Kaum wiederzuerkennen: So geht es auf der Rathaus-Baustelle voran Monika Jäger, Text,Alex Lehn, Fotos Minden. Wenn Mindens Kämmerer Norbert Kresse durch die Riesenbaustelle geht, die das Rathaus gerade ist, denkt er auch an die Vergangenheit. Fragt sich beispielsweise: Warum wurden orangefarbene Teppiche und blaue Akzentfarben und grauer Beton für das funktionale Bürohaus „Stadtverwaltung“ gewählt? Zufall? Oder waren es doch eher das „Preußischblau“ und seine Komplementärfarbe Orange? Manchmal erinnert er sich auch an seinen früheren Chef, Fritz Tüting, dessen Schreibtischstuhl noch lange Jahre wie gerade erst verlassen in einem längst unbenutzten Teil des verwinkelten Baus stand. Oder er denkt an seine erste Zeit hier: 1988 war das, als er bei der Stadtverwaltung begann – die erste Ausbildungsstation war im Deilmannbau, der damals neu und modern ausgestattet war. Dann kam er ins Sozialamt. Das war im Gebäudeteil am Großen Domhof untergebracht. „Ein Zeitsprung zurück in die 60er Jahre“, sagt Kresse: überall gab es uralte, schwere Schreibtische und Aktenschränke. Wohl auch deshalb arbeitet Kresse, der heutzutage auch für die Gebäudewirtschaft verantwortlich ist, intensiv auf die Fertigstellung der neuen Stadtverwaltung hin. „Für alle Mitarbeiter wird es hier nun erstmals die gleiche Arbeitsplatzqualität gegeben – dieser Gedanke ist für mich zum Treiber geworden.“ Wenn Ende 2022, Anfang 2023 der gesamte Komplex zwischen Scharn und Großem Domhof umgebaut und saniert ist und alle Mitarbeiter hier in ihre neuen Büros gezogen sind, kommen dann auch die externen Büros in der benachbarten ehemaligen Stadtsparkasse an der Reihe. Und auch in der ehemaligen Deutschen Bank sind Büros der Stadtverwaltung, die ebenfalls dem neuen Standard entsprechen sollen. Zu dritt, zu zweit und allein: wie die Beschäftigten künftig sitzen, hat jede Dienststelle für sich festgelegt. Manche, die viel Publikumsverkehr haben – etwa das Jugendamt –, werden auch spezielle Besprechungsbüros nutzen. Große Aktenschränke sind ein Ding der Vergangenheit. Mit zunehmender Digitalisierung können die alten Ordner und Unterlagen im Rathausarchiv in der ehemaligen Deutschen Bank bleiben. In den Abteilungen wird es jeweils Team-Ablagen geben, für alles, was aktuell ist. 41,9 Millionen Euro soll der Umbau insgesamt kosten – „Nach Stand von heute halten wir das“, sagt Kresse. Beim Gang durch die Baustelle merkt er auch irgendwann an: „Wenn man das alles hier sieht, versteht man, warum das Millionen kostet.“ Da sind zum Beispiel die rund 1000 Fenster, deren Rahmen aufgearbeitet wurden und die neue Sonnenschutzscheiben erhielten. Oder die Decke im Kleinen Rathaussaal, die aus Brandschutzgründen mit einem Spezialanstrich versehen werden musste, und deren Originalzustand demnächst von Restaurateuren wieder hergestellt wird. Und dann sind da noch die Überraschungen im Altbau, die trotz der rund 180 Bauteilöffnungen auf die Planer und Architekten zukamen. Die Arbeiten macht die Stadtverwaltung Minden zum Teil in Eigenregie – hier kümmert sich Projektleiter Michael Graf um alles. Fassaden, Dächer, Fenster, Dämmung, die Abdichtung der Tiefgaragendecke gehören zu seinen Aufgaben. Arbeiten im Inneren übernimmt ein externer Architekt. Am Ende werden die Besucher die Stadtverwaltung nur in Teilen wiedererkennen. Zum Beispiel verschwindet der Durchgang vom Kleinen Domhof zum Rathaus-Innenhof komplett. Hier entsteht ein neuer Konferenzbereich mit vier großen Sitzungsräumen. Zum Kleinen Domhof hin wird dieser Gebäudeteil auch transparent und einsehbar sein. Ebenso das ehemalige Schulbüro: Hier wurde alles entkernt, und es werden acht Zimmer für die Ratsfraktionen entstehen. Die Besucher können diese – wie fast alle Stellen im neuen Rathaus – barrierefrei erreichen. Nur ein Ort konnte nicht barrierefrei erhalten werden: die ehemalige „Tonne“. Hier fanden die Planer keinen Weg, die Stufigkeit des verschachtelten Baus zu überwinden. Nun wird es zwar der größte Sitzungsraum für maximal 60 Personen, aber auch einer, der nur intern genutzt werden kann. Allerdings wird das ein besonderer: Da auch die zweite Bürgerkompanie hier weiter residieren soll, kommt auch wieder eine Theke hinein. Mit Zapfanlage.

Kaum wiederzuerkennen: So geht es auf der Rathaus-Baustelle voran

Da, wo früher der Durchgang zum Innenhof war, entsteht nun der Konferenzbereich mit Transparenz zu Markt und Kleinem Domhof.

Minden. Wenn Mindens Kämmerer Norbert Kresse durch die Riesenbaustelle geht, die das Rathaus gerade ist, denkt er auch an die Vergangenheit. Fragt sich beispielsweise: Warum wurden orangefarbene Teppiche und blaue Akzentfarben und grauer Beton für das funktionale Bürohaus „Stadtverwaltung“ gewählt? Zufall? Oder waren es doch eher das „Preußischblau“ und seine Komplementärfarbe Orange? Manchmal erinnert er sich auch an seinen früheren Chef, Fritz Tüting, dessen Schreibtischstuhl noch lange Jahre wie gerade erst verlassen in einem längst unbenutzten Teil des verwinkelten Baus stand.

Oder er denkt an seine erste Zeit hier: 1988 war das, als er bei der Stadtverwaltung begann – die erste Ausbildungsstation war im Deilmannbau, der damals neu und modern ausgestattet war. Dann kam er ins Sozialamt. Das war im Gebäudeteil am Großen Domhof untergebracht. „Ein Zeitsprung zurück in die 60er Jahre“, sagt Kresse: überall gab es uralte, schwere Schreibtische und Aktenschränke.

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Wohl auch deshalb arbeitet Kresse, der heutzutage auch für die Gebäudewirtschaft verantwortlich ist, intensiv auf die Fertigstellung der neuen Stadtverwaltung hin. „Für alle Mitarbeiter wird es hier nun erstmals die gleiche Arbeitsplatzqualität gegeben – dieser Gedanke ist für mich zum Treiber geworden.“ Wenn Ende 2022, Anfang 2023 der gesamte Komplex zwischen Scharn und Großem Domhof umgebaut und saniert ist und alle Mitarbeiter hier in ihre neuen Büros gezogen sind, kommen dann auch die externen Büros in der benachbarten ehemaligen Stadtsparkasse an der Reihe. Und auch in der ehemaligen Deutschen Bank sind Büros der Stadtverwaltung, die ebenfalls dem neuen Standard entsprechen sollen.

Oberstes Geschoss der Büroetagen im neuen Geschäftshaus am Scharn.
Oberstes Geschoss der Büroetagen im neuen Geschäftshaus am Scharn.

Zu dritt, zu zweit und allein: wie die Beschäftigten künftig sitzen, hat jede Dienststelle für sich festgelegt. Manche, die viel Publikumsverkehr haben – etwa das Jugendamt –, werden auch spezielle Besprechungsbüros nutzen. Große Aktenschränke sind ein Ding der Vergangenheit. Mit zunehmender Digitalisierung können die alten Ordner und Unterlagen im Rathausarchiv in der ehemaligen Deutschen Bank bleiben. In den Abteilungen wird es jeweils Team-Ablagen geben, für alles, was aktuell ist.

Die Decke der Tiefgarage wird in drei Bauabschnitten abgedichtet.
Die Decke der Tiefgarage wird in drei Bauabschnitten abgedichtet.

41,9 Millionen Euro soll der Umbau insgesamt kosten – „Nach Stand von heute halten wir das“, sagt Kresse. Beim Gang durch die Baustelle merkt er auch irgendwann an: „Wenn man das alles hier sieht, versteht man, warum das Millionen kostet.“ Da sind zum Beispiel die rund 1000 Fenster, deren Rahmen aufgearbeitet wurden und die neue Sonnenschutzscheiben erhielten. Oder die Decke im Kleinen Rathaussaal, die aus Brandschutzgründen mit einem Spezialanstrich versehen werden musste, und deren Originalzustand demnächst von Restaurateuren wieder hergestellt wird. Und dann sind da noch die Überraschungen im Altbau, die trotz der rund 180 Bauteilöffnungen auf die Planer und Architekten zukamen. Die Arbeiten macht die Stadtverwaltung Minden zum Teil in Eigenregie – hier kümmert sich Projektleiter Michael Graf um alles. Fassaden, Dächer, Fenster, Dämmung, die Abdichtung der Tiefgaragendecke gehören zu seinen Aufgaben. Arbeiten im Inneren übernimmt ein externer Architekt.

Am Ende werden die Besucher die Stadtverwaltung nur in Teilen wiedererkennen. Zum Beispiel verschwindet der Durchgang vom Kleinen Domhof zum Rathaus-Innenhof komplett. Hier entsteht ein neuer Konferenzbereich mit vier großen Sitzungsräumen. Zum Kleinen Domhof hin wird dieser Gebäudeteil auch transparent und einsehbar sein. Ebenso das ehemalige Schulbüro: Hier wurde alles entkernt, und es werden acht Zimmer für die Ratsfraktionen entstehen. Die Besucher können diese – wie fast alle Stellen im neuen Rathaus – barrierefrei erreichen.

Nur ein Ort konnte nicht barrierefrei erhalten werden: die ehemalige „Tonne“. Hier fanden die Planer keinen Weg, die Stufigkeit des verschachtelten Baus zu überwinden. Nun wird es zwar der größte Sitzungsraum für maximal 60 Personen, aber auch einer, der nur intern genutzt werden kann. Allerdings wird das ein besonderer: Da auch die zweite Bürgerkompanie hier weiter residieren soll, kommt auch wieder eine Theke hinein. Mit Zapfanlage.

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