Hille/Bad Oeynhausen

Wasserkrise überwunden: Gemeinde hebt Bußgeld-Verordnung auf

Stefanie Dullweber und Susanne Barth

Trinkwasser bietet gerade an heißen Tagen Erfrischung und Abkühlung. Darauf mussten die Hiller in den letzten Wochen verzichten. Das Verbot hat die Gemeinde Hille jetzt aufgehoben. Foto: Julian Stratenschulte/dpa - © (c) Copyright 2018, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Trinkwasser bietet gerade an heißen Tagen Erfrischung und Abkühlung. Darauf mussten die Hiller in den letzten Wochen verzichten. Das Verbot hat die Gemeinde Hille jetzt aufgehoben. Foto: Julian Stratenschulte/dpa (© (c) Copyright 2018, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten)

Hille/Bad Oeynhausen (mt/nw). Die Wasserkrise scheint überwunden. Nachdem die Städte Löhne und Bad Oeynhausen bereits mitgeteilt haben, dass die Bußgeld-Verordnung aufgehoben wurde, ist dies nun auch bei der Gemeinde Hille in Vorbereitung. "Damit können die Bürger wieder Trinkwasser nutzten, um beispielsweise Blumen oder Gemüse zu gießen. Allerdings bittet die Gemeinde die Bürger nach wie vor, umsichtig mit der Ressource umzugehen. „Wenn jetzt jeder Wasser marsch macht und erstmal seinen Pool befüllt, kann die Situation ganz schnell wieder ins Gegenteil umschlagen“, sagt Eike Nagel von der Gemeindeverwaltung.

Ende Juni hatte sich der Wassermangel so verschärft, dass nicht nur die Städte ihren Verbrauch auf das Nötigste einschränkten. Die Bürgermeister aus Hille, Bad Oeynhausen, Löhne und Hüllhorst – alle werden mit Trinkwasser vom Wasserbeschaffungsverband (WBV) „Am Wiehen“ versorgt – appellierten an ihre Bürger, sorgsam mit Trinkwasser umzugehen.

Doch es blieb nicht alleine bei dem Appell. Die Gemeinde Hille ging wenige Tage später noch einen Schritt weiter und verfasste eine sogenannte „ordnungsbehördliche Verordnung“, die per Dringlichkeitsentscheid in Kraft trat. Die Verordnung galt in den Ortschaften der Gemeinde Hille, die zum Verbandsgebiet des Wasserbeschaffungsverbandes des Amtes Hartum gehören – Hille, Hartum, Holzhausen II, Südhemmern und Nordhemmern.

Damit waren die Bürger zum sparsamen Umgang verpflichtet, das Wässern von Rasenflächen, das Auto waschen, das Wässern von Zier- und Nutzgärten und das Füllen von Pools mit Trinkwasser waren verboten. Bei Verstößen drohten Geldbußen von bis zu 1.000 Euro. Zum Vergleich: Ein Rasensprenger verbraucht bis zu 800 Liter in der Stunde, während ein Mensch durchschnittlich 121 Liter Trinkwasser täglich nutzt. Bußgelder wurden in der Gemeinde Hille allerdings nicht verhängt, wie Eike Nagel bestätigt. Es sei bei Verwarnungen geblieben. Auch Beschwerden musste der Mitarbeiter der Verwaltung nur wenige entgegen nehmen. „Während im letzten Jahr das Telefon kaum still stand, gab es in diesem Jahr nur vereinzelt Rückfragen.“

Die Verordnung galt zunächst drei Monate, also bis Ende September. Vor Ende der Frist heben Ordnungsamt und Bürgermeister sie nun auf. Maßgeblich dafür seien gleich mehrere Faktoren, heißt es. Zum einen habe sich das Wetter geändert und zum anderen habe sich die Situation mit Beginn der Sommerferien entspannt, erklärt Eike Nagel. Der Verbrauch sei im Vergleich von Juli zu Juni um 6.000 Kubikmeter gesungen. Verbrauchten die Bürger im Juni noch 73.000 Kubikmeter Wasser, waren es im heißen Juli nur noch 67.000. „Letztes Jahr im Juli war der Verbrauch noch um 10.000 Kubikmeter höher“, zitiert Eike Nagel aus der Statistik.

Ein weiterer Grund, der zur Entspannung beigetragen hat, sind die zwei neuen Transportleitungen – eine zwischen Porta Westfalica und Bad Oeynhausen und eine weitere auf dem Gebiet der Gemeinde Hille (das MT berichtete). „Somit stehen täglich bis zu 1.500 Kubikmeter Wasser zusätzlich zur Verfügung“, erläutert Löhnes Bürgermeister Bernd Poggemöller, der gleichzeitig Vorsteher des WBV „Am Wiehen“ ist.

Mit den zwei neuen Transportleitungen sind die Maßnahmen, der Wasserkrise Herr zu werden, allerdings noch nicht beendet. In Zukunft werde vermehrt mit Speichern gearbeitet – und die Wasserwerke damit auf größere Spitzenlasten ausgerichtet. „Genau das ist auch unser Weg und der des Wasserbeschaffungsverbandes 'Am Wiehen'“, erklärt Poggemöller. „Der WBV muss nun zügig einen neuen Hochbehälter in Bergkirchen bauen“.

Der neue Hochbehälter fasst deutlich mehr Wasser als die jetzigen – 1.200 und 6.000 Kubikmeter –, die bestehen bleiben. Es wird ein sogenannter Brillenbehälter geplant, der zwei Speicher mit jeweils 5.000 Kubikmetern – das entspricht fünf Millionen Liter – Fassungsvermögen hat. Damit sollen auch in Zeiten mit sehr hohem Verbrauch die nötigen Reserven vorgehalten werden, um die Trinkwasserversorgung bei Spitzenverbräuchen sicherzustellen.

Dennoch sollte weiterhin jeder angemessen mit Trinkwasser umgehen. Poggemöller: „Das gilt insbesondere an heißen Tagen mit Temperaturen von mehr als 30 Grad.“

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Hille/Bad OeynhausenWasserkrise überwunden: Gemeinde hebt Bußgeld-Verordnung aufStefanie Dullweber,Susanne BarthHille/Bad Oeynhausen (mt/nw). Die Wasserkrise scheint überwunden. Nachdem die Städte Löhne und Bad Oeynhausen bereits mitgeteilt haben, dass die Bußgeld-Verordnung aufgehoben wurde, ist dies nun auch bei der Gemeinde Hille in Vorbereitung. "Damit können die Bürger wieder Trinkwasser nutzten, um beispielsweise Blumen oder Gemüse zu gießen. Allerdings bittet die Gemeinde die Bürger nach wie vor, umsichtig mit der Ressource umzugehen. „Wenn jetzt jeder Wasser marsch macht und erstmal seinen Pool befüllt, kann die Situation ganz schnell wieder ins Gegenteil umschlagen“, sagt Eike Nagel von der Gemeindeverwaltung. Ende Juni hatte sich der Wassermangel so verschärft, dass nicht nur die Städte ihren Verbrauch auf das Nötigste einschränkten. Die Bürgermeister aus Hille, Bad Oeynhausen, Löhne und Hüllhorst – alle werden mit Trinkwasser vom Wasserbeschaffungsverband (WBV) „Am Wiehen“ versorgt – appellierten an ihre Bürger, sorgsam mit Trinkwasser umzugehen. Doch es blieb nicht alleine bei dem Appell. Die Gemeinde Hille ging wenige Tage später noch einen Schritt weiter und verfasste eine sogenannte „ordnungsbehördliche Verordnung“, die per Dringlichkeitsentscheid in Kraft trat. Die Verordnung galt in den Ortschaften der Gemeinde Hille, die zum Verbandsgebiet des Wasserbeschaffungsverbandes des Amtes Hartum gehören – Hille, Hartum, Holzhausen II, Südhemmern und Nordhemmern. Damit waren die Bürger zum sparsamen Umgang verpflichtet, das Wässern von Rasenflächen, das Auto waschen, das Wässern von Zier- und Nutzgärten und das Füllen von Pools mit Trinkwasser waren verboten. Bei Verstößen drohten Geldbußen von bis zu 1.000 Euro. Zum Vergleich: Ein Rasensprenger verbraucht bis zu 800 Liter in der Stunde, während ein Mensch durchschnittlich 121 Liter Trinkwasser täglich nutzt. Bußgelder wurden in der Gemeinde Hille allerdings nicht verhängt, wie Eike Nagel bestätigt. Es sei bei Verwarnungen geblieben. Auch Beschwerden musste der Mitarbeiter der Verwaltung nur wenige entgegen nehmen. „Während im letzten Jahr das Telefon kaum still stand, gab es in diesem Jahr nur vereinzelt Rückfragen.“ Die Verordnung galt zunächst drei Monate, also bis Ende September. Vor Ende der Frist heben Ordnungsamt und Bürgermeister sie nun auf. Maßgeblich dafür seien gleich mehrere Faktoren, heißt es. Zum einen habe sich das Wetter geändert und zum anderen habe sich die Situation mit Beginn der Sommerferien entspannt, erklärt Eike Nagel. Der Verbrauch sei im Vergleich von Juli zu Juni um 6.000 Kubikmeter gesungen. Verbrauchten die Bürger im Juni noch 73.000 Kubikmeter Wasser, waren es im heißen Juli nur noch 67.000. „Letztes Jahr im Juli war der Verbrauch noch um 10.000 Kubikmeter höher“, zitiert Eike Nagel aus der Statistik. Ein weiterer Grund, der zur Entspannung beigetragen hat, sind die zwei neuen Transportleitungen – eine zwischen Porta Westfalica und Bad Oeynhausen und eine weitere auf dem Gebiet der Gemeinde Hille (das MT berichtete). „Somit stehen täglich bis zu 1.500 Kubikmeter Wasser zusätzlich zur Verfügung“, erläutert Löhnes Bürgermeister Bernd Poggemöller, der gleichzeitig Vorsteher des WBV „Am Wiehen“ ist. Mit den zwei neuen Transportleitungen sind die Maßnahmen, der Wasserkrise Herr zu werden, allerdings noch nicht beendet. In Zukunft werde vermehrt mit Speichern gearbeitet – und die Wasserwerke damit auf größere Spitzenlasten ausgerichtet. „Genau das ist auch unser Weg und der des Wasserbeschaffungsverbandes 'Am Wiehen'“, erklärt Poggemöller. „Der WBV muss nun zügig einen neuen Hochbehälter in Bergkirchen bauen“. Der neue Hochbehälter fasst deutlich mehr Wasser als die jetzigen – 1.200 und 6.000 Kubikmeter –, die bestehen bleiben. Es wird ein sogenannter Brillenbehälter geplant, der zwei Speicher mit jeweils 5.000 Kubikmetern – das entspricht fünf Millionen Liter – Fassungsvermögen hat. Damit sollen auch in Zeiten mit sehr hohem Verbrauch die nötigen Reserven vorgehalten werden, um die Trinkwasserversorgung bei Spitzenverbräuchen sicherzustellen. Dennoch sollte weiterhin jeder angemessen mit Trinkwasser umgehen. Poggemöller: „Das gilt insbesondere an heißen Tagen mit Temperaturen von mehr als 30 Grad.“