Bielefeld/Hille

Mordprozess Hille: "Jörg W. hat nicht getötet" - Freispruch für Kevin R. gefordert

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Der Angeklagte Jörg W. betritt einen Sitzungssaal im Landgericht in Begleitung eines Justizbeamten.  - © picture alliance/dpa
Der Angeklagte Jörg W. betritt einen Sitzungssaal im Landgericht in Begleitung eines Justizbeamten.  (© picture alliance/dpa)

Bielefeld/Hille (lnw/sbo/ire). Im Prozess um den mutmaßlichen Dreifachmord von Hille hat Verteidigerin Nicole Friedrich für ihren Mandanten bestritten, dass Jörg W. an den Tötungen aktiv beteiligt gewesen sei. Sie schob die Verantwortung für die drei Taten dem Mitangeklagten Kevin R. zu. In der Beweisaufnahme sei ihrem Mandanten nichts nachgewiesen worden. Dass er unschuldig sei, sagte Friedrich in ihrem Plädoyer nicht. Allerdings müsse sich der heute 53-Jährige vorwerfen lassen, dass er dem Treiben seines Ziehsohnes (25) keinen Einnhalt geboten hat. Auch hätte er beim Ausheben der Gräber für die Opfer nicht helfen dürfen.

Im Gegenzug forderte Verteidiger Peter Jahn einen Freispruch für seinen Mandanten Kevin R. Der 25-Jährige sagte, dass ihm die Opfer leid tun. Auch Jörg W. sprach zum ersten Mal vor Gericht. Der 53 Jahre alte Angeklagte betonte auch, dass er Mitleid für die Opfer habe. Im Prozess habe er extra geschwiegen, weil er Morddrohungen erhalten haben soll. Auf ihn sei ein Kopfgeld ausgesetzt worden. W. entschuldigte sich nicht bei den Mordopfern, weil er die Taten nicht begangen habe.

Die Staatsanwaltschaft hatte für die beiden deutschen Angeklagten eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld beantragt. Damit wäre eine Haftentlassung nach 15 Jahren nahezu ausgeschlossen. Die Anklage wirft den Männern einen gemeinschaftlich ausgeführten dreifachen, heimtückischen Mord aus Habgier vor. Im Prozess hatten sich die beiden Angeklagten gegenseitig der Taten beschuldigt.

Im Frühjahr 2018 waren auf zwei angrenzenden Höfen in Hille zuerst eine, später zwei weitere verscharrte Leichen gefunden worden. Der 53 Jahre alte Angeklagte und sein 25-jähriger Helfer sollen zuerst einen 72-jährigen Nachbarn, dann einen 64-jährigen Hilfsarbeiter und später einen 30 Jahre alten Geschäftspartner erschlagen haben, um sich zu bereichern.

Ein Urteil will das Landgericht Bielefeld in einer Woche am Freitag, 19. Juli, sprechen.

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Bielefeld/HilleMordprozess Hille: "Jörg W. hat nicht getötet" - Freispruch für Kevin R. gefordertBielefeld/Hille (lnw/sbo/ire). Im Prozess um den mutmaßlichen Dreifachmord von Hille hat Verteidigerin Nicole Friedrich für ihren Mandanten bestritten, dass Jörg W. an den Tötungen aktiv beteiligt gewesen sei. Sie schob die Verantwortung für die drei Taten dem Mitangeklagten Kevin R. zu. In der Beweisaufnahme sei ihrem Mandanten nichts nachgewiesen worden. Dass er unschuldig sei, sagte Friedrich in ihrem Plädoyer nicht. Allerdings müsse sich der heute 53-Jährige vorwerfen lassen, dass er dem Treiben seines Ziehsohnes (25) keinen Einnhalt geboten hat. Auch hätte er beim Ausheben der Gräber für die Opfer nicht helfen dürfen. Im Gegenzug forderte Verteidiger Peter Jahn einen Freispruch für seinen Mandanten Kevin R. Der 25-Jährige sagte, dass ihm die Opfer leid tun. Auch Jörg W. sprach zum ersten Mal vor Gericht. Der 53 Jahre alte Angeklagte betonte auch, dass er Mitleid für die Opfer habe. Im Prozess habe er extra geschwiegen, weil er Morddrohungen erhalten haben soll. Auf ihn sei ein Kopfgeld ausgesetzt worden. W. entschuldigte sich nicht bei den Mordopfern, weil er die Taten nicht begangen habe. Die Staatsanwaltschaft hatte für die beiden deutschen Angeklagten eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld beantragt. Damit wäre eine Haftentlassung nach 15 Jahren nahezu ausgeschlossen. Die Anklage wirft den Männern einen gemeinschaftlich ausgeführten dreifachen, heimtückischen Mord aus Habgier vor. Im Prozess hatten sich die beiden Angeklagten gegenseitig der Taten beschuldigt. Im Frühjahr 2018 waren auf zwei angrenzenden Höfen in Hille zuerst eine, später zwei weitere verscharrte Leichen gefunden worden. Der 53 Jahre alte Angeklagte und sein 25-jähriger Helfer sollen zuerst einen 72-jährigen Nachbarn, dann einen 64-jährigen Hilfsarbeiter und später einen 30 Jahre alten Geschäftspartner erschlagen haben, um sich zu bereichern. Ein Urteil will das Landgericht Bielefeld in einer Woche am Freitag, 19. Juli, sprechen.