Schreck lass nach: Max Bredthauer erschreckt seine Eltern und macht sie zu Stars im Internet Stefanie Dullweber Hille-Nordhemmern. „Eigentlich wollten wir Ihnen auch einen Schreck einjagen", sagt Max Bredthauer. Hinter dem Kellerfenster habe er sich verstecken wollen, um so lange abzuwarten, bis das MT an der Haustür klingelt. Aber damit hätte der Nordhemmeraner ein ungeschriebenes Gesetz gebrochen. Denn Zielscheibe seiner täglichen Streiche sind ausschließlich seine Eltern Petra und Burkhard – und die sind mittlerweile eine kleine Berühmtheit in den sozialen Medien. Alle drei bis vier Wochen bekommen die Fans von „maeex", wie er sich in den sozialen Medien nennt, ein neues Video zu sehen. „Einmal Erschrecken dauert ungefähr vier Sekunden. Die fertigen Videos sind etwa eine Minute lang." Um seine Eltern immer wieder zu überraschen, lässt Max sich die verrücktesten Sachen einfallen. Mal versteckt er sich auf dem Rücksitzes des Autos, mal lässt er im Haus eine Konfettikanone knallen. Einmal hat er seine Eltern bis in den Supermarkt verfolgt und sich von hinten an sie herangeschlichen. Allerdings hat das Erschrecken auch Grenzen. Nachts lässt er den Eltern ihre Ruhe und auch die Clownsmaske setzt er seiner Mutter zuliebe nicht mehr auf – vor der fürchtet sie sich zu sehr. „Dabei waren das die am besten investierten 15 Euro", sagt Max lachend. Und seinen Vater darf der 29-Jährige im Haus nicht mehr mit Konfettikanonen erschrecken. „Ich habe Tinnitus", erklärt Vater Burkhard. „Dafür bekomme ich mehr Konfetti", erwidert Mutter Petra. Teilweise finde sie die Überreste noch Wochen später. „Das tut mir leid", sagt Max in ihre Richtung. „Nein, das tut es nicht." Nach einem Scherz lässt Max seine Eltern in der Regel für den Rest des Tages in Ruhe. „Dann hat man es geschafft. Allerdings, hundertprozentig sicher sein, können wir uns nie", sagt Petra Bredthauer. Und wenn bis abends noch nichts passiert sei, werde es immer ungemütlicher. Abgestumpft seien sie in der ganzen Zeit nicht – im Gegenteil. „Wir sind eher noch schreckhafter geworden." Viele haben sich während der Pandemie neue Hobbys gesucht. Während einige sich die Zeit mit Stricken, Handwerken oder Radfahren vertrieben, machte sich Max einen Spaß daraus, seine Eltern zu erschrecken, sie dabei zu filmen und die Videos auf dem Portal TikTok hochzuladen. Den ersten Beitrag veröffentlichte er am 27. April vergangenen Jahres. Mittlerweile hat er 200.000 Menschen, die ihm folgen und seine Videos haben mehr als drei Millionen„Gefällt mir"bekommen. Die Filme teilt „maexx" inzwischen auch auf Instagram und Facebook. „Wir machen das zum Spaß und nicht, um damit möglichst erfolgreich zu sein", betont der 29-Jährige. Das bestätigen auch seine Eltern, die die Aktionen ihres Sohnes mit Humor nehmen. „Gestern hat sich Max auf der Kellertreppe versteckt. Ich war oben und habe meinen Mann schreien gehört, der sich offenbar furchtbar erschreckt hatte", erzählt Petra Bredthauer lachend. „Da wusste ich, dass unser Sohn mir gerade nicht auflauert und ich in der ersten Etage nichts zu befürchten habe." Einen Raum betreten die Eltern nicht, ohne vorsichtig um die Ecke geschaut zu haben. „Wir wohnen unten, Max oben. Sobald sein Auto auf dem Hof steht, sind wir in Habacht-Stellung", sagt Burkhard Bredthauer. Aktuell habe sein Sohn Urlaub. „Eine schwere Zeit für uns." Häufig werde er gefragt, warum sie ihren Sohn nicht vor die Tür setzen, oder zumindest sein Taschengeld streichen würden. „Einem 29-Jährigen brauchst du mit Taschengeld-Kürzung nicht mehrzudrohen", so der Vater. Max arbeitet als Notfallsanitäter in Diepholz im benachbarten Niedersachsen. Er habe einige Zeit auf der kardiologischen Intensivstation gearbeitet und gelernt, dass ein Schreck für ein gesundes Herz keine Gefahr darstellt – im Gegenteil. Daher hat er auch keine Skrupel, wenn er seine Eltern erschreckt. „Er tut uns sogar noch etwas Gutes", sagt Mutter Petra mit einem leicht ironischen Unterton und fügt hinzu: „An einem Herzinfarkt sterben wir also vermutlich nicht." Knapp 140 Streichehat Max bereits in seinen Filmen verarbeitet. Die Frage, ob er kein schlechtes Gewissen habe, gibt er an seine Eltern weiter. „Müsste ich das?" Nein, wütend seien sie auf ihren Sohn nicht, sagt Mutter Petra. Höchstens mal genervt, ergänzt Vater Burkhard. „Wenn ich mir dann die Videos anschaue, muss ich auch lachen." Neulich habe der Einfallsreichtum seines Sohnes eine neue Dimension erreicht. „Da musste ich mir auf den Schreck erstmal ein Bier aufmachen", gesteht Burkhard Bredthauer. Seine Frau und er seien nach einer langen Autofahrt nach Hause gekommen und hätten ihr Wohnzimmer nicht wiedererkannt. Max hatte den kompletten Raum inklusive Inventar und sich selbst in Alufolie gekleidet. Petra Bredthauer nimmt es gelassen: „Er macht ja nichts kaputt und räumt hinterher auch immer wieder auf." Der Vorrat an Alufolie ist für die nächsten Jahre gesichert. Sie seien schon häufiger erkannt worden, erinnern sich die Nordhemmeraner an Begegnungen mit Fans ihres Sohnes. Da kämen so Fragen wie: „Haben Sie einen Sohn, der Max heißt?", oder „Kenne ich Sie von TikTok?". Er selbst sei ja in den Videos ja nicht zu sehen, erklärt Max, warum er in der Regel unerkannt bleibt. Als die Zahl seiner Abonnenten die 100.000er-Marke geknackt hatte, überraschte der Sohn seine Eltern mit Autogrammkarten. Hin und wieder werden sie von Fans darum gebeten. Dass er, um mehr Reichweite zu haben, auch im Auftrag Leute erschreckt, kommt für den Hiller nicht in Frage. Schließlich wisse er nie, wie die Menschen darauf reagieren. „Eine Ausnahme wäre der Heide Park. Da wäre ich gerne mal an Halloween für einen Tag Erschrecker." Für Max’ Eltern steht in wenigen Tagen der nächste Urlaub an. Die beiden freuen sich auf ein paar entspannte Tage ohne Herzklopfen. Das Ziel verraten sie ihrem Sohn ganz bewusst nicht – wer weiß, ob er nicht hinter der nächsten Ecke auf sie wartet. Doch auch Max sollte sich nicht zu sicher fühlen. Zweimal haben seine Eltern sich schon gerächt, indem sie ihn erschreckt haben. „Und ich habe Sorge, dass ich irgendwann richtig was zurückbekomme."

Schreck lass nach: Max Bredthauer erschreckt seine Eltern und macht sie zu Stars im Internet

Konfettikanonen bestellt Max Bredthauer immer kistenweise. Nachdem er seine Eltern damit erschreckt hat, räumt der 29-Jährige wieder auf. Im Haus darf er die Kanonen in der Nähe seines Vaters nicht zünden, weil der an Tinnitus leidet. Für das Foto kommen Ohrstöpsel zum Einsatz. MT-Foto: Alex Lehn

Hille-Nordhemmern. „Eigentlich wollten wir Ihnen auch einen Schreck einjagen", sagt Max Bredthauer. Hinter dem Kellerfenster habe er sich verstecken wollen, um so lange abzuwarten, bis das MT an der Haustür klingelt. Aber damit hätte der Nordhemmeraner ein ungeschriebenes Gesetz gebrochen. Denn Zielscheibe seiner täglichen Streiche sind ausschließlich seine Eltern Petra und Burkhard – und die sind mittlerweile eine kleine Berühmtheit in den sozialen Medien.

Alle drei bis vier Wochen bekommen die Fans von „maeex", wie er sich in den sozialen Medien nennt, ein neues Video zu sehen. „Einmal Erschrecken dauert ungefähr vier Sekunden. Die fertigen Videos sind etwa eine Minute lang." Um seine Eltern immer wieder zu überraschen, lässt Max sich die verrücktesten Sachen einfallen. Mal versteckt er sich auf dem Rücksitzes des Autos, mal lässt er im Haus eine Konfettikanone knallen. Einmal hat er seine Eltern bis in den Supermarkt verfolgt und sich von hinten an sie herangeschlichen.

Allerdings hat das Erschrecken auch Grenzen. Nachts lässt er den Eltern ihre Ruhe und auch die Clownsmaske setzt er seiner Mutter zuliebe nicht mehr auf – vor der fürchtet sie sich zu sehr. „Dabei waren das die am besten investierten 15 Euro", sagt Max lachend. Und seinen Vater darf der 29-Jährige im Haus nicht mehr mit Konfettikanonen erschrecken. „Ich habe Tinnitus", erklärt Vater Burkhard. „Dafür bekomme ich mehr Konfetti", erwidert Mutter Petra. Teilweise finde sie die Überreste noch Wochen später. „Das tut mir leid", sagt Max in ihre Richtung. „Nein, das tut es nicht."

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Patrick Schwemmling

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Nach einem Scherz lässt Max seine Eltern in der Regel für den Rest des Tages in Ruhe. „Dann hat man es geschafft. Allerdings, hundertprozentig sicher sein, können wir uns nie", sagt Petra Bredthauer. Und wenn bis abends noch nichts passiert sei, werde es immer ungemütlicher. Abgestumpft seien sie in der ganzen Zeit nicht – im Gegenteil. „Wir sind eher noch schreckhafter geworden."

Viele haben sich während der Pandemie neue Hobbys gesucht. Während einige sich die Zeit mit Stricken, Handwerken oder Radfahren vertrieben, machte sich Max einen Spaß daraus, seine Eltern zu erschrecken, sie dabei zu filmen und die Videos auf dem Portal TikTok hochzuladen. Den ersten Beitrag veröffentlichte er am 27. April vergangenen Jahres. Mittlerweile hat er 200.000 Menschen, die ihm folgen und seine Videos haben mehr als drei Millionen„Gefällt mir"bekommen. Die Filme teilt „maexx" inzwischen auch auf Instagram und Facebook. „Wir machen das zum Spaß und nicht, um damit möglichst erfolgreich zu sein", betont der 29-Jährige. Das bestätigen auch seine Eltern, die die Aktionen ihres Sohnes mit Humor nehmen.

„Gestern hat sich Max auf der Kellertreppe versteckt. Ich war oben und habe meinen Mann schreien gehört, der sich offenbar furchtbar erschreckt hatte", erzählt Petra Bredthauer lachend. „Da wusste ich, dass unser Sohn mir gerade nicht auflauert und ich in der ersten Etage nichts zu befürchten habe." Einen Raum betreten die Eltern nicht, ohne vorsichtig um die Ecke geschaut zu haben. „Wir wohnen unten, Max oben. Sobald sein Auto auf dem Hof steht, sind wir in Habacht-Stellung", sagt Burkhard Bredthauer. Aktuell habe sein Sohn Urlaub. „Eine schwere Zeit für uns." Häufig werde er gefragt, warum sie ihren Sohn nicht vor die Tür setzen, oder zumindest sein Taschengeld streichen würden. „Einem 29-Jährigen brauchst du mit Taschengeld-Kürzung nicht mehrzudrohen", so der Vater.

Max arbeitet als Notfallsanitäter in Diepholz im benachbarten Niedersachsen. Er habe einige Zeit auf der kardiologischen Intensivstation gearbeitet und gelernt, dass ein Schreck für ein gesundes Herz keine Gefahr darstellt – im Gegenteil. Daher hat er auch keine Skrupel, wenn er seine Eltern erschreckt. „Er tut uns sogar noch etwas Gutes", sagt Mutter Petra mit einem leicht ironischen Unterton und fügt hinzu: „An einem Herzinfarkt sterben wir also vermutlich nicht." Knapp 140 Streichehat Max bereits in seinen Filmen verarbeitet. Die Frage, ob er kein schlechtes Gewissen habe, gibt er an seine Eltern weiter. „Müsste ich das?"

Nein, wütend seien sie auf ihren Sohn nicht, sagt Mutter Petra. Höchstens mal genervt, ergänzt Vater Burkhard. „Wenn ich mir dann die Videos anschaue, muss ich auch lachen." Neulich habe der Einfallsreichtum seines Sohnes eine neue Dimension erreicht. „Da musste ich mir auf den Schreck erstmal ein Bier aufmachen", gesteht Burkhard Bredthauer. Seine Frau und er seien nach einer langen Autofahrt nach Hause gekommen und hätten ihr Wohnzimmer nicht wiedererkannt. Max hatte den kompletten Raum inklusive Inventar und sich selbst in Alufolie gekleidet. Petra Bredthauer nimmt es gelassen: „Er macht ja nichts kaputt und räumt hinterher auch immer wieder auf." Der Vorrat an Alufolie ist für die nächsten Jahre gesichert.

Sie seien schon häufiger erkannt worden, erinnern sich die Nordhemmeraner an Begegnungen mit Fans ihres Sohnes. Da kämen so Fragen wie: „Haben Sie einen Sohn, der Max heißt?", oder „Kenne ich Sie von TikTok?". Er selbst sei ja in den Videos ja nicht zu sehen, erklärt Max, warum er in der Regel unerkannt bleibt. Als die Zahl seiner Abonnenten die 100.000er-Marke geknackt hatte, überraschte der Sohn seine Eltern mit Autogrammkarten. Hin und wieder werden sie von Fans darum gebeten. Dass er, um mehr Reichweite zu haben, auch im Auftrag Leute erschreckt, kommt für den Hiller nicht in Frage. Schließlich wisse er nie, wie die Menschen darauf reagieren. „Eine Ausnahme wäre der Heide Park. Da wäre ich gerne mal an Halloween für einen Tag Erschrecker."

Für Max’ Eltern steht in wenigen Tagen der nächste Urlaub an. Die beiden freuen sich auf ein paar entspannte Tage ohne Herzklopfen. Das Ziel verraten sie ihrem Sohn ganz bewusst nicht – wer weiß, ob er nicht hinter der nächsten Ecke auf sie wartet. Doch auch Max sollte sich nicht zu sicher fühlen. Zweimal haben seine Eltern sich schon gerächt, indem sie ihn erschreckt haben. „Und ich habe Sorge, dass ich irgendwann richtig was zurückbekomme."

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