Hille

Holger Diekmann und Paralympics-Star Sebastian Dietz motivieren junge Behinderte zum Sport

Nina Bucklewski

- © Nina Bucklewski
(© Nina Bucklewski)

Hille (nib). Schon oft haben Holger Diekmann und Sebastian Dietz erlebt, wie die jungen Menschen beim Sport regelrecht über sich hinausgewachsen sind. Sie zeigen Ehrgeiz, haben Spaß und feiern ihre Erfolge. Ihre körperlichen Behinderungen spielen in solchen Momenten überhaupt keine Rolle. Es geht allein um Basketball, Tennis, Fußball oder Triathlon. Sport verbindet und schafft Lebensfreude. Vor Jahren starteten beide mit entsprechenden Sportangeboten in Bad Oeynhausen. Jetzt wollen sie damit auch nach Hille kommen. „Unser Wunsch ist zum Beispiel ein Therapiebecken“, sagt Diekmann.

Momentan sind es zwar noch Gedankenspiele, aber die möchte der Vorsitzende des Vereins Bewegung, Sport, Gesundheit (BSG) zusammen mit Dietz schon bald umsetzen. Ein Therapiebecken mache Sinn, sagt er. Ideal wäre es zwischen Verbundschule und Grundschule, denn dann könnte man es auch für den Schulsport nutzen. Mit Kreis und Gemeinde habe er allerdings noch nicht gesprochen.

Besonders Kinder mit Behinderungen erleben im Wasser viele Erfolge. Sie bekommen ein ganz anderes Bewegungsgefühl und können neu erfahren, was Bewegung heißt. Sportangebote gezielt für Menschen mit Behinderungen nennt er eine Bereicherung für eine Kommune und bezeichnet sie auch als Steigerung der Lebensqualität. „Wir wollen Betroffene motivieren“, sagt er.

Sebastian Dietz ist gehbehindert und leidet an einer Lähmung des linken Arms. Als Sportler feiert er seit Jahren Erfolge. Mit Holger Diekmann setzt er sich für die Sportförderung junger Menschen mit Behinderungen ein. Foto: dpa - © (c) dpa-Zentralbild
Sebastian Dietz ist gehbehindert und leidet an einer Lähmung des linken Arms. Als Sportler feiert er seit Jahren Erfolge. Mit Holger Diekmann setzt er sich für die Sportförderung junger Menschen mit Behinderungen ein. Foto: dpa (© (c) dpa-Zentralbild)

Wie wichtig Sport ist, wissen beide aus eigener Erfahrung. Der BSG-Chef hat eine angeborene Schwerhörigkeit, Dietz leidet nach einem Autounfall unter einer Lähmung des linken Armes und hat Schwierigkeiten beim Gehen. „Ich habe mich nie unterkriegen lassen“, sagt der 34-Jährige, der Diekmann 2014 kennengelernt hat. Seinerzeit hatte er zwei Jahre zuvor bei dem Paralympics in London eine Goldmedaille im Diskuswerfen gewonnen. Der Sport habe ihm immer geholfen, das Schicksal seiner Behinderung zu akzeptieren und einen völlig normalen Alltag zu leben.

Auch die Paralympischen Spiele 2016 gewann er; außerdem die Europameisterschaft 2018 in Berlin. In Hille möchte er nun als Vorbild für behinderte Kinder und Jugendliche dienen. Die positiven Erfahrungen will er mit Diekmann weitergeben. In ihrer schon langen gemeinsamen Zeit bei der BSG haben sie gemerkt, was es bedeutet ein Kind für den Sport zu begeistern. Selbst wenn sich am Ende nur eins von zehn Kinder für den Sport begeistert, sei das ein großer Erfolg für beide.

„Das ist mehr wert als jede Goldmedaille“, sagt Dietz. Er berichtet unter anderem von den Kindern, die bei der Geburt einen Schlaganfall erlitten haben. Dadurch können bei Betroffenen Behinderungen entstehen, die erst spät festgestellt werden. Im Vorjahr hat Dietz beispielsweise eine Gruppe von Kindern in das Stadion zur Europameisterschaft in Berlin eingeladen. Bei ihrem Besuch seien sie total begeistert davon gewesen, welche Möglichkeiten der Sport ihnen bietet. „Vorher hätten sie gedacht, sie können keinen Sport machen“, sagt Dietz. Viele dieser Kinder sind seitdem in den Sportalltag gekommen.

Diekmann, der in Hille lebt, sieht das als ein Aufbrechen selbst gesetzter Grenzen. „Durch den Sport feiern die Kinder viele Erfolge, lernen aber auch was es heißt mit Niederlagen umzugehen“, sagt er. Diekmann erzählt unter anderem von dem 18-jährigen Sergej Makagonov. Er sitzt im Rollstuhl und lebte lange Zeit zurück gezogen. Der Trainer von Sebastian Dietz, Alexander Holstein, brachte ihn schließlich zum Sport. Seitdem lebt er viel Menschen näher und selbstbewusster als zuvor. „Durch den Sport nimmt er aktiv am Leben teil“, berichtet Diekmann. In Bad Oeynhausen ist er sogar als Leistungssportler ausgezeichnet worden.

Das Duo hat ein weiteres Ziel im Visier. Beim 24-stunden-Lauf von Union Minden, der am Freitag, 28. und Samstag, 29. Juni auf dem Sportplatz am Mittelweg in Minden ausgetragen wird, wollen sie ein Team stellen und etwas für den Guten Zweck tun. Kinder, die Unterstützung beim Laufen brauchen oder im Rollstuhl sitzen, können dann auch gerne zusammen mit ihren Eltern oder Anderen laufen. Dietz, der die Idee zu dieser Aktion hatte, spendet für jede Runde einen Euro. Vorher will er sich mit den Läufern treffen und T-Shirts verteilen. Infos und Anmeldungen per E-Mail an Dietz unter info@dietzsebastian.de.

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HilleHolger Diekmann und Paralympics-Star Sebastian Dietz motivieren junge Behinderte zum SportNina BucklewskiHille (nib). Schon oft haben Holger Diekmann und Sebastian Dietz erlebt, wie die jungen Menschen beim Sport regelrecht über sich hinausgewachsen sind. Sie zeigen Ehrgeiz, haben Spaß und feiern ihre Erfolge. Ihre körperlichen Behinderungen spielen in solchen Momenten überhaupt keine Rolle. Es geht allein um Basketball, Tennis, Fußball oder Triathlon. Sport verbindet und schafft Lebensfreude. Vor Jahren starteten beide mit entsprechenden Sportangeboten in Bad Oeynhausen. Jetzt wollen sie damit auch nach Hille kommen. „Unser Wunsch ist zum Beispiel ein Therapiebecken“, sagt Diekmann. Momentan sind es zwar noch Gedankenspiele, aber die möchte der Vorsitzende des Vereins Bewegung, Sport, Gesundheit (BSG) zusammen mit Dietz schon bald umsetzen. Ein Therapiebecken mache Sinn, sagt er. Ideal wäre es zwischen Verbundschule und Grundschule, denn dann könnte man es auch für den Schulsport nutzen. Mit Kreis und Gemeinde habe er allerdings noch nicht gesprochen. Besonders Kinder mit Behinderungen erleben im Wasser viele Erfolge. Sie bekommen ein ganz anderes Bewegungsgefühl und können neu erfahren, was Bewegung heißt. Sportangebote gezielt für Menschen mit Behinderungen nennt er eine Bereicherung für eine Kommune und bezeichnet sie auch als Steigerung der Lebensqualität. „Wir wollen Betroffene motivieren“, sagt er. Wie wichtig Sport ist, wissen beide aus eigener Erfahrung. Der BSG-Chef hat eine angeborene Schwerhörigkeit, Dietz leidet nach einem Autounfall unter einer Lähmung des linken Armes und hat Schwierigkeiten beim Gehen. „Ich habe mich nie unterkriegen lassen“, sagt der 34-Jährige, der Diekmann 2014 kennengelernt hat. Seinerzeit hatte er zwei Jahre zuvor bei dem Paralympics in London eine Goldmedaille im Diskuswerfen gewonnen. Der Sport habe ihm immer geholfen, das Schicksal seiner Behinderung zu akzeptieren und einen völlig normalen Alltag zu leben. Auch die Paralympischen Spiele 2016 gewann er; außerdem die Europameisterschaft 2018 in Berlin. In Hille möchte er nun als Vorbild für behinderte Kinder und Jugendliche dienen. Die positiven Erfahrungen will er mit Diekmann weitergeben. In ihrer schon langen gemeinsamen Zeit bei der BSG haben sie gemerkt, was es bedeutet ein Kind für den Sport zu begeistern. Selbst wenn sich am Ende nur eins von zehn Kinder für den Sport begeistert, sei das ein großer Erfolg für beide. „Das ist mehr wert als jede Goldmedaille“, sagt Dietz. Er berichtet unter anderem von den Kindern, die bei der Geburt einen Schlaganfall erlitten haben. Dadurch können bei Betroffenen Behinderungen entstehen, die erst spät festgestellt werden. Im Vorjahr hat Dietz beispielsweise eine Gruppe von Kindern in das Stadion zur Europameisterschaft in Berlin eingeladen. Bei ihrem Besuch seien sie total begeistert davon gewesen, welche Möglichkeiten der Sport ihnen bietet. „Vorher hätten sie gedacht, sie können keinen Sport machen“, sagt Dietz. Viele dieser Kinder sind seitdem in den Sportalltag gekommen. Diekmann, der in Hille lebt, sieht das als ein Aufbrechen selbst gesetzter Grenzen. „Durch den Sport feiern die Kinder viele Erfolge, lernen aber auch was es heißt mit Niederlagen umzugehen“, sagt er. Diekmann erzählt unter anderem von dem 18-jährigen Sergej Makagonov. Er sitzt im Rollstuhl und lebte lange Zeit zurück gezogen. Der Trainer von Sebastian Dietz, Alexander Holstein, brachte ihn schließlich zum Sport. Seitdem lebt er viel Menschen näher und selbstbewusster als zuvor. „Durch den Sport nimmt er aktiv am Leben teil“, berichtet Diekmann. In Bad Oeynhausen ist er sogar als Leistungssportler ausgezeichnet worden. Das Duo hat ein weiteres Ziel im Visier. Beim 24-stunden-Lauf von Union Minden, der am Freitag, 28. und Samstag, 29. Juni auf dem Sportplatz am Mittelweg in Minden ausgetragen wird, wollen sie ein Team stellen und etwas für den Guten Zweck tun. Kinder, die Unterstützung beim Laufen brauchen oder im Rollstuhl sitzen, können dann auch gerne zusammen mit ihren Eltern oder Anderen laufen. Dietz, der die Idee zu dieser Aktion hatte, spendet für jede Runde einen Euro. Vorher will er sich mit den Läufern treffen und T-Shirts verteilen. Infos und Anmeldungen per E-Mail an Dietz unter info@dietzsebastian.de.