Unentschieden-Könige holen den entscheidenden Punkt: GWD Minden bleibt nach unglaublicher Aufholjagd erstklassig Astrid Plaßhenrich,Sebastian Külbel Lübbecke.Mehr Drama geht nicht. Fast vier Minuten lieferten sich beide Mannschaften am Ende einen Stellungskampf voller Nervosität, verpasster Chancen und mitreißender Kämpfe. 24:24 (10:14) stand es nach einer aufreibenden Partie, die ohne Sieger, aber mit einem großen Triumph endete. Mit den Fingerspitzen wehrte GWD Mindens Abwehrchef Maximilian Janke den letzten Wurf von Hendrik Wagner ab, der Jankes Team den Klassenerhalt und den Eulen Ludwigshafen den bitteren Abstieg aus der Handball-Bundesliga brachte. „Das passt zu unserer Saison", sagte Mindens Mann der entscheidenden Aktion, der sinnbildlich für die große Stärke seiner Mannschaft stand: GWD verteidigte einmal mehr herausragend, machte so die vielen zittrigen Würfe im Angriff wett und holte im Endspiel um den Klassenerhalt zwischendurch sogar einen Sieben-Tore-Rückstand auf. Während Ludwigshafens dominanter Spielmacher Dominik Mappes und Torjäger Wagner mit Tränen am Torpfosten oder an der eigenen Bank hockten, sprangen die GWD-Profis wild jubelnd übers Parkett und feierten in der brodelnden Kreissporthalle eine Party, wie es sie lange nicht gegeben hatte. „Männer, egal wie, aber wir haben den Punkt", rief Sport-Geschäftsführer Frank von Behren wenig später am Hallenmikrofon der Mannschaft entgegen und zollte den 744 Zuschauern in der ausverkauften Halle Respekt: „Vielen Dank für eure Unterstützung, ohne euch hätten wir es nicht geschafft." Und in der Tat brauchten die Mindener ihre Fans vor allem in der ersten Halbzeit, als sie zwischenzeitlich völlig den Faden verloren. Nach dem ausgeglichenen Beginn verkrampfte GWD schon beim Stand von 3:3 zusehends, wollte das Spiel verzweifelt auf seine Seite ziehen und warf im Angriff viel zu viele Bälle weg. Die Eulen spielten kühl ihren Stiefel herunter, Spielmacher Mappes sezierte die GWD-Abwehr ein ums andere Mal mit klugen Pässen und führte sein Team beim 12:5 von Azat Valiullin in der 21. Minute zu einem stattlichen Vorsprung. Dagegen schienen die Mindener am eigenen Druck zu zerbrechen. Die Grün-Weißen agierten fahrig, nervös, leisteten sich ungewöhnlich viele technische Fehler, mehr als in den Partien zuvor. Und das Tempospiel, das die Mindener immer wieder zu Erfolgen führte, funktionierte überhaupt nicht. „In dieser Phase hatte ich schon Bedenken, ob es heute reichen könnte", räumte Frank Carstens hinterher ein. Erst als der Trainer in seiner zweiten Auszeit eingriff, wurde es besser. GWD brachte den siebten Feldspieler, und dieser taktische Kniff der Verzweiflung führte die Gastgeber zurück ins Spiel. Zudem gab die Einwechslung von Torwart Carsten Lichtlein, der einige wichtige Paraden zeigte, seinem Team einen Schub. Auch das Glück bei Abprallern war jetzt auf Mindener Seite, und beim 10:13 war GWD zwei Minuten vor dem Seitenwechsel wieder dran. Auch der erste Treffer von Mappes zum 10:14-Pausenstand brachte die Mindener jetzt nicht mehr aus dem Konzept. Die Intensität nahm von Minute zu Minute zu, die Gastgeber bekamen immer mehr Oberwasser. Spätestens beim 15:17 von Miro Schluroff (38.) war die Partie wieder offen, und auch die Fans waren jetzt wieder da. Die Halle stand, trieb ihr Team mit Klatschpappen und Sprechchören nach vorne. Doch die Aufholjagd kostete Kraft, nicht nur körperlich. Beim 19:20 und 20:21 hatte GWD eine Viertelstunde vor Schluss zweimal die Chance zum Ausgleich, doch stattdessen schlugen die Eulen zurück und führten beim 21:24 plötzlich wieder mit drei Toren. Fast sieben Minuten vor Schluss begann so die große Zeit der Mindener Abwehr, die noch einmal unterstrich, auf welcher Basis der Klassenerhalt der Grün-Weißen am Ende stand. Kevin Gulliksen per Siebenmeter, Juri Knorr mit einem Treffer ins leere Tor und erneut Gulliksen von rechtsaußen glichen zum 24:24 aus, das große Zittern begann. Malte Semisch wurde mit drei Paraden gegen Eulen-Shooter Wagner zu einem der Helden der Schlussphase, auf der Gegenseite scheiterten Rambo und Knorr. Auch die Gäste waren jetzt aber so nervös, dass sie zweimal nach Ballgewinnen nicht realisierten, dass das Mindener Tor leer war. So hing am Ende alles an Wagner, der den letzten Wurf des Spiels nehmen durfte – oder besser musste. Der Rechtshänder stieg hoch, der Mindener Block streckte sich, und am Ende wehrte Janke den Ball ab. Stimmen zum Spiel GWD-Trainer Frank Carstens: „Am Ende des Tages haben wir den Mut wiedergefunden und das Spiel über den Kampf Stück für Stück gedreht. Mit dem siebten Feldspieler hatten wir eine gute Lösung parat. Es war meine bisher intensivste Saison. Wir mussten sehr viel improvisieren. Aber diese Mannschaft hat einen Riesen-Ehrgeiz. Ansonsten kann man das mit 19 oder 20 Jahren nicht schaffen, was die Jungs heute und über das ganze Jahr geleistet haben." Eulen-Trainer Benjamin Matschke: „So dramatisch wir in den letzten Jahren die Klasse gehalten haben, so dramatisch sind wir jetzt gescheitert. Wir hatten heute genug Möglichkeiten, sind am Ende aber verdient abgestiegen." GWD-Torwart Malte Semisch: „Wahnsinn, was hier in den letzten zehn Minuten abgegangen ist. Wir waren wie im Rausch. Ein Getränke-Verbot wäre heute sinnlos. Wir haben es geschafft und werden jetzt feiern." GWD-Spieler Maximilian Janke: „Keine Ahnung, wie ich den letzten Ball abgewehrt habe, am Ende haben wir auch das Glück. Es war ein ganz schönes Gewürge heute. Aber dass wir in den letzten Minuten kein Tor mehr bekommen haben, passt zu dieser Saison."

Unentschieden-Könige holen den entscheidenden Punkt: GWD Minden bleibt nach unglaublicher Aufholjagd erstklassig

Da gab es kein Halten mehr: Die GWD-Profis jubeln nach dem Ertönen der Schlusssirene ausgelassen. Das große Ziel ist erreicht. Mit dem achten Unentschieden in dieser Saison sichern sich die Mindener den Klassenerhalt.  © Noah Wedel

Lübbecke.Mehr Drama geht nicht. Fast vier Minuten lieferten sich beide Mannschaften am Ende einen Stellungskampf voller Nervosität, verpasster Chancen und mitreißender Kämpfe. 24:24 (10:14) stand es nach einer aufreibenden Partie, die ohne Sieger, aber mit einem großen Triumph endete. Mit den Fingerspitzen wehrte GWD Mindens Abwehrchef Maximilian Janke den letzten Wurf von Hendrik Wagner ab, der Jankes Team den Klassenerhalt und den Eulen Ludwigshafen den bitteren Abstieg aus der Handball-Bundesliga brachte.

„Das passt zu unserer Saison", sagte Mindens Mann der entscheidenden Aktion, der sinnbildlich für die große Stärke seiner Mannschaft stand: GWD verteidigte einmal mehr herausragend, machte so die vielen zittrigen Würfe im Angriff wett und holte im Endspiel um den Klassenerhalt zwischendurch sogar einen Sieben-Tore-Rückstand auf. Während Ludwigshafens dominanter Spielmacher Dominik Mappes und Torjäger Wagner mit Tränen am Torpfosten oder an der eigenen Bank hockten, sprangen die GWD-Profis wild jubelnd übers Parkett und feierten in der brodelnden Kreissporthalle eine Party, wie es sie lange nicht gegeben hatte.

„Männer, egal wie, aber wir haben den Punkt", rief Sport-Geschäftsführer Frank von Behren wenig später am Hallenmikrofon der Mannschaft entgegen und zollte den 744 Zuschauern in der ausverkauften Halle Respekt: „Vielen Dank für eure Unterstützung, ohne euch hätten wir es nicht geschafft." Und in der Tat brauchten die Mindener ihre Fans vor allem in der ersten Halbzeit, als sie zwischenzeitlich völlig den Faden verloren.

Nach dem ausgeglichenen Beginn verkrampfte GWD schon beim Stand von 3:3 zusehends, wollte das Spiel verzweifelt auf seine Seite ziehen und warf im Angriff viel zu viele Bälle weg. Die Eulen spielten kühl ihren Stiefel herunter, Spielmacher Mappes sezierte die GWD-Abwehr ein ums andere Mal mit klugen Pässen und führte sein Team beim 12:5 von Azat Valiullin in der 21. Minute zu einem stattlichen Vorsprung.

Dagegen schienen die Mindener am eigenen Druck zu zerbrechen. Die Grün-Weißen agierten fahrig, nervös, leisteten sich ungewöhnlich viele technische Fehler, mehr als in den Partien zuvor. Und das Tempospiel, das die Mindener immer wieder zu Erfolgen führte, funktionierte überhaupt nicht. „In dieser Phase hatte ich schon Bedenken, ob es heute reichen könnte", räumte Frank Carstens hinterher ein.

Ausgelassen feiern die GWD-Spieler mit den 771 Fans, die am Donnerstagabend in der Halle waren, den Klassenerhalt.  - © Noah Wedel
Ausgelassen feiern die GWD-Spieler mit den 771 Fans, die am Donnerstagabend in der Halle waren, den Klassenerhalt.  - © Noah Wedel

Erst als der Trainer in seiner zweiten Auszeit eingriff, wurde es besser. GWD brachte den siebten Feldspieler, und dieser taktische Kniff der Verzweiflung führte die Gastgeber zurück ins Spiel. Zudem gab die Einwechslung von Torwart Carsten Lichtlein, der einige wichtige Paraden zeigte, seinem Team einen Schub.

Auch das Glück bei Abprallern war jetzt auf Mindener Seite, und beim 10:13 war GWD zwei Minuten vor dem Seitenwechsel wieder dran. Auch der erste Treffer von Mappes zum 10:14-Pausenstand brachte die Mindener jetzt nicht mehr aus dem Konzept. Die Intensität nahm von Minute zu Minute zu, die Gastgeber bekamen immer mehr Oberwasser. Spätestens beim 15:17 von Miro Schluroff (38.) war die Partie wieder offen, und auch die Fans waren jetzt wieder da. Die Halle stand, trieb ihr Team mit Klatschpappen und Sprechchören nach vorne.

Doch die Aufholjagd kostete Kraft, nicht nur körperlich. Beim 19:20 und 20:21 hatte GWD eine Viertelstunde vor Schluss zweimal die Chance zum Ausgleich, doch stattdessen schlugen die Eulen zurück und führten beim 21:24 plötzlich wieder mit drei Toren. Fast sieben Minuten vor Schluss begann so die große Zeit der Mindener Abwehr, die noch einmal unterstrich, auf welcher Basis der Klassenerhalt der Grün-Weißen am Ende stand. Kevin Gulliksen per Siebenmeter, Juri Knorr mit einem Treffer ins leere Tor und erneut Gulliksen von rechtsaußen glichen zum 24:24 aus, das große Zittern begann.

Malte Semisch wurde mit drei Paraden gegen Eulen-Shooter Wagner zu einem der Helden der Schlussphase, auf der Gegenseite scheiterten Rambo und Knorr. Auch die Gäste waren jetzt aber so nervös, dass sie zweimal nach Ballgewinnen nicht realisierten, dass das Mindener Tor leer war. So hing am Ende alles an Wagner, der den letzten Wurf des Spiels nehmen durfte – oder besser musste. Der Rechtshänder stieg hoch, der Mindener Block streckte sich, und am Ende wehrte Janke den Ball ab.

Stimmen zum Spiel

GWD-Trainer Frank Carstens: „Am Ende des Tages haben wir den Mut wiedergefunden und das Spiel über den Kampf Stück für Stück gedreht. Mit dem siebten Feldspieler hatten wir eine gute Lösung parat. Es war meine bisher intensivste Saison. Wir mussten sehr viel improvisieren. Aber diese Mannschaft hat einen Riesen-Ehrgeiz. Ansonsten kann man das mit 19 oder 20 Jahren nicht schaffen, was die Jungs heute und über das ganze Jahr geleistet haben."

Eulen-Trainer Benjamin Matschke: „So dramatisch wir in den letzten Jahren die Klasse gehalten haben, so dramatisch sind wir jetzt gescheitert. Wir hatten heute genug Möglichkeiten, sind am Ende aber verdient abgestiegen."

GWD-Torwart Malte Semisch: „Wahnsinn, was hier in den letzten zehn Minuten abgegangen ist. Wir waren wie im Rausch. Ein Getränke-Verbot wäre heute sinnlos. Wir haben es geschafft und werden jetzt feiern."

GWD-Spieler Maximilian Janke: „Keine Ahnung, wie ich den letzten Ball abgewehrt habe, am Ende haben wir auch das Glück. Es war ein ganz schönes Gewürge heute. Aber dass wir in den letzten Minuten kein Tor mehr bekommen haben, passt zu dieser Saison."

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