Hille/Bielefeld

Hiller Dreifachmord: Gericht hört weitere Zeugen, Urteil erneut verschoben

Stefanie Dullweber

Was ist an dem Abend im August 2017 wirklich geschehen, als Jochen K. nach einem gemütlichen Grillabend – vermutlich in der Nähe der roten Gartenhütte – ermordet wurde? Ein Zeuge behauptet jetzt, dass Kevin R. gedroht haben soll, den landwirtschaftlichen Helfer „kaputt zu schlagen“. MT- - © Foto: Alex Lehn/Archiv
Was ist an dem Abend im August 2017 wirklich geschehen, als Jochen K. nach einem gemütlichen Grillabend – vermutlich in der Nähe der roten Gartenhütte – ermordet wurde? Ein Zeuge behauptet jetzt, dass Kevin R. gedroht haben soll, den landwirtschaftlichen Helfer „kaputt zu schlagen“. MT- (© Foto: Alex Lehn/Archiv)

Hille/Bielefeld (mt). Der Prozess um den Hiller Dreifachmord zieht sich noch bis in die Sommermonate hin. Die für Dienstag geplanten Plädoyers der Nebenklage und der Verteidigung verzögern sich, weil die Richter am Landgericht Bielefeld erneut in die Beweisaufnahme eingestiegen sind. Gestern sagte der Schwiegersohn von Doris W. aus. Der 42-jährige Duisburger ist der Ehemann von Doris W.s Tochter aus erster Ehe – und mit dem Hauptangeklagten Jörg W. weder verwandt noch verschwägert.

Die Verteidiger von Jörg W. hatten den Schwiegersohn als Zeugen benannt, weil er ihrer Ansicht nach Belastendes über den zweiten Angeklagten Kevin R. sagen kann. Der 42-Jährige war mit den Geschehnissen auf dem Hof in Neuenbaum eigenen Angaben zufolge bestens vertraut, weil er dort seit 2016 eigene Pferde untergestellt hatte. Jedes zweite Wochenende hätte er mit Frau und Kind in Hille verbracht.

Jörg W. sei ein herzlicher Typ gewesen und ein „wundervoller Großvater“, sagte er. Finanziell und emotional sei der 52-Jährige äußerst großzügig gewesen. „Sich selbst hat er nie viel gegönnt.“ Finanzielle Probleme hätten Jörg und Doris W. nicht gehabt und auch über seine Vergangenheit in der Fremdenlegion habe W. nie geprahlt, so der Zeuge.

Kevin R. hingegen – das Patenkind von Doris W. – soll laut dem Schwiegersohn aufbrausend gewesen sein, ein Protzer, der gerne zeigte, was er hat. „Er stolzierte über den Hof und tat so, als würde dieser ihm gehören. Jörg hat das nur belächelt.“ Er selbst, so der Zeuge weiter, sei auf einer Feier Anfang 2018 von Kevin R. provoziert worden. „Sicherlich aus Spaß.“ Irgendwann sei man trotzdem vor die Tür gegangen und der 25-Jährige habe sein T-Shirt ausgezogen. „Was Kevin nicht wusste – ich habe eine Zeit lang geboxt und ihn mit drei Schlägen auf Leber, Niere und Solarplexus niedergestreckt.“ Anschließend habe man wieder freundschaftlich ein Bier zusammen getrunken.

Überhaupt habe der Alkohol auf dem Hof eine größere Rolle gespielt, seitdem der Berufssoldat Kevin R. dort eingezogen sei. Schon morgens um 9 Uhr, kurz nach dem Frühstück, habe der junge Mann das erste Bier getrunken – und Jörg trank mit. „Wenn jemand um diese Uhrzeit schon Bier trinkt, dann stimmt irgendwas nicht“, sagte der Duisburger. Jörg W. habe jedoch nicht viel vertragen, erinnerte sich der Zeuge. Er sei schnell müde geworden und meist früh ins Bett gegangen.

Während das Verhältnis zu Kevin R. trotz allem sehr freundschaftlich gewesen sei, habe er mit Jochen K. so wenig Kontakt wie möglich haben wollen, so der Schwiegersohn. Er beschrieb Jochen K. als ungepflegten, stinkenden Alkoholiker, der nicht „Bitte“ und „Danke“ sagen konnte und außerdem als Spanner unterwegs gewesen sei. Unter anderem soll er auch anzügliche Bemerkungen über seine Schwiegermutter Doris W. gemacht haben – das habe zumindest Kevin R. ihm erzählt. Außerdem soll der 25-Jährige gesagt haben, dass er Jochen K. „kaputt schlägt“, wenn er so etwas noch einmal sagt. Er selber, so der Zeuge weiter, sei sauer auf den landwirtschaftlichen Helfer gewesen, weil er seine Pferde nicht ordentlich gemistet habe.

Irgendwann habe es geheißen, dass Jochen K. den Hof verlassen habe, weil er „keinen Bock mehr hatte“. Es habe ihm nicht gepasst, wie man mit ihm umgegangen sei. Kevin R. habe ihm erzählt, dass er gesehen habe, wie Jochen K. mit dem Fahrrad weggefahren sei. Was der Schwiegersohn zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Die Leiche des 64-Jährigen wurde entweder noch in einer Grube auf dem Hof der Familie W. zwischengelagert, oder lag bereits unter Bäumen verscharrt.

Das zweite Mordopfer Gerd F. bezeichnete der Zeuge als „schrulligen, älteren Herrn“ mit einem Alkoholproblem. Jörg und Doris W. hätten sich sehr gut um ihn gekümmert. Jörg habe ihm irgendwann erzählt, dass der Nachbar in einer Entziehungskur sei. Auch, dass Jörg W. als Erbe für das Haus von Gerd F. eingetragen war, sei ihm bekannt gewesen. Aus seiner Sicht habe jedoch Kevin R. ein stärkeres Interesse an dem Haus gehabt, weil er dort einziehen wollte. „Jörg hätte das Haus ja sowieso irgendwann bekommen.“

Von einer Geschäftsbeziehung zwischen Jörg W. und dem dritten Mordopfer Fadi S. will der Zeuge nichts mitbekommen haben. Von Fadi S. habe er erst erfahren, nachdem Jörg W. bereits von der Polizei gesucht wurde.

Die Schwester des getöteten Jochen K. – sie ist Nebenklägerin im Prozess – machte gestern keinen Hehl daraus, was sie von der Zeugenaussage des Schwiegersohns hält. „Mich können die mit solchen Aussagen über meinen Bruder nicht treffen. Diese Spinnereien glaubt keiner, der ihn gekannt hat“, sagte Renate K.. Für sie habe die Zeugenaussage wie abgesprochen geklungen.

Für den nächsten Verhandlungstag am Donnerstag, 23. Mai, hat das Gericht ab 13 Uhr zwei weitere Zeugen geladen. Bei dem einen handelt es sich um einen ehemaligen Mitbewohner, der 2012 zusammen mit der Familie W. von Duisburg nach Hille gezogen war. Er soll laut Ansicht der Verteidiger von Kevin R. bezeugen, dass das Ehepaar W. finanzielle Schwierigkeiten hatte und dass sie ihre Mitbewohner als „bessere Arbeitskräfte“ behandelten. Auch über das Kampfmesser, mit dem auf Jochen K. eingestochen wurde, soll er Angaben machen können.

Der zweite Zeuge ist Bundeswehrsoldat und ein ehemaliger Kamerad des Angeklagten Kevin R.. Er soll laut Angaben der Verteidiger von Jörg W. bezeugen, dass Kevin R. zunehmend an Gewalt und Waffen interessiert gewesen sei. Im August 2017 soll er seinem Kollegen den Mord an Gerd F. gestanden haben. Demnach plante Kevin R. seinen Umzug in das Nachbarhaus und hatte auch schon eine große Einweihungsfeier angekündigt.

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Jörg W. sei ein herzlicher Typ gewesen und ein „wundervoller Großvater“, sagte er. Finanziell und emotional sei der 52-Jährige äußerst großzügig gewesen. „Sich selbst hat er nie viel gegönnt.“ Finanzielle Probleme hätten Jörg und Doris W. nicht gehabt und auch über seine Vergangenheit in der Fremdenlegion habe W. nie geprahlt, so der Zeuge. Kevin R. hingegen – das Patenkind von Doris W. – soll laut dem Schwiegersohn aufbrausend gewesen sein, ein Protzer, der gerne zeigte, was er hat. „Er stolzierte über den Hof und tat so, als würde dieser ihm gehören. Jörg hat das nur belächelt.“ Er selbst, so der Zeuge weiter, sei auf einer Feier Anfang 2018 von Kevin R. provoziert worden. „Sicherlich aus Spaß.“ Irgendwann sei man trotzdem vor die Tür gegangen und der 25-Jährige habe sein T-Shirt ausgezogen. „Was Kevin nicht wusste – ich habe eine Zeit lang geboxt und ihn mit drei Schlägen auf Leber, Niere und Solarplexus niedergestreckt.“ Anschließend habe man wieder freundschaftlich ein Bier zusammen getrunken. Überhaupt habe der Alkohol auf dem Hof eine größere Rolle gespielt, seitdem der Berufssoldat Kevin R. dort eingezogen sei. Schon morgens um 9 Uhr, kurz nach dem Frühstück, habe der junge Mann das erste Bier getrunken – und Jörg trank mit. „Wenn jemand um diese Uhrzeit schon Bier trinkt, dann stimmt irgendwas nicht“, sagte der Duisburger. Jörg W. habe jedoch nicht viel vertragen, erinnerte sich der Zeuge. Er sei schnell müde geworden und meist früh ins Bett gegangen. Während das Verhältnis zu Kevin R. trotz allem sehr freundschaftlich gewesen sei, habe er mit Jochen K. so wenig Kontakt wie möglich haben wollen, so der Schwiegersohn. Er beschrieb Jochen K. als ungepflegten, stinkenden Alkoholiker, der nicht „Bitte“ und „Danke“ sagen konnte und außerdem als Spanner unterwegs gewesen sei. Unter anderem soll er auch anzügliche Bemerkungen über seine Schwiegermutter Doris W. gemacht haben – das habe zumindest Kevin R. ihm erzählt. Außerdem soll der 25-Jährige gesagt haben, dass er Jochen K. „kaputt schlägt“, wenn er so etwas noch einmal sagt. Er selber, so der Zeuge weiter, sei sauer auf den landwirtschaftlichen Helfer gewesen, weil er seine Pferde nicht ordentlich gemistet habe. Irgendwann habe es geheißen, dass Jochen K. den Hof verlassen habe, weil er „keinen Bock mehr hatte“. Es habe ihm nicht gepasst, wie man mit ihm umgegangen sei. Kevin R. habe ihm erzählt, dass er gesehen habe, wie Jochen K. mit dem Fahrrad weggefahren sei. Was der Schwiegersohn zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Die Leiche des 64-Jährigen wurde entweder noch in einer Grube auf dem Hof der Familie W. zwischengelagert, oder lag bereits unter Bäumen verscharrt. Das zweite Mordopfer Gerd F. bezeichnete der Zeuge als „schrulligen, älteren Herrn“ mit einem Alkoholproblem. Jörg und Doris W. hätten sich sehr gut um ihn gekümmert. Jörg habe ihm irgendwann erzählt, dass der Nachbar in einer Entziehungskur sei. Auch, dass Jörg W. als Erbe für das Haus von Gerd F. eingetragen war, sei ihm bekannt gewesen. Aus seiner Sicht habe jedoch Kevin R. ein stärkeres Interesse an dem Haus gehabt, weil er dort einziehen wollte. „Jörg hätte das Haus ja sowieso irgendwann bekommen.“ Von einer Geschäftsbeziehung zwischen Jörg W. und dem dritten Mordopfer Fadi S. will der Zeuge nichts mitbekommen haben. Von Fadi S. habe er erst erfahren, nachdem Jörg W. bereits von der Polizei gesucht wurde. Die Schwester des getöteten Jochen K. – sie ist Nebenklägerin im Prozess – machte gestern keinen Hehl daraus, was sie von der Zeugenaussage des Schwiegersohns hält. „Mich können die mit solchen Aussagen über meinen Bruder nicht treffen. Diese Spinnereien glaubt keiner, der ihn gekannt hat“, sagte Renate K.. Für sie habe die Zeugenaussage wie abgesprochen geklungen. Für den nächsten Verhandlungstag am Donnerstag, 23. Mai, hat das Gericht ab 13 Uhr zwei weitere Zeugen geladen. Bei dem einen handelt es sich um einen ehemaligen Mitbewohner, der 2012 zusammen mit der Familie W. von Duisburg nach Hille gezogen war. Er soll laut Ansicht der Verteidiger von Kevin R. bezeugen, dass das Ehepaar W. finanzielle Schwierigkeiten hatte und dass sie ihre Mitbewohner als „bessere Arbeitskräfte“ behandelten. Auch über das Kampfmesser, mit dem auf Jochen K. eingestochen wurde, soll er Angaben machen können. Der zweite Zeuge ist Bundeswehrsoldat und ein ehemaliger Kamerad des Angeklagten Kevin R.. Er soll laut Angaben der Verteidiger von Jörg W. bezeugen, dass Kevin R. zunehmend an Gewalt und Waffen interessiert gewesen sei. Im August 2017 soll er seinem Kollegen den Mord an Gerd F. gestanden haben. Demnach plante Kevin R. seinen Umzug in das Nachbarhaus und hatte auch schon eine große Einweihungsfeier angekündigt. Hier gibt es weitere Artikel zum Thema