden“, erinnert sich Thomas Horstmann von der Kameradschaft. Heute werde sie in einem Glasschrank im Schützenhaus aufbewahrt. Zu besonderen Gelegenheiten – wie dem Jubiläum – wird sie noch hervorgeholt. Wenn es nach Dieter Rathert und seinen Vereinskollegen geht, wird es die Kyffhäuser in Südhemmern noch lange geben. 2004 hat Rathert den Vorsitz übernommen. „Es haben sich auch in schwierigen Zeiten immer wieder Idealisten gefunden, die Verantwortung übernommen haben“, sagt er. Und obwohl die Kyffhäuser „nicht gerade Mainstream sind“, wie Rolf Tiemann sagt, müsse man einfach anerkennen, dass es sie heute noch gibt. Viele feste Termine haben sie nicht – es gibt die Jahreshauptversammlung, den Dämmerschoppen und das Gedenken am Volkstrauertag. Spätestens dann, am 17. November, werden die Kyffhäuser ihre Tradition fortführen.