"Meine große Liebe": Edula und Wilfried Stickdorn feiern heute Diamantene Hochzeit Anja Peper Minden. Das war 1961: Mit dem Bau der Mauer wurde Berlin eine geteilte Stadt. Die USA hatten mit John F. Kennedy einen neuen Präsidenten. Interpreten wie Nana Mouskouri, Freddy Quinn und natürlich Elvis rockten die Charts. Am 8. Dezember feierten Edula und Wilfried Stickdorn ihre Hochzeit im Dorfgemeinschaftshaus Dützen. Die Braut tanzte damals tapfer mit nackten Füßen auf den kalten Fliesen. Ein paar Gäste hatten ihr die Schuhe geklaut – ein klassischer Hochzeitsbrauch zu der Zeit. Der Bräutigam bekam zum Ausgleich eine ulkige Haube auf den Kopf, die ein bisschen an einen Schlumpf erinnert. Das Blättern im Familienalbum der Stickdorns ist höchst unterhaltsam. Seit 60 Jahren ist das Paar verheiratet und feiert heute die Diamantene Hochzeit im Familien- und Freundeskreis. Erstmals über den Weg gelaufen sind sich die Beiden im Januar 1959 bei der Firma Mühlbach in Minden. Sie war in der Buchbinderei, er war Schriftsetzer. Schon bald fragten sich ein paar aufmerksame Kolleginnen, ob sich da womöglich etwas anbahnen könnte und sie sollten Recht behalten. Eines Tages fasste er sich ein Herz und fragte sie: „Möchtest du mit mir ins Kino gehen?“ Das taten sie. Die Romanverfilmung „Bonjour Tristesse“ und lief in der Scala. Schnell wurde mehr daraus: „An meinem 20. Geburtstag waren wir verlobt“, erzählt Edula Stickdorn (geb. Werner). Mit der Geburt des ersten Kindes (1962) hörte sie auf zu arbeiten. Für sie war es immer wichtig, die Erziehung selbst in die Hand zu nehmen. Das Paar bekam zügig hintereinander drei Kinder, einen Sohn und zwei Töchter. Die Stickdorns – sie ist 81, er 83 Jahre alt – haben fünf Enkel und eine Urenkelin. Das Diamant-Ehepaar wohnt bis heute in Dützen. Beide stammen gebürtig aus Minden. Sie besuchte die Königsschule, anschließend die Berufsschule und fing dann in der Buchbinderei/Druckerei Mühlbach in Minden an. Es war ein kleiner Familienbetrieb mit nur etwa 30 Mitarbeitern, in dem sie später ihren Wilfried kennenlernte. Er ist „Ur-Dützer“, besuchte die Volksschule Bölhorst und anschließend das Besselgymnasium. Am 1. April 1955 begann er in Vlotho eine Lehre als Schriftsetzer. Nach der Zeit bei Mühlbach wechselte er in die Schriftsetzerei beim Verlag J.C.C. Bruns/Mindener Tageblatt. Zu seinen Aufgaben gehörte es, das Layout der MT-Zeitungsseiten zu gestalten. Bei Bruns blieb er mehr als 40 Jahre lang, bis zum Eintritt in die Rente. Dem Verlag gehörte damals der Männergesangsverein (MGV) Gutenberg an, auch Wilfried Stickdorn sang mit.Bis heute sind sie ein Herz und eine Seele Überhaupt war er in vielen Bereichen aktiv, vor allem im Sport: Er hat Fußball gespielt, Jugendmannschaften trainiert, war fit in Leichtathletik und hat an diversen Ruder-Regatten teilgenommen. Schwimmen, kegeln, radfahren: Das lief alles so nebenbei. Außerdem engagierte er sich im Vorstand des Wasserbeschaffungsverbandes im Amt Dützen. Darüber hinaus hat er mit seiner Frau viele Wandertouren unternommen, unter anderem in Südtirol. Bis heute sind sie ein Herz und eine Seele. Wie schafft man das? Wichtig sei es, alle großen Entscheidungen gemeinsam zu treffen und nicht schlafen zu gehen, solange noch Ärger in der Luft liegt, da sind sich Beide einig. Wenn man Wilfried Stickdorn fragt, wie er seine Frau in nur drei Worten charakterisieren würde, sagt er schlicht: „Meine große Liebe.“

"Meine große Liebe": Edula und Wilfried Stickdorn feiern heute Diamantene Hochzeit

„Last Christmas“: Das Lieblingsfoto von Edula und Wilfried Stickdorn wurde letztes Jahr zu Weihnachten aufgenommen. Heute feiert das Paar seine Diamantene Hochzeit. Foto: privat

Minden. Das war 1961: Mit dem Bau der Mauer wurde Berlin eine geteilte Stadt. Die USA hatten mit John F. Kennedy einen neuen Präsidenten. Interpreten wie Nana Mouskouri, Freddy Quinn und natürlich Elvis rockten die Charts. Am 8. Dezember feierten Edula und Wilfried Stickdorn ihre Hochzeit im Dorfgemeinschaftshaus Dützen. Die Braut tanzte damals tapfer mit nackten Füßen auf den kalten Fliesen. Ein paar Gäste hatten ihr die Schuhe geklaut – ein klassischer Hochzeitsbrauch zu der Zeit. Der Bräutigam bekam zum Ausgleich eine ulkige Haube auf den Kopf, die ein bisschen an einen Schlumpf erinnert. Das Blättern im Familienalbum der Stickdorns ist höchst unterhaltsam. Seit 60 Jahren ist das Paar verheiratet und feiert heute die Diamantene Hochzeit im Familien- und Freundeskreis.

Erstmals über den Weg gelaufen sind sich die Beiden im Januar 1959 bei der Firma Mühlbach in Minden. Sie war in der Buchbinderei, er war Schriftsetzer. Schon bald fragten sich ein paar aufmerksame Kolleginnen, ob sich da womöglich etwas anbahnen könnte und sie sollten Recht behalten. Eines Tages fasste er sich ein Herz und fragte sie: „Möchtest du mit mir ins Kino gehen?“ Das taten sie. Die Romanverfilmung „Bonjour Tristesse“ und lief in der Scala. Schnell wurde mehr daraus: „An meinem 20. Geburtstag waren wir verlobt“, erzählt Edula Stickdorn (geb. Werner). Mit der Geburt des ersten Kindes (1962) hörte sie auf zu arbeiten. Für sie war es immer wichtig, die Erziehung selbst in die Hand zu nehmen. Das Paar bekam zügig hintereinander drei Kinder, einen Sohn und zwei Töchter. Die Stickdorns – sie ist 81, er 83 Jahre alt – haben fünf Enkel und eine Urenkelin. Das Diamant-Ehepaar wohnt bis heute in Dützen.

Seit mehr als 60 Jahren lebt das Ehepaar in Dützen. Hier stehen sie vor ihrem Haus im Windsorweg. MT-Foto: - © Anja Peper
Seit mehr als 60 Jahren lebt das Ehepaar in Dützen. Hier stehen sie vor ihrem Haus im Windsorweg. MT-Foto: - © Anja Peper
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Patrick Schwemmling

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Beide stammen gebürtig aus Minden. Sie besuchte die Königsschule, anschließend die Berufsschule und fing dann in der Buchbinderei/Druckerei Mühlbach in Minden an. Es war ein kleiner Familienbetrieb mit nur etwa 30 Mitarbeitern, in dem sie später ihren Wilfried kennenlernte. Er ist „Ur-Dützer“, besuchte die Volksschule Bölhorst und anschließend das Besselgymnasium. Am 1. April 1955 begann er in Vlotho eine Lehre als Schriftsetzer. Nach der Zeit bei Mühlbach wechselte er in die Schriftsetzerei beim Verlag J.C.C. Bruns/Mindener Tageblatt. Zu seinen Aufgaben gehörte es, das Layout der MT-Zeitungsseiten zu gestalten. Bei Bruns blieb er mehr als 40 Jahre lang, bis zum Eintritt in die Rente. Dem Verlag gehörte damals der Männergesangsverein (MGV) Gutenberg an, auch Wilfried Stickdorn sang mit.

Bis heute sind sie ein Herz und eine Seele

Überhaupt war er in vielen Bereichen aktiv, vor allem im Sport: Er hat Fußball gespielt, Jugendmannschaften trainiert, war fit in Leichtathletik und hat an diversen Ruder-Regatten teilgenommen. Schwimmen, kegeln, radfahren: Das lief alles so nebenbei. Außerdem engagierte er sich im Vorstand des Wasserbeschaffungsverbandes im Amt Dützen. Darüber hinaus hat er mit seiner Frau viele Wandertouren unternommen, unter anderem in Südtirol.

Bis heute sind sie ein Herz und eine Seele. Wie schafft man das? Wichtig sei es, alle großen Entscheidungen gemeinsam zu treffen und nicht schlafen zu gehen, solange noch Ärger in der Luft liegt, da sind sich Beide einig. Wenn man Wilfried Stickdorn fragt, wie er seine Frau in nur drei Worten charakterisieren würde, sagt er schlicht: „Meine große Liebe.“

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