Hille/Löhne

Besorgniserregend: Bundesbehörde warnt vor niedrigen Trinkwasservorräten in Hille

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Die Temperaturen steigen, das Wasser im Hochbehälter sinkt: Wegen der anhaltenden Trockenheit und der Rekordhitze wird das Trinkwasser wieder knapp. - © Oliver Berg/dpa
Die Temperaturen steigen, das Wasser im Hochbehälter sinkt: Wegen der anhaltenden Trockenheit und der Rekordhitze wird das Trinkwasser wieder knapp. (© Oliver Berg/dpa)

Hille/Löhne (cko/nw). Der Gemeinde droht das Trinkwasser auszugehen. „Die Lage ist ernst", sagt Stefan Wiese am Mittwochmittag auf MT-Anfrage. Während am Wochenende noch ein normaler Verbrauch herrschte, legte dieser am Montag um 2.000 Kubikmeter zu. Der Technische Betriebsleiter vom Wasserbeschaffungsverband „Am Wiehen" (WBV) ruft die Bevölkerung dazu auf, in dieser angepannten Lage kein Wasser mehr zu verschwenden. Noch liege der Pegel im Hartumer Hochbehälter bei 1,80 Meter. Falle er unter einen Meter, werde es dramatisch. Schlimmstenfalls fließt dann kein Wasser mehr aus den Hähnen.

Damit das nicht passiert, setzt man auf die Unterstützung der benachbarten Wasserversorger. Diese kommt unter anderem vom WBV Herford-West sowie von der 2018 errichteten Übergabestation an der Schulstraße in Oberlübbe. Diese ermöglicht, dass man täglich rund 480 Kubikmeter Wasser vom WBV-Wiehengebirge bekommen kann.

Laut Wiese steigt der Verbrauch zurzeit besonders stark in den Abendstunden. Das lasse darauf schließen, dass die Menschen das Wasser vor allem für die Gartenbewässerung nutzen. „Oder damit die Pools füllen", sagt er.

Seit Mittwochabend weist auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) auf seiner Webseite und über die Warn-App NINA auf die auf „besorgniserregenden Trinkwasservorräte" hin. Nach Angaben der Behörde sind in der Region die Städte Bad Oeynhausen und Löhne sowie die Gemeinden Hille und Hüllhorst betroffen.

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Knapp wird das Trinkwasser auch anderswo – zum Beispiel in Löhne. Rot leuchtet der Balken auf der Startseite der Stadt. Das heißt Alarmstufe. „Wir haben orange übersprungen", sagt Klaus Wilmsmeier, Geschäftsbereichsleiter Wasserversorgung bei den Wirtschaftsbetrieben Löhne. Verordnet hat das der Bürgermeister höchstpersönlich.

Bernd Poggemöller (SPD) ist nicht nur Löhnes Stadtoberhaupt, sondern auch der Vorsteher des Wasserbeschaffungsverbands „Am Wiehen" (WBV) und hat das Thema Trinkwasser deswegen ganz genau im Blick. Das Wasser wird knapper. Auf einer Tabelle, die auf der Homepage der Stadt verfügbar ist, ist zu erkennen, dass der Hochbehälter aktuell nur noch mit drei Metern befüllt ist.

In der Nacht von Montag auf Dienstag, 0 Uhr, ist der Wasservorrat sogar auf 1,90 Meter abgesackt. Wilmsmeier: „Das ist unglaublich." Kritisch wird es bei 1,20 bis 1,15 Meter Wasser. „Das wäre der Super-Gau", sagt der Experte. Von dem Wassermangel sind die Städte Löhne, Bad Oeynhausen sowie die Gemeinden Hüllhorst und eben auch Hille betroffen. In Minden, Petershagen und Porta Westfalica herrschen aktuell keine Probleme bei der Trinkwasserversorgung.

Bis zu 15.000 Kubikmeter Trinkwasser verbrauchen die Bürger im WBV-Gebiet normalerweise am Tag. Doch kommt die Hitze, steigt der Verbrauch. Und das kann der WBV „Am Wiehen" nicht alleine leisten. Zuletzt sind es 18.000.

Zum ersten Mal ist das Problem der Wasserknappheit 2017 aufgekommen. Seitdem sind verschiedene Maßnahmen beschlossen worden, um dem Mangel in Zukunft vorzubeugen. Ein neuer Hochbehälter wird gebaut, auch hat der WBV „Herford-West" bereits in der Vergangenheit mit mehr Wasser ausgeholfen. Wichtig sei für die Zukunft, mehr Wasser selbst zu fördern. „Da müssen wir hin."

Eine Verschwendung der knappen Ressource Trinkwasser sollte unbedingt unterbleiben. Dazu zählen auch das private Waschen von Fahrzeugen oder Arbeiten mit Hochdruckreinigern. Alexander Hermelink vom DRK-Löhne rät, sich einen Wasser-Notvorrat anzulegen. Zwei Liter pro Person und Tag sollten es sein. „Das ist nie verkehrt. Am besten sollte der Vorrat für zehn Tage reichen", sagt Hermelink.

Mehr Wertschätzung

Kommentar von Henning Wandel

In Kalifornien wird der vertrocknete braune Rasen gerne auch grün angesprüht, wenn der Regen sich mal wieder rar macht. So weit ist es im Mindener Land zwar noch nicht, der Dürresommer im vergangenen Jahr und die aktuellen Rekordtemperaturen sollten dennoch wachrütteln. Denn Wasser ist mehr als nur Abkühlung oder Erfrischung, sogar mehr als Treibstoff für das Pflanzenwachstum. Wasser ist Lebensmittel – auch für Menschen. Fehlt es, sind wir schnell am Ende unserer Leistungsfähigkeit und bald danach in ernster gesundheitlicher Gefahr.

Wenn in einzelnen Gegenden jetzt dazu aufgerufen wird, sorgsam mit dem immer knapper werdenden Gut umzugehen, wird damit also eigentlich nur eine Selbstverständlichkeit ausgesprochen, an die leider kaum jemand einen Gedanken verschwendet. Das Wasser kommt ja aus der Wand – Hahn auf und es läuft. Aber so einfach ist das nicht. Wasser ist eben nicht unendlich. Und jede Verschmutzung hinterlässt Spuren, die im besten Fall aufwendig und damit teuer wieder herausgefiltert werden.

Ohne Wasser gibt es kein Leben, es verdient daher auch dann Wertschätzung, wenn es scheinbar im Überfluss vorhanden ist – und nicht erst, wenn es einmal zu versiegen droht. Glücklicherweise setzt sich nach und nach die Einsicht durch, möglichst nichts wegzuwerfen, was noch genießbar ist. Aber ausgerechnet beim Wasser ist es völlig okay, täglich den Rasen zu sprengen oder den Gartenpool zu füllen. Es ist in Ordnung, beim Zähneputzen das Wasser laufenzulassen oder in die Badewanne zu gehen, anstatt schnell in drei Minuten zu duschen. Gleichzeitig haben laut Unicef mehr als zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Deshalb müssen wir uns nicht gleich das Planschen verbieten. Aber wir sollten bewusster mit dem Lebensmittel Wasser umgehen. Nicht nur im Hochsommer – immer.

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Hille/LöhneBesorgniserregend: Bundesbehörde warnt vor niedrigen Trinkwasservorräten in HilleHille/Löhne (cko/nw). Der Gemeinde droht das Trinkwasser auszugehen. „Die Lage ist ernst", sagt Stefan Wiese am Mittwochmittag auf MT-Anfrage. Während am Wochenende noch ein normaler Verbrauch herrschte, legte dieser am Montag um 2.000 Kubikmeter zu. Der Technische Betriebsleiter vom Wasserbeschaffungsverband „Am Wiehen" (WBV) ruft die Bevölkerung dazu auf, in dieser angepannten Lage kein Wasser mehr zu verschwenden. Noch liege der Pegel im Hartumer Hochbehälter bei 1,80 Meter. Falle er unter einen Meter, werde es dramatisch. Schlimmstenfalls fließt dann kein Wasser mehr aus den Hähnen. Damit das nicht passiert, setzt man auf die Unterstützung der benachbarten Wasserversorger. Diese kommt unter anderem vom WBV Herford-West sowie von der 2018 errichteten Übergabestation an der Schulstraße in Oberlübbe. Diese ermöglicht, dass man täglich rund 480 Kubikmeter Wasser vom WBV-Wiehengebirge bekommen kann. Laut Wiese steigt der Verbrauch zurzeit besonders stark in den Abendstunden. Das lasse darauf schließen, dass die Menschen das Wasser vor allem für die Gartenbewässerung nutzen. „Oder damit die Pools füllen", sagt er. Seit Mittwochabend weist auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) auf seiner Webseite und über die Warn-App NINA auf die auf „besorgniserregenden Trinkwasservorräte" hin. Nach Angaben der Behörde sind in der Region die Städte Bad Oeynhausen und Löhne sowie die Gemeinden Hille und Hüllhorst betroffen. - Knapp wird das Trinkwasser auch anderswo – zum Beispiel in Löhne. Rot leuchtet der Balken auf der Startseite der Stadt. Das heißt Alarmstufe. „Wir haben orange übersprungen", sagt Klaus Wilmsmeier, Geschäftsbereichsleiter Wasserversorgung bei den Wirtschaftsbetrieben Löhne. Verordnet hat das der Bürgermeister höchstpersönlich. Bernd Poggemöller (SPD) ist nicht nur Löhnes Stadtoberhaupt, sondern auch der Vorsteher des Wasserbeschaffungsverbands „Am Wiehen" (WBV) und hat das Thema Trinkwasser deswegen ganz genau im Blick. Das Wasser wird knapper. Auf einer Tabelle, die auf der Homepage der Stadt verfügbar ist, ist zu erkennen, dass der Hochbehälter aktuell nur noch mit drei Metern befüllt ist. In der Nacht von Montag auf Dienstag, 0 Uhr, ist der Wasservorrat sogar auf 1,90 Meter abgesackt. Wilmsmeier: „Das ist unglaublich." Kritisch wird es bei 1,20 bis 1,15 Meter Wasser. „Das wäre der Super-Gau", sagt der Experte. Von dem Wassermangel sind die Städte Löhne, Bad Oeynhausen sowie die Gemeinden Hüllhorst und eben auch Hille betroffen. In Minden, Petershagen und Porta Westfalica herrschen aktuell keine Probleme bei der Trinkwasserversorgung. Bis zu 15.000 Kubikmeter Trinkwasser verbrauchen die Bürger im WBV-Gebiet normalerweise am Tag. Doch kommt die Hitze, steigt der Verbrauch. Und das kann der WBV „Am Wiehen" nicht alleine leisten. Zuletzt sind es 18.000. Zum ersten Mal ist das Problem der Wasserknappheit 2017 aufgekommen. Seitdem sind verschiedene Maßnahmen beschlossen worden, um dem Mangel in Zukunft vorzubeugen. Ein neuer Hochbehälter wird gebaut, auch hat der WBV „Herford-West" bereits in der Vergangenheit mit mehr Wasser ausgeholfen. Wichtig sei für die Zukunft, mehr Wasser selbst zu fördern. „Da müssen wir hin." Eine Verschwendung der knappen Ressource Trinkwasser sollte unbedingt unterbleiben. Dazu zählen auch das private Waschen von Fahrzeugen oder Arbeiten mit Hochdruckreinigern. Alexander Hermelink vom DRK-Löhne rät, sich einen Wasser-Notvorrat anzulegen. Zwei Liter pro Person und Tag sollten es sein. „Das ist nie verkehrt. Am besten sollte der Vorrat für zehn Tage reichen", sagt Hermelink. Mehr Wertschätzung Kommentar von Henning Wandel In Kalifornien wird der vertrocknete braune Rasen gerne auch grün angesprüht, wenn der Regen sich mal wieder rar macht. So weit ist es im Mindener Land zwar noch nicht, der Dürresommer im vergangenen Jahr und die aktuellen Rekordtemperaturen sollten dennoch wachrütteln. Denn Wasser ist mehr als nur Abkühlung oder Erfrischung, sogar mehr als Treibstoff für das Pflanzenwachstum. Wasser ist Lebensmittel – auch für Menschen. Fehlt es, sind wir schnell am Ende unserer Leistungsfähigkeit und bald danach in ernster gesundheitlicher Gefahr. Wenn in einzelnen Gegenden jetzt dazu aufgerufen wird, sorgsam mit dem immer knapper werdenden Gut umzugehen, wird damit also eigentlich nur eine Selbstverständlichkeit ausgesprochen, an die leider kaum jemand einen Gedanken verschwendet. Das Wasser kommt ja aus der Wand – Hahn auf und es läuft. Aber so einfach ist das nicht. Wasser ist eben nicht unendlich. Und jede Verschmutzung hinterlässt Spuren, die im besten Fall aufwendig und damit teuer wieder herausgefiltert werden. Ohne Wasser gibt es kein Leben, es verdient daher auch dann Wertschätzung, wenn es scheinbar im Überfluss vorhanden ist – und nicht erst, wenn es einmal zu versiegen droht. Glücklicherweise setzt sich nach und nach die Einsicht durch, möglichst nichts wegzuwerfen, was noch genießbar ist. Aber ausgerechnet beim Wasser ist es völlig okay, täglich den Rasen zu sprengen oder den Gartenpool zu füllen. Es ist in Ordnung, beim Zähneputzen das Wasser laufenzulassen oder in die Badewanne zu gehen, anstatt schnell in drei Minuten zu duschen. Gleichzeitig haben laut Unicef mehr als zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Deshalb müssen wir uns nicht gleich das Planschen verbieten. Aber wir sollten bewusster mit dem Lebensmittel Wasser umgehen. Nicht nur im Hochsommer – immer.