Hille/Bielefeld

Staatsanwalt zu Hiller Dreifachmord: Jörg W. hat "Tötungen quasi zelebriert"

Stefanie Dullweber

Die Staatsanwaltschaft bezeichnet das Verhalten von Jörg W. als verachtenswert und fordert eine lebenslange Freiheitsstrafe. MT-Archivfoto: Alex Lehn
Die Staatsanwaltschaft bezeichnet das Verhalten von Jörg W. als verachtenswert und fordert eine lebenslange Freiheitsstrafe. MT-Archivfoto: Alex Lehn

Hille/Bielefeld (mt). Mit einem Lächeln im Gesicht verlässt Jörg W. am Freitagmittag den Gerichtssaal. Die gute Laune des 52-Jährigen ist insofern bemerkenswert, weil die Staatsanwaltschaft in Person von Christopher York nur Minuten zuvor gefordert hatte, dass der ehemalige Fremdenlegionär für den Rest seines Lebens ins Gefängnis soll.

Der Prozess um den Dreifachmord in Hille geht nach acht Monaten auf die Zielgerade. Der Vorsitzende Richter Dr. Georg Zimmermann schloss am Freitagmorgen die Beweisaufnahme und forderte die Staatsanwaltschaft auf, ihr Plädoyer zu halten. Es folgen am 26. April und am 14. Mai die Plädoyers der Nebenklage und der Verteidigung. Am 23. Mai soll dann das Urteil gesprochen werden.

Nach dem Willen des Staatsanwaltes, gehen Jörg W. und Kevin R. dann lebenslang ins Gefängnis. Als York in seinem 90-minütigen Schlussvortrag die Ergebnisse der Beweisaufnahme und die Umstände der drei Tötungen zusammenfasst, wird das ganze schreckliche Ausmaß der Taten noch einmal deutlich. Der 72-jährige Gerd F., der – von der brutalen Attacke überrascht – geschlagen, gewürgt und getreten wurde, starb an einer Vielzahl von Verletzungen. Während Jörg W. sich anschließend am Besitz des Rentners bereicherte, habe Kevin R. kein eindeutiges Motiv gehabt, so York.

Der 64-jährige landwirtschaftliche Helfer Jochen K. starb an einem schweren Schädelhirntrauma, mehrfach wurde zudem mit einem Kampfmesser auf ihn eingestochen, bevor seine Leiche in einem Sickerschacht zwischengelagert wurde. Am nächsten Werktag nach der Tötung zahlte Jörg W. 3.000 Euro auf sein Konto ein. Ungefähr diese Summe befand sich in einer Geldkassette, die Jochen K. in seinem Zimmer aufbewahrte. Die Tötung sei erforderlich gewesen, um an das Bargeld und die Sozialleistungen von Jochen K. zu kommen, so York. Kevins Motiv sei auch in diesem Fall nicht eindeutig.

An einem schweren Schädelhirntrauma starb auch Fadi S. Mit zwei Maurerfäusteln war auf den Kopf des zweifachen Familienvaters eingeschlagen worden. Die 5.000 Euro aus einer vorgetäuschten Geschäftsbeziehung nutzte Jörg W., um sein Girokonto auszugleichen und Schulden bei seinem Arbeitgeber zurückzuzahlen. Trotz eines nicht eindeutigen Motivs sei Kevin R. auch an dieser Tat beteiligt gewesen, ist Staatsanwalt York sicher.

Es spricht einiges dafür, dass Jörg W. und Kevin R. die Taten gemeinsam geplant und ausgeführt haben. Aus Sicht eines Täters mache es keinen Sinn, eine andere Person an den Tatort mitzunehmen, ohne dass diese in die Pläne eingeweiht sei. Diese Person sei später nur ein unberechenbarer Zeuge. Ein weiteres Indiz für die gemeinsame Planung sei das Vergraben der Leichen und das lächelnde Posieren am Grab. Die Krönung sei das Weiterleiten der Fotos an die Ehefrau von Jörg W. mit dem Vermerk „La Familia – bis in den Tod“.

York zitierte auch aus dem SMS-Verkehr zwischen Jörg W. und Kevin R. an dem Abend, als Jochen K. getötet wurde. Während sie gemeinsam mit den Nachbarn und der Pflegetochter am Tisch saßen, schrieb Jörg W.: „Müssen noch etwas machen.“ Kevin R. antwortete: „Warum? Wir machen das schon.“ Was ihn fassungslos mache, so York, sei das blutverschmierte Jagdmesser, das nach der Tat „wie eine Art Trophäe“ im Balken des Jagdzimmer steckte.

Laut Ansicht der Staatsanwaltschaft ist Jörg W. der Initiator der Taten. Nur er habe ein Motiv gehabt und direkt von den Tötungen profitiert. Er sei im Besitz der EC-Karten der Opfer gewesen und habe als einziger Rechenschaft über deren Verbleib abgelegt. Außerdem stellte er sein Grundstück für das Vergraben der Leichen zur Verfügung. W. habe stets die Kontrolle gehabt, so York.

Aus rechtlicher Sicht haben sich, so York weiter, die Angeklagten des dreifachen gemeinsamen Mordes strafbar gemacht. Das Mordmerkmal sei in allen Fällen Heimtücke. Ein weiteres Mordmerkmal, das Jörg W. belastet, sei Habgier. Neben der Forderung einer lebenslangen Freiheitsstrafe beantragte die Staatsanwaltschaft auch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

York bezeichnete das Verhalten von Jörg W. und Kevin R. als „verachtenswert“. Die Anordnung der Sicherungsverwahrung für Jörg W. begründete York mit dem Fehlen einer Hemmschwelle. Jörg W. sei absolut kaltblütig vorgegangen und habe die „Tötungen quasi zelebriert“. Die Konsequenzen seiner Taten seien ihm völlig egal gewesen und Empathie gegenüber den Opfern habe er zu keiner Zeit gezeigt. Er sehe keinen Anhaltspunkt für eine Resozialisierung, schloss York.

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Hille/BielefeldStaatsanwalt zu Hiller Dreifachmord: Jörg W. hat "Tötungen quasi zelebriert"Stefanie DullweberHille/Bielefeld (mt). Mit einem Lächeln im Gesicht verlässt Jörg W. am Freitagmittag den Gerichtssaal. Die gute Laune des 52-Jährigen ist insofern bemerkenswert, weil die Staatsanwaltschaft in Person von Christopher York nur Minuten zuvor gefordert hatte, dass der ehemalige Fremdenlegionär für den Rest seines Lebens ins Gefängnis soll. Der Prozess um den Dreifachmord in Hille geht nach acht Monaten auf die Zielgerade. Der Vorsitzende Richter Dr. Georg Zimmermann schloss am Freitagmorgen die Beweisaufnahme und forderte die Staatsanwaltschaft auf, ihr Plädoyer zu halten. Es folgen am 26. April und am 14. Mai die Plädoyers der Nebenklage und der Verteidigung. Am 23. Mai soll dann das Urteil gesprochen werden. Nach dem Willen des Staatsanwaltes, gehen Jörg W. und Kevin R. dann lebenslang ins Gefängnis. Als York in seinem 90-minütigen Schlussvortrag die Ergebnisse der Beweisaufnahme und die Umstände der drei Tötungen zusammenfasst, wird das ganze schreckliche Ausmaß der Taten noch einmal deutlich. Der 72-jährige Gerd F., der – von der brutalen Attacke überrascht – geschlagen, gewürgt und getreten wurde, starb an einer Vielzahl von Verletzungen. Während Jörg W. sich anschließend am Besitz des Rentners bereicherte, habe Kevin R. kein eindeutiges Motiv gehabt, so York. Der 64-jährige landwirtschaftliche Helfer Jochen K. starb an einem schweren Schädelhirntrauma, mehrfach wurde zudem mit einem Kampfmesser auf ihn eingestochen, bevor seine Leiche in einem Sickerschacht zwischengelagert wurde. Am nächsten Werktag nach der Tötung zahlte Jörg W. 3.000 Euro auf sein Konto ein. Ungefähr diese Summe befand sich in einer Geldkassette, die Jochen K. in seinem Zimmer aufbewahrte. Die Tötung sei erforderlich gewesen, um an das Bargeld und die Sozialleistungen von Jochen K. zu kommen, so York. Kevins Motiv sei auch in diesem Fall nicht eindeutig. An einem schweren Schädelhirntrauma starb auch Fadi S. Mit zwei Maurerfäusteln war auf den Kopf des zweifachen Familienvaters eingeschlagen worden. Die 5.000 Euro aus einer vorgetäuschten Geschäftsbeziehung nutzte Jörg W., um sein Girokonto auszugleichen und Schulden bei seinem Arbeitgeber zurückzuzahlen. Trotz eines nicht eindeutigen Motivs sei Kevin R. auch an dieser Tat beteiligt gewesen, ist Staatsanwalt York sicher. Es spricht einiges dafür, dass Jörg W. und Kevin R. die Taten gemeinsam geplant und ausgeführt haben. Aus Sicht eines Täters mache es keinen Sinn, eine andere Person an den Tatort mitzunehmen, ohne dass diese in die Pläne eingeweiht sei. Diese Person sei später nur ein unberechenbarer Zeuge. Ein weiteres Indiz für die gemeinsame Planung sei das Vergraben der Leichen und das lächelnde Posieren am Grab. Die Krönung sei das Weiterleiten der Fotos an die Ehefrau von Jörg W. mit dem Vermerk „La Familia – bis in den Tod“. York zitierte auch aus dem SMS-Verkehr zwischen Jörg W. und Kevin R. an dem Abend, als Jochen K. getötet wurde. Während sie gemeinsam mit den Nachbarn und der Pflegetochter am Tisch saßen, schrieb Jörg W.: „Müssen noch etwas machen.“ Kevin R. antwortete: „Warum? Wir machen das schon.“ Was ihn fassungslos mache, so York, sei das blutverschmierte Jagdmesser, das nach der Tat „wie eine Art Trophäe“ im Balken des Jagdzimmer steckte. Laut Ansicht der Staatsanwaltschaft ist Jörg W. der Initiator der Taten. Nur er habe ein Motiv gehabt und direkt von den Tötungen profitiert. Er sei im Besitz der EC-Karten der Opfer gewesen und habe als einziger Rechenschaft über deren Verbleib abgelegt. Außerdem stellte er sein Grundstück für das Vergraben der Leichen zur Verfügung. W. habe stets die Kontrolle gehabt, so York. Aus rechtlicher Sicht haben sich, so York weiter, die Angeklagten des dreifachen gemeinsamen Mordes strafbar gemacht. Das Mordmerkmal sei in allen Fällen Heimtücke. Ein weiteres Mordmerkmal, das Jörg W. belastet, sei Habgier. Neben der Forderung einer lebenslangen Freiheitsstrafe beantragte die Staatsanwaltschaft auch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. York bezeichnete das Verhalten von Jörg W. und Kevin R. als „verachtenswert“. Die Anordnung der Sicherungsverwahrung für Jörg W. begründete York mit dem Fehlen einer Hemmschwelle. Jörg W. sei absolut kaltblütig vorgegangen und habe die „Tötungen quasi zelebriert“. Die Konsequenzen seiner Taten seien ihm völlig egal gewesen und Empathie gegenüber den Opfern habe er zu keiner Zeit gezeigt. Er sehe keinen Anhaltspunkt für eine Resozialisierung, schloss York.