Hille

Gewerbegebiet „Glinst“ bekommt eine Anlage zur Behandlung von Regenwasser

Carsten Korfesmeyer

2014 ist die Regenwasserbehandlungsanlage in Unterlübbe gebaut worden und in Betrieb gegangen. Im Gegensatz zu der geplanten Anlage im Gewerbegebiet „Glinst“ verfügt sie allerdings über drei Becken. MT-Archivfoto: Alex Lehn
2014 ist die Regenwasserbehandlungsanlage in Unterlübbe gebaut worden und in Betrieb gegangen. Im Gegensatz zu der geplanten Anlage im Gewerbegebiet „Glinst“ verfügt sie allerdings über drei Becken. MT-Archivfoto: Alex Lehn

Hille (mt). Direkt am Kanal und in Höhe des Teichgrabens ist der vorgesehene Standort für die geplante Regenwasserbehandlungsanlage. Rund 7.000 Quadratmeter misst sie und ihre Aufgabe besteht darin, das verunreinigte Regenwasser zu säubern. „Bevor es im Boden versickert und wieder in den Wirtschaftskreislauf gelangt“, sagt Sachgebietsleiter Marcus Becker gegenüber dem MT. Er spricht von einer sogenannten Vorbehandlung, die überall dort gesetzlich vorgeschrieben ist, wo sich produzierendes Gewerbe in der Nähe befindet. Im Bereich „Glinst“ gibt es einige dieser Betriebe – und weil die Gemeinde vorhat, in den kommenden Jahren noch weitere Unternehmen auf dem 42 Hektar großen Gelände anzusiedeln, dürfte die Zahl der Firmen noch steigen. Bürgermeister Michael Schweiß (SPD) hatte bereits gegenüber dem MT angedeutet, dass es im Bereich des in der Nähe liegenden Hiller Hafens Pläne gibt (MT vom 15. April).

Deshalb soll die Anlage möglichst schnell gebaut werden. Becker peilt den Beginn der Arbeiten noch im laufenden Jahr an und sagt, dass man sich momentan in der Feinabstimmung befinde. Der Kreis und die Bezirksregierung müssen noch ihren Segen erteilen, was MT-Informationen zufolge allerdings als reine Formsache gilt. Die Gespräche laufen und seien in der finalen Phase, heißt es. Schon 2020 könnte man somit mit dem Bau der Regenwasserbehandlung beginnen, die laut Becker mit einem unteren siebenstelligen Betrag zu Buche schlägt – eine Summe, mit deren Höhe selbst der erfahrene Mann aus dem Rathaus nach eigenen Worten nicht gerechnet hat. „Aber es gibt eine rund 50-prozentige Förderung vom Land“, sagt er. Das Geld kommt aus einem Topf, das Projekte für ein sauberes Regenwasser unterstützt. Die finanzielle Hilfe bezieht sich allerdings nur auf das Hauptbecken. Das ganze Drumherum wie Zäune, Rohre oder Tore ist Sache der Gemeinde.

Schmutziges Regenwasser in Gewerbegebieten kann viele Ursachen haben. Waschmittel, Salze, Öle oder andere Schadstoffe können durch die Gewerbebetriebe in die Niederschläge gelangen. Schon Reifenabrieb auf dem Asphalt reicht aus, damit sich das abgenutzte Gummi mit dem Wasser vereinen und in Richtung Grundwasser aufmachen kann. Die Regenwasserbehandlungsanlage verhindert genau das. Sie filtert die Schadstoffe weitgehend heraus und leistet einen Beitrag zum Naturschutz.

Die Niederschläge der „Glinst“ fließen künftig mehrere hundert Meter durch einen unterirdischen Kanal in Richtung Regenwasserbehandlungsanlage. Die Strecke verläuft parallel zum Mittellandkanal und ist von außen nicht einsehbar. „Das Wasser gelangt zunächst in ein Vorbecken“, sagt Becker. Dort wird es mittels Gabionen vom gröbsten Schutz befreit und weiter in das Hauptbecken gedrückt, wo es im weiteren Verlauf des Reinigens noch durch ein Kiesbett läuft. „Es gibt sozusagen zwei Reinigungsstufen“, sagt der Sachgebietsleiter. Am Ende der gesamten Kette fließen die Niederschläge in ein Sammelbecken, von wo es kontrolliert in den parallel verlaufenden Teichgraben eingelassen wird. Das geschieht mit einer Pumpe, die nach Worten Beckers über eine Leistungskraft von bis zu 125 Litern pro Sekunde verfügt.

Die Reinigung von Niederschlägen ist kein neues Thema. Schon 2004 trat in Nordrhein-Westfalen der sogenannte Trennerlass in Kraft, nach dem Regenwasser aus Gewerbe- und Industriegebieten vorbehandelt werden muss. Die Regelung sei laut Becker „nach und nach“ umzusetzen. Den relativ langen Zeitraum bis zum Bau der Regenwasserbehandlungsanlage im Gewerbegebiet „Glinst“ führt er darauf zurück, dass zunächst ein passendes Grundstück gefunden werden musste.

Im Unterlübber Gewerbegebiet ist eine solche Anlage bereits vor fünf Jahren in Betrieb gegangen. Auch dort habe man lange nach dem passenden Areal gesucht. Laut Becker leisten beide Anlagen vom Prinzip her die gleiche Arbeit, baulich seien sie jedoch sehr unterschiedlich. „In Unterlübbe gibt es drei separate Becken mit Steuerungsmodulen“, sagt er. Die geplante Anlage im Gewerbegebiet „Glinst“ bringt es hingegen nur auf ein Becken.

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HilleGewerbegebiet „Glinst“ bekommt eine Anlage zur Behandlung von RegenwasserCarsten KorfesmeyerHille (mt). Direkt am Kanal und in Höhe des Teichgrabens ist der vorgesehene Standort für die geplante Regenwasserbehandlungsanlage. Rund 7.000 Quadratmeter misst sie und ihre Aufgabe besteht darin, das verunreinigte Regenwasser zu säubern. „Bevor es im Boden versickert und wieder in den Wirtschaftskreislauf gelangt“, sagt Sachgebietsleiter Marcus Becker gegenüber dem MT. Er spricht von einer sogenannten Vorbehandlung, die überall dort gesetzlich vorgeschrieben ist, wo sich produzierendes Gewerbe in der Nähe befindet. Im Bereich „Glinst“ gibt es einige dieser Betriebe – und weil die Gemeinde vorhat, in den kommenden Jahren noch weitere Unternehmen auf dem 42 Hektar großen Gelände anzusiedeln, dürfte die Zahl der Firmen noch steigen. Bürgermeister Michael Schweiß (SPD) hatte bereits gegenüber dem MT angedeutet, dass es im Bereich des in der Nähe liegenden Hiller Hafens Pläne gibt (MT vom 15. April). Deshalb soll die Anlage möglichst schnell gebaut werden. Becker peilt den Beginn der Arbeiten noch im laufenden Jahr an und sagt, dass man sich momentan in der Feinabstimmung befinde. Der Kreis und die Bezirksregierung müssen noch ihren Segen erteilen, was MT-Informationen zufolge allerdings als reine Formsache gilt. Die Gespräche laufen und seien in der finalen Phase, heißt es. Schon 2020 könnte man somit mit dem Bau der Regenwasserbehandlung beginnen, die laut Becker mit einem unteren siebenstelligen Betrag zu Buche schlägt – eine Summe, mit deren Höhe selbst der erfahrene Mann aus dem Rathaus nach eigenen Worten nicht gerechnet hat. „Aber es gibt eine rund 50-prozentige Förderung vom Land“, sagt er. Das Geld kommt aus einem Topf, das Projekte für ein sauberes Regenwasser unterstützt. Die finanzielle Hilfe bezieht sich allerdings nur auf das Hauptbecken. Das ganze Drumherum wie Zäune, Rohre oder Tore ist Sache der Gemeinde. Schmutziges Regenwasser in Gewerbegebieten kann viele Ursachen haben. Waschmittel, Salze, Öle oder andere Schadstoffe können durch die Gewerbebetriebe in die Niederschläge gelangen. Schon Reifenabrieb auf dem Asphalt reicht aus, damit sich das abgenutzte Gummi mit dem Wasser vereinen und in Richtung Grundwasser aufmachen kann. Die Regenwasserbehandlungsanlage verhindert genau das. Sie filtert die Schadstoffe weitgehend heraus und leistet einen Beitrag zum Naturschutz. Die Niederschläge der „Glinst“ fließen künftig mehrere hundert Meter durch einen unterirdischen Kanal in Richtung Regenwasserbehandlungsanlage. Die Strecke verläuft parallel zum Mittellandkanal und ist von außen nicht einsehbar. „Das Wasser gelangt zunächst in ein Vorbecken“, sagt Becker. Dort wird es mittels Gabionen vom gröbsten Schutz befreit und weiter in das Hauptbecken gedrückt, wo es im weiteren Verlauf des Reinigens noch durch ein Kiesbett läuft. „Es gibt sozusagen zwei Reinigungsstufen“, sagt der Sachgebietsleiter. Am Ende der gesamten Kette fließen die Niederschläge in ein Sammelbecken, von wo es kontrolliert in den parallel verlaufenden Teichgraben eingelassen wird. Das geschieht mit einer Pumpe, die nach Worten Beckers über eine Leistungskraft von bis zu 125 Litern pro Sekunde verfügt. Die Reinigung von Niederschlägen ist kein neues Thema. Schon 2004 trat in Nordrhein-Westfalen der sogenannte Trennerlass in Kraft, nach dem Regenwasser aus Gewerbe- und Industriegebieten vorbehandelt werden muss. Die Regelung sei laut Becker „nach und nach“ umzusetzen. Den relativ langen Zeitraum bis zum Bau der Regenwasserbehandlungsanlage im Gewerbegebiet „Glinst“ führt er darauf zurück, dass zunächst ein passendes Grundstück gefunden werden musste. Im Unterlübber Gewerbegebiet ist eine solche Anlage bereits vor fünf Jahren in Betrieb gegangen. Auch dort habe man lange nach dem passenden Areal gesucht. Laut Becker leisten beide Anlagen vom Prinzip her die gleiche Arbeit, baulich seien sie jedoch sehr unterschiedlich. „In Unterlübbe gibt es drei separate Becken mit Steuerungsmodulen“, sagt er. Die geplante Anlage im Gewerbegebiet „Glinst“ bringt es hingegen nur auf ein Becken.