Weniger Besucher, viele neue Ideen: Gemischte Bilanz für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Thomas Lieske Porta Westfalica-Barkhausen. Zum ersten Mal werden in diesem Jahr voraussichtlich die Erwartungen erfüllt. Was grundsätzlich nach einer positiven Nachricht klingt, erscheint im Kontext mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal eher als schlechte Nachricht. Denn wenn Matthias Löb, der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL),vorsichtig mit 150.000 Besuchern für dieses Jahr rechnet, dann liegt das weit hinter den letzten beiden Jahren. 150.000, diese Zahl hatte er auch vor Neueröffnung des Denkmals prognostiziert. Dass es 2018 satte 230.000 und 2019 nochmal 210.000 Besucher wurde – die Zahlen erhebt der LWL übrigens aus den verkauften Parktickets und anonymisierten Handyortungsdaten –, damit hätte er vor zwei Jahren niemals gerechnet. Deshalb enttäuscht ihn die wegen des Corona-Lockdowns deutlich niedrigere Zahl für dieses Jahr auch nicht. Besucherzentrum und Ringterrasse ziehen an Im Gegenteil. „Die Besucherzahlen zeigen, dass unser Konzept, Tourismus und einen Bildungsauftrag am Wittekindsberg zu verbinden, aufgeht.“ Dass er dieses Fazit bereits nach zwei Jahren ziehen kann, mache ihn stolz. „Wir haben dieses Denkmal geerbt, und wir wollen damit Verantwortung für die Region übernehmen“, betont der LWL-Direktor. Den Erfolg rechnet er dem Ausbau der Ringterrasse und des Besucherzentrums samt Restaurant zu. „So hat sich das Denkmal zu einem echten Publikumsmagneten entwickelt, mit deutschlandweiter Sogwirkung“, freut sich Löb. Zum Vergleich: „Wenn wir in einem regionalen Museum 50.000 Besucher pro Jahr haben, ist das schon ein sehr guter Wert. Die Zahlen aus Porta sind vergleichbar mit denen aus Deutschlands größtem Freilichtmuseum in Detmold.“ Ungeahnte Probleme ausgelöst Mit so vielen Besuchern hatte der LWL vor der Eröffnung nicht gerechnet. Damit kamen auch ungeahnte Probleme auf, erinnert sich Bodo Strototte. Er ist Geschäftsführer der Westfälisch-Lippischen Vermögensverwaltungsgesellschaft, die zum LWL gehört und Besucherzentrum und Restaurant hat bauen lassen und für die Bewirtschaftung des Parkplatzes zuständig ist. „An besucherstarken Tagen, vor allem an Wochenenden, hat sich der Verkehr auf der Kaiserstraße gestaut und der Parkplatz war hoffnungslos überfüllt.“ Daraus gewachsen ist ein Verkehrsleitkonzept: Die Parkplätze kosten nun Geld, subventionieren aber gleichzeitig einen kostenlosen Bus-Shuttle, der von vier Stationen im Tal aus zum Kaiser fährt. Auch dafür gab es zunächst reichlich Kritik, was Strototte sogar verstehen kann: „Wenn etwas plötzlich Geld kostet, dann ist das immer erstmal unschön.“ Aber so sei ein Anreiz geschafft worden, auf den Shuttle zurückzugreifen, anstatt sich mit dem Auto bis zum Parkplatz vorzuquälen. Und sollte es doch zu viel Verkehr geben, sperrt die Ordnungsbehörde der Stadt die Straße. Kultur und Tourismus sollen vereint werden Direktor Matthias Löb glaubt an das Erfolgskonzept, nicht nur das Denkmal zu präsentieren, sondern auch Informationen dazu zu bieten. Und noch mehr: „Im Besucherzentrum erzählen wir nicht nur die Geschichte des Denkmals, sondern reißen hier die gesamte Geschichte der Porta Westfalica an.“ Das lohne sich, denn: „Hier lassen sich auf 2.000 Metern Länge 2.000 Jahre Geschichte erzählen – von der Besiedlung durch die Altsachsen bis zur Zwangsarbeit im Dritten Reich.“ Für jeden geschichtlichen Teil gebe es einen kleinen Input, „und wer will, kann ihn zum Beispiel im Preußenmuseum in Minden vertiefen“, ergänzt Dr. Sylvia Necker. Die ist Leiterin des Preußenmuseums und inhaltlich verantwortlich für die Ausstellung im Besucherzentrum am Denkmal in Porta. Diese Zusammenarbeit soll in diesem und nächstem Jahr deutlich ausgebaut werden, betont Necker. So sollen Kultur und Tourismus noch mehr vereint werden. Geplant sind Workshops für Besucher, Mitmachangebote und andere Dinge, die derzeit noch ausgearbeitet werden. Den ganzen Berg betrachten: schwierig Wichtig dafür sei es, das große Ganze zu betrachten, also den gesamten Wittekindsberg, sagt Necker. Es solle eine Karte entstehen, die alle Naturräume rund um das Denkmal darstellen soll und Wege aufzeigen soll. Das gestaltet sich derzeit allerdings bekanntermaßen schwierig. Die wichtigste und beliebteste Verbindungsstrecke vom Kaiser-Denkmal zur Wittekindsburg ist gesperrt. Auf Nachfrage, wie der LWL dazu steht, hält sich Necker eher bedeckt und verweist auf Gespräche mit dem Kreis Minden-Lübbecke. Doch für LWL-Direktor Matthias Löb ist klar: „Wir brauchen ein intelligentes Besucherlenkungskonzept, um die Massen nicht alle über einen Weg zu schicken.“ Für ihn wäre es „sehr schade, wenn es nicht gelingt, solch ein Konzept aufzustellen“. Viele weitere Baustellen geplant Die letzte Großbaustelle ist erst wenige Monate vorbei – das Ergebnis noch gut zu sehen: Die Firma Kärcher hatte in einer aufwendigen Aktion das gesamte Denkmal mit Hochdruckreinigern von Schmutz befreit. Daraus ausruhen wollen sich die Verantwortlichen des LWL aber nicht. Deshalb planen sie schon jetzt viele weitere Projekte. Neben dem Ausbau der Kooperation mit dem Preußenmuseum steht das Projekt Kinderaktionsfläche kurz vor der Ausschreibungsphase. Über einen Wettbewerb hatte der LWL einen Entwurf für einen solchen Spielplatz, „der kein Allerweltplatz werden sollte“, wie Löb es formuliert, ausgeschrieben. Der Sieger steht fest, die Pläne sollen nun nach und nach in die Tat umgesetzt werden. Spätestens im zweiten Quartal nächsten Jahres soll die Spielfläche gebaut werden. Doch das ist nicht das einzige Projekt. Vom Parkplatz hoch zum Denkmal sollen sieben Mitmachstationen entstehen. Die NRW-Stiftung hat dafür bereits eine Förderung zugesagt. Außerdem will der LWL auch am gegenüberliegenden Jakobsberg zusammen mit dem Verein KZ-Gedenkstätte Porta Westfalica eine Gedenkstätte am Stollen vorantreiben. Für den LWL habe sich der Ausbau des Areals trotz einiger Probleme gelohnt. „Statistisch gesehen war jeder Minden-Lübbecker mindestens zweimal seit Wiedereröffnung am Denkmal“, sagt Matthias Löb. Und der LWL habe pro Woche etwa 100 Anfragen mehr nur durch das erweiterte Angebot am Denkmal zu bearbeiten. Kaum zu glauben, sagt Löb, dass die Idee der Ringterrasse, des Besucherzentrums und des Restaurants vor zwei Jahren beinahe ausgerechnet am Denkmalschutz gescheitert wäre.

Weniger Besucher, viele neue Ideen: Gemischte Bilanz für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal hatte seit Wiedereröffnung weit mehr als 400.000 Besuche. MT- © Foto: Thomas Lieske

Porta Westfalica-Barkhausen. Zum ersten Mal werden in diesem Jahr voraussichtlich die Erwartungen erfüllt. Was grundsätzlich nach einer positiven Nachricht klingt, erscheint im Kontext mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal eher als schlechte Nachricht. Denn wenn Matthias Löb, der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL),vorsichtig mit 150.000 Besuchern für dieses Jahr rechnet, dann liegt das weit hinter den letzten beiden Jahren. 150.000, diese Zahl hatte er auch vor Neueröffnung des Denkmals prognostiziert. Dass es 2018 satte 230.000 und 2019 nochmal 210.000 Besucher wurde – die Zahlen erhebt der LWL übrigens aus den verkauften Parktickets und anonymisierten Handyortungsdaten –, damit hätte er vor zwei Jahren niemals gerechnet. Deshalb enttäuscht ihn die wegen des Corona-Lockdowns deutlich niedrigere Zahl für dieses Jahr auch nicht.

Besucherzentrum und Ringterrasse ziehen an

Im Gegenteil. „Die Besucherzahlen zeigen, dass unser Konzept, Tourismus und einen Bildungsauftrag am Wittekindsberg zu verbinden, aufgeht.“ Dass er dieses Fazit bereits nach zwei Jahren ziehen kann, mache ihn stolz. „Wir haben dieses Denkmal geerbt, und wir wollen damit Verantwortung für die Region übernehmen“, betont der LWL-Direktor. Den Erfolg rechnet er dem Ausbau der Ringterrasse und des Besucherzentrums samt Restaurant zu. „So hat sich das Denkmal zu einem echten Publikumsmagneten entwickelt, mit deutschlandweiter Sogwirkung“, freut sich Löb. Zum Vergleich: „Wenn wir in einem regionalen Museum 50.000 Besucher pro Jahr haben, ist das schon ein sehr guter Wert. Die Zahlen aus Porta sind vergleichbar mit denen aus Deutschlands größtem Freilichtmuseum in Detmold.“

Ungeahnte Probleme ausgelöst

Das Besucherzentrum vermittelt viele Infos rund um die Geschichte der Porta Westfalica. MT-Foto (Archiv): Alex Lehn
Das Besucherzentrum vermittelt viele Infos rund um die Geschichte der Porta Westfalica. MT-Foto (Archiv): Alex Lehn

Mit so vielen Besuchern hatte der LWL vor der Eröffnung nicht gerechnet. Damit kamen auch ungeahnte Probleme auf, erinnert sich Bodo Strototte. Er ist Geschäftsführer der Westfälisch-Lippischen Vermögensverwaltungsgesellschaft, die zum LWL gehört und Besucherzentrum und Restaurant hat bauen lassen und für die Bewirtschaftung des Parkplatzes zuständig ist. „An besucherstarken Tagen, vor allem an Wochenenden, hat sich der Verkehr auf der Kaiserstraße gestaut und der Parkplatz war hoffnungslos überfüllt.“ Daraus gewachsen ist ein Verkehrsleitkonzept: Die Parkplätze kosten nun Geld, subventionieren aber gleichzeitig einen kostenlosen Bus-Shuttle, der von vier Stationen im Tal aus zum Kaiser fährt. Auch dafür gab es zunächst reichlich Kritik, was Strototte sogar verstehen kann: „Wenn etwas plötzlich Geld kostet, dann ist das immer erstmal unschön.“ Aber so sei ein Anreiz geschafft worden, auf den Shuttle zurückzugreifen, anstatt sich mit dem Auto bis zum Parkplatz vorzuquälen. Und sollte es doch zu viel Verkehr geben, sperrt die Ordnungsbehörde der Stadt die Straße.

Kultur und Tourismus sollen vereint werden

An besucherstarken Tagen staut sich der Verkehr oft auf der Kaiserstraße. Nun gibt es ein Konzept dagegen. - © Foto: MT-Archiv
An besucherstarken Tagen staut sich der Verkehr oft auf der Kaiserstraße. Nun gibt es ein Konzept dagegen. - © Foto: MT-Archiv

Direktor Matthias Löb glaubt an das Erfolgskonzept, nicht nur das Denkmal zu präsentieren, sondern auch Informationen dazu zu bieten. Und noch mehr: „Im Besucherzentrum erzählen wir nicht nur die Geschichte des Denkmals, sondern reißen hier die gesamte Geschichte der Porta Westfalica an.“ Das lohne sich, denn: „Hier lassen sich auf 2.000 Metern Länge 2.000 Jahre Geschichte erzählen – von der Besiedlung durch die Altsachsen bis zur Zwangsarbeit im Dritten Reich.“ Für jeden geschichtlichen Teil gebe es einen kleinen Input, „und wer will, kann ihn zum Beispiel im Preußenmuseum in Minden vertiefen“, ergänzt Dr. Sylvia Necker. Die ist Leiterin des Preußenmuseums und inhaltlich verantwortlich für die Ausstellung im Besucherzentrum am Denkmal in Porta. Diese Zusammenarbeit soll in diesem und nächstem Jahr deutlich ausgebaut werden, betont Necker. So sollen Kultur und Tourismus noch mehr vereint werden. Geplant sind Workshops für Besucher, Mitmachangebote und andere Dinge, die derzeit noch ausgearbeitet werden.

Den ganzen Berg betrachten: schwierig

Bodo Strototte (von links), Matthias Löb und Dr. Sylvia Necker präsentieren das Spielplatzkonzept. MT- - © Foto: Thomas Lieske
Bodo Strototte (von links), Matthias Löb und Dr. Sylvia Necker präsentieren das Spielplatzkonzept. MT- - © Foto: Thomas Lieske

Wichtig dafür sei es, das große Ganze zu betrachten, also den gesamten Wittekindsberg, sagt Necker. Es solle eine Karte entstehen, die alle Naturräume rund um das Denkmal darstellen soll und Wege aufzeigen soll. Das gestaltet sich derzeit allerdings bekanntermaßen schwierig. Die wichtigste und beliebteste Verbindungsstrecke vom Kaiser-Denkmal zur Wittekindsburg ist gesperrt. Auf Nachfrage, wie der LWL dazu steht, hält sich Necker eher bedeckt und verweist auf Gespräche mit dem Kreis Minden-Lübbecke. Doch für LWL-Direktor Matthias Löb ist klar: „Wir brauchen ein intelligentes Besucherlenkungskonzept, um die Massen nicht alle über einen Weg zu schicken.“ Für ihn wäre es „sehr schade, wenn es nicht gelingt, solch ein Konzept aufzustellen“.

Viele weitere Baustellen geplant

Die letzte Großbaustelle ist erst wenige Monate vorbei – das Ergebnis noch gut zu sehen: Die Firma Kärcher hatte in einer aufwendigen Aktion das gesamte Denkmal mit Hochdruckreinigern von Schmutz befreit. Daraus ausruhen wollen sich die Verantwortlichen des LWL aber nicht. Deshalb planen sie schon jetzt viele weitere Projekte.

Neben dem Ausbau der Kooperation mit dem Preußenmuseum steht das Projekt Kinderaktionsfläche kurz vor der Ausschreibungsphase. Über einen Wettbewerb hatte der LWL einen Entwurf für einen solchen Spielplatz, „der kein Allerweltplatz werden sollte“, wie Löb es formuliert, ausgeschrieben. Der Sieger steht fest, die Pläne sollen nun nach und nach in die Tat umgesetzt werden. Spätestens im zweiten Quartal nächsten Jahres soll die Spielfläche gebaut werden.

Doch das ist nicht das einzige Projekt. Vom Parkplatz hoch zum Denkmal sollen sieben Mitmachstationen entstehen. Die NRW-Stiftung hat dafür bereits eine Förderung zugesagt. Außerdem will der LWL auch am gegenüberliegenden Jakobsberg zusammen mit dem Verein KZ-Gedenkstätte Porta Westfalica eine Gedenkstätte am Stollen vorantreiben.

Für den LWL habe sich der Ausbau des Areals trotz einiger Probleme gelohnt. „Statistisch gesehen war jeder Minden-Lübbecker mindestens zweimal seit Wiedereröffnung am Denkmal“, sagt Matthias Löb. Und der LWL habe pro Woche etwa 100 Anfragen mehr nur durch das erweiterte Angebot am Denkmal zu bearbeiten. Kaum zu glauben, sagt Löb, dass die Idee der Ringterrasse, des Besucherzentrums und des Restaurants vor zwei Jahren beinahe ausgerechnet am Denkmalschutz gescheitert wäre.

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