Ein Startup macht Geschichte

Christoph Pepper

1856Verschiedene Versuche mit Zeitungen hatte es vorher schon gegeben in Minden, auch der seit 1834 in der Hohen Straße selbstständige Buchdrucker Johann Christian Conrad Bruns hatte bereits eine herausgebracht. Nachhaltiger Erfolg war ihr nicht beschieden, doch Bruns blieb vom Geschäftsmodell Nachrichten plus lokale Anzeigen überzeugt - schließlich florierten in der Mitte des 19. Jahrhunderts solche Blätter auch überall anderswo in Deutschland und Europa.

Johann Christian Conrad Bruns(1800 bis 1877), gemalt von Bernd Spriewald nach einer zeitgenössischen Fotografie. - © Bearbeitung: Alex Lehn
Johann Christian Conrad Bruns(1800 bis 1877), gemalt von Bernd Spriewald nach einer zeitgenössischen Fotografie. (© Bearbeitung: Alex Lehn)

Bruns feilte und tüftelte an seinem Konzept, am 5. Juli 1856 wagte er mit dem „Kreisblatt für die Kreise Minden und Lübbecke“ einen neuen Anlauf. Der Rest ist Geschichte und schon häufig erzählt. 160 Jahre später jedenfalls gehört das ehemalige Startup, wie man heute vermutlich sagen würde, als „Mindener Tageblatt“ (oder im lokalen Sprachgebrauch kurz „MT“) zum Inventar heimischer Identität - und immer noch derselben Familie, inzwischen in der Linie Thomas.

Rainer und Sven Thomas lenken in fünfter und sechster Generation inzwischen eine ganze Gruppe unterschiedlicher Unternehmungen und Unternehmensbeteiligungen, die sich rund um die Keimzellen Druckerei und Zeitung entwickelt haben. Rund 250 Mitarbeiter sind im Gruppenkern beschäftigt, sein Jahresumsatz lag 2015 bei 38 Millionen Euro. Das „Mindener Tageblatt“, die meiste Zeit seiner Geschichte im harten Wettbewerb mit weiteren Zeitungstiteln im angestammten Verbreitungsgebiet Minden, Porta Westfalica, Petershagen und Hille konfrontiert, ist hier mittlerweile Alleinanbieter tagesaktuell gedruckter Nachrichten. Die natürlich auch in digitaler Form als ePaper oder App auf Rechner, Notebooks, Tablets oder Smartphones geliefert werden.

Seine redaktionelle wie werbliche Leistung geht allerdings schon lange weit darüber hinaus. Mit dem rund um die Uhr aktualisierten Online-Dienst „MT.de“ betreibt es seit 1997 auch das führende Internetportal der Region, zudem verbreitet es lokale Informationen in den sozialen Netzwerken Facebook, Twitter, Instagram, YouTube und Google+.

Die von einem zentralen Newsroom in der Mindener Altstadt gesteuerte Redaktion füttert darüber hinaus eine wachsende Zahl von Bildschirmen im öffentlichen Raum sowie in Wartezonen und -räumen mit aktuellen lokalen „Mediabox“-Nachrichten. Demnächst kommen Kurznachrichten-Apps für die Monitore von Tabletcomputern und Smartphones dazu.

Redaktionelle Kompetenz, Gestaltung, Druck, aber auch Anzeigenverkauf und Vertriebsleistungen bietet J.C.C. Bruns über seine Tochter Bruns Medien Service (BMS) auch Dritten an; eine wachsende Zahl von Kunden macht davon für Kunden- und Mitarbeiterzeitschriften, Jubiläumsbroschüren, Newsletter und sonstige Medienprodukte Gebrauch.

Zum klassischen Mediengeschäft zählen auch die Aktivitäten um die kreisweit erscheinenden Anzeigenblätter „Weserspucker“ und „Willem“, das Stadtmagazin „News“ oder die 48-Prozent-Beteiligung an der Betriebsgesellschaft des heimischen Lokalsenders „Radio Westfalica“. Zustell- und Vertriebsleistungen vermarkten die Töchter bzw. Beteiligungen Postwestfalica, Citipost OWL und Domus GmbH.

Das Mindener Tageblatt ist eine der wenigen im deutschen Zeitungsmarkt verbliebenen vollständig selbstständigen Lokalzeitungen mit Vollredaktion - hier entstehen nahezu alle Inhalte in der eigenen Redaktion. Auch beim Druck ist man unabhängig: Den leistet auf einer der modernsten Rotationsdruckmaschinen Europas (in Betrieb genommen 2014) die Schwesterfirma Bruns Druckwelt am Mindener Trippeldamm. Hier wird auch die benachbarte Nienburger Tageszeitung „Die Harke“ hergestellt, ebenso wie zahlreiche Aufträge weiterer Kunden.

Das alles hätte sich Ein-Mann-Unternehmer Johann Christian Conrad Bruns sicher nicht einmal vorstellen können. Er hat aber schon mal damit angefangen. Ein Unternehmer eben.

Alle Zeitungsausgaben seit 1856 finden Sie digital in unserem Archiv (klicken).

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Ein Startup macht GeschichteChristoph Pepper1856Verschiedene Versuche mit Zeitungen hatte es vorher schon gegeben in Minden, auch der seit 1834 in der Hohen Straße selbstständige Buchdrucker Johann Christian Conrad Bruns hatte bereits eine herausgebracht. Nachhaltiger Erfolg war ihr nicht beschieden, doch Bruns blieb vom Geschäftsmodell Nachrichten plus lokale Anzeigen überzeugt - schließlich florierten in der Mitte des 19. Jahrhunderts solche Blätter auch überall anderswo in Deutschland und Europa.Bruns feilte und tüftelte an seinem Konzept, am 5. Juli 1856 wagte er mit dem „Kreisblatt für die Kreise Minden und Lübbecke“ einen neuen Anlauf. Der Rest ist Geschichte und schon häufig erzählt. 160 Jahre später jedenfalls gehört das ehemalige Startup, wie man heute vermutlich sagen würde, als „Mindener Tageblatt“ (oder im lokalen Sprachgebrauch kurz „MT“) zum Inventar heimischer Identität - und immer noch derselben Familie, inzwischen in der Linie Thomas.Rainer und Sven Thomas lenken in fünfter und sechster Generation inzwischen eine ganze Gruppe unterschiedlicher Unternehmungen und Unternehmensbeteiligungen, die sich rund um die Keimzellen Druckerei und Zeitung entwickelt haben. Rund 250 Mitarbeiter sind im Gruppenkern beschäftigt, sein Jahresumsatz lag 2015 bei 38 Millionen Euro. Das „Mindener Tageblatt“, die meiste Zeit seiner Geschichte im harten Wettbewerb mit weiteren Zeitungstiteln im angestammten Verbreitungsgebiet Minden, Porta Westfalica, Petershagen und Hille konfrontiert, ist hier mittlerweile Alleinanbieter tagesaktuell gedruckter Nachrichten. Die natürlich auch in digitaler Form als ePaper oder App auf Rechner, Notebooks, Tablets oder Smartphones geliefert werden.Seine redaktionelle wie werbliche Leistung geht allerdings schon lange weit darüber hinaus. Mit dem rund um die Uhr aktualisierten Online-Dienst „MT.de“ betreibt es seit 1997 auch das führende Internetportal der Region, zudem verbreitet es lokale Informationen in den sozialen Netzwerken Facebook, Twitter, Instagram, YouTube und Google+.Die von einem zentralen Newsroom in der Mindener Altstadt gesteuerte Redaktion füttert darüber hinaus eine wachsende Zahl von Bildschirmen im öffentlichen Raum sowie in Wartezonen und -räumen mit aktuellen lokalen „Mediabox“-Nachrichten. Demnächst kommen Kurznachrichten-Apps für die Monitore von Tabletcomputern und Smartphones dazu.Redaktionelle Kompetenz, Gestaltung, Druck, aber auch Anzeigenverkauf und Vertriebsleistungen bietet J.C.C. Bruns über seine Tochter Bruns Medien Service (BMS) auch Dritten an; eine wachsende Zahl von Kunden macht davon für Kunden- und Mitarbeiterzeitschriften, Jubiläumsbroschüren, Newsletter und sonstige Medienprodukte Gebrauch.Zum klassischen Mediengeschäft zählen auch die Aktivitäten um die kreisweit erscheinenden Anzeigenblätter „Weserspucker“ und „Willem“, das Stadtmagazin „News“ oder die 48-Prozent-Beteiligung an der Betriebsgesellschaft des heimischen Lokalsenders „Radio Westfalica“. Zustell- und Vertriebsleistungen vermarkten die Töchter bzw. Beteiligungen Postwestfalica, Citipost OWL und Domus GmbH.Das Mindener Tageblatt ist eine der wenigen im deutschen Zeitungsmarkt verbliebenen vollständig selbstständigen Lokalzeitungen mit Vollredaktion - hier entstehen nahezu alle Inhalte in der eigenen Redaktion. Auch beim Druck ist man unabhängig: Den leistet auf einer der modernsten Rotationsdruckmaschinen Europas (in Betrieb genommen 2014) die Schwesterfirma Bruns Druckwelt am Mindener Trippeldamm. Hier wird auch die benachbarte Nienburger Tageszeitung „Die Harke“ hergestellt, ebenso wie zahlreiche Aufträge weiterer Kunden.Das alles hätte sich Ein-Mann-Unternehmer Johann Christian Conrad Bruns sicher nicht einmal vorstellen können. Er hat aber schon mal damit angefangen. Ein Unternehmer eben.Alle Zeitungsausgaben seit 1856 finden Sie digital in unserem Archiv (klicken).