Wollige Deichschützer: Joachim Kuhn beweidet mit seinen Schafen den Schlüsselburger Deich Claudia Hyna Petershagen-Schlüsselburg. Am Schleusenkanal in Schlüsselburg gehören Schafe seit 18 Jahren zum Landschaftsbild. Um den Hochwasserschutz auch für den Rest des Deiches zu verbessern, beweiden die Pflanzenfresser seit kurzem nun die komplette Fläche. „Die Deichpflege mit Schafen ist einfach optimal“, sagt dazu Markus Rubin von der Stadt Petershagen, der das Projekt gemeinsam mit Joachim Weike vom Wasserverband Weserniederung auf den Weg gebracht hat. An der Nordsee etwa gehören die Deichschützer auf vier Beinen mit ihrem wärmenden Fell schon immer dazu. Sie halten das Gras kurz, ihre Tritte zerstören Mäusenester, stören Maulwürfe beim Graben und festigen die Grasnarbe – und machen so den Deich standhaft.Bis in die 90er Jahre sei der Schlüsselburger Deich von Rindern beweidet worden, ergänzt Geschäftsführer Joachim Weike. Der Wasserverband ist für die Unterhaltung der Bauwerke zuständig. Etwa seit 2010 allerdings seien Rinder und Pferde dort verboten. Der Grund: Ihr Spurenbild trage dazu bei, die Deichhaut aufzureißen. Schafe sind dagegen echte Leisetreter. Die 400 bis 500 Tiere starke Herde des Döhreners Joachim Kuhn schafft auf dem Deich am Tag einen Abschnitt von rund 200 Metern. Insgesamt ist der Damm um den Ort zehn Kilometer lang, 4,4 davon liegen am Schleusenkanal. Natürliche Rasenmäher meist von April bis November im Einsatz Prinzipiell sind die Schafe ganzjährig draußen, nur die Jungtiere überwintern im Stall, wo sie auch Kraftfutter bekommen. In der kalten Jahreszeit halten die Schafe von Joachim Kuhn die Weiden von Landwirten in der Umgebung kurz. Auf dem Deich würden sie im Winter bei zu starker Nässe Trittschäden anrichten. „So früh es geht und so lange wie möglich“ kommen sie als natürliche Rasenmäher in Schlüsselburg zum Einsatz, sagt Kuhn. Das heißt, meist starten sie mit der Deichpflege Mitte April, die Saison endet in der Regel Mitte November. Der genaue Zeitpunkt hänge von der Witterung ab. Einmal im Jahr werde das Gras maschinell nachgemäht.Der Schäfer sieht täglich nach seinen Tieren. Wenn Nachwuchs da ist, lässt er sich auch mehrmals blicken. Seine altdeutschen Hütehunde Benno, Berti und Zara treiben die Schafe zusammen, oder begleiten sie zu anderen Flächen. Damit sie auf dem Deich an Ort und Stelle bleiben, arbeitet Kuhn an den Dämmen am Schleusenkanal mit einem mobilen Elektrozaun. Ein solcher Schutzzaun dürfe nicht zu schwer sein, da er regelmäßig versetzt werden müsse, erklärt der Döhrener. Das führe dazu, dass auch mal Wildtiere die Absperrung umreißen, gerade wenn der Boden aufgeweicht sei. Zum Wasser hin sei keine Einfriedung nötig. „Es sei denn, ein Hund jagt ein Schaf und es springt vor Schreck in den Kanal.“ Mit Leichtigkeit erreichen die Horntiere das andere Ufer. Würden Herdenschutzhunde die Tiere bewachen, käme kein Mensch an den Anlegern mehr vom Schiff herunter, beschreibt der Schäfer das Szenario.Überhaupt würden die Hunde nur punktuell eingesetzt – und nicht zum dauerhaften Schutz etwa vor Wölfen, wie viele Leute glaubten. Wenn die Gefahr durch die Raubtiere zu groß werde, sei für ihn Schluss mit der Schäferei, macht er deutlich. Zu hoch dürften die Zäune nicht sein, das führe zu noch mehr Gewicht und erschwere die Mobilität. Naturschutzverträgliche Bewirtschaftung seit Jahren ein Thema Am Weserdeich haben sich die Stadt Petershagen und der Wasserverband in enger Abstimmung mit dem Schäfer entschlossen, den Deich in drei Weideabschnitte einzuteilen und die Bereiche mit festen, wolfsicheren Litzenzäunen abzutrennen. Der Zaun für den ersten Weideabschnitt wurde 2021 hergestellt, 2022 und 2023 folgen die beiden anderen Abschnitte. Die Kosten dafür betragen insgesamt rund 30.000 Euro, sie stammen zu 80 Prozent aus Fördermitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER).Im Blick haben die Verantwortlichen auch die naturschutzverträgliche Bewirtschaftung. Schließlich liegt ein großer Teil des Bereichs im Vogelschutzgebiet Weseraue und im Naturschutzgebiet Staustufe Schlüsselburg. Vor dem Einsatz der Schafe auf den restlichen 5,6 Kilometern des Schlüsselburger Deiches standen daher Gespräche mit der zuständigen Biologischen Station. Deren Sorge war, dass brütende Vögel im Frühjahr von Schafen vergrämt würden. „Da gibt es ganz sensible Stellen“, so Rubin. Mit einer ganzjährigen Beweidung könne das vermieden werden. In dem Fall suchten sich die Vögel von vorneherein sichere Orte für ihre Nester.Die Sanierung des maroden Deiches in Schlüsselburg ist seit 2017 Thema. Nach jetzigem Stand ist mit dem Beginn der Arbeiten nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2025 zu rechnen. Die Beweidung des kompletten Dammes ist ein Schritt, um den Hochwasserschutz zu optimieren. Dies geschehe jedoch unabhängig von der Erneuerung des Bauwerks.

Wollige Deichschützer: Joachim Kuhn beweidet mit seinen Schafen den Schlüsselburger Deich

Schäfer Joachim Kuhn beweidet mit einem Teil seiner Herde den Deich in Schlüsselburg. An der Schleuse, wie auf dem Foto, ist er schon länger im Einsatz. Neu hinzu kam jetzt die Fläche am Ringdeich. MT-Foto: Alex Lehn © lehn

Petershagen-Schlüsselburg. Am Schleusenkanal in Schlüsselburg gehören Schafe seit 18 Jahren zum Landschaftsbild. Um den Hochwasserschutz auch für den Rest des Deiches zu verbessern, beweiden die Pflanzenfresser seit kurzem nun die komplette Fläche.

„Die Deichpflege mit Schafen ist einfach optimal“, sagt dazu Markus Rubin von der Stadt Petershagen, der das Projekt gemeinsam mit Joachim Weike vom Wasserverband Weserniederung auf den Weg gebracht hat. An der Nordsee etwa gehören die Deichschützer auf vier Beinen mit ihrem wärmenden Fell schon immer dazu. Sie halten das Gras kurz, ihre Tritte zerstören Mäusenester, stören Maulwürfe beim Graben und festigen die Grasnarbe – und machen so den Deich standhaft.

Bis in die 90er Jahre sei der Schlüsselburger Deich von Rindern beweidet worden, ergänzt Geschäftsführer Joachim Weike. Der Wasserverband ist für die Unterhaltung der Bauwerke zuständig. Etwa seit 2010 allerdings seien Rinder und Pferde dort verboten. Der Grund: Ihr Spurenbild trage dazu bei, die Deichhaut aufzureißen. Schafe sind dagegen echte Leisetreter. Die 400 bis 500 Tiere starke Herde des Döhreners Joachim Kuhn schafft auf dem Deich am Tag einen Abschnitt von rund 200 Metern. Insgesamt ist der Damm um den Ort zehn Kilometer lang, 4,4 davon liegen am Schleusenkanal.

Natürliche Rasenmäher meist von April bis November im Einsatz

Prinzipiell sind die Schafe ganzjährig draußen, nur die Jungtiere überwintern im Stall, wo sie auch Kraftfutter bekommen. In der kalten Jahreszeit halten die Schafe von Joachim Kuhn die Weiden von Landwirten in der Umgebung kurz. Auf dem Deich würden sie im Winter bei zu starker Nässe Trittschäden anrichten. „So früh es geht und so lange wie möglich“ kommen sie als natürliche Rasenmäher in Schlüsselburg zum Einsatz, sagt Kuhn. Das heißt, meist starten sie mit der Deichpflege Mitte April, die Saison endet in der Regel Mitte November. Der genaue Zeitpunkt hänge von der Witterung ab. Einmal im Jahr werde das Gras maschinell nachgemäht.

Der Schäfer sieht täglich nach seinen Tieren. Wenn Nachwuchs da ist, lässt er sich auch mehrmals blicken. Seine altdeutschen Hütehunde Benno, Berti und Zara treiben die Schafe zusammen, oder begleiten sie zu anderen Flächen. Damit sie auf dem Deich an Ort und Stelle bleiben, arbeitet Kuhn an den Dämmen am Schleusenkanal mit einem mobilen Elektrozaun. Ein solcher Schutzzaun dürfe nicht zu schwer sein, da er regelmäßig versetzt werden müsse, erklärt der Döhrener. Das führe dazu, dass auch mal Wildtiere die Absperrung umreißen, gerade wenn der Boden aufgeweicht sei. Zum Wasser hin sei keine Einfriedung nötig. „Es sei denn, ein Hund jagt ein Schaf und es springt vor Schreck in den Kanal.“ Mit Leichtigkeit erreichen die Horntiere das andere Ufer. Würden Herdenschutzhunde die Tiere bewachen, käme kein Mensch an den Anlegern mehr vom Schiff herunter, beschreibt der Schäfer das Szenario.

Überhaupt würden die Hunde nur punktuell eingesetzt – und nicht zum dauerhaften Schutz etwa vor Wölfen, wie viele Leute glaubten. Wenn die Gefahr durch die Raubtiere zu groß werde, sei für ihn Schluss mit der Schäferei, macht er deutlich. Zu hoch dürften die Zäune nicht sein, das führe zu noch mehr Gewicht und erschwere die Mobilität.

Naturschutzverträgliche Bewirtschaftung seit Jahren ein Thema

Am Weserdeich haben sich die Stadt Petershagen und der Wasserverband in enger Abstimmung mit dem Schäfer entschlossen, den Deich in drei Weideabschnitte einzuteilen und die Bereiche mit festen, wolfsicheren Litzenzäunen abzutrennen. Der Zaun für den ersten Weideabschnitt wurde 2021 hergestellt, 2022 und 2023 folgen die beiden anderen Abschnitte. Die Kosten dafür betragen insgesamt rund 30.000 Euro, sie stammen zu 80 Prozent aus Fördermitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER).

Im Blick haben die Verantwortlichen auch die naturschutzverträgliche Bewirtschaftung. Schließlich liegt ein großer Teil des Bereichs im Vogelschutzgebiet Weseraue und im Naturschutzgebiet Staustufe Schlüsselburg. Vor dem Einsatz der Schafe auf den restlichen 5,6 Kilometern des Schlüsselburger Deiches standen daher Gespräche mit der zuständigen Biologischen Station. Deren Sorge war, dass brütende Vögel im Frühjahr von Schafen vergrämt würden. „Da gibt es ganz sensible Stellen“, so Rubin. Mit einer ganzjährigen Beweidung könne das vermieden werden. In dem Fall suchten sich die Vögel von vorneherein sichere Orte für ihre Nester.

Die Sanierung des maroden Deiches in Schlüsselburg ist seit 2017 Thema. Nach jetzigem Stand ist mit dem Beginn der Arbeiten nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2025 zu rechnen. Die Beweidung des kompletten Dammes ist ein Schritt, um den Hochwasserschutz zu optimieren. Dies geschehe jedoch unabhängig von der Erneuerung des Bauwerks.

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