Meteorit oder Schlacke? Ungewöhnliche Entdeckung in Wietersheim Claudia Hyna Petershagen-Wietersheim. Fast täglich macht Hans-Jürgen Schmidt einen Spaziergang durch Wietersheim. Dabei fiel ihm kürzlich ein Stein am Rande eines Feldes am Sportplatz auf. „Der sieht ja komisch aus“, dachte er und nahm ihn zur genauen Untersuchung mit nach Hause. Nach eingehender Prüfung ist er sicher: Sein Fundstück ist ein Meteorit. Nun fallen jedes Jahr Milliarden von Meteoriten auf die Erde. Das geschieht oft unbemerkt, denn meist landen sie in Gewässern oder unbewohntem Gebiet. Warum aber ist der Wietersheimer von der himmlischen Herkunft des Gegenstandes so überzeugt? Der 79-Jährige hat den Stein behutsam gesäubert und dachte spontan: „Der ist nicht von dieser Erde.“ Der Rentner schaut sich regelmäßig Wissenschaftssendungen an und interessiert sich für Boten aus dem All. Das Stück ist nicht magnetisch, wie ein Test von ihm ergeben hat. Das wiederum ist laut Checkliste des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein Merkmal, das gegen einen Meteoriten spricht. Laut Pressesprecherin Anja Gersberg werde das Institut geradezu befeuert mit Nachfragen von Bürgern. Daher sind die Experten mittlerweile auch nicht direkt telefonisch zu erreichen, sondern melden sich nur auf Mailkontakt. Um einzugrenzen, ob es sich bei dem Fund um einen echten Meteoriten handelt, sind auf der Homepage einige Kriterien gelistet: Ist das Stück für seine Größe besonders schwer? Diese Frage kann Hans-Jürgen Schmidt mit „Ja“ beantworten. Sein Stein bringt bei einer Größe von 26 mal 18 Zentimeter gut vier Kilogramm auf die Waage. Auch metallischer Glanz oder Einschlüsse – weitere Hinweise auf einen Himmelsstein – sind zu erkennen, ebenso die typisch matte Oberfläche. Ähnlich sieht es bei der schwarzen oder braunen Kruste des Objekts aus. „Sehen Sie“, zeigt Schmidt auf verbrannt aussehende, braun-schwarze Stellen, „das ist die Seite, mit der er in die Erdatmosphäre eingetreten ist.“ Der Stein weist damit einige Merkmale auf, die typisch für Himmelssteine sind – der fehlende Magnetismus spricht dagegen. In seltenen Fällen könnte es sein, dass einige Antworten der Checkliste mit „Nein“ beantwortet würden und das Fundstück dennoch ein außergewöhnlicher Meteorit sei. Für Hans-Jürgen Schmidt steht fest, dass es sich um einen Meteoriten handelt. Er habe Ortsbürgermeister Friedrich Lange und Ortsheimatpfleger Manfred Wessling informiert. Beide teilen seine Meinung. Eine Verwechslungsgefahr bestehe mit metallhaltigen Schlacken, Sedimentknollen, verrosteten Überresten metallischer Werkzeuge oder Gestein aus Hämatit bzw. Magnetit, heißt es von der DLR. Meteoriten sind wirklich selten, so das Institut für Planetenforschung weiter. Ihre Bitte: „Seien Sie nicht allzu enttäuscht, falls sich Ihr Stück als nicht-meteoritisch herausstellen sollte.“ Nachdem das Mindener Tageblatt dem Institut einige Fotos geschickt hat, kam nun die enttäuschende Antwort: Bei dem Objekt handelt es sich leider um keinen Meteoriten, teilt der Physiker Dr. Joachim Flohrer mit. Der Grund: Diese haben zum Beispiel keine Blasen und Durchschmelzungen. Seine Vermutung: „Sehr wahrscheinlich fand er ein Stück stark verwitterte Schlacke aus etwa einem Verhüttungsprozess. Vermutlich handelt es sich dabei um Buntmetall – wegen der fehlenden magnetischen Reaktion.“ Das Institut erhalte aufgrund der langen Besiedlungsgeschichte des Landes sehr oft Meteoritenanfragen, so Flohrer weiter. Leider seien das oft nur Schlackenfunde. Ein erster wichtiger Schritt bestehe darin, Kontakt zu den Experten aufzunehmen, um die Herkunft zu klären. Von dort könne eine fachwissenschaftliche Analyse vermittelt werden. Der Finder Hans-Jürgen Schmidt ist noch nicht sicher, ob er das tun wird, denn dazu müsste er den Stein verschicken. „Wer ihn begutachten möchte, kann es gerne tun“, sagt er. „Dazu müssen sie aber hierher kommen.“ Der Wietersheimer möchte den Fund gerne behalten. Objekte himmlischer Herkunft dürfen die Betroffenen behalten. Nach einem Urteil des Landgerichts Augsburg von 2007 gibt es „kein irdisches Recht auf himmlische Güter“. Ein solcher Himmelsstein sei als „herrenloser Gegenstand“ anzusehen und somit Eigentum des Finders, heißt es in dem Urteil. Der Finder aus Wietersheim denkt, dass es sich bei seinem jüngsten Fund um ein Einzelstück handelt. „Da ist nichts abgebrochen, das sieht komplett aus.“ Die Schlackentheorie leuchtet ihm nicht ein. „Dazu ist das Stück zu schwer“, meint Schmidt. Es wäre interessant zu wissen, woher das Objekt stammt, meint der 79-Jährige. Allzu lange könne es nicht dort gelegen haben, denn der Acker werde regelmäßig gepflügt. Umso länger dürfte es unterwegs gewesen sein, sinniert er. Meldeadresse für Fundstücke: meteorit@dlr.de

Meteorit oder Schlacke? Ungewöhnliche Entdeckung in Wietersheim

Am Rande dieses Ackers fand Hans-Jürgen Schmidt das Objekt. MT-Foto: Claudia Hyna © hy

Petershagen-Wietersheim. Fast täglich macht Hans-Jürgen Schmidt einen Spaziergang durch Wietersheim. Dabei fiel ihm kürzlich ein Stein am Rande eines Feldes am Sportplatz auf. „Der sieht ja komisch aus“, dachte er und nahm ihn zur genauen Untersuchung mit nach Hause. Nach eingehender Prüfung ist er sicher: Sein Fundstück ist ein Meteorit.

Nun fallen jedes Jahr Milliarden von Meteoriten auf die Erde. Das geschieht oft unbemerkt, denn meist landen sie in Gewässern oder unbewohntem Gebiet. Warum aber ist der Wietersheimer von der himmlischen Herkunft des Gegenstandes so überzeugt? Der 79-Jährige hat den Stein behutsam gesäubert und dachte spontan: „Der ist nicht von dieser Erde.“

Der Rentner schaut sich regelmäßig Wissenschaftssendungen an und interessiert sich für Boten aus dem All. Das Stück ist nicht magnetisch, wie ein Test von ihm ergeben hat. Das wiederum ist laut Checkliste des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein Merkmal, das gegen einen Meteoriten spricht. Laut Pressesprecherin Anja Gersberg werde das Institut geradezu befeuert mit Nachfragen von Bürgern. Daher sind die Experten mittlerweile auch nicht direkt telefonisch zu erreichen, sondern melden sich nur auf Mailkontakt.

Um einzugrenzen, ob es sich bei dem Fund um einen echten Meteoriten handelt, sind auf der Homepage einige Kriterien gelistet: Ist das Stück für seine Größe besonders schwer? Diese Frage kann Hans-Jürgen Schmidt mit „Ja“ beantworten. Sein Stein bringt bei einer Größe von 26 mal 18 Zentimeter gut vier Kilogramm auf die Waage. Auch metallischer Glanz oder Einschlüsse – weitere Hinweise auf einen Himmelsstein – sind zu erkennen, ebenso die typisch matte Oberfläche. Ähnlich sieht es bei der schwarzen oder braunen Kruste des Objekts aus. „Sehen Sie“, zeigt Schmidt auf verbrannt aussehende, braun-schwarze Stellen, „das ist die Seite, mit der er in die Erdatmosphäre eingetreten ist.“ Der Stein weist damit einige Merkmale auf, die typisch für Himmelssteine sind – der fehlende Magnetismus spricht dagegen. In seltenen Fällen könnte es sein, dass einige Antworten der Checkliste mit „Nein“ beantwortet würden und das Fundstück dennoch ein außergewöhnlicher Meteorit sei.

Für Hans-Jürgen Schmidt steht fest, dass es sich um einen Meteoriten handelt. Er habe Ortsbürgermeister Friedrich Lange und Ortsheimatpfleger Manfred Wessling informiert. Beide teilen seine Meinung. Eine Verwechslungsgefahr bestehe mit metallhaltigen Schlacken, Sedimentknollen, verrosteten Überresten metallischer Werkzeuge oder Gestein aus Hämatit bzw. Magnetit, heißt es von der DLR. Meteoriten sind wirklich selten, so das Institut für Planetenforschung weiter. Ihre Bitte: „Seien Sie nicht allzu enttäuscht, falls sich Ihr Stück als nicht-meteoritisch herausstellen sollte.“

Nachdem das Mindener Tageblatt dem Institut einige Fotos geschickt hat, kam nun die enttäuschende Antwort: Bei dem Objekt handelt es sich leider um keinen Meteoriten, teilt der Physiker Dr. Joachim Flohrer mit. Der Grund: Diese haben zum Beispiel keine Blasen und Durchschmelzungen. Seine Vermutung: „Sehr wahrscheinlich fand er ein Stück stark verwitterte Schlacke aus etwa einem Verhüttungsprozess. Vermutlich handelt es sich dabei um Buntmetall – wegen der fehlenden magnetischen Reaktion.“ Das Institut erhalte aufgrund der langen Besiedlungsgeschichte des Landes sehr oft Meteoritenanfragen, so Flohrer weiter. Leider seien das oft nur Schlackenfunde.

Ein erster wichtiger Schritt bestehe darin, Kontakt zu den Experten aufzunehmen, um die Herkunft zu klären. Von dort könne eine fachwissenschaftliche Analyse vermittelt werden. Der Finder Hans-Jürgen Schmidt ist noch nicht sicher, ob er das tun wird, denn dazu müsste er den Stein verschicken. „Wer ihn begutachten möchte, kann es gerne tun“, sagt er. „Dazu müssen sie aber hierher kommen.“ Der Wietersheimer möchte den Fund gerne behalten. Objekte himmlischer Herkunft dürfen die Betroffenen behalten. Nach einem Urteil des Landgerichts Augsburg von 2007 gibt es „kein irdisches Recht auf himmlische Güter“. Ein solcher Himmelsstein sei als „herrenloser Gegenstand“ anzusehen und somit Eigentum des Finders, heißt es in dem Urteil.

Der Finder aus Wietersheim denkt, dass es sich bei seinem jüngsten Fund um ein Einzelstück handelt. „Da ist nichts abgebrochen, das sieht komplett aus.“ Die Schlackentheorie leuchtet ihm nicht ein. „Dazu ist das Stück zu schwer“, meint Schmidt. Es wäre interessant zu wissen, woher das Objekt stammt, meint der 79-Jährige. Allzu lange könne es nicht dort gelegen haben, denn der Acker werde regelmäßig gepflügt. Umso länger dürfte es unterwegs gewesen sein, sinniert er.

Meldeadresse für Fundstücke: meteorit@dlr.de

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