Hille

Ende einer Ära: Vom Hiller Lindenhof bleiben nur das Lokal und der kleine Saal

Carsten Korfesmeyer

Der traditionsreiche Lindenhof verändert sich. Mit dem geplanten Abriss des großen Saals und des Schießstands geendet für viele Hiller ein Stück Ortsgeschichte. MT- - © Foto: Stefanie Dulwleber/Archiv
Der traditionsreiche Lindenhof verändert sich. Mit dem geplanten Abriss des großen Saals und des Schießstands geendet für viele Hiller ein Stück Ortsgeschichte. MT- (© Foto: Stefanie Dulwleber/Archiv)

Hille (mt). So wie ihn die Menschen kennen, wird der Lindenhof bald nicht mehr sein. Der große Saal, in dem bis zu 800 Menschen Platz haben, wird abgerissen. Das gilt auch für den Schießstand hinter dem Gebäudetrakt. Was bleibt, sind nur das Restaurant und der kleine Saal für bis zu 80 Personen. Die Ära der großen Disko-Abende ist somit definitiv zu Ende.

Für die meisten der rund 40 Gäste der Info-Veranstaltung ist das am Dienstagabend die entscheidende Nachricht. Der Ort, an dem sie gerne und oft gefeiert haben, verschwindet über kurz oder lang. „Schade“, sagt eine Frau und für einen Moment ist es in dem Unterrichtsraum der Verbundschule still. Grundstückseigentümer Heinz-Jürgen Buhrmester erklärt zwar, dass Familienfeiern im Lindenhof weiterhin möglich sind, aber die vorgestellten Pläne sagen klar: Der überwiegende Teil des Komplexes kommt weg.

Vorgestellt wird der Vorentwurf des Bebauungsplans Lindenhof, der im Oktober 2015 schon einmal für eine heiße Debatte sorgte, dann in der Versenkung verschwand und nun wieder auftaucht. Hitzige Wortbeiträge bleiben beim Info-Abend der Gemeinde zwar aus, kritische Fragen werden aber einige gestellt. Denn was sich baulich in der Gabel zwischen Frotheimer und Rahdener Straße tut, beschäftigt die Hiller. Wichtigster Punkt: Was ändert sich durch die geplante Bebauung?

Vorgesehen ist eine Wohnbebauung und die Ansiedlung von Gewerbebetrieben, die das Umfeld nicht beeinträchtigen dürfen. Stadtplaner Olaf Schramme sagt deutlich, dass zusätzliche Lärmbelästigungen nicht eintreten. Ausführlich stellt der Mindener das laufende Verfahren dar, das nach Worten von Sachgebietsleiter Hans-Peter Seele von der Gemeindeverwaltung noch ganz am Anfang steht.

Erschlossen wird das Areal über den Weg von der Frotheimer Straße, der im Zuge der geplanten Häuser bis zur Grenze des Baugebiets auf 4,50 Meter ausgebaut werden muss. Ein privater Stichweg führt ebenfalls zu den Grundstücken, der von den jeweiligen Eigentümern getragen wird. Ob Ein- oder Mehrfamilienhäuser entstehen, steht noch nicht fest. Laut Seele sind allein 19 Stellungnahmen von Behörden einzuholen. „Und Sie können sich auch noch dazu äußern“, sagt er. Noch bis Dienstag, 28. Mai, läuft die Frist, in der die Bürger Bedenken schriftlich oder persönlich im Rathaus mitteilen können.

Ob es Einschränkungen für die Landwirtschaft gebe, will ein Mann wissen. Seele antwortet mit „Nein“ – und das ist auch die Antwort auf die nur wenige Momente später gestellte Frage einer Frau, ob das Lindenhof-Projekt irgendwelche Auswirkungen auf den benachbarten Imbiss habe. „Wird das Baugebiet vielleicht irgendwann noch mal erweitert?“, will ein anderer Mann wissen. Das sei nicht vorgesehen, erklärt Seele. „Wir befinden uns dann auch im Landschaftsschutzgebiet.“ Weitere Fragen drehen sich um die Verkehrssituation. Ein Hiller hält ein Überqueren der Straße auf der hoch frequentierten Strecke für problematisch. Mit dem Zuzug neuer Familien kämen auch Kinder, die dann möglicherweise einem Unfallrisiko ausgesetzt sind. „Vielleicht sollte man an der Stelle mal über eine Ampel nachdenken“, sagt er. Auch die Idee eines Zebrastreifens kommt auf.

Der in Nachbarschaft zum Lindenhof gelegene Marktplatz ist selbstverständlich auch ein Thema. Schramme und Seele erklären, dass die Gemeinde an dem Veranstaltungsgelände festhalten will – und verweisen auf ein Lärmschutzgutachten. Dieses sagt aus, dass es keine Überschreitung der zulässigen Dezibelwerte gibt.

Ob es schon Interessenten für die Grundstücke gibt, wird nicht gesagt. Mögliche Betriebe, die sich am Lindenhof ansiedeln wollen, gebe es noch nicht. „Und wann geht es los?“, lautet die letzte Frage in der gut einstündigen Informationsveranstaltung. Seele teilt mit, dass sich das rechtliche Verfahren noch mindestens über dieses Jahr hinziehen wird. Erst danach könne Buhrmester mit der Erschließung und Vermarktung loslegen.

Facebook-Kommentare zum Lindenhof:

Jörg Westarp an Bettina Westarp: Hoffentlich bleibt der Grieche, sonst ist es aus mit den Fettbrötchen!

Frank Köhn: Ein Stück Jugend Zeit geht wieder verloren

Mirko Kuberkiewicz an Miriam Kub: Du musst deine Jacke da noch abholen

Dana Ba an Sabrina Sander: ... da haben wir einige Stunden unseres Teenagerlebens durchgetanzt...?

Bjarne Lagmöller an Jonas Meyer: ich finde wir sollten uns zusammentun und für nen 5er das Inventar kaufen

Hannah Luise Mohrhoff: Die schlimmste Nachricht in diesem Jahr

Michael Okken: Wo das Problem? Zelt auf die andere Straßenseite!

Dirk Wickert: Sehr schade habe dort sehr viel Zeit verbracht

Svenja Böttcher an Svenia Isemann: Was machen wir Weihnachten? Fassungslos...

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HilleEnde einer Ära: Vom Hiller Lindenhof bleiben nur das Lokal und der kleine SaalCarsten KorfesmeyerHille (mt). So wie ihn die Menschen kennen, wird der Lindenhof bald nicht mehr sein. Der große Saal, in dem bis zu 800 Menschen Platz haben, wird abgerissen. Das gilt auch für den Schießstand hinter dem Gebäudetrakt. Was bleibt, sind nur das Restaurant und der kleine Saal für bis zu 80 Personen. Die Ära der großen Disko-Abende ist somit definitiv zu Ende. Für die meisten der rund 40 Gäste der Info-Veranstaltung ist das am Dienstagabend die entscheidende Nachricht. Der Ort, an dem sie gerne und oft gefeiert haben, verschwindet über kurz oder lang. „Schade“, sagt eine Frau und für einen Moment ist es in dem Unterrichtsraum der Verbundschule still. Grundstückseigentümer Heinz-Jürgen Buhrmester erklärt zwar, dass Familienfeiern im Lindenhof weiterhin möglich sind, aber die vorgestellten Pläne sagen klar: Der überwiegende Teil des Komplexes kommt weg. Vorgestellt wird der Vorentwurf des Bebauungsplans Lindenhof, der im Oktober 2015 schon einmal für eine heiße Debatte sorgte, dann in der Versenkung verschwand und nun wieder auftaucht. Hitzige Wortbeiträge bleiben beim Info-Abend der Gemeinde zwar aus, kritische Fragen werden aber einige gestellt. Denn was sich baulich in der Gabel zwischen Frotheimer und Rahdener Straße tut, beschäftigt die Hiller. Wichtigster Punkt: Was ändert sich durch die geplante Bebauung? Vorgesehen ist eine Wohnbebauung und die Ansiedlung von Gewerbebetrieben, die das Umfeld nicht beeinträchtigen dürfen. Stadtplaner Olaf Schramme sagt deutlich, dass zusätzliche Lärmbelästigungen nicht eintreten. Ausführlich stellt der Mindener das laufende Verfahren dar, das nach Worten von Sachgebietsleiter Hans-Peter Seele von der Gemeindeverwaltung noch ganz am Anfang steht. Erschlossen wird das Areal über den Weg von der Frotheimer Straße, der im Zuge der geplanten Häuser bis zur Grenze des Baugebiets auf 4,50 Meter ausgebaut werden muss. Ein privater Stichweg führt ebenfalls zu den Grundstücken, der von den jeweiligen Eigentümern getragen wird. Ob Ein- oder Mehrfamilienhäuser entstehen, steht noch nicht fest. Laut Seele sind allein 19 Stellungnahmen von Behörden einzuholen. „Und Sie können sich auch noch dazu äußern“, sagt er. Noch bis Dienstag, 28. Mai, läuft die Frist, in der die Bürger Bedenken schriftlich oder persönlich im Rathaus mitteilen können. Ob es Einschränkungen für die Landwirtschaft gebe, will ein Mann wissen. Seele antwortet mit „Nein“ – und das ist auch die Antwort auf die nur wenige Momente später gestellte Frage einer Frau, ob das Lindenhof-Projekt irgendwelche Auswirkungen auf den benachbarten Imbiss habe. „Wird das Baugebiet vielleicht irgendwann noch mal erweitert?“, will ein anderer Mann wissen. Das sei nicht vorgesehen, erklärt Seele. „Wir befinden uns dann auch im Landschaftsschutzgebiet.“ Weitere Fragen drehen sich um die Verkehrssituation. Ein Hiller hält ein Überqueren der Straße auf der hoch frequentierten Strecke für problematisch. Mit dem Zuzug neuer Familien kämen auch Kinder, die dann möglicherweise einem Unfallrisiko ausgesetzt sind. „Vielleicht sollte man an der Stelle mal über eine Ampel nachdenken“, sagt er. Auch die Idee eines Zebrastreifens kommt auf. Der in Nachbarschaft zum Lindenhof gelegene Marktplatz ist selbstverständlich auch ein Thema. Schramme und Seele erklären, dass die Gemeinde an dem Veranstaltungsgelände festhalten will – und verweisen auf ein Lärmschutzgutachten. Dieses sagt aus, dass es keine Überschreitung der zulässigen Dezibelwerte gibt. Ob es schon Interessenten für die Grundstücke gibt, wird nicht gesagt. Mögliche Betriebe, die sich am Lindenhof ansiedeln wollen, gebe es noch nicht. „Und wann geht es los?“, lautet die letzte Frage in der gut einstündigen Informationsveranstaltung. Seele teilt mit, dass sich das rechtliche Verfahren noch mindestens über dieses Jahr hinziehen wird. Erst danach könne Buhrmester mit der Erschließung und Vermarktung loslegen. Facebook-Kommentare zum Lindenhof: Jörg Westarp an Bettina Westarp: Hoffentlich bleibt der Grieche, sonst ist es aus mit den Fettbrötchen! Frank Köhn: Ein Stück Jugend Zeit geht wieder verloren Mirko Kuberkiewicz an Miriam Kub: Du musst deine Jacke da noch abholen Dana Ba an Sabrina Sander: ... da haben wir einige Stunden unseres Teenagerlebens durchgetanzt...? Bjarne Lagmöller an Jonas Meyer: ich finde wir sollten uns zusammentun und für nen 5er das Inventar kaufen Hannah Luise Mohrhoff: Die schlimmste Nachricht in diesem Jahr Michael Okken: Wo das Problem? Zelt auf die andere Straßenseite! Dirk Wickert: Sehr schade habe dort sehr viel Zeit verbracht Svenja Böttcher an Svenia Isemann: Was machen wir Weihnachten? Fassungslos...