Bewegte Bilder waren Publikumsmagnet

Kerstin Rickert

Anfang 2001 schloss das Traditions-Kino an der Hermannstraße, inzwischen als Programmkino „Stella“ mit dem kleineren „Solaris“. - © MT-Foto: Archiv/Manfred Otto
Anfang 2001 schloss das Traditions-Kino an der Hermannstraße, inzwischen als Programmkino „Stella“ mit dem kleineren „Solaris“. (© MT-Foto: Archiv/Manfred Otto)

1908: Ein Multiplex mit sieben Kinosälen und Kleinkunstbühne auf dem Simeonsplatz, ein Großkino mit Unterhaltungsbereich am Alten Güterbahnhof auf dem Rechten Weserufer und zuletzt ein Kinokomplex an der Ringstraße: Pläne, Minden für Kinogänger attraktiver zu machen, gab es in den vergangenen 20 Jahren viele. Bisher sind sie alle gescheitert. Seit Anfang 2001, als das Traditionskino „Stella“ seine Pforten schließen musste, gibt es Minden nur noch zwei Kinostandorte: „Die Birke“ an der Marienstraße und die beiden Kinosäle „Savoy“ und „Cinema am Schwan“ an der Tonhallenstraße. Drei Leinwände hatte Minden auch schon vor über einhundert Jahren. Die meisten Kinos gab es in den Fünfzigerjahren - allerdings nur kurz. Ein Streifzug durch die Geschichte.

1908 wiedereröffnete Carl Meier in der Simeonstraße 9 nach Renovierung seinen vermutlich um die Jahrhundertwende gegründeten „Meiers Elektro-Biograph“. Noch im selben Jahr legte Carl Riechmann mit der Eröffnung des „Edison-Theaters“ in der Bäckerstraße 62 den Grundstein für seine langjährige Tätigkeit als weit über die Grenzen Mindens hinaus bekannter Lichtspieltheater-Betreiber. Und nicht nur auf der Mindener Messe, sondern auch in der Bäckerstraße 15 lockte ebenfalls 1908 „Melichs Kinematograph“ mit bewegten Bildern.

Hier im „Savoy“ und im „Cinema am Schwan“ laufen heute noch aktuelle Filme. - © MT-Foto: Archiv/ S. Kienscherf
Hier im „Savoy“ und im „Cinema am Schwan“ laufen heute noch aktuelle Filme. (© MT-Foto: Archiv/ S. Kienscherf)

Erlebnisse nach heutigen Maßstäben waren Besuche in den Lichtspieltheatern zu Beginn des vorigen Jahrhunderts sicher nicht. Weniger die Inhalte der frühen Kinofilme als vielmehr die „lebenden“ Bilder an sich wurden zur Attraktion. Minden verfügte in der Marienstraße 28 bereits über ein Kaiser-Panorama. Eine populäre Einrichtung, die es Besuchern ermöglichte, mittels eines rotierenden Stereoskops Bilderserien von Landschaften zu betrachten, die für die Mindener in weiter Ferne lagen.

„Die Birke“ setzt inzwischen auch auf Live-Veranstaltungen der Sparte „Comedy“. - © MT-Foto: Archiv/Manfred Otto
„Die Birke“ setzt inzwischen auch auf Live-Veranstaltungen der Sparte „Comedy“. (© MT-Foto: Archiv/Manfred Otto)

Mit den ersten Mindener Kinos halten elektrisch bewegte Bilder Einzug in die Weserstadt. Kurzfilme stehen auf dem Programm, das der Erheiterung dient, vor allem aber lebendige Einblicke in bislang unbekannte Welten eröffnet.

Erfinder wie Thomas Alva Edison und Thomas Armat in den USA, die Brüder Lumière in Paris und die Brüder Skladanowsky in Berlin hatten Ende des 19. Jahrhunderts die technischen Voraussetzungen für Filmerlebnisse in Gemeinschaft geschaffen. Die „bewegten Bilder“ oder auch „lebenden Fotografien“, wie diese Neuerung damals genannt wurde, entwickeln sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in Minden zum Publikumsmagneten. Das Programm sei recht reichhaltig und interessant, lässt das damals noch als Minden-Lübbecker Kreisblatt erschienene Mindener Tageblatt seine Leser anlässlich der Neueröffnung des „Edison-Theaters“ im Juli 1908 wissen. Gezeigt werden dort „Die Silberhochzeit in Bückeburg (Fahrt zur Kirche und Festzug)“, „Der Frühling ist da“, „Im Goldlande (ein prächtiges Zauberbild)“, „das Tonbild Cake Walk“ und „die Niagarafälle in Eis“. Verschiedene gesangliche und musizierende Vorführungen würden durch Naturtreue der Töne und Bewegungen fesseln, ist zu lesen.

Für die Briten in Minden stand ein eigenes Kino zur Verfügung, das „Globe“ zeigte Filme in englischer Sprache. - © Foto: Archiv
Für die Briten in Minden stand ein eigenes Kino zur Verfügung, das „Globe“ zeigte Filme in englischer Sprache. (© Foto: Archiv)

An feste Anfangszeiten ist das Publikum damals nicht gebunden. Die einzelnen Beiträge werden regelmäßig wiederholt und ein Besuch ist jederzeit möglich, ohne etwas zu verpassen. Die neue Erlebnisform Kino erfreut sich großer Beliebtheit. Nur wenig später, am 1. September 1908, eröffnet „Meiers Elektro-Biograph“ in der Simeonstraße renoviert und mit neuer Technik wieder seine Pforten. Geworben wird mit „Vorführungen auf silberner Wand, wodurch eine plastische Wirkung der Bilder erzielt wird“. Zur Neueröffnung wird „Die Feuersbrunst in Donaueschingen“ gezeigt, mit Aufnahmen aus der 1908 durch einen Brand größtenteils zerstörten Stadt. Dramatisches und Humoristisches runden das umfangreiche Programm ab, das sogar mit kolorierten Bildern aufwartet. Für musikalische Unterhaltung sorgt ein Damenorchester, während das „Edison-Theater“ Besucher mit „Tonbild aus der Oper Undine“ und der „Extra-Nummer: Der begnadigte Hauptmann von Köpenick“ lockt.

Mit dem „Central-Theater“ eröffnet Wilhelm Grote 1911 das erste Kino mitten im Herzen der Stadt am Markt 9, ursprünglich Saal des Hotels „Deutscher Kaiser“. In den Festsälen am Rosental entstehen 1919 die Rosental-Lichtspiele. Auch in die Fischerstadt kommt Bewegung. Aus dem Varieté-Theater „Holles Colosseum“ wird 1922 das „Colosseum“. Es ist Carl Riechmanns zweites Mindener Lichtspielhaus, nachdem er das deutlich kleinere „Edison-Theater“ zuvor geschlossen hat. Er legt damit den Grundstein für eine fast 80 Jahre währende Kinotradition in der Hermannstraße.

Nur fünf Jahre später erhalten die Mindener ein weiteres Filmtheater. Das „Scala“ am Markt 13 trumpft mit fast 800 Plätzen auf. Wieder ist der Betreiber Carl Riechmann, der sich mit mehreren Lichtspielhäusern im Ruhrgebiet, in Hameln und Landsberg, einem Theater in Herford sowie als Vorsitzender des Rheinisch-Westfälischen Lichtspieltheaterbesitzerverbandes und Vorstandsmitglied der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft, Berlin, einen Namen macht. Das „Central-Theater“ in der Nachbarschaft ist zu dieser Zeit ebenfalls in seinem Besitz, wird aber vermutlich kurze Zeit später geschlossen.

Während die Weltwirtschaftskrise 1929 überall in Deutschland kurzzeitig für einen Rückgang der Besucherzahlen sorgt, bieten dennoch immer mehr Kinos Programm an. In Minden eröffnet 1930 die „Schauburg“ mit 300 Plätzen am Trockenhof, ab 1931 wird der Saal der ehemaligen Gaststätte „Rheingold“, Markt 22, zum „Universum“ mit 750 Plätzen.

Ab 1933 werden die inzwischen populären Kinos in Deutschland für gezielte Nazi-Propaganda genutzt, nach dem Zweiten Weltkrieg das „Scala“ und das „Universum“ in Minden von den Besatzern beschlagnahmt. Das „Universum“ weicht mit seinen Vorstellungen ins Stadttheater aus, das „Scala“ wird 1947 wieder freigegeben, in der Folgezeit mehrfach umgestaltet und hält sich bis Anfang der Achtzigerjahre.

Der wirtschaftliche Aufschwung in den Fünfzigerjahren lässt die Film- und Kinobranche boomen. In Minden entstehen gleich mehrere neue Kinos. Zu Weihnachten 1953 eröffnen die „Universum“-Betreiber das „Regina“ mit dem Farbfilm „Der Vogelhändler“ in einem Neubau in der Marienstraße. „Alle Herrlichkeit auf Erden“ ist 1956 der erste Film, der ganz in der Nähe im neuerrichteten Kino „Die Birke“ ausgestrahlt wird. Weite Reihenabstände, bequeme Bestuhlung mit ungestörter Sicht und eine mit Sesseln und kleinen Tischchen ausgestattete Raucherloge sollen den Kinobesuch angenehm gestalten.

Auch außerhalb der Innenstadt werben zwei neue Kinos um Besucher. In der Lübbecker Straße 73 wird 1955 das „Ring-Theater“ fertiggestellt. Inhaber Heinz Schmidt betreibt bereits ein Kino in Hille. In der Friedrich-Wilhelm-Straße 129 öffnen 1957 die „Ufer-Lichtspiele“ ihre Pforten. Beide überdauern allerdings die Sechzigerjahre nicht, und auch am Markt geht Anfang 1969 ein Stück Mindener Kinogeschichte zu Ende: Das „Universum“ schließt und macht Platz für eine Groß-Filiale des Lebensmittel-Unternehmens Heinrich Hill. „Django - ein Sarg voll Blut“ ist der letzte Streifen, der hier über die Leinwand flimmert.

Die große Zeit der Kinos ist vorüber. Die zunehmende Verbreitung des Fernsehapparates sorgt dafür, dass immer mehr Menschen den Kinosaal gegen das heimische Wohnzimmer tauschen. 1981 wird das „Scala“ geschlossen. In den Neunzigerjahren steht die Zukunft der Mindener Kinolandschaft auf der Kippe. Während die Planungen für ein Großkino auf dem Simeonsplatz jahrelang für Schlagzeilen sorgen, geht den Betreibern der verbliebenen Mindener Kinos das Geld aus. Wegen Zahlungsschwierigkeiten sind 1997 kurzzeitig alle Kinos in Minden dicht.

Noch im selben Jahr hat das inzwischen marode „Regina“ ausgedient. Bad Oeynhausen kommt Minden zuvor und eröffnet 1999 im Werrepark ein Multiplex-Kino. Die Mindener Kinos wechseln mehrfach die Betreiber. Im traditionsreichsten Haus an der Hermannstraße bleiben die Leinwände in „Stella“ und „Solaris“ ab Januar 2001 dunkel, nachdem das Gebäude zwangsversteigert worden ist. „Drei Leinwände sind für Minden zu wenig, die Stadt verträgt fünf“, blickt Pächter Matthias Stephan, der die beiden Kinos seit 1997 betrieben hat, zum Zeitpunkt der Schließung noch optimistisch in die Zukunft. Getan hat sich seitdem nicht wirklich etwas.

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Bewegte Bilder waren PublikumsmagnetKerstin Rickert1908: Ein Multiplex mit sieben Kinosälen und Kleinkunstbühne auf dem Simeonsplatz, ein Großkino mit Unterhaltungsbereich am Alten Güterbahnhof auf dem Rechten Weserufer und zuletzt ein Kinokomplex an der Ringstraße: Pläne, Minden für Kinogänger attraktiver zu machen, gab es in den vergangenen 20 Jahren viele. Bisher sind sie alle gescheitert. Seit Anfang 2001, als das Traditionskino „Stella“ seine Pforten schließen musste, gibt es Minden nur noch zwei Kinostandorte: „Die Birke“ an der Marienstraße und die beiden Kinosäle „Savoy“ und „Cinema am Schwan“ an der Tonhallenstraße. Drei Leinwände hatte Minden auch schon vor über einhundert Jahren. Die meisten Kinos gab es in den Fünfzigerjahren - allerdings nur kurz. Ein Streifzug durch die Geschichte.1908 wiedereröffnete Carl Meier in der Simeonstraße 9 nach Renovierung seinen vermutlich um die Jahrhundertwende gegründeten „Meiers Elektro-Biograph“. Noch im selben Jahr legte Carl Riechmann mit der Eröffnung des „Edison-Theaters“ in der Bäckerstraße 62 den Grundstein für seine langjährige Tätigkeit als weit über die Grenzen Mindens hinaus bekannter Lichtspieltheater-Betreiber. Und nicht nur auf der Mindener Messe, sondern auch in der Bäckerstraße 15 lockte ebenfalls 1908 „Melichs Kinematograph“ mit bewegten Bildern.Erlebnisse nach heutigen Maßstäben waren Besuche in den Lichtspieltheatern zu Beginn des vorigen Jahrhunderts sicher nicht. Weniger die Inhalte der frühen Kinofilme als vielmehr die „lebenden“ Bilder an sich wurden zur Attraktion. Minden verfügte in der Marienstraße 28 bereits über ein Kaiser-Panorama. Eine populäre Einrichtung, die es Besuchern ermöglichte, mittels eines rotierenden Stereoskops Bilderserien von Landschaften zu betrachten, die für die Mindener in weiter Ferne lagen.Mit den ersten Mindener Kinos halten elektrisch bewegte Bilder Einzug in die Weserstadt. Kurzfilme stehen auf dem Programm, das der Erheiterung dient, vor allem aber lebendige Einblicke in bislang unbekannte Welten eröffnet.Erfinder wie Thomas Alva Edison und Thomas Armat in den USA, die Brüder Lumière in Paris und die Brüder Skladanowsky in Berlin hatten Ende des 19. Jahrhunderts die technischen Voraussetzungen für Filmerlebnisse in Gemeinschaft geschaffen. Die „bewegten Bilder“ oder auch „lebenden Fotografien“, wie diese Neuerung damals genannt wurde, entwickeln sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in Minden zum Publikumsmagneten. Das Programm sei recht reichhaltig und interessant, lässt das damals noch als Minden-Lübbecker Kreisblatt erschienene Mindener Tageblatt seine Leser anlässlich der Neueröffnung des „Edison-Theaters“ im Juli 1908 wissen. Gezeigt werden dort „Die Silberhochzeit in Bückeburg (Fahrt zur Kirche und Festzug)“, „Der Frühling ist da“, „Im Goldlande (ein prächtiges Zauberbild)“, „das Tonbild Cake Walk“ und „die Niagarafälle in Eis“. Verschiedene gesangliche und musizierende Vorführungen würden durch Naturtreue der Töne und Bewegungen fesseln, ist zu lesen.An feste Anfangszeiten ist das Publikum damals nicht gebunden. Die einzelnen Beiträge werden regelmäßig wiederholt und ein Besuch ist jederzeit möglich, ohne etwas zu verpassen. Die neue Erlebnisform Kino erfreut sich großer Beliebtheit. Nur wenig später, am 1. September 1908, eröffnet „Meiers Elektro-Biograph“ in der Simeonstraße renoviert und mit neuer Technik wieder seine Pforten. Geworben wird mit „Vorführungen auf silberner Wand, wodurch eine plastische Wirkung der Bilder erzielt wird“. Zur Neueröffnung wird „Die Feuersbrunst in Donaueschingen“ gezeigt, mit Aufnahmen aus der 1908 durch einen Brand größtenteils zerstörten Stadt. Dramatisches und Humoristisches runden das umfangreiche Programm ab, das sogar mit kolorierten Bildern aufwartet. Für musikalische Unterhaltung sorgt ein Damenorchester, während das „Edison-Theater“ Besucher mit „Tonbild aus der Oper Undine“ und der „Extra-Nummer: Der begnadigte Hauptmann von Köpenick“ lockt.Mit dem „Central-Theater“ eröffnet Wilhelm Grote 1911 das erste Kino mitten im Herzen der Stadt am Markt 9, ursprünglich Saal des Hotels „Deutscher Kaiser“. In den Festsälen am Rosental entstehen 1919 die Rosental-Lichtspiele. Auch in die Fischerstadt kommt Bewegung. Aus dem Varieté-Theater „Holles Colosseum“ wird 1922 das „Colosseum“. Es ist Carl Riechmanns zweites Mindener Lichtspielhaus, nachdem er das deutlich kleinere „Edison-Theater“ zuvor geschlossen hat. Er legt damit den Grundstein für eine fast 80 Jahre währende Kinotradition in der Hermannstraße.Nur fünf Jahre später erhalten die Mindener ein weiteres Filmtheater. Das „Scala“ am Markt 13 trumpft mit fast 800 Plätzen auf. Wieder ist der Betreiber Carl Riechmann, der sich mit mehreren Lichtspielhäusern im Ruhrgebiet, in Hameln und Landsberg, einem Theater in Herford sowie als Vorsitzender des Rheinisch-Westfälischen Lichtspieltheaterbesitzerverbandes und Vorstandsmitglied der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft, Berlin, einen Namen macht. Das „Central-Theater“ in der Nachbarschaft ist zu dieser Zeit ebenfalls in seinem Besitz, wird aber vermutlich kurze Zeit später geschlossen.Während die Weltwirtschaftskrise 1929 überall in Deutschland kurzzeitig für einen Rückgang der Besucherzahlen sorgt, bieten dennoch immer mehr Kinos Programm an. In Minden eröffnet 1930 die „Schauburg“ mit 300 Plätzen am Trockenhof, ab 1931 wird der Saal der ehemaligen Gaststätte „Rheingold“, Markt 22, zum „Universum“ mit 750 Plätzen.Ab 1933 werden die inzwischen populären Kinos in Deutschland für gezielte Nazi-Propaganda genutzt, nach dem Zweiten Weltkrieg das „Scala“ und das „Universum“ in Minden von den Besatzern beschlagnahmt. Das „Universum“ weicht mit seinen Vorstellungen ins Stadttheater aus, das „Scala“ wird 1947 wieder freigegeben, in der Folgezeit mehrfach umgestaltet und hält sich bis Anfang der Achtzigerjahre.Der wirtschaftliche Aufschwung in den Fünfzigerjahren lässt die Film- und Kinobranche boomen. In Minden entstehen gleich mehrere neue Kinos. Zu Weihnachten 1953 eröffnen die „Universum“-Betreiber das „Regina“ mit dem Farbfilm „Der Vogelhändler“ in einem Neubau in der Marienstraße. „Alle Herrlichkeit auf Erden“ ist 1956 der erste Film, der ganz in der Nähe im neuerrichteten Kino „Die Birke“ ausgestrahlt wird. Weite Reihenabstände, bequeme Bestuhlung mit ungestörter Sicht und eine mit Sesseln und kleinen Tischchen ausgestattete Raucherloge sollen den Kinobesuch angenehm gestalten.Auch außerhalb der Innenstadt werben zwei neue Kinos um Besucher. In der Lübbecker Straße 73 wird 1955 das „Ring-Theater“ fertiggestellt. Inhaber Heinz Schmidt betreibt bereits ein Kino in Hille. In der Friedrich-Wilhelm-Straße 129 öffnen 1957 die „Ufer-Lichtspiele“ ihre Pforten. Beide überdauern allerdings die Sechzigerjahre nicht, und auch am Markt geht Anfang 1969 ein Stück Mindener Kinogeschichte zu Ende: Das „Universum“ schließt und macht Platz für eine Groß-Filiale des Lebensmittel-Unternehmens Heinrich Hill. „Django - ein Sarg voll Blut“ ist der letzte Streifen, der hier über die Leinwand flimmert.Die große Zeit der Kinos ist vorüber. Die zunehmende Verbreitung des Fernsehapparates sorgt dafür, dass immer mehr Menschen den Kinosaal gegen das heimische Wohnzimmer tauschen. 1981 wird das „Scala“ geschlossen. In den Neunzigerjahren steht die Zukunft der Mindener Kinolandschaft auf der Kippe. Während die Planungen für ein Großkino auf dem Simeonsplatz jahrelang für Schlagzeilen sorgen, geht den Betreibern der verbliebenen Mindener Kinos das Geld aus. Wegen Zahlungsschwierigkeiten sind 1997 kurzzeitig alle Kinos in Minden dicht.Noch im selben Jahr hat das inzwischen marode „Regina“ ausgedient. Bad Oeynhausen kommt Minden zuvor und eröffnet 1999 im Werrepark ein Multiplex-Kino. Die Mindener Kinos wechseln mehrfach die Betreiber. Im traditionsreichsten Haus an der Hermannstraße bleiben die Leinwände in „Stella“ und „Solaris“ ab Januar 2001 dunkel, nachdem das Gebäude zwangsversteigert worden ist. „Drei Leinwände sind für Minden zu wenig, die Stadt verträgt fünf“, blickt Pächter Matthias Stephan, der die beiden Kinos seit 1997 betrieben hat, zum Zeitpunkt der Schließung noch optimistisch in die Zukunft. Getan hat sich seitdem nicht wirklich etwas.