Mehr als 60.000 Abonnenten: Junger Portaner arbeitet Geschichte in sozialen Netzwerken auf Lea Oetjen Porta Westfalica. Italienische Kriegsgefangene kurz nach der Schlacht von Caporetto in 1917. Amerikanische Soldaten, die mitten im Zweiten Weltkrieg auf einem völlig zerstörten Sturmpanzer sitzen. Und ein Marschflugkörper nur wenige Sekunden vor dem Einschlag in ein Gebäude in London im Jahr 1944. Eigentlich erzählen allein die schwarz-weiß Bilder, die Ben Bonnekessel in den sozialen Medien veröffentlicht, schon Geschichten. Gepaart mit historischem Hintergrundwissen, ergibt sich daraus aber erst das Erfolgskonzept des 20-Jährigen. Mehr als 60.000 Menschen verfolgen den jungen Mann aus Porta Westfalica auf Instagram, wo er unter dem Namen „Conflict History" (zu Deutsch: Konfliktgeschichte) nahezu täglich Fotos und Videos postet. Hinzu kommen Abonnenten auf den Plattformen Youtube und Tiktok. „Ich war und bin sehr überrascht, dass mein Account so schnell so groß geworden ist", sagt Ben Bonnekessel. Er habe sich im Vorfeld gar keine Gedanken gemacht, für wen er seine Beiträge veröffentlichen will. „Ich hatte nur gehofft, vielleicht mal so zwei- bis dreitausend Menschen zu erreichen." Es wirkt, als könne er noch immer nicht begreifen, dass er inzwischen das 30-fache der einst angepeilten Zuschauergröße anspricht. Und das sogar überall auf der Welt. „Am Anfang habe ich meine Beiträge nur auf Deutsch gemacht. Aber meine Freunde haben mich ermutigt, das auch mal auf Englisch zu versuchen – und naja, so fing’s dann an", sagt er und lächelt. Den Entschluss, ein solches Profil zu erstellen, fasste er übrigens ganz spontan. „Ich hatte durch Zufall auf Instagram einen Post gesehen, wo ein finnisches Kriegstagebuch übersetzt wurde und da dachte ich mir, das kann ich auch", erzählt Bonnekessel von seinen Anfängen. Schon immer war er interessiert an der Geschichte der Welt, studiert inzwischen in Paderborn auch Englisch und Geschichte auf Lehramt. Mit „Conflict History" fing der Portaner dann schon während des Abiturs an. Der erste Beitrag ging am 21. Januar 2018 online. „Da war ich aber noch naiver. Ich brauchte erst mal ein bisschen Zeit, um meinen eigenen Stil zu finden", gesteht der 20-Jährige und nennt prompt ein Beispiel: „Ich habe mal ein Bild von Adolf Hitler und Fallschirmjägern gepostet." Hintergrund war die deutsche Befreiungsaktion für den gestürzten italienischen Diktator Benito Mussolini am 12. September 1943 während des Zweiten Weltkrieges. „Damit habe ich unbewusst Leute angezogen, die ich eigentlich gar nicht auf meinem Profil haben wollte, die das natürlich sofort ideologisch sehen. Für mich war der Post in diesem Moment rein historisch gedacht", erzählt Bonnekessel. Dieser Fall hat ihn nachhaltig sensibilisiert. Schließlich wolle er nicht in eine falsche Ecke gedrängt werden. „Aber ja, ich wurde schon öfter von Leuten gefragt, ob mein Profil politisch motiviert ist", verrät der 20-Jährige. Er könne auch verstehen, dass manche so denken. Das sei aber nicht der Fall. „Man muss sich halt klarmachen, dass das keine Instagram-Seite nur für deutsche Abonnenten ist. Ich bin da im Austausch mit Menschen aus der ganzen Welt, das Ganze lebt auch irgendwo von unterschiedlichen Perspektiven", betont er. Der Großteil seiner knapp 61.000 Abonnenten kommt aus Amerika, viele weitere aus Indien oder Indonesien. „Einer, mit dem ich oft in Kontakt bin, lebt zum Beispiel in Wolgograd in Russland und ist überzeugter Kommunist", so Bonnekessel. Der Austausch bedeutet ihm viel und ist einer der Gründe, warum er neben Arbeit, Studium und seinem sozialen Leben diesen großen Aufwand hinter dem Profil betreibt. „Ich fand es immer schade, wie wenig vor allem junge Leute eigentlich von Geschichte wissen. Ich will aufklären und zeigen, wie vielfältig auch die Historie sein kann", erzählt der Portaner. Er gesteht, dass es bei manchen Geschichten und Beiträgen nicht immer leicht ist, die Neutralität zu wahren. „Aber auch, wenn es manchmal schwer ist: Es gibt immer zwei Perspektiven – das ist wichtig und sollte nie vergessen werden", so der junge Mann. Meistens nutzt er die wenigen freien Minuten am Abend, um Beiträge vorzubereiten. Die Fotos und Videos bezieht er aus gängigen Internetforen, sein Wissen und die Informationen aus zahlreichen Büchern, Fachzeitschriften und dem Internet. Für Ben Bonnekessel ist es nichts weiter als ein Hobby, das er mit anderen teilen darf – auch wenn er seine Worte natürlich bedachter wählen muss, als zum Beispiel andere beim Freizeitkick auf dem Fußballplatz. „Ja, bei manchen Themen muss man wirklich vorsichtig sein. Im Internet treiben sich halt sehr viele Nazis rum ... Ich versuche daher, kritische Themen zu vermeiden, um diese Menschen und ihre Kommentare nicht auf mein Profil zu locken", erzählt er. Ob das der richtige Weg ist, damit umzugehen? „Keine Ahnung. Natürlich muss man auch über diese Themen aufklären, aber ich bin überzeugt davon, dass Instagram dafür nicht die richtige Plattform ist", sagt er mit Nachdruck. Wenn er sich entscheiden müsste, würde er daher in Zukunft auch am ehesten auf Instagram verzichten und nur noch auf Youtube posten. Grund ist die Redezeit, die in Videos zur Verfügung steht. Während Instagram eher auf kurze Videos ausgelegt ist, sind auf Youtube kaum Grenzen gesetzt. „Bei Instagram muss man auch komplizierte Inhalte mit wenigen Worten ausdrücken. Das lässt natürlich oft Raum für Interpretation und kann falsch ausgelegt werden. Da fehlt einfach der Platz für lange Erklärungen", begründet der Portaner. Zumal bei Youtube auch die Zielgruppe eine andere sei. Das seien eher Menschen, die sich bewusst für ein historisches Video entscheiden und „nicht mal eben schnell auf dem Weg zur Arbeit oder so irgendwelche Informationen konsumieren wollen", erläutert Bonnekessel. Seinen Fokus hat der 20-Jährige mittlerweile ohnehin verschoben. Nicht mehr nur die Reichweiten seines Profils sei ihm wichtig. So veröffentlicht er inzwischen nicht mehr jeden Tag zur selben Uhrzeit einen Beitrag. „Wenn ich mal eine Pause nicht angekündigt hatte, kamen schon Nachrichten von Abonnenten rein, die sich erkundigt haben, wo ich denn bin", verrät Bonnekessel und lacht. Inzwischen sei das aber – auch aufgrund des Studiums – anders. „Jetzt poste ich halt nicht mehr jeden Tag und das ist auch gut so", findet er. Übrigens: Wenn sich Bonnekessel eine historische Persönlichkeit seiner Wahl aussuchen dürfte, würde er gerne den einstigen französischen General Napoleon Bonaparte treffen. Die Entscheidung fällt ihm nicht schwer. Warum? „Weil er einfach ein revolutionärer Denker war – auch aufgrund seines Plans von einem vereinten Europa", begründet der 20-Jährige. Doch egal wie faszinierend er die Vergangenheit und die damit einhergehende Geschichte findet: „Ich bin sehr froh, erst jetzt zu leben. Wenn man daran denkt, weiß man natürlich dann auch erst zu schätzen, dass man jetzt in Deutschland in einer so friedlichen Zeit leben darf."

Mehr als 60.000 Abonnenten: Junger Portaner arbeitet Geschichte in sozialen Netzwerken auf

Das Instagram-Profil von Ben Bonnekessel wird regelmäßig mit neuen Beiträgen aktualisiert. © pr

Porta Westfalica. Italienische Kriegsgefangene kurz nach der Schlacht von Caporetto in 1917. Amerikanische Soldaten, die mitten im Zweiten Weltkrieg auf einem völlig zerstörten Sturmpanzer sitzen. Und ein Marschflugkörper nur wenige Sekunden vor dem Einschlag in ein Gebäude in London im Jahr 1944.

Eigentlich erzählen allein die schwarz-weiß Bilder, die Ben Bonnekessel in den sozialen Medien veröffentlicht, schon Geschichten. Gepaart mit historischem Hintergrundwissen, ergibt sich daraus aber erst das Erfolgskonzept des 20-Jährigen. Mehr als 60.000 Menschen verfolgen den jungen Mann aus Porta Westfalica auf Instagram, wo er unter dem Namen „Conflict History" (zu Deutsch: Konfliktgeschichte) nahezu täglich Fotos und Videos postet. Hinzu kommen Abonnenten auf den Plattformen Youtube und Tiktok.

Das Gesicht hinter „Conflict History“: Der 20-jährige Ben Bonnekessel aus Porta Westfalica hat den Instagram-Kanal vor knapp drei Jahren erstellt. MT-Foto: Alex Lehn - © Alex Lehn
Das Gesicht hinter „Conflict History“: Der 20-jährige Ben Bonnekessel aus Porta Westfalica hat den Instagram-Kanal vor knapp drei Jahren erstellt. MT-Foto: Alex Lehn - © Alex Lehn

„Ich war und bin sehr überrascht, dass mein Account so schnell so groß geworden ist", sagt Ben Bonnekessel. Er habe sich im Vorfeld gar keine Gedanken gemacht, für wen er seine Beiträge veröffentlichen will. „Ich hatte nur gehofft, vielleicht mal so zwei- bis dreitausend Menschen zu erreichen."

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Patrick Schwemmling

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Es wirkt, als könne er noch immer nicht begreifen, dass er inzwischen das 30-fache der einst angepeilten Zuschauergröße anspricht. Und das sogar überall auf der Welt. „Am Anfang habe ich meine Beiträge nur auf Deutsch gemacht. Aber meine Freunde haben mich ermutigt, das auch mal auf Englisch zu versuchen – und naja, so fing’s dann an", sagt er und lächelt.

Den Entschluss, ein solches Profil zu erstellen, fasste er übrigens ganz spontan. „Ich hatte durch Zufall auf Instagram einen Post gesehen, wo ein finnisches Kriegstagebuch übersetzt wurde und da dachte ich mir, das kann ich auch", erzählt Bonnekessel von seinen Anfängen. Schon immer war er interessiert an der Geschichte der Welt, studiert inzwischen in Paderborn auch Englisch und Geschichte auf Lehramt.

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Mit „Conflict History" fing der Portaner dann schon während des Abiturs an. Der erste Beitrag ging am 21. Januar 2018 online. „Da war ich aber noch naiver. Ich brauchte erst mal ein bisschen Zeit, um meinen eigenen Stil zu finden", gesteht der 20-Jährige und nennt prompt ein Beispiel: „Ich habe mal ein Bild von Adolf Hitler und Fallschirmjägern gepostet." Hintergrund war die deutsche Befreiungsaktion für den gestürzten italienischen Diktator Benito Mussolini am 12. September 1943 während des Zweiten Weltkrieges. „Damit habe ich unbewusst Leute angezogen, die ich eigentlich gar nicht auf meinem Profil haben wollte, die das natürlich sofort ideologisch sehen. Für mich war der Post in diesem Moment rein historisch gedacht", erzählt Bonnekessel.

Dieser Fall hat ihn nachhaltig sensibilisiert. Schließlich wolle er nicht in eine falsche Ecke gedrängt werden. „Aber ja, ich wurde schon öfter von Leuten gefragt, ob mein Profil politisch motiviert ist", verrät der 20-Jährige. Er könne auch verstehen, dass manche so denken. Das sei aber nicht der Fall.

„Man muss sich halt klarmachen, dass das keine Instagram-Seite nur für deutsche Abonnenten ist. Ich bin da im Austausch mit Menschen aus der ganzen Welt, das Ganze lebt auch irgendwo von unterschiedlichen Perspektiven", betont er. Der Großteil seiner knapp 61.000 Abonnenten kommt aus Amerika, viele weitere aus Indien oder Indonesien. „Einer, mit dem ich oft in Kontakt bin, lebt zum Beispiel in Wolgograd in Russland und ist überzeugter Kommunist", so Bonnekessel.

Der Austausch bedeutet ihm viel und ist einer der Gründe, warum er neben Arbeit, Studium und seinem sozialen Leben diesen großen Aufwand hinter dem Profil betreibt. „Ich fand es immer schade, wie wenig vor allem junge Leute eigentlich von Geschichte wissen. Ich will aufklären und zeigen, wie vielfältig auch die Historie sein kann", erzählt der Portaner. Er gesteht, dass es bei manchen Geschichten und Beiträgen nicht immer leicht ist, die Neutralität zu wahren. „Aber auch, wenn es manchmal schwer ist: Es gibt immer zwei Perspektiven – das ist wichtig und sollte nie vergessen werden", so der junge Mann.

Meistens nutzt er die wenigen freien Minuten am Abend, um Beiträge vorzubereiten. Die Fotos und Videos bezieht er aus gängigen Internetforen, sein Wissen und die Informationen aus zahlreichen Büchern, Fachzeitschriften und dem Internet.

Für Ben Bonnekessel ist es nichts weiter als ein Hobby, das er mit anderen teilen darf – auch wenn er seine Worte natürlich bedachter wählen muss, als zum Beispiel andere beim Freizeitkick auf dem Fußballplatz. „Ja, bei manchen Themen muss man wirklich vorsichtig sein. Im Internet treiben sich halt sehr viele Nazis rum ... Ich versuche daher, kritische Themen zu vermeiden, um diese Menschen und ihre Kommentare nicht auf mein Profil zu locken", erzählt er. Ob das der richtige Weg ist, damit umzugehen? „Keine Ahnung. Natürlich muss man auch über diese Themen aufklären, aber ich bin überzeugt davon, dass Instagram dafür nicht die richtige Plattform ist", sagt er mit Nachdruck.

Wenn er sich entscheiden müsste, würde er daher in Zukunft auch am ehesten auf Instagram verzichten und nur noch auf Youtube posten. Grund ist die Redezeit, die in Videos zur Verfügung steht. Während Instagram eher auf kurze Videos ausgelegt ist, sind auf Youtube kaum Grenzen gesetzt. „Bei Instagram muss man auch komplizierte Inhalte mit wenigen Worten ausdrücken. Das lässt natürlich oft Raum für Interpretation und kann falsch ausgelegt werden. Da fehlt einfach der Platz für lange Erklärungen", begründet der Portaner.

Zumal bei Youtube auch die Zielgruppe eine andere sei. Das seien eher Menschen, die sich bewusst für ein historisches Video entscheiden und „nicht mal eben schnell auf dem Weg zur Arbeit oder so irgendwelche Informationen konsumieren wollen", erläutert Bonnekessel.

Seinen Fokus hat der 20-Jährige mittlerweile ohnehin verschoben. Nicht mehr nur die Reichweiten seines Profils sei ihm wichtig. So veröffentlicht er inzwischen nicht mehr jeden Tag zur selben Uhrzeit einen Beitrag. „Wenn ich mal eine Pause nicht angekündigt hatte, kamen schon Nachrichten von Abonnenten rein, die sich erkundigt haben, wo ich denn bin", verrät Bonnekessel und lacht. Inzwischen sei das aber – auch aufgrund des Studiums – anders. „Jetzt poste ich halt nicht mehr jeden Tag und das ist auch gut so", findet er.

Übrigens: Wenn sich Bonnekessel eine historische Persönlichkeit seiner Wahl aussuchen dürfte, würde er gerne den einstigen französischen General Napoleon Bonaparte treffen. Die Entscheidung fällt ihm nicht schwer. Warum? „Weil er einfach ein revolutionärer Denker war – auch aufgrund seines Plans von einem vereinten Europa", begründet der 20-Jährige. Doch egal wie faszinierend er die Vergangenheit und die damit einhergehende Geschichte findet: „Ich bin sehr froh, erst jetzt zu leben. Wenn man daran denkt, weiß man natürlich dann auch erst zu schätzen, dass man jetzt in Deutschland in einer so friedlichen Zeit leben darf."

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