Hille/Bielefeld

Hiller Dreifachmord: So reagieren Anwälte, Angehörige und Nachbarn

Stefanie Dullweber

Hohe Sicherheitsvorkehrungen: Die Zuschauer wurden vorm Betreten des Gerichtssaals durchsucht. MT-Fotos: Alex Lehn - © Alex Lehn
Hohe Sicherheitsvorkehrungen: Die Zuschauer wurden vorm Betreten des Gerichtssaals durchsucht. MT-Fotos: Alex Lehn (© Alex Lehn)

Hille/Bielefeld (mt). Ruhig verlassen die rund 80 Zuschauer, Angehörige, Journalisten und Anwälte am Freitagmorgen den Saal eins im Bielefelder Landgericht. Es wirkt wie ein kurzes Innehalten. Nur ein leises Flüstern ist von dem einen oder anderen zu hören. Sie alle haben gerade das Urteil im Hiller Dreifachmord-Prozess miterlebt und müssen das Gehörte offenbar erst einmal sacken lassen. Vor allem für die Angehörigen war es bewegend, alle grausamen Details noch einmal zu hören. Einige können ihre Tränen nicht zurückhalten.

Die Verteidiger von Kevin R. und Jörg W. geben nach der Urteilsverkündung keinen Kommentar ab und verlassen das Gericht. Die Rechtsanwälte der Nebenkläger stellen sich den Fragen der Journalisten. „Es ist angesichts der Taten sicherlich kein Freudentag. Aber es ist die angemessene Antwort des Staates auf Persönlichkeiten, die meinen, sich ein Recht herauszunehmen, dass so nicht existiert“, sagte Samir Omeirat, der den Vater des getöteten Fadi S. vertritt. Der Rechtsanwalt bewertet das Urteil als „in jeder Hinsicht sehr vertretbar“. Ihn selbst mache es immer noch fassungslos, dass der 30-Jährige für relativ kleines Geld sterben musste. Umso wichtiger sei es für die Hinterbliebenen, den Prozess begleitet zu haben. „Meine Hochachtung und mein Respekt gilt diesen Angehörigen, die den doch sehr technischen und langwierigen Prozess mit so viel Geduld verfolgt haben“, sagte Omeirat.

Richter sprechen Urteile im Hiller Dreifachmord (Plus-Inhalt)

Imad S., der Bruder von Fadi S. war nach der Urteilsverkündung noch sichtlich bewegt. Er sei ein bisschen traurig, dass nicht auch auf für Kevin R. die Sicherungsverwahrung angeordnet worden ist. „Aber wir müssen jetzt damit abschließen, auch wenn es schwierig ist.“ Sie würden jetzt erstmal mit der ganzen Familie zum Friedhof fahren, auf dem Fadi S. beerdigt wurde.

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Kevin R. den Familienvater erschlagen hat. Die beiden Komplizen hätten eine regelrechte Kulisse errichtet, den Libanesen in die Scheune nach Hille gelockt und ihm vorgegaukelt, man wolle hier gemeinsam renovieren. „Noch als Leiche trug er Arbeitshandschuhe“, sagte Richter Zimmermann in seiner Urteilsbegründung. Heimtückisch sei Fadi S. dann von hinten angegriffen worden, damit Jörg W. die 5.000 Euro behalten konnte, die er von dem Libanesen für ein gemeinsames Geschäft bekommen hatte. Während Jörg W. dem Gericht „Räubergeschichten“ zumutete, habe Kevin R. sich dem Tatgeschehen immer mehr annähern müssen und dabei ein Dutzend Versionen angeboten.

Die Nebenklägerin Renate K. mit ihrem Rechtsanwalt Christian Thüner hätte ihrem Bruder noch ein paar schöne Jahre gewünscht. - © Alex Lehn
Die Nebenklägerin Renate K. mit ihrem Rechtsanwalt Christian Thüner hätte ihrem Bruder noch ein paar schöne Jahre gewünscht. (© Alex Lehn)

Sichtlich ergriffen von dem Urteil war auch die Schwester des getöteten Jochen K.. Das Urteil sei für sie hinnehmbar, sie könne mit der ganzen Geschichte nun endlich abschließen. Renate K. zeigte sich jedoch verärgert, dass die beiden Angeklagten bei der Urteilsverkündung gar keine Gefühlsregung gezeigt hätten. „Aber eine Entschuldigung hätte ich von den beiden sowieso niemals angenommen.“ Sie hätte ihrem Bruder noch ein paar schöne Jahre gewünscht und hofft, dass zumindest der bis heute verschwundene Traktor, den Jörg W. verkauft haben soll, noch gefunden wird.

Die Akten, die den Hiller Dreifachmord dokumentieren. Wenn eine mögliche Revision Erfolg hat, werden sie wieder hervorgeholt.
Die Akten, die den Hiller Dreifachmord dokumentieren. Wenn eine mögliche Revision Erfolg hat, werden sie wieder hervorgeholt.

Wie der Richter erklärte, hätten die beiden Angeklagten auch Jochen K. in eine Falle gelockt. Sie luden ihn zu einem feucht, fröhlichen Grillabend ein, um ihn dann mit einem Pflasterstein und einem Messer anzugreifen. Wer welchen Anteil an dem Verbrechen hatte, sei für das Gericht jedoch nicht feststellbar, so Zimmermann. Das in den Dachbalken gerammte Messer deute jedoch darauf hin, dass sich zumindest einer der Täter triumphal den Mord erinnern wollte.

Genauso wie der Mord an Jochen K. sei auch der Mord an Gerd F. quälend langsam verlaufen, so der Richter weiter. Dass er den Nachbarn erzählt habe, Gerd F. sei in einer Entziehungskur, dass er seine Frau über die Tat informiert habe und dass er bereits als Erbe eingesetzt war, spreche für Jörg W. als Täter.

Einer der immer noch nicht glauben kann, wie sehr er sich in seinem Freund Jörg getäuscht hat, ist der Nachbar, der auch als Zeuge im Prozess ausgesagt hatte. „Er hat zwei Gesichter. So wie er hier im Gericht dargestellt wurde, habe ich ihn nie erlebt“, sagte der Hiller. Er habe mit Jörg W. häufig zusammen gearbeitet und gefeiert. Allerdings, so sagt er, habe er damit gerechnet, dass sein Freund mit einer glimpflicheren Strafe davonkomme. Er würde ihn jetzt gerne einfach die Frage nach dem Warum stellen. Das seien doch alles unschuldige Menschen gewesen, die nichts getan hätten, sagt er und schüttelt den Kopf. „Ich werde Jörg sicherlich mal im Gefängnis besuchen. Das habe ich mir vorgenommen. Und dann werde ich hoffentlich eine Antwort auf meine Frage bekommen.“

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Hiller Dreifachmord: Lebenslange Haftstrafen für Jörg W. und Kevin R.

Weitere Informationen rund um den Hiller Dreifachmord auf www.hiller-morde.de

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Hille/BielefeldHiller Dreifachmord: So reagieren Anwälte, Angehörige und NachbarnStefanie DullweberHille/Bielefeld (mt). Ruhig verlassen die rund 80 Zuschauer, Angehörige, Journalisten und Anwälte am Freitagmorgen den Saal eins im Bielefelder Landgericht. Es wirkt wie ein kurzes Innehalten. Nur ein leises Flüstern ist von dem einen oder anderen zu hören. Sie alle haben gerade das Urteil im Hiller Dreifachmord-Prozess miterlebt und müssen das Gehörte offenbar erst einmal sacken lassen. Vor allem für die Angehörigen war es bewegend, alle grausamen Details noch einmal zu hören. Einige können ihre Tränen nicht zurückhalten. Die Verteidiger von Kevin R. und Jörg W. geben nach der Urteilsverkündung keinen Kommentar ab und verlassen das Gericht. Die Rechtsanwälte der Nebenkläger stellen sich den Fragen der Journalisten. „Es ist angesichts der Taten sicherlich kein Freudentag. Aber es ist die angemessene Antwort des Staates auf Persönlichkeiten, die meinen, sich ein Recht herauszunehmen, dass so nicht existiert“, sagte Samir Omeirat, der den Vater des getöteten Fadi S. vertritt. Der Rechtsanwalt bewertet das Urteil als „in jeder Hinsicht sehr vertretbar“. Ihn selbst mache es immer noch fassungslos, dass der 30-Jährige für relativ kleines Geld sterben musste. Umso wichtiger sei es für die Hinterbliebenen, den Prozess begleitet zu haben. „Meine Hochachtung und mein Respekt gilt diesen Angehörigen, die den doch sehr technischen und langwierigen Prozess mit so viel Geduld verfolgt haben“, sagte Omeirat. Imad S., der Bruder von Fadi S. war nach der Urteilsverkündung noch sichtlich bewegt. Er sei ein bisschen traurig, dass nicht auch auf für Kevin R. die Sicherungsverwahrung angeordnet worden ist. „Aber wir müssen jetzt damit abschließen, auch wenn es schwierig ist.“ Sie würden jetzt erstmal mit der ganzen Familie zum Friedhof fahren, auf dem Fadi S. beerdigt wurde. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Kevin R. den Familienvater erschlagen hat. Die beiden Komplizen hätten eine regelrechte Kulisse errichtet, den Libanesen in die Scheune nach Hille gelockt und ihm vorgegaukelt, man wolle hier gemeinsam renovieren. „Noch als Leiche trug er Arbeitshandschuhe“, sagte Richter Zimmermann in seiner Urteilsbegründung. Heimtückisch sei Fadi S. dann von hinten angegriffen worden, damit Jörg W. die 5.000 Euro behalten konnte, die er von dem Libanesen für ein gemeinsames Geschäft bekommen hatte. Während Jörg W. dem Gericht „Räubergeschichten“ zumutete, habe Kevin R. sich dem Tatgeschehen immer mehr annähern müssen und dabei ein Dutzend Versionen angeboten. Sichtlich ergriffen von dem Urteil war auch die Schwester des getöteten Jochen K.. Das Urteil sei für sie hinnehmbar, sie könne mit der ganzen Geschichte nun endlich abschließen. Renate K. zeigte sich jedoch verärgert, dass die beiden Angeklagten bei der Urteilsverkündung gar keine Gefühlsregung gezeigt hätten. „Aber eine Entschuldigung hätte ich von den beiden sowieso niemals angenommen.“ Sie hätte ihrem Bruder noch ein paar schöne Jahre gewünscht und hofft, dass zumindest der bis heute verschwundene Traktor, den Jörg W. verkauft haben soll, noch gefunden wird. Wie der Richter erklärte, hätten die beiden Angeklagten auch Jochen K. in eine Falle gelockt. Sie luden ihn zu einem feucht, fröhlichen Grillabend ein, um ihn dann mit einem Pflasterstein und einem Messer anzugreifen. Wer welchen Anteil an dem Verbrechen hatte, sei für das Gericht jedoch nicht feststellbar, so Zimmermann. Das in den Dachbalken gerammte Messer deute jedoch darauf hin, dass sich zumindest einer der Täter triumphal den Mord erinnern wollte. Genauso wie der Mord an Jochen K. sei auch der Mord an Gerd F. quälend langsam verlaufen, so der Richter weiter. Dass er den Nachbarn erzählt habe, Gerd F. sei in einer Entziehungskur, dass er seine Frau über die Tat informiert habe und dass er bereits als Erbe eingesetzt war, spreche für Jörg W. als Täter. Einer der immer noch nicht glauben kann, wie sehr er sich in seinem Freund Jörg getäuscht hat, ist der Nachbar, der auch als Zeuge im Prozess ausgesagt hatte. „Er hat zwei Gesichter. So wie er hier im Gericht dargestellt wurde, habe ich ihn nie erlebt“, sagte der Hiller. Er habe mit Jörg W. häufig zusammen gearbeitet und gefeiert. Allerdings, so sagt er, habe er damit gerechnet, dass sein Freund mit einer glimpflicheren Strafe davonkomme. Er würde ihn jetzt gerne einfach die Frage nach dem Warum stellen. Das seien doch alles unschuldige Menschen gewesen, die nichts getan hätten, sagt er und schüttelt den Kopf. „Ich werde Jörg sicherlich mal im Gefängnis besuchen. Das habe ich mir vorgenommen. Und dann werde ich hoffentlich eine Antwort auf meine Frage bekommen.“ Lesen Sie auch: Hiller Dreifachmord: Lebenslange Haftstrafen für Jörg W. und Kevin R. Weitere Informationen rund um den Hiller Dreifachmord auf www.hiller-morde.de Alle Berichte zum Thema